Plinius der Jüngere und die Stadtverwaltung


Term Paper, 2015
18 Pages, Grade: 2,0

Excerpt

Plinius der Jüngere und die Provinzverwaltung

Inhalt

1. Einleitung

2. Das zehnte Buch

3. Die persönliche Beziehung zwischen Traian und Plinius

4. Plinius, Statthalter der Provinz

5. Plinius und die Finanzen

6. Plinius und das Bauwesen

7. Fazit

8. Bibliographie.

1. Einleitung

Die Wissenschaft hält ein ambivalentes Verhältnis zu Plinius dem Jüngeren. Während er auf der einen Seite als sympathischer Literat bezeichnet wird, so wird auch die Meinung vertreten es handle sich bei ihm um einen selbstgefälligen und eitlen „Schönredner“.1 Plinius war neben der Schriftstellerei auch als Anwalt tätig, doch sind von seinen Gedichten nur noch Fragmente überliefert worden und all seine Prozessreden gänzlich verloren. Einzig seine Briefsammlung, von denen die ersten neuen Bücher etwa 247 Briefe an 105 Adressaten umfassen, ist erhalten geblieben. Diese Briefe sind nicht von fiktiver Natur, doch ist anzunehmen, dass diese mit dem Umstand geschrieben wurden, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen. Der Fokus dieser Arbeit richtet sich jedoch auf die politische Person des Plinius, wozu insbesondere das zehnte Buch von großer Bedeutung ist, da es den Briefwechselverkehr zwischen Plinius und Kaiser Traian, während der Statthalterschaft des Plinius in der Provinz Bithynien und Pontus, umfasst.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, anhand der verschiedenen Aufgabenbereiche, die eine Provinzverwaltung bedingt, zu klären, was Plinius mit den Finanzen der Städte zu tun hatte.

Die Gliederung und Methode der Arbeit sieht folgendermaßen aus: Es sollen die verschiedenen Bereiche der Statthalterschaft einer Provinz (Finanzen und Bauwesen) anhand der verschiedenen Briefe des Plinius und den dazugehörigen Antwortschreiben des Traians beleuchtet werden, um festzustellen ob Plinius seine Kompetenzen als Statthalter tatschlich zureichend wahrnahm, oder ob er vielmehr der gängigen Praxis eines Prokonsuls folgte und der entsprechende Schriftverkehr zwischen ihm und seinem Kaiser als gängige Praxis zu bezeichnen ist. Im abschließenden Fazit dieser Arbeit wird gezeigt, dass Plinius mit dem Kaiser Traian in einem freundschaftlichen Verhältnis stand und wo und warum es finanzielle Probleme in den Städten gab.

2. Das zehnte Buch

Mit seiner Stellung als Provinzstatthalter, welche außerdem mit besonderen Vollmachten ausgestattet wurde und zudem mit hohen Erwartungen seitens Kaiser Traians verbunden war, ergab sich eine außerordentliche Art von Briefsammlung, die das zehnte Buch bildet und mit den übrigen neun Büchern nicht vergleichbar ist. Die eine Besonderheit des Zehnten Buches besteht darin, dass es erst nach dem Tod von Plinius, durch Unbekannte veröffentlich wurde und dieses nicht nur die von Plinius verfassten Briefe enthielt, sondern auch meist die kaiserlichen Antworten. Auffallend ist der Rollenwechsel im zehnten Buch. Während er in den neun vorherigen Büchern, wie ein weiser Ratgeber, seinen Mitmenschen hilft, so ist er im letzten Buch selbst der Ratsuchende, der in einigen Fällen um Anweisung des Kaisers bittet, oder seine geplante Vorgehensweise durch die Zustimmung des Kaisers absichert. Der Rollenwechsel lässt sich dadurch erklären, dass Plinius persönlich vom Kaiser mit dieser wichtigen Aufgabe betreut wurde, und entsprechend diese zu dessen Zufriedenheit bewältigen möchte, da sowohl sein Ruf als auch seine Reputation auf dem Spiel stehen. „[…] um mich ganzer Seele dem mir übertragenen Amt zu widmen.“2

3. Die persönliche Beziehung zwischen Traian und Plinius

Plinius der Jüngere genoss das besondere Vertrauen von Kaiser Traian, dessen sich auch Plinius absolut bewusst war und so, im Rahmen seiner Ernennung zum consul suffectus am 1. September 100 n. Chr. eine Dankrede an Traian hielt. Diese berühmte Dankrede ist bekannt unter der Bezeichnung Panegyricus Traiano imperatori dictus.3 Charakteristisch für eine solche Rede ist, dass es sich um eine programmatische Aussage eines Senators zur Fragen der Herrschaftsausübung durch einen Princeps handelt.4 Sie ist in etwa mit einem Fürstenspiegel zu vergleichen, welcher die wünschenswerten Eigenschaften – aus Sicht eines Senators – nennt, die ein Princeps in seiner Person vereinen sollte. In seiner Dankesrede lobt Plinius Kaiser Traian überschwängliche und stellt mehrfach fest, dass er sein Lob aufrichtig und aus tiefster Überzeugung ausspricht.5 Besonders hervorzuheben ist die Bezeichnung Optimus Princeps, welche die Göttlichkeit des Kaiser Traians unterstreicht. Für Plinius ist Traian das Vorzeigemodell eines idealen Herrschers, der es schafft die virtute auf eine harmonische Art und Weise in seiner Person zu vereinen.6 Es lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass beide Männer eine tiefes Vertrauensverhältnis zu einander pflegten, welches auch durch den Briefverkehr sehr deutlich wird.7 Beispielhaft kann auf die Situation verwiesen werden, in der Kaiser Traian, Plinius, während einer mehrstündigen Rede dazu auffordert, er möge doch seine Lunge und seine Stimme schonen: „cum me (sc. Plinium) vehementius putaret intencli, gracilitas mea perpeti possest.“8 Die Tatsache, dass der Kaiser sich über die gracilitas des Plinius informierte, deutet auf ein freundschaftliches Verhältnis hin. So erkundigt er sich auch in einem Brief über Plinius‘ Gesundheitszustand, nachdem dieser in die Provinz reiste „Pertinent enim ad animum meum, quali itnere provinciam pervenias“9 Letztendlich ist die Tatsache, dass Traian Plinius in die Provinz schickte darauf zurückzuführen, dass dieser sein größtes Vertrauen genoss und er das äußerst stark ausgeprägte Pflichtbewusstsein des Plinius schätzte. So antwortet er in einem Brief, auf das Gesuch des Plinius nach Urlaub, wobei er einige Gründe nennt, folgendermaßen: „mihi autem vel sola vluntas tua suffecisset. neque enim dubit te, ut primum potueris, ad tam districtum afficum rerversum.“10 Aus dieser Passage lässt sich das besonders freundschaftliche Verhältnis des Kaisers zu seinem Statthalter ablesen, und welches große Vertrauen er in diesen investiert. Doch nicht nur aufgrund dieses Verhältnisses wurde Plinius mit der Verwaltung der Doppelprovinz beauftragt. Plinius hatte während seiner politischen Laufbahn und in der Verwaltung seiner eigenen Güter dem Kaiser bewiesen, dass er über eine umfangreiche Expertise im Bereich der Finanzen verfügt.11 Allein dies genügte, um darüber hinwegzusehen, dass Plinius im Bereich der Provinzverwaltung über gar keine Erfahrung verfügte und nur im Rahmen seiner Position als tribunus militium Italien nur ein einziges Mal verlassen hatte, bevor er seiner Reise nach Bithynien und Pontus antrat.12

4. Plinius, Statthalter der Provinz

Vor seiner Ankunft im Jahre 111 n. Chr. befanden sich die Städte der Provinz in einer finanziell gesehen desolaten Lage. Die Gründe hierfür war zum einem in der ungeheuren Bautätigkeit der Städte zu suchen, die sich in einer Art Konkurrenzverhältnis befanden und sich dadurch finanziell übernahmen.13 Andere Gründe waren im schlechten Management, der unzureichenden Projektplanung, der unzureichenden Geldabrechnung und in der Korruption durch die örtlichen Magistrate zu suchen. Diese Magistrate waren in erster Linie verantwortlich für die Verschwendung von öffentlichen Geldern, welches letztendlich auf die lex Pompeia zurückgeführt werden kann, da sie die Abschaffung der griechischen und demokratischen Organe begünstigte, die dafür verantwortlich waren, die Tätigkeit der lokalen Magistrate zu kontrollieren.14

Ein weiteres Problem innerhalb dieser Doppelprovinz betraf die Unruhen innerhalb der gräko-orientalischen Bevölkerung und die Ausdehnung des Christentums, welche die angespannte Lage weiter verschlimmerte. Aus dieser Situation heraus, wurde daraufhin die Kontrolle dieser Problem-Provinz unter die Gewalt des Kaisers gestellt, durch einen senatus consultum, was recht selten vorgekommen war.15 Kaiser Traian entschied sich für diese besondere Mission Plinius zu wählen der folgenden Titel erhielt: „legatus pro praetore provinciae Ponti et Bithyniae consulari potestate in eam provinciam ex senatus consulto missus ab Imperatore Caesare Nerva Traiano Augusto Germanico Dacice patre patriae.“16 Aus diesem Titel ergibt sich die besondere Stellung des Plinius. So wurde er als Gesandter des Kaiser Traians bezeichnet, doch genoss er seine Position aufgrund eines Senats Beschlusses und die Position eines Praetors, mit der Macht eines Konsuls und der äußeren Würde eines Prokonsuls. Deutlich hervorzuheben ist besonders seine Bezeichnung als Vertreter des Kaisers, die ihm besondere Befugnisse gegenüber den Provinzialen zusicherte.17

Am 17. September im Jahr 111 n. Chr. traf Plinius in Bithynien ein. In der Forschung geht man davon aus, dass er sich sein Hauptlager entweder in Nicea oder Nicomedia befand und den Startpunkt seiner Reisen durch die Provinz bildete, welcher er in mehreren Etappen absolvierte. Im Dezember 111 n. Chr. begann seine erste Reise, welche ihn nach Claudiopolis und dann im Januar des folgenden Jahres weiter nach Byzanz, Apameia, Prusa und später nach Iuliopolis führte. Im Herbst 112 n. Chr. führte ihn seine zweite Etappe über den Seeweg nach Pontus und er besuchte dort Heraclea, Amastris, Sinope und Amisus. Nach Bithynien kehrte er schließlich im Frühjahr 113 zurück. Von dort aus schrieb er noch vier weitere Briefe an Kaiser Traian und starb im selben Jahr.18

5. Plinius und die Finanzen

Innerhalb einer kaiserlichen Provinz waren die procuratores und in den öffentlichen Provinzen, also jenen die dem Senat unterstanden, die procuratores patrimonii für die Verwaltung des kaiserlichen patrimonium zuständig. Zunächst überschnitten sich die Kompetenzen dieser Beamte und die jener Statthalter im Finanzbereich. Doch schon bald wurde dieser Sektor aus der allgemeinen Provinzverwaltung herausgelöst. Die Prokuratoren gewannen an Autonomie und mussten in Finanzfragen nur noch dem Kaiser Rede und Antwort stehen. Die Kompetenzbereiche der Prokuratoren wurden entweder nach dem Prinzip der lokalen Einteilung in Bezirke, mit der Funktion die Grundsteuer einzubeziehen, oder durch das Prinzip der Steuerart, wodurch verschiedene Distrikte eine procuratores zugeteilt wurden.19 Die Einnahme von direkten Steuern oblag also nicht mehr Rom, wie zu Zeiten der Republik, sondern wurde diese Aufgabe diesem neuen Beamtentypus übertragen, welcher eine wichtige Rolle spielte. Denn im römischen Kaiserreich bildete die Grundsteuer, die von allen Bewohnern einer Provinz erhoben wurden, die wichtigste Einnahmequelle. Die Zahlung erfolgte entweder in Naturalien, doch meist in Form einer festen Geldsteuer, die sich sowohl:20

- Auf den Boden (stipednum soli),
- als auch auf die Person (stipendum capitis) richtete.

Seine Hauptaufgabe, innerhalb der Provinzverwaltung, war es, die finanzielle Situation der Provinzstädte zu überprüfen und deren Ordnung wiederherzustellen. Dies galt auch im Bereich der grassierenden Bauwut innerhalb der Städte, auf die im nächsten Kapitel eingegangen werden soll. Insbesondere im Bereich der Finanzen zeigt sich, dass Plinius nur in wenigen Fällen auf die Anweisung aus Rom wartete, was auch auf die Tatsache zurückgeführt werden kann, dass Plinius sich bereits während seiner Amtstätigkeit in Rom im Bereich der Finanzen zum Experten entwickelte und wohl in erster Linie aus diesem Grund zum Statthalter der beiden Provinzen ernannt wurde.21 Vom Kaiser, mit besonderen Sondervollmachten ausgestattet, gehörte es zu den Aufgaben des Plinius, Schulden von Privatleuten einzutreiben.22 […] Herr, die öffentlichen Gelder sind durch deine Voraussicht und meine Bemühungen bereits eingetrieben und werden weiter eingetrieben. […]23

Innerhalb der Forschung wird von einigen die Meinung vertreten, dass das ständige Rückversichern jeglicher Handlungen des Plinius vermuten lässt, er sei mit seinen Aufgaben überfordert und stehe den Herausforderungen einer Provinz hilflos gegenüber. Dass diese Handlungsweise auch seine Berechtigung hat, zeigt sich am Beispiel der Platzierung staatlicher Kredite. Hierbei bieten sich ihm die beiden Möglichkeiten entweder den üblichen Zinssatz von zwölf Prozent zu senken oder Zwangsanleihen an die Ratsherren zu vergeben, wofür diese dann entsprechende Sicherheiten an die Gemeinde zu leisten haben. Aus seinem Brief geht hervor, dass er eher zum letzteren tendiert.24

[...]


1 Vgl. von Albrecht (1984) 915.

2 Plin. epist. 10,3a; Übers.: Kasten 1995, 561.

3 Vgl. Radice (1968) 166.

4 Vgl. Fell (1992) 19.

5 Plin. epist. 3, 18, 2.

6 Plinius, Panegyricus 4, 6.

7 Vgl. Wehmann (2014) 58.

8 Plin. epist. 2, 11, 15.

9 Plin. epist. 10, 16.

10 Plin. epist. 10, 9.

11 Vgl. Sherwin-White (1969) 85f.

12 Vgl. Wehmann (2014) 59.

13 Vgl. Sherwin-White (1969) 527.

14 Vgl. Sherwin-White (1969) 528.

15 Vgl. Wehmann (2014) 81.

16 Vgl. Wehmann (2014) 81.

17 Vgl. Wehmann (2014) 81.

18 Vgl. Kasten (1995) 666.

19 Vgl. Bleicken (1995) 201.

20 Vgl. Bleicken (1995) 195.

21 Vgl. Sherwin-White (1966) 553.

22 Vgl. Wehmann (2014) 119.

23 Plin. epist. 10, 54.

24 Vgl. Plin. epist. 10,54.

Excerpt out of 18 pages

Details

Title
Plinius der Jüngere und die Stadtverwaltung
College
University of Heidelberg
Grade
2,0
Author
Year
2015
Pages
18
Catalog Number
V453232
ISBN (eBook)
9783668876422
ISBN (Book)
9783668876439
Language
German
Tags
plinius, jüngere, stadtverwaltung
Quote paper
Volkan Baydinc (Author), 2015, Plinius der Jüngere und die Stadtverwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453232

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