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Systemische Perspektiven auf Lehrerbildung und insbesondere Religionslehrer

Title: Systemische Perspektiven auf Lehrerbildung und insbesondere Religionslehrer

Bachelor Thesis , 2017 , 74 Pages , Grade: 1.7

Autor:in: Ines Rottammer (Author)

Didactics - Theology, Religion Pedagogy
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Summary Excerpt Details

Die Umdeutung eines Problems in einen lösungsorientierten Kontext und die damit verbundene Sicht auf das ganze System kann sich entlastend auf den ganzen pädagogischen Alltag und alle betroffenen Beteiligten auswirken.

Wird nun der Blick auf den Religionsunterricht gelenkt, gelten diese Überlegungen in einem besonderen Kontext. Mit in der Regel zwei Wochenstunden kann diese Zeit in der Schule für die Schüler zu einer Oase der Kraft und Ruhe, der Entlastung von Leistungsdruck und einem geschützten Raum werden, in dem sie nicht nur als Lernende betrachtet werden, sondern in ihrer ganzheitlichen Subjekt-Werdung unterstützt und ermutigt werden. Die religiöse Prägungsgeschichte und der allgemeine und religiöse Entwicklungsstand der Einzelnen sind in diesem Zusammenhang entscheidend für die unterrichtliche Praxis.

Aber darüber hinaus kann der Religionsunterricht zum konstruktiven Diskurs anregen und Haltungen prägen. Es spielen persönliche Gedanken und Gefühle eine Rolle, aber auch gesellschaftliche Einflussfaktoren wie zum Beispiel Medien, die eine nicht zu verachtende Position im Leben Heranwachsender einnehmen. Eine gewisse Sensibilität des Religionslehrers ist dabei entscheidend. Christliche Werte und Überzeugungen, mögen sie noch so wertvoll sein, lassen sich nicht plump auswendig lernen wie die Mitternachtsformel im Kontext der Mathematik. Vielmehr gilt es, sein Gegenüber genau wahrzunehmen, mit all seinen Rahmenfaktoren, seiner bisherigen religiösen Sozialisation und seinen daraus resultierenden Haltungen, diesen zunächst wertschätzend zu begegnen und eine Lernatmosphäre zu schaffen, in der ein Schüler sich öffnet, um andere Perspektiven einzunehmen. Das kann nur dann gelingen, wenn auch der Lehrer zu einem solchen Blickwechsel bereit ist.

Die systemischen Sichtweisen in die Institution Schule und in das besondere Fach des Religionsunterrichts zu integrieren, erscheint somit eine gewinnbringende Überlegung zu sein. Dabei stellt sich die für diese Arbeit entscheidende Frage: Braucht Lehrerbildung im Allgemeinem und im Besonderen systemische Zugangsweisen, Perspektiven und Handlungskompetenzen, und inwieweit wurden theoretische und praktische Elemente des systemischen Ansatzes bereits in die universitäre Ausbildung für Lehramtsanwärter aufgenommen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Der Systemische Ansatz in Schule und Unterricht

1.1 Grundlagen des Systemischen Denkens

1.1.1 Was ist ein System?

1.1.2 Autopoiesis

1.1.3 Synergetik

1.1.4 Kybernetik erster Ordnung

1.1.5 Triviale und nichttriviale Maschinen (= Systeme)

1.1.6 Die Kybernetik der Kybernetik oder die Kybernetik zweiter Ordnung

1.1.7 Konstruktivismus

1.1.8 Soziale Systeme

1.2 Umsetzung in der Schule

1.2.1 Schule – ein soziales System

1.2.2 Ressourcenorientierung in der Schule

1.2.3 Systemische Lösungsorientierung in der Schule

1.2.4 Beziehungsgestaltung

1.2.5 Refraiming

1.2.6 Kommunikationsstile

1.2.7 Zirkuläre Fragen

1.2.8 Lernen

2. Systemtheorie und Religionspädagogik

2.1 Niklas Luhmanns Religionsbegriff und sein Einfluss auf die Theologie und Religionspädagogik

2.2 Religionspädagogik aus systemischer Perspektive

2.2.1 Definition ‚systemische Religionspädagogik‘

2.2.2 Religionsdidaktik aus systemischer Perspektive

2.2.3 Lernen im RU

2.2.4 Begriffsentwicklung

2.2.5 Praktische Umsetzung

2.3 Chancen und Grenzen einer systemischen Religionspädagogik

2.4 Forschungsperspektiven

3. Lehrerkompetenzen aus einer systemischen Perspektive

3.1 Lehrerkompetenzen im Sinne der Kultusministerkonferenz

3.2 Kompetenzen und Standards für den Evangelischen Religionsunterricht formuliert durch die EKD und die Diagnostische Wahrnehmungskompetenzen im Religionsunterricht

3.3 Systemischer Ansatz als eine Handlungsalternative

4. Umfrage: Systemisches Handeln in der Schule

5. Inhaltliche und methodische Bereicherungen für die Lehrerbildung durch systemische Perspektiven

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser Arbeit ist es, den Mehrwert systemischer Perspektiven für die schulische Praxis und insbesondere für den Religionsunterricht zu beleuchten. Dabei wird untersucht, inwieweit systemische Handlungskompetenzen bereits in der universitären Lehrerausbildung verankert sind und wie sie zur Professionalisierung von Lehrkräften beitragen können.

  • Grundlagen der Systemtheorie und deren Übertragbarkeit auf das soziale System Schule
  • Systemische Religionspädagogik als theoretischer und praktischer Ansatz
  • Lehrerkompetenzen aus systemischer Sicht unter Berücksichtigung der Standards von KMK und EKD
  • Empirische Erhebung zum Status quo der systemischen Ausbildung bei Lehramtsstudierenden
  • Methodische Implikationen für die Gestaltung einer ressourcenorientierten Unterrichtskultur

Auszug aus dem Buch

1.2.3 Systemische Lösungsorientierung in der Schule

Ein grundlegendes Kennzeichen der systemischen Denkweise ist es, beim Auftreten eines Problems oder Phänomens nicht etwa nach dessen Ursache zu forschen. Durch die Gegebenheit, dass soziale Systeme nichttriviale Maschinen sind und von daher unvorhersehbare zirkuläre Erklärungen liefern, kann auch die Ursachenforschung nicht erfolgsversprechend sein. Jedes Verhalten hat, im Sinne Glaserfelders gesprochen, das Ziel der Viabilität. Systemisch-lösungsorientiert verändert sich demnach die Frage des Beobachters von „Warum zeigt dieses Individuum jenes Verhalten beziehungsweise Reaktion?“ hin zu „Wozu zeigt das Individuum…?“, oder „Was bezweckt das Individuum mit jenem Verhalten?“. Ziel ist es, Probleme, die zunächst unlösbar erscheinen, in einen lösbaren Kontext umzudeuten.

Problematisches Verhalten kann im Sinne Piagets ein akkommodiertes Handlungsmuster sein, das aufgrund früherer Situationen erlernt und erfolgreich angewendet werden konnte. „Oft bereits früh-biografisch erlernte Lösungsstrategien sind beispielsweise provisorische Provokationen, chronisches Misstrauen, grandiose Selbstdarstellung, starke Abgrenzung, gespielte Begeisterung oder die Aufgabe der eigenen Impulse. […] Auch Pädagogen besitzen ihre je-eigenen Kindheitsprägungen und mussten Formen des Selbstschutzes entwickeln.“ Öffnet sich ein Pädagoge hin zu einer systemischen Haltung gegenüber Problemen, kann das eine immense deeskalierende Wirkung nach sich ziehen. Denn mit einer Umdeutung in einen anderen Kontext und der Betrachtung der reziproken Verhältnisse der teilhabenden Systeme verliert sich auch die negative Konnotation des gezeigten Problemverhaltens.

Im schulischen Kontext empfiehlt es sich außerdem, zwischen Problemen und Schwierigkeiten zu differenzieren. „Wenn ein Schüler in Englisch oder Mathematik versagt, hat er eine ‚Schwierigkeit‘, ihm fehlen Kenntnisse wie Vokabeln oder grammatisches Wissen. […] Wer ein Problem hat, kennt sein Ziel, dieses kann er allerdings nicht erreichen. Er weiß zwar die Lösung, es gibt aber soziale oder interne Hindernisse, die zwischen Vorhaben und Erreichen liegen.“

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Fragestellung durch persönliche Praxiserfahrungen und unterstreicht die Relevanz einer systemischen Perspektive im Schulalltag.

1. Der Systemische Ansatz in Schule und Unterricht: Dieses Kapitel vermittelt die theoretischen Grundlagen der Systemtheorie und diskutiert deren Anwendungsmöglichkeiten im schulischen Kontext.

2. Systemtheorie und Religionspädagogik: Hier werden die Einflüsse systemischer Perspektiven auf die Religionspädagogik untersucht, wobei insbesondere Luhmanns Religionsbegriff und die Subjektorientierung im Fokus stehen.

3. Lehrerkompetenzen aus einer systemischen Perspektive: Das Kapitel analysiert bestehende Kompetenzstandards von KMK und EKD hinsichtlich der Integration systemischer Diagnose- und Handlungskompetenzen.

4. Umfrage: Systemisches Handeln in der Schule: Die Umfrage erhebt den Kenntnisstand von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften bezüglich systemischer Ansätze und deren Anwendung in der Praxis.

5. Inhaltliche und methodische Bereicherungen für die Lehrerbildung durch systemische Perspektiven: Das abschließende Kapitel diskutiert praktische Möglichkeiten der Integration systemischer Konzepte in die universitäre Lehrerausbildung und deren Nutzen für eine professionelle Haltung.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Religionspädagogik, Lehrerbildung, Schulpädagogik, Konstruktivismus, Autopoiesis, Kommunikation, Refraiming, Ressourcenorientierung, Kompetenzentwicklung, System, Soziale Systeme, Diagnostik, Wahrnehmungskompetenz, Schule

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Relevanz systemischer Perspektiven für den Lehrerberuf und den Religionsunterricht und hinterfragt deren Berücksichtigung in der aktuellen universitären Lehrerausbildung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die theoretischen Grundlagen der Systemtheorie, deren religionspädagogische Adaption, die Analyse von Lehrerkompetenzen sowie die empirische Untersuchung zur Verbreitung systemischen Wissens bei angehenden Lehrkräften.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie systemische Haltungen und Handlungsmodelle die pädagogische Professionalität fördern können und welche Potenziale in einer stärkeren Integration dieser Inhalte in das Lehramtsstudium liegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Neben einer tiefgehenden theoretischen Literaturanalyse wird eine empirische Umfrage durchgeführt, um den Wissensstand und die Anwendung systemischer Methoden bei Lehramtsstudierenden und Lehrkräften zu explorieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung systemtheoretischer Grundlagen, deren fachspezifische Anwendung auf die Religionspädagogik, die Analyse offizieller Kompetenzstandards und die Auswertung der durchgeführten Umfrage.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Systemtheorie, Religionspädagogik, Lehrerbildung, Konstruktivismus, Ressourcenorientierung und Wahrnehmungskompetenz charakterisiert.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen Problemen und Schwierigkeiten?

Sie differenziert dahingehend, dass eine Schwierigkeit ein Wissensdefizit beschreibt, während ein Problem eine Situation darstellt, in der das Ziel bekannt ist, aber soziale oder interne Hindernisse dessen Erreichen blockieren.

Welche Rolle spielt das "Refraiming" im schulischen Alltag?

Das Refraiming (Umdeuten) dient dazu, problematische Verhaltensweisen aus einem neuen Rahmen zu betrachten, um so unlösbar erscheinende Situationen in einen lösungsorientierten Kontext zu überführen.

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Details

Title
Systemische Perspektiven auf Lehrerbildung und insbesondere Religionslehrer
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Philosophische Fakultät)
Grade
1.7
Author
Ines Rottammer (Author)
Publication Year
2017
Pages
74
Catalog Number
V453061
ISBN (eBook)
9783668879355
ISBN (Book)
9783668879362
Language
German
Tags
Lehrerbildung systemisch System
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ines Rottammer (Author), 2017, Systemische Perspektiven auf Lehrerbildung und insbesondere Religionslehrer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453061
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