„They would still be gladiators, the ones who were envied by everyone else, the ones who knew about the best parties and got the best girls and laughed the loudest and strutted so proudly through the halls of school as if it was their own wonderful, private kingdom” (Bissinger, 2000, p. 127). Mit diesen Worten beschreibt H.G. Bissinger (2000) in seinem Bestseller Friday Night Lights den Status eines High-School Football Spielers an einer Schule in der texanischen Kleinstadt Odessa. Hieraus wird ersichtlich, welchen Stellenwert der Sport an amerikanischen High-Schools besitzt; es wirft allerdings gleichermaßen die Frage auf, woher diese immense Wichtigkeit des Sports im amerikanischen Schulsystem stammt und worauf sie sich begründet. Football soll im Verlaufe dieser Arbeit stellvertretend für den varsity Sport an High Schools stehen, da American Football zum einen der beliebteste Sport im Schulsystem ist, zum anderen aber auch weil an ihm weitere Begleiterscheinungen des wettkampforientierten Sports deutlich zum Ausdruck kommen. Dieser und vieler anderer Fragen soll im Verlaufe dieser Arbeit nachgegangen werden.
Die Motivation eine Arbeit zu diesem Thema zu schreiben, zog ich aus meinen eigenen Erfahrungen, die ich während zweier Auslandssemester an einer kleinen amerikanischen Universität im US Bundesstaat Pennsylvania sammeln konnte. Mir fielen besonders Unterschiede bezüglich der Sichtweise von Sport unter den Athleten wie auch anderen Menschen auf. Außerdem schienen die Sportler einen höheren Status zu geniessen, so wie es Bissinger in seinem Buch berichtet. Mir war nicht einsichtig, woher dieser enorme Stellenwert des Sports in Amerika kommt. Da er in der Universität bereits deutlich sichtbar ist, scheint mir eine Untersuchung auf schulischer Ebene interessanter, da hier möglicherweise die Grundsteine für den Stellenwert des Sports zu suchen sind. Das, was in der High School vermittelt wird, scheint für die Individuen auf ihrem weiteren Lebensweg von Bedeutung zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursprung des Sports in amerikanischen High-Schools
2.1 British Public Schools
2.1.1 Muscular Christianity
2.2 British Public Schools und American Sports
3. Das amerikanische Wertesystem und seine Widerspiegelung im Sport
3.1 Das amerikanische Wertesystem
3.1.1 Success
3.1.2 Competition
3.1.3 Manifestierung von Erfolg und Wettkampf im Sport
3.1.4 Progress
3.1.5 Manifestierung von Progress im Sport
3.1.6 Achievement
3.1.7 Manifestierung von Achievement im Sport
3.2 American Football und seine Diffusion mit traditionellen amerikanischen Werten
4. Situation des amerikanischen Schulsports
4.1 Physical Education
4.2 Varsity System
5. Eingliederung des varsity Sports in das Schulleben
5.1 Schulkalender
5.2 Pep Rallies
5.3 Homecoming
6. Einfluss des varsity systems
6.1 Individuum
6.1.1 Charakterausbildung
6.1.2 Schulische Leistungen
6.1.3 Anschließende Ausbildung
6.1.4 Späteres Berufsleben und Einkommen
6.1.5 Status
6.1.6 Selbstkonzept/Selbstwert
6.1.7 Kriminalität
6.2 Schule
6.2.1 Funktion innerhalb der Schule
6.2.2 „School unity“
6.2.3 Monetäre Auswirkungen
6.3 Gesellschaft
6.3.1 „Community unity“
6.3.2 Selbstkonzept
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den hohen Stellenwert und die vielfältigen Auswirkungen des „varsity“-Sportsystems an amerikanischen High Schools. Dabei wird analysiert, wie Sport als Sozialisationsinstanz fungiert, Werte wie Erfolg und Wettbewerb vermittelt und die Identität von Individuum, Schule und lokaler Gemeinschaft prägt.
- Historische Wurzeln des Schulsports und das Konzept der „Muscular Christianity“.
- Verbindung zwischen dem amerikanischen Wertesystem (z.B. „American Dream“) und dem Sport.
- Unterscheidung zwischen regulärem Sportunterricht und dem wettkampforientierten „varsity“-System.
- Soziale und psychologische Einflüsse des varsity-Sports auf Jugendliche (Charakterbildung, Status, Leistung).
- Funktion des Sports als identitätsstiftendes Element für die Schulgemeinschaft und die Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Competition
Competition oder Wettkampf ist in Amerika ebenso wie Erfolg ein höchst geschätzter Wert, wobei nicht nur der Wettkampf an sich, sondern viel mehr sein Ergebnis wichtig ist. Eitzen und Sage bringen diesen Gedanken wie folgt zum Ausdruck: „It is not just competition, though, it is winning in competitive situations that is so highly valued” (Eitzen/Sage, 2003, p. 46).
Wettkampf zu definieren fällt nicht besonders einfach. Berkowitz definierte Wettkampf 1962 folgendermassen: Competition consists of (a) two or more units…engaged in pursuing the same rewards, with (b) these rewards so defined that if they are obtained by any one unit, there are fewer rewards fort he other units in this situation. (Berkowitz zitiert nach Figler, 1981, S.50.
Diese Auffassung von Wettkampf erweiterte Sherif 1976 noch um die Annahme, dass Wettkampf auch nur in einer einzigen Person existieren kann, unter der Prämisse, dass sich die Leistung an gesellschaftlich anerkannten Werten orientiert. Competition consists of activities directed more or less consistently toward meeting a standard or achieving a goal in which performance by a person or by his group is compared and evaluated relative to that of selected other persons or groups (Sherif zitiert nach Figler, 1981, S. 51)
Zieht man den Schluss aus beiden Definitionen kann man diese uneingeschränkt wie Figler auf einen Nenner bringen als „competition as the pursuit of a scarce prize, with the only qualification being that the prize be an objective valued and sought by more than one competitor. The intrinsic prize in sportive competition is the victory itself” (Figler, 1981, p. 51). Figler schlägt somit gleich den Bogen zum Sport, welcher im Anschluss an die generellen Aussagen zum Wert des Wettkampfs im Mittelpunkt der Analyse steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den hohen Stellenwert von Sport an US-High Schools anhand von Bissingers „Friday Night Lights“ und erläutert die Motivation sowie die Forschungsziele der Arbeit.
2. Ursprung des Sports in amerikanischen High-Schools: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Sports in Schulen nach, ausgehend von den britischen Public Schools und der „Muscular Christianity“-Bewegung.
3. Das amerikanische Wertesystem und seine Widerspiegelung im Sport: Hier wird der Zusammenhang zwischen dem amerikanischen Wertesystem (Erfolg, Fortschritt, Wettbewerb) und deren Manifestation im Sport, insbesondere im American Football, analysiert.
4. Situation des amerikanischen Schulsports: Das Kapitel differenziert zwischen regulärem Sportunterricht und dem „varsity“-System und liefert Daten zur historischen Entwicklung der Teilnahmezahlen.
5. Eingliederung des varsity Sports in das Schulleben: Hier werden Rituale wie Pep Rallies und Homecoming als identitätsstiftende Mechanismen innerhalb der amerikanischen Schul- und Sportkultur untersucht.
6. Einfluss des varsity systems: Das Kernkapitel betrachtet detailliert die Auswirkungen des Sports auf das Individuum, die Schule als Institution und die Gesellschaft, unter Berücksichtigung verschiedener wissenschaftlicher Studien.
7. Ausblick: Der Ausblick resümiert die Ergebnisse der Arbeit und diskutiert die Möglichkeiten sowie die Herausforderungen einer Übertragbarkeit des amerikanischen Sportmodells auf deutsche Verhältnisse.
Schlüsselwörter
Varsity Sport, American Football, High School, Sozialisation, Wertesystem, American Dream, Wettbewerb, Erfolg, Charakterbildung, Schulleben, Identität, Community unity, Pep Rally, Homecoming, Schulsport.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem organisierten Schulsportsystem („varsity system“) an amerikanischen High Schools und analysiert dessen tiefgreifende Bedeutung für Individuen, die Schule selbst und die umliegende Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen historische Wurzeln, die soziologische Verknüpfung von amerikanischen Werten mit dem Sport, die Struktur des Schulsports, soziale Rituale sowie den Einfluss auf akademische Leistungen und das Selbstkonzept der Beteiligten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den enormen Stellenwert des US-Schulsports zu erklären und durch Auswertung von Forschungsergebnissen aufzuzeigen, wie Sport als soziales Instrument zur Wertevermittlung und Identitätsbildung dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine fundierte Literatur- und Theorieanalyse bestehender soziologischer und sportwissenschaftlicher Studien, ergänzt durch Berichte zur amerikanischen Schul- und Sportkultur.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Vermittlung zentraler Werte (Erfolg, Wettbewerb) durch den Sport und untersucht, wie rituelle Veranstaltungen wie „Pep Rallies“ die Schulgemeinschaft festigen und den Status von Sportlern definieren.
Durch welche Schlagwörter ist die Arbeit charakterisiert?
Wesentliche Begriffe sind Varsity Sport, American Dream, Wertevermittlung, Sozialisation, Schulidentität und die soziale Kontrollfunktion des Sports.
Wie wirkt sich die Teilnahme am varsity Sport auf schulische Leistungen aus?
Die Forschungsergebnisse zeigen hierzu einen ambivalenteren Befund: Während manche Studien positive Korrelationen mit akademischen Leistungen feststellen, weisen andere darauf hin, dass diese durch den Status der Sportler und die Wahl „einfacherer“ Kurse beeinflusst sein könnten.
Welche Rolle spielt American Football in diesem System?
American Football dient in der Arbeit als zentrales Beispiel, da es als Volkssport tief mit dem amerikanischen Wertesystem, dem „American Dream“ und der „Frontier“-Ideologie verwoben ist und das varsity-System an High Schools dominiert.
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- Sven Kost (Author), 2004, Das "varsity" Sportsystem an amerikanischen High Schools und seine Bedeutung für Individuum und Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45310