Die Beratung von Migranten in der Sozialen Arbeit

Welchen Einfluss hat interkulturelle Kompetenz auf den Beratungsprozess?


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 1.0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Bedeutung von Kultur für das gegenseitige Verständnis

2.1 Begriffsdefinition von „Kultur“
2.2 Das Kulturverständnis im Kontext professioneller Beratung

3. Der Weg zur interkulturellen Kompetenz in der professionellen Beratung

3.1 Interkulturelle Öffnung im Sozialsystem
3.2 Interkulturelles Lernen in der Beratung
3.3 Interkulturelle Kompetenz im Kontext professioneller Beratung

4. Störungen der Beratungsbeziehung durch Vorurteile

4.1 Definition
4.2 Auswirkungen auf die Beratungsbeziehung
4.3 Reduzierungsprozess von Vorurteilen

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits vor einigen Jahrzehnten wurde deutlich, dass Deutschland sich zu einem Einwanderungsland entwickelt. Die Zuwanderung in Deutschland begann mit der Ankunft der Gastarbeiter in den 1950er- und 1960er-Jahren unter anderem aus Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Portugal und dem ehemaligen Jugoslawien. Offiziell wurde 2005 mit dem Aufenthaltsgesetz und dem Freizügigkeitsgesetz für EU Bürger eine deutsche Gesetzesgrundlage geschaffen, die unter anderem in den vergangenen Jahren 700.000 Unionsbürger pro Jahr eine Einreise in die Bundesrepublik erlaubt hat. Das bedeutet, dass die deutsche Gesetzgebung eine Zuwanderung aktiv unterstützt, was diesem Land eine unumkehrbare Vielfalt verschiedenster Kulturkreise verleiht. Im Jahr 2014 lebten 16,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Darüber hinaus hat die deutsche Regierung auf humanitäre Krisen vor den Toren Europas reagiert und eine große Anzahl von Flüchtlingen Schutz geboten. 2015 wurden 137.136 und 2016 235.574 Menschen als Flüchtlinge anerkannt. Außerdem wurde 136.119 Menschen ein subsidiärer Schutz zugesagt, da sie bei ihrer Rückkehr von Folter oder einer Todesstrafe bedroht sind.

Gerade in der Sozialen Arbeit, speziell in deutschen Beratungseinrichtungen sind von Kultur geprägte Grenzüberschreitungen und kulturelle Begegnung unumgänglich geworden. Interkulturelle Kompetenz wird auch deshalb in unserer globalisierten Welt als Schlüsselqualifikation bezeichnet. Das wirft die Frage auf, welchen Einfluss die interkulturelle Kompetenz auf den Beratungsprozess hat. Die Frage stellt den Mittelpunkt der Ausarbeitung dar. Das ist wichtig zu verstehen, weil aktuell ein großer Bedarf an professioneller interkultureller Beratung herrscht und geprüft werden muss welche Berater über diese Fähigkeit verfügen.

Auf rechtlicher Basis hat jeder Geflüchtete oder Migrant einen Zugang zu den Beratungseinrichtungen. Doch gerade Migranten, die gewiss einen Informationsbedarf haben, nutzen das Angebot selten (Pavkovic 2007, S. 306). Die Gründe der seltenen Nutzung sollten näher beleuchten werden, damit dieser Effekt für die aktuell Schutzsuchenden ausbleibt. Dafür stellten sich einige Teilfragen: Wie können verschiedene Kulturen grundsätzlich erklärt werden, um ein Bewusstsein für Differenzen und Ähnlichkeiten zwischen den Kulturen zu erhalten? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Kulturen erfolgreich beraten zu können? Welchen Wert hat dabei ein kulturelles Hintergrundwissen für die Beratungsbeziehung? Welche Bedeutung haben persönliche Erfahrungen mit einer Fremdkultur für die Entwicklung der interkulturellen Kompetenz? Welchen Prozess müssen die gesuchten Mitarbeiter in diesem Bereich der professionellen Beratung durchlaufen haben, um kultursensibel beraten zu können? Wie entstehen Vorurteile und welchen Einfluss haben sie auf die Kommunikation zwischen Klient und Berater? Auch diese Teilfragenfragen sollen hier beachtet werden und bilden eine geordnete Darstellung der folgenden Themen der Hausarbeit.

2. Zur Bedeutung von Kultur für das gegenseitige Verständnis

Um den Wert des interkulturellen Lernens und dessen Kompetenz für den Beratungsprozess zu verstehen, ist die Klärung des Kulturbegriffs notwendig, weil im Kontext professioneller Beratung auch mit unbewussten kulturellen Elementen umgegangen werden muss (Straub 2007, S.7). Gleichzeitig würde eine genaue Definition stets lückenhaft bleiben, da die situativ geprägte Komplexität von Kultur eine vollkommene Begriffserklärung unmöglich macht (Maletzke 1996, S. 15). Dennoch wird eine Übersicht mit den möglichen Elementen des Kulturbegriffs vorgestellt, um eine verbindliche Orientierung für die Ausarbeitung zu geben.

2.1 Begriffsdefinition von „Kultur“

Als Basis wird die Definition der UNESCO aus dem Jahr 1983 zu Grunde gelegt: „ Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schliesst nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“ (UNESCO 1983, S. 121).

Gerne wird Kultur auch mit der Metapher eines Eisberges beschrieben, wo lediglich die Spitze sichtbar ist, währenddessen sich 90% unbewusst unter der Oberfläche befinden. In diesem Zusammenhang wird von einem „kollektiven Gedächtnis einer Kultur, als Basis für Verständigung“ gesprochen (Losche; Püttker 2009, S. 82). Hier liegt die Ursache vieler Kollisionen der Kommunikation, weil nur eine involvierte Personengruppe die unbewussten Bestandteile einer Kultur zu kennen und zu verstehen vermag.

Darüber hinaus kann Kultur als dynamischer und alltäglicher Prozess beschrieben werden. Er vereinfacht das Zusammenleben in einer bestimmten Personengruppe, die eine gemeinsame Wirklichkeit (Straub 2007, S.15f.), Interpretationsweise, (Mecheril 2007, S.299) sowie die selbige Welt- und Selbstauffassungen verbindet. Der kulturelle Aspekt ist im Kontext mit der jeweiligen Situation zu verstehen (Maletzke 1996, S. 15), nicht aber als unverrückbarer oder angeborener Unterschied zwischen Menschen oder Gruppen. Darüber hinaus strukturiert Kultur das Handeln innerhalb der Personengruppen, wodurch ein Gefühl von Sicherheit entsteht (Straub 2007, S.15ff.). Dieses Gefühl von Sicherheit zu erreichen, sollte auch ein Anspruch der professionellen Beratungsbeziehung sein.

2.2 Das Kulturverständnis im Kontext professioneller Beratung

Anschließend wird die Frage gestellt, wie sich das Kulturverständnis auf den Beratungsprozess auswirken kann. Der erste Schritt liegt in der Wissensvermittlung. Jede an einem interkulturellen Austausch teilnehmende Person muss begreifen, dass sie selbst, eigene kulturelle Standards verinnerlicht hat, die unbekannten Personengruppen befremdlich erscheinen können (Fischer 2006, S. 41). Eine offene Haltung gegenüber diesen Fremdkulturen, in Kombination mit einem Selbst- und Fremdreflexiven Denken führt zu einer Neugierde für dynamische kulturelle Entwicklungen sowie individuelle Interpretationen des eigenen und fremden Kulturverständnisses (Eppenstein 2015, S. 59f.). Mit einem komplexen Kulturbewusstsein lässt sich das gegenseitige Verständnis und die daraus entstehende Verständigung unter vielfältigsten Personengruppen ermöglichen (Mecheril 2007, S. 295ff.). Außerdem bleibt die professionelle Beratung erfolglos, sofern „ohne lebensweltliche Kenntnisse, ohne Kenntnisse der sozialen Lagen, der Gruppenidentitäten und der subkulturellen Bewältigungsstrategien“ gearbeitet wird (Gaitanides 2007, S. 318). Sollte auf ein kulturelles Wissen innerhalb der Beratung verzichtet werden, ist eine erfolgreiche Beratung nicht möglich (Eppenstein 2015, S. 59f.).

3. Der Weg zur interkulturellen Kompetenz in der professionellen Beratung

In der Einleitung wurde deutlich, dass die Fachkräfte der Sozialen Arbeit mit steigender Vielfalt umgehen sowie offen und kultursensibel handeln müssen. Dabei streben Beratungszentren für Migranten und Flüchtlinge bereits einen „interkulturellen Öffnungsprozess“ an. Sie haben erkannt, dass professionelle Beratung möglichen Konflikten präventiv entgegenwirken und eine Brücke zwischen den Kulturen errichten kann, weil Unklarheiten und Wünsche erkannt sowie angesprochen werden können. Um dieser Notwendigkeit näher zu kommen, wird die Bedeutung der interkulturellen Kompetenz beschrieben.

3.1 Interkulturelle Öffnung im Sozialsystem

Interkulturelle Öffnung wird als Prozess verstanden, der von institutioneller Ebene gesteuert wird. Dieser Prozess soll bestehende Angebote, Konzepte, und Rahmenbedingungen kritisch hinterfragen oder anpassen, sodass „alle Menschen, unabhängig von ihrer ethnischen-kulturellen Orientierung und Herkunft soziale Einrichtungen in Anspruch nehmen können“ (Zacharaki 2006, S. 8f.). Die Öffnung gilt als Voraussetzung für die Soziale Arbeit, um den neuen Anforderungen des gesellschaftlichen Wandels gerecht werden zu können. Auf diesem Weg beginnt interkulturelles Lernen.

3.2 Interkulturelles Lernen in der Beratung

Interkulturelles Lernen wird als lebenslanger persönlicher Lernprozess verstanden und verbindet biografisches-, soziales- und global-politisches Lernen, sowie das Erlernen hilfsbereiten Handelns (Freise 2007, S.147f.). Im ersten Schritt muss die Notwenigkeit der Kompetenz erkannt werden. Das steigert das Interesse an den erforderlichen persönlichen Erfahrungen, wo Widerstände unter dem Gefühl der kulturellen Fremdheit bewältigt werden können (Gaitanide 2007, S. 317). Die langfristige Kooperation mit Fremdkulturen setzt eine ehrliche Selbst- und Fremdreflexion voraus, sodass eine gegenseitige Wertschätzung entstehen kann (Zacharaki 2007a, S. 19). Das Ziel wird mit dem Begriff der „Integration“ beschrieben, wo interkulturelle Kompetenz entwickelt sowie Kommunikationsprobleme angesprochen und überwunden werden (Freise 2007, S. 24).

Hoopes (1981) versteht diesen Prozess in sechs Stufen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Lernprozess startet durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, indem sie nicht als „unverbesserlich und vollkommen “ (Ethnozentrismus) angesehen wird. Die Beratungsbeziehung wird negativ beeinflusst, wenn einer der Gesprächsteilnehmer dem Ethnozentrismus unterliegt. Das Ziel sollte in der gegenseitigen wertfreien Akzeptanz liegen (Hoopes 1981, S.9-38; zitiert in Zacharaki 2007a, S.15f.).

Dadurch wird deutlich, dass die professionelle Beratung einen kooperativen Prozess vor sich hat, um kultursensibel beraten zu können. Fremdsprachenkenntnisse, die Entwicklung sozialer Kompetenzen oder die Wissensvermittlung von kulturellen Hintergrundinformationen müssen für Klienten und Berater gefördert werden, sodass die interkulturelle Kompetenz ausgebaut werden kann (Weidemann 2011, S.494). Anschließend kann die Frage gestellt werden, was mit interkultureller Kompetenz im Kontext professioneller Beratung ausgedrückt wird.

3.3 Interkulturelle Kompetenz im Kontext professioneller Beratung

Die interkulturelle Kompetenz stellt eine berufliche Schlüsselqualifikation in der interkulturellen Beratung dar. Interkulturell kompetente Personen stellen, im Kontext professioneller Beratung, wesentliche Fragen und entwickeln in einem ehrlichen Austausch neue Handlungsoptionen. Das geschieht immer unter Berücksichtigung der Kulturmerkmale und der aktuellen Lebenslage des Klienten (Zacharaki 2007a, S. 19ff.).

Die Anforderungen lassen sich grob in „kognitive Kompetenzen und interkulturelle Handlungskompetenzen“ aufgliedern (Gaitanides 2007, S. 317):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Unterschied zu einer nicht-kulturellen Beratung liegt darin, dass die Kommunikation zwischen zwei Fremdkulturen stattfindet und im Beratungsprozess, die kulturellen Unterschiede, die Beratungsbeziehung beeinflussen (Heimannsberg 2000, S. 70f.). Das heißt, dass eine interkulturelle Beratung erst entsteht, wenn die Themen Migration und Kultur thematisiert werden müssen, da sie für das aktuelle Thema und den Beratungserfolg von Bedeutung sind (Mecheril 2004, S. 374). Das kann man auch daran erkennen, dass Einflüsse wie das Alter, geschlechtliche Rollenunterschiede, Lebenserfahrung oder das gegenseitige Bildungsniveau ebenso im Beratungsprozess eine Rolle spielen. Daraus schließt sich, dass nicht jede Differenz einen kulturellen Ursprung hat. In der interkulturellen Beratung wird folgerichtig darauf geachtet, ob kulturelle Differenzen überhaupt thematisiert werden müssen (Heimannsberg 2000, S. 70f.).

Mit einer ausgeprägten interkulturellen Kompetenz können andere Kulturen wertfrei akzeptiert und unausweichliche Sprachschwierigkeiten, mangelhafte kulturelle Hintergrundinformationen, Vieldeutigkeit und kulturelle Widersprüche überwunden werden. Unter diesen Voraussetzungen kann eine sichere Beratungsbeziehung aufgebaut werden (Gaitanides 2007, S. 316f.). Ein weiterer Nutzen entsteht durch die

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Beratung von Migranten in der Sozialen Arbeit
Untertitel
Welchen Einfluss hat interkulturelle Kompetenz auf den Beratungsprozess?
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Note
1.0
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V453212
ISBN (eBook)
9783668868991
ISBN (Buch)
9783668869004
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beratung, migranten, sozialen, arbeit, welchen, einfluss, kompetenz, beratungsprozess
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Die Beratung von Migranten in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453212

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