Dieser Arbeit befasst sich mit dem Zustand der deutschen Pensionskassen und dessen Auswirkungen für Konzerne im Rahmen der Altersvorsorge.
In den Medien wird bereits seit langer Zeit die kritische Situation von Lebensversicherungsunternehmen in der Niedrigzinsphase in großem Maße diskutiert. Weniger häufig allerdings auch zunehmend deutlicher werden Pensionskassen in den Fokus gedrängt, welche ebenfalls von der anhaltenden Niedrigzinsphase schwer betroffen sind. Besonders problematisch wirkt sich dieser Zustand auf Pensionskassen aus, da den Versicherten eine Versorgungszusage erteilt wurde, welche während der Niedrigzinsphase schwer erfüllt werden kann.
Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Konsequenzen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist bereits deutlich besorgt um den Zustand und beaufsichtigt einige Pensionskassen intensiv. In der Jahrespressekonferenz 2018 betonte Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht und Pensionsfondsaufsicht, dass viele Pensionskassen ohne neues Kapital ihre Leistungen nicht mehr erbringen könnten.
Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, die Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsphase und der angepassten Sterbetafeln auf Pensionskassen zu untersuchen und darzustellen. Weiterhin sollen die Konsequenzen für Trägerunternehmen und Versicherte erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziele der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung
2. Organisationsformen und Regulatorik von Pensionskassen
2.1 Organisationsformen von Pensionskassen
2.2 Regulatorische Anforderungen an Pensionskassen
3. Aktuelle Probleme von Pensionskassen und deren Auswirkungen
3.1 Analyse der Vermögensanlagestruktur und Ergebnisse des EIOPA Stresstests
3.2 Weitere Informationen der BaFin über den Status quo von Pensionskassen
4. Konsequenzen für Trägerunternehmen und Versicherte
4.1 Einstandspflicht des Arbeitgebers und Bestandsübertragungen
4.2 Haftung bei Insolvenz des Arbeitgebers und weitere Sicherungsmechanismen
5. Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Situation deutscher Pensionskassen unter dem Druck der anhaltenden Niedrigzinsphase sowie veränderter biometrischer Rechnungsgrundlagen (Sterbetafeln). Dabei wird analysiert, wie diese externen Faktoren die Stabilität der Versorgungssysteme gefährden, welche regulatorischen Herausforderungen bestehen und welche gravierenden Konsequenzen sich daraus für die Trägerunternehmen sowie die versicherten Arbeitnehmer ergeben.
- Analyse der Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die Kapitalanlagestruktur von Pensionskassen.
- Untersuchung der regulatorischen Anforderungen und der Rolle der Aufsichtsbehörden (BaFin).
- Bewertung der Einstandspflicht des Arbeitgebers und der Subsidiärhaftung bei Leistungskürzungen.
- Diskussion von Sicherungsmechanismen wie dem Sicherungsfonds Protektor bei Insolvenzfällen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Analyse der Vermögensanlagestruktur und Ergebnisse des EIOPA Stresstests
In diesem Kapitel werden die Auswirkungen der Niedrigzinsphase und weitere Probleme auf die Kapitalanlage von Pensionskassen dargestellt. Hierzu ist es sinnvoll, die Vermögensanlagestruktur genauer zu betrachten. Die dominierenden Positionen in der Kapitalanlage sind Inhaberschuldverschreibungen und weitere festverzinsliche Wertpapiere. Aufgrund dessen ergeben sich derzeit hohe stille Reserven, welche ca. 15,5 Prozent der gesamten Kapitalanlagen entsprechen. Diese können aber nicht realisiert werden, da ältere festverzinsliche Wertpapiere höhere Kupons liefern und das Kapital bei Realisierung und Neuinvestition in der anhaltenden Niedrigzinsphase nur geringe Renditen einbringen würde. Die Pensionskassen sind aber auf die hohen Kupons angewiesen um die Erfüllung der versprochenen hohen Garantien zu gewährleisten.
Um die langfristige Erfüllung der Verpflichtungen von europäischen Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) zu überprüfen, führt die European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) regemäßig Stresstests durch. In dem Stresstest 2017 wurde in Deutschland bei der Befragung eine Marktabdeckung von 50% erreicht, sodass die Ergebnisse als repräsentativ angesehen werden können. Für Deutschland wurde im Stresstest die HGB Bilanz zugrunde gelegt. Ergänzend hierzu wurde für alle Länder eine einheitliche Bilanz simuliert, welche auf Anwendung eines marktkonsistenten Bewertungsstandards basiert. Es erfolgte einerseits eine Simulation im Basis-Szenario, welcher die tatsächliche Situation auf dem Finanz- und Kapitalmarkt berücksichtig. Andrerseits wurde ein sogenanntes „Double-Hit“ Szenario simuliert, welches einen starken Preisverfall bei Aktien mit fallenden risikolosen Zinsen kombiniert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Krisensituation von Pensionskassen in der Niedrigzinsphase ein und definiert die zentralen Forschungsfragen zur Untersuchung der Auswirkungen auf Trägerunternehmen und Versicherte.
2. Organisationsformen und Regulatorik von Pensionskassen: Das Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen, Organisationsformen und die spezifischen aufsichtsrechtlichen Anforderungen, denen Pensionskassen in Deutschland unterliegen.
3. Aktuelle Probleme von Pensionskassen und deren Auswirkungen: Hier werden die durch die Niedrigzinsphase bedingten Probleme in der Kapitalanlage sowie die Ergebnisse aktueller Stresstests und Status-quo-Berichte der BaFin analysiert.
4. Konsequenzen für Trägerunternehmen und Versicherte: Dieser Teil beleuchtet die arbeitsrechtliche Haftung der Trägerunternehmen, Bestandsübertragungen und die Sicherungsmechanismen für Versicherte im Falle einer Insolvenz.
5. Fazit & Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und prognostiziert eine notwendige Konsolidierung des Sektors, insbesondere bei deregulierten Pensionskassen ohne Sanierungsklausel.
Schlüsselwörter
Pensionskassen, Niedrigzinsphase, betriebliche Altersversorgung, BaFin, Einstandspflicht, Subsidiärhaftung, EIOPA Stresstest, Sterbetafeln, Sanierungsklausel, Sicherungsfonds Protektor, Rentenfaktor, Lebensversicherung, Solvabilität, Insolvenz, Altersvorsorge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der prekären wirtschaftlichen Situation deutscher Pensionskassen, die durch anhaltend niedrige Zinsen und gestiegene Lebenserwartungen unter erheblichen finanziellen Druck geraten sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die regulatorischen Rahmenbedingungen, die Anlagestruktur von Pensionskassen, die Auswirkungen von Stresstests auf die Solvabilität sowie die Haftungskonsequenzen für Arbeitgeber.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen der Niedrigzinsphase und angepasster Sterbetafeln auf Pensionskassen zu analysieren sowie die rechtlichen Folgen für beteiligte Trägerunternehmen und Versicherte darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine umfassende Analyse aktueller gesetzlicher Bestimmungen, Fachliteratur sowie offizieller Berichte und Daten von Aufsichtsbehörden wie der BaFin und der EIOPA.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden neben den regulatorischen Grundlagen auch die Ergebnisse des EIOPA-Stresstests 2017, der Status quo laut BaFin-Aufsicht sowie die Subsidiärhaftung bei Insolvenzen detailliert erörtert.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Niedrigzinsumfeld, Subsidiärhaftung, Pensionsrückstellungen, Aufsichtsrecht, Sanierungsklausel und Sicherungsmechanismen.
Welche Rolle spielt die BaFin bei den untersuchten Pensionskassen?
Die BaFin fungiert als Aufsichtsbehörde, die Pensionskassen bei Schieflagen intensiv überwacht, Sanierungsmaßnahmen prüft und bei Bestandsübertragungen sowie Leistungskürzungen regulatorisch eingreift.
Was geschieht bei einer Insolvenz des Trägerunternehmens für die Versicherten?
Aufgrund der Einstandspflicht bleibt das Trägerunternehmen haftbar. Sollte die Pensionskasse die Zusagen nicht mehr erfüllen können, greifen je nach Regulierungsstatus Sicherungsmechanismen wie der Sicherungsfonds Protektor, wobei jedoch Leistungskürzungen in bestimmten Fällen nicht ausgeschlossen sind.
- Arbeit zitieren
- Ercan Osmanli (Autor:in), 2018, Bedeutung und Problematik der Pensionskassen in Zeiten des Niedrigzinses und angepasster Sterbetafeln. Konsequenzen für Konzerne im Rahmen der Altersvorsorge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453487