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Der deus ex machina im Literaturvergleich. Euripides' und Mattias Brauns Medea

Titel: Der deus ex machina im Literaturvergleich. Euripides' und Mattias Brauns Medea

Hausarbeit , 2015 , 15 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christian Ziesmer (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Hausarbeit wird die Neugestaltung der Schlussszene bei Braun im Bezug zum deus ex machina bei Euripides untersucht. Hierzu wird zuallererst der Begriff deus ex machina und Wandlungsprozess erklärt. Im Anschluss folgt eine kurze Einführung zur Vorgeschichte des Medea- Mythos. Folgend werden beide Werke inhaltlich zusammengefasst, wobei der Schwerpunkt auf eine ausführliche Darstellung der jeweiligen Schlussszene gesetzt wird. Die Schlussszene wird durch zu Hilfenahme der aktuellen Forschungsliteratur analysiert und abschließend die eigenen Schlussfolgerungen entwickelt.

Das Bild der barbarischen Mörderin, die vor der Tötung ihrer Kinder nicht zurückschreckte, wird eine der ersten Assoziationen sein, wenn der Name Medea fällt. Dieses Bild entstand durch den griechischen Tragödiendichter Euripides, der für einen Theaterwettkampf im Jahr 431 v. u. Z., den sogenannten Großen Dionysien, aus der Mutter Medea die Kindsmörderin transformierte. Das Bild der Kindsmörderin blieb über die Jahrhunderte erhalten, doch durchlebte das Theaterstück eine vielschichtige Metamorphose.

Eine der markantesten Stellen der euripideischen Medea ist ein göttlicher Drachenwagen, der Medea vor ihrem irdischen Schicksal rettet. Doch wurde dieses von Euripides erfundene Werkzeug, der deus ex machina, von antiken Mitstreitern kritisiert, da es die wahre Auflösung der Tragödie verhindere. Dieser Version folgend, schuf Mattias Braun im Jahr 1958 seine eigene Version der Tragödie Medea, die im Rahmen der Luisenburger Festspiele uraufgeführt wurde. Im Gegensatz zu vielen bekannten Metamorphosen der Medea veränderte Braun die inhaltliche Struktur von Euripides Medea nicht sehr stark. Doch verzichtete Braun auf die in der Antike umstrittene göttliche Einmischung in der Schlussszene.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsliteratur

3. deus ex machina

4. Medea

4.1 Vorgeschichte der Argonauten

4.2 Euripides’ Medea

4.2.1 Inhalt

4.2.2 Mord und Rettung

4.2.3 Bedeutung des deus ex machina

4.3 Brauns Medea

4.3.1 Bemerkung der inhaltlichen Nähe

4.3.2 Der ‚fehlende’ deus ex machina

4.3.3 Bedeutung der Schlussszene

5. Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Gestaltung der Schlussszenen in Euripides’ „Medea“ und Mattias Brauns Adaption von 1958, wobei der Fokus insbesondere auf der Funktion und Transformation des „deus ex machina“-Motivs liegt.

  • Analyse des „deus ex machina“ als antikes dramatisches Hilfsmittel.
  • Vergleich der inhaltlichen Strukturen von Euripides und Braun.
  • Untersuchung der gesellschaftlichen und staatlichen Dimensionen der Schlussszenen.
  • Bewertung der Transformation des göttlichen Eingriffs in einen Botenbericht.
  • Reflexion über die Rolle des Individuums im staatlichen Kontext.

Auszug aus dem Buch

4.2.3 Bedeutung des deus ex machina

Auf den ersten Blick entzieht der deus ex machina Medea ihrer gerechten Strafe. Sie wird als vielfache Mörderin durch die Hilfe ihrer göttlichen Abstammung von ihren irdischen Lastern erlöst und kann als Siegerin durch den deus ex machina den Schauplatz verlassen. Somit wird das Konfliktzentrum, in dem Medea und Jason stehen, nicht mehr durch beide Hauptfiguren selbst gelöst, sondern von außen. Hierzu fügt Schmidt an:

Die Flucht der Kolcherin auf dem Sonnenwagen wird allerdings so stark vom verzweifelten Pathos der Handlung überschattet, daß (sic!) man kaum jemals von einem Happy end dieser Tragödie hat reden können.

Das Euripides ein glückliches Ende als Ziel hatte, ist anzuzweifeln, vielmehr wird Medeas Unrecht in den Fokus gerückt, das anfänglich durch ihre skrupellosen Handlungen in den Hintergrund rückt. Dazu führt Roeske Aischylos’ Agamemnon an, worin der Zuschauer nur durch Tragik Leiden lernen kann „und dass das Leid nicht die verschont, die Recht haben, [...]“, wie es auch bei Medea konstruiert wurde. So ist hier anzuführen, dass Medea nicht aus Mordlust agiert. Sie handelt so, weil sie zum einen den Schuldigen ihrer ausweglosen Situation bestrafen will und zum anderen die „tatsächlichen Kräfte einer Frau“ entfesselt will. So erkenne der Zuschauer „die Verbindung, die zwischen Schuld und Scheitern besteht“, da Jason Schuld trage. So ist es Jason, der Medea verstößt, die zuvor ihr Vaterland für Jason verstoßen hat und ihren eigenen Bruder und Pelias tötete. Daraus entwickle der Zuschauer ein Gefühl von Mitleid und Furcht für Medea, da „der Zuschauer um jemanden, der fehlerhaft handelt, bangt und zittert.“ Gleichzeitig käme es durch das Mitleid zur Reinigung und die sich daraus entwickelnde Befreiung von Affekten erzeuge eine Befriedigung des Zuschauers.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Medea-Problematik und Darstellung der Zielsetzung, die Neugestaltung der Schlussszene bei Braun im Vergleich zum antiken Vorbild zu untersuchen.

2. Forschungsliteratur: Überblick über den Forschungsstand, der zeigt, dass das Motiv des „deus ex machina“ bei Euripides zwar bekannt, die Analyse bei Mattias Braun jedoch ein Desiderat darstellt.

3. deus ex machina: Definition des Begriffs als dramatischer „Theatercoup“ und Diskussion seiner Funktion in antiken und modernen Werken.

4. Medea: Detaillierte inhaltliche Darstellung der Argonautensage sowie der Tragödien von Euripides und Braun mit besonderem Augenmerk auf die Schlussszenen.

5. Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, die aufzeigt, wie Braun durch den Verzicht auf den göttlichen Eingriff den Fokus von der individuellen Rettung hin zum staatlichen Zusammenbruch verschiebt.

Schlüsselwörter

Medea, Euripides, Mattias Braun, deus ex machina, antikes Drama, Schlussszene, Literaturvergleich, Argonauten, Staatsapparat, Kindsmord, Theatergeschichte, Gesellschaftskritik, Mythos, Dramentheorie, Transformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den literarischen Vergleich zwischen Euripides’ „Medea“ und der modernen Adaption von Mattias Braun, wobei der Schwerpunkt auf der Darstellung der Schlussszene liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind das antike Motiv des „deus ex machina“, die inhaltliche Struktur der Medea-Tragödien sowie die gesellschaftliche Funktion von Dramen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie Mattias Braun den antiken göttlichen Eingriff in seiner Version umgestaltet hat und welche inhaltlichen Konsequenzen diese Veränderung für die Aussage des Stücks hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Vergleichsanalyse durchgeführt, die auf der Auswertung aktueller Forschungsliteratur und der Untersuchung der Primärtexte basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zum Begriff „deus ex machina“, eine inhaltliche Zusammenfassung der beiden Dramen und eine detaillierte Analyse der jeweiligen Schlussszenen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Medea-Mythos, „deus ex machina“, gesellschaftlicher Zusammenbruch und literarische Metamorphose.

Inwiefern unterscheidet sich Brauns Schluss von dem des Euripides?

Während Euripides seine Medea durch einen göttlichen Drachenwagen rettet, lässt Braun auf eine solche Einmischung verzichten und thematisiert stattdessen den Untergang von Korinth durch bürgerkriegsähnliche Zustände.

Welche Rolle spielt der Botenbericht in Brauns Medea?

Der Botenbericht bei Braun erfüllt eine ähnliche Funktion wie der göttliche Eingriff bei Euripides, indem er die Handlung in Richtung des endgültigen Untergangs der „Maschine Staat“ lenkt, wirkt jedoch stärker in den gesellschaftlichen Kontext eingebettet.

Warum wird laut der Arbeit der „deus ex machina“ bei Euripides oft kritisiert?

Er wird als „plump nach Effekt ringend“ kritisiert, da er eine ausweglose Konfliktsituation von außen löst, anstatt sie organisch aus der Handlung heraus zu entwickeln.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der deus ex machina im Literaturvergleich. Euripides' und Mattias Brauns Medea
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut der Germanistik)
Veranstaltung
Babarenmachen. Kulturkontakte der Gewalt in modernen Adaptionen des Medea-Mythos
Note
1,0
Autor
Christian Ziesmer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V453728
ISBN (eBook)
9783668866867
ISBN (Buch)
9783668866874
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medea Euripides Mattias Braun Argonautensage deus ex machina Drama Theaterkritik Literaturvergleich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Ziesmer (Autor:in), 2015, Der deus ex machina im Literaturvergleich. Euripides' und Mattias Brauns Medea, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453728
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  15  Seiten
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