Kandidaten „können nur dann modern und erfolgreich sein, wenn sie über eine moderne und professionelle Organisation verfügen.“ Besonders in den Zeiten von Wahlkämpfen zeigt sich diese hohe Anforderung an eine moderne und professionelle Organisation.
Die Technik und die Spielregeln von Wahlkämpfen sind komplex, ihre Logistik ist vertrackt und der Zeitaufwand für die Vorbereitung enorm. Die Schneise zwischen Wahlsieg und Wahlniederlage wird immer enger. Die Standhaftigkeit von Stammwählern wird immer geringer, so dass Wählerstimmen leichter zu verlieren als zu halten sind. Dies hat zur Folge, dass eine professionelle Wahlkampagne immer mehr an Bedeutung für das Wahlergebnis gewinnt und in diese immer mehr finanziell investiert wird. „Es ist darum keine Überraschung, dass Spezialisten für politische Strategie, Kommunikation und Organisation den Wahlkampf zu ihrem Beruf machen. Unter dem Stichwort der Professionalisierung der Wahlkämpfe wird die simple Tatsache zusammengefasst: Amateure dienen nur noch als Fußtruppen, aber der Generalstab wird mit Profis besetzt.“ Allein der Titel des Buches „No place for amateurs“ von Dennis W. Johnson kann diese Aussage nur unterstreichen. Es sind die political consultants die für die Führung einer politischen Kampagne verantwortlich und in Amerika kaum wegzudenken sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die political consultants in den USA
2.1 Historie der political consultants
2.2 Aktuelle Betrachtung der Branche der political consultants
2.3 Zukunftsperspektiven für die Branche der political consultants
3. Beratungsleistungen der political consultants im einzelnen
3.1 general consultants
3.2 media consultants
3.2.1 paid-media
3.2.2 free-media
3.3 pollster
3.4 fundraising consultants
3.5 opposition research consultants
4. Exkurs: Die Website der AAPC und der Code of Ethics (Überblick und Kritik)
5. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht den wachsenden Einfluss und die Professionalisierung politischer Berater (Political Consultants) in den US-Wahlkämpfen. Dabei wird analysiert, wie diese Experten den Wahlausgang maßgeblich beeinflussen und ob professionelle Kampagnenführung heute für einen Wahlsieg zwingend erforderlich ist.
- Historische Entwicklung des Berufsstandes der Political Consultants
- Strukturen der Beratungsbranche und aktuelle Trends
- Spezialisierte Beratungsleistungen: Von Strategie über Medienmanagement bis zum Opposition Research
- Kritische Auseinandersetzung mit Ethikkodizes und realen Kampagnenpraktiken
Auszug aus dem Buch
3.2.1 paid-media
Die paid-media weist die Vorteile auf, daß sie innerhalb einer kurzen Zeit relativ viele Menschen erreichen kann und deren Inhalte komplett durch die Kampagne, bzw. durch die media consultants kontrolliert werden können. Ein massiver Nachteil der paid-media ist der enorme Kostenfaktor der TV-Spots. Etwa zwischen 50 und 70% des Wahlkampfbudgets werden in den Bereich der paid-media investiert. Allein im Wahljahr 2000 sollen insgesamt zwischen 800 Mio. und 1 Mrd. Dollar in politische TV-Werbung investiert worden sein. Durch das Bestehen von 210 TV-Märkten und der stetig zunehmenden Bedeutung des Kabelfernsehens besteht die Werbekommunikation in großen US-Kampagnen vor allem aus Fernsehspots, welche als nuclear bomb oder B-52´s der Wahlkampfführung bezeichnet werden.
Laut der Maxime der media consultants, „Repeat it over and over again“ wird die politische Auseinandersetzung mittels TV-Spots (air war) in den USA exzessiv betrieben. Allein in den 75 größten Fernsehmärkten, welche 80 Prozent der Bevölkerung abdecken, wurden im Wahljahr 2000 etwa 1.2 Millionen Polit-Spots ausgestrahlt.
Die politischen TV-Spots zeichnen sich neben ihrer Massivität durch das sogenannte targeting aus. Dies bedeutet, daß das Bombardement mit den Spots meist kanalisiert wird und auf spezifische geographische Regionen oder demographische Bevölkerungsgruppen zielgerichtet ist. Durch die Ausarbeitung für die Anwendung des targeting durch professionelle Agenturen können die TV-Spots auch für die sogenannten swing areas gefiltert werden. Somit werden nur in ca. 20-30 umkämpften Staaten in extremer Weise politische Spots gesendet. Ein Beispiel hierfür ist, daß Al Gore im Wahlkampf 2000 in Kalifornien keinen einzigen Spot senden ließ, da dieser Staat auch ohne Werbekampagne als gewonnen galt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung professioneller Wahlkampforganisationen in den USA und die Entstehung des Berufsstandes der Political Consultants.
2. Die political consultants in den USA: Überblick über die historische Entwicklung, den aktuellen wirtschaftlichen Status der Beratungsbranche und zukünftige Trends.
3. Beratungsleistungen der political consultants im einzelnen: Detaillierte Analyse der verschiedenen Spezialgebiete wie General Consultants, Medienberater, Meinungsforscher, Fundraiser und Opposition Researchers.
4. Exkurs: Die Website der AAPC und der Code of Ethics (Überblick und Kritik): Evaluation der AAPC-Website und kritische Reflexion über die Wirksamkeit und Einhaltung des professionellen Ethikkodex.
5. Schlußbetrachtung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Macht politischer Berater und deren Einfluss auf den Wahlerfolg.
Schlüsselwörter
Political Consultants, USA, Wahlkampf, Professionalisierung, Medienwahlkampf, Paid-Media, Free-Media, Strategieplanung, Demoskopie, Fundraising, Opposition Research, AAPC, Code of Ethics, Marketing, Targeting.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle, dem Einfluss und der Professionalisierung von politischen Beratern („Political Consultants“) im Rahmen amerikanischer Präsidentschaftswahlkämpfe.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie der Branche, den spezialisierten Aufgabenfeldern der Berater (wie Medienberatung oder Demoskopie) und der ethischen Debatte um diese Form der Politikberatung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Es wird untersucht, wie groß der Einfluss von Political Consultants auf den Wahlausgang ist und ob ein professioneller Wahlsieg heute ohne solche Berater überhaupt noch realisierbar erscheint.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Internetquellen und offiziellen Dokumenten der American Association of Political Consultants (AAPC).
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Branche sowie eine detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Beratungsleistungen, inklusive eines Exkurses zur Ethik-Problematik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind hierbei Political Consulting, Medienwahlkampf, Professionalisierung, Targeting, Paid-Media und Opposition Research.
Warum wird die Rolle der AAPC so kritisch hinterfragt?
Die kritische Distanz ergibt sich aus der Beobachtung, dass der propagierte "Code of Ethics" oft nicht mit der harten Realität aggressiver Wahlkampfmethoden übereinstimmt und die Website der Organisation wenig inhaltliche Tiefe bietet.
Was genau versteht man in diesem Kontext unter "Paid-Media" und "Free-Media"?
Paid-Media bezieht sich auf kostenpflichtig geschaltete Werbespots, die von der Kampagne kontrolliert werden, während Free-Media die unbezahlte, aber durch gezieltes Medienmanagement beeinflusste Berichterstattung in Nachrichtenmedien darstellt.
- Quote paper
- Jens Homann (Author), 2004, Political Consultants in den professionalisierten Wahlkämpfen der USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45349