Grundlagen und Methoden der Straßensozialarbeit


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 2,70

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Grundlagen und Rahmenbedingungen der Straßensozialarbeit
1.1 Definition und Einordnung in das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit
1.2 Zielgruppen
1.3 Ziele und Absichten

2. Methoden in der Straßensozialarbeit
2.1 Arbeitsprinzipien und Arbeitsablauf
2.2 In der Straßensozialarbeit verwendete Methoden
2.2.1 Einzelfallhilfe
2.2.2 Gruppenarbeit
2.2.3 Gemeinwesenarbeit
2.3 Die Rolle des Straßensozialarbeiters innerhalb seiner Arbeit

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Innerhalb der Sozialen Arbeit gibt es sehr viele unterschiedliche Tätigkeitsfelder, sowohl sehr alte als auch sehr junge Disziplinen. Die Straßensozialarbeit, auch Streetwork genannt, gehört zu einer der ältesten Disziplinen innerhalb der Sozialen Arbeit. Es wird vermutet, dass sie ihren Ursprung in der Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA hatte. Eine genaue Zeitangabe kann jedoch nicht festgelegt werden (vgl. Steffan 1988, S. 10).

Dennoch hat das Thema der Straßensozialarbeit in der heutigen Zeit eine hohe Relevanz, da die Nachfrage nach ihr stetig ansteigt. Beispielsweise steigt Anzahl der Obdachlosen in Deutschland in den letzten Jahren rapide an und es wird erwartet, dass sie bis 2018 um 61 Prozent ansteigen wird (vgl. Laufer 2015). Folglich ist die sozialpädagogische Arbeit der Straßensozialarbeiter (aus Gründen der Lesbarkeit wird im folgenden Text die männliche Form verwendet, sie bezieht sich aber immer auf Angehörige beider Geschlechter) so stark benötigt wie lange nicht mehr. An dieser Stelle ist es interessant zu betrachten, welcher Methoden und Grundlagen sich die Straßensozialarbeit bedient, um den aufkommenden Problemen, wie zum Beispiel Obdachlosigkeit, entgegen zu wirken und den betroffenen Zielgruppen sozialpädagogische Unterstützung anzubieten. Daraus folgend beschäftigt sich diese Hausarbeit mit der Fragestellung „Welche Grundlagen und Methoden wendet die Straßensozialarbeit in Deutschland an, um den Zielgruppen sozialpädagogische Unterstützung anzubieten?“. Neben der Relevanz für die aktuelle gesellschaftliche Situation in Deutschland wurde diese Fragestellung auch gewählt, da es bei vielen Tätigkeitsfeldern der Sozialen Arbeit und vor allem bei der Straßensozialarbeit nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, welche Methoden angewandt werden und welche Grundlagen für eine erfolgreiche Arbeit vorhanden sein müssen. Folglich ist das Ziel dieser Hausarbeit die Arbeitsvorgänge eines Straßensozialarbeiters näher und detailliert zu betrachten und herauszufinden, wie die Arbeitsweise in der Straßensozialarbeit aussieht.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich im ersten Abschnitt damit, welche Grundlagen und Rahmenbedingungen in der Straßensozialarbeit vorhanden sind. Zu Beginn wird der Begriff Straßensozialarbeit definiert und in das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit eingeordnet, um einen groben Überblick über dieses Tätigkeitsfeld zu bekommen. Darauf folgend werden die Zielgruppen und auch die angestrebten Ziele der Straßensozialarbeit beschrieben. Im zweiten Abschnitt soll anhand der vorliegenden Literatur genauer beleuchtet werden, wie der Arbeitsablauf innerhalb der Straßensozialarbeit aussieht und welche Arbeitsprinzipien angewandt werden. Dann werden die in der Straßensozialarbeit verwendeten Methoden und Arbeitsformen näher erörtert. Hierbei werden hauptsächlich die Einzelfallarbeit, die Gruppenarbeit und die Gemeinwesenarbeit betrachtet. Zuletzt wird noch die Rolle des Straßensozialarbeiters innerhalb seiner Arbeit veranschaulicht. Schließlich wird ein Fazit gezogen, um die Ergebnisse zusammenzufassen.

1. Grundlagen und Rahmenbedingungen der Straßensozialarbeit

1.1 Definition und Einordnung in das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit

Die Straßensozialarbeit hat ihre Ursprünge in den USA. Dort wurde erstmalig der englische Begriff „Streetwork“ von Soziologen und Sozialpädagogen verwendet. Wann genau dieser Begriff in den USA entstanden ist kann heute nicht mehr ausfindig gemacht werden. Auch in Deutschland wird aufgrund der amerikanischen Herkunft des Begriffes die Straßensozialarbeit häufig als Streetwork bzw. der Straßensozialarbeiter als Streetworker bezeichnet. Die Bedeutung dieser beider Begriffe ist jedoch identisch (vgl. Steffan 1988, S. 10).

Bei der Einordnung der Straßensozialarbeit in das Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit lässt sich grundsätzlich feststellen, dass die Straßensozialarbeit eine bestimmte Form der aufsuchenden Sozialarbeit ist, sie hat jedoch an vielen Stellen Überschneidungen mit anderen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit, zum Beispiel mit der Jugendarbeit, der Gemeinwesenarbeit, der Flüchtlingsarbeit oder auch der Arbeit in der ambulanten Drogenberatung (vgl. Steffan 1988, S. 10 f.). Daher lassen sich dort keine genauen Trennlinien ziehen, wo Straßensozialarbeit aufhört und wo sie anfängt.

Der Straßensozialarbeiter arbeitet im Wesentlichen nicht nur in den Räumlichkeiten eines Sozialamtes oder einer bestimmten Beratungsstelle, sondern er begibt sich in die realen Lebensfelder der Zielgruppen. Wenn er beispielsweise im Bereich der Drogenarbeit tätig ist, arbeitet er hauptsächlich im sozialräumlichen Zusammenhang dieser Drogenszene. Also begibt er sich dorthin, wo Drogenkonsumenten ihre lebensweltlichen Bezüge schaffen. Anders als bei dem Begriff „Straßensozialarbeit“ erwartet, arbeitet er folglich nicht nur auf der Straße an sich, sondern auch an den anderen Orten, wo sich die Zielgruppen aufhalten. Das können je nach Zielgruppe Jugendtreffs, öffentliche Plätze, Kneipen, Innenstädte, Rotlichtviertel oder ähnliches sein (vgl. Steffan 1988, S. 10).

Ein weiterer wichtiger Aspekt zu diesem Thema ist, dass Straßensozialarbeit nicht eine einzelne Methode innerhalb der Sozialen Arbeit ist, sondern ein konkretes Arbeitsfeld mit seinen eigenen Anforderungen an den jeweiligen Sozialarbeiter, der in diesem Feld tätig ist (vgl. Gref 1995, S. 13).

1.2 Zielgruppen

Die Zielgruppen der Straßensozialarbeit sind anders als bei anderen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit sehr breit gefächert. Des Weiteren ist die Zielgruppenorientierung ein zentrales Merkmal der Straßensozialarbeit. Dazu gehören vor allem Klientengruppen, an denen die Institutionen der Sozialen Arbeit mit ihrer üblichen „Komm-Struktur“ gescheitert sind oder die durch die anderweitigen Sozialdienste nicht erreicht werden können. Daher arbeitet die Straßensozialarbeit aufsuchend und sucht daher die jeweilige Zielgruppe aktiv auf, da diese nicht selbständig die Unterstützung der institutionalisierten Sozialdienste in Anspruch nehmen kann. Zu den konkreten Zielgruppen gehören Drogenabhängige, Obdachlose, männliche und weibliche Prostituierte, gewalttätige Fußballfans, Jugendgangs und Straßenkinder (vgl. Stimmer 200, S. 88).

Dabei muss erwähnt werden, dass die Zielgruppen altersunabhängig sind. Das heißt, dass sowohl Jugendliche und Kinder und Erwachsene zu den Zielgruppen gehören (vgl. Klose 1997, S. 16).

Darüber hinaus ist es bei den Zielgruppen der Straßensozialarbeit besonders wichtig den jeweiligen Klienten (aus Gründen der Lesbarkeit wird im folgenden Text die männliche Form verwendet, sie bezieht sich aber immer auf Angehörige beider Geschlechter) ernst zu nehmen und dort anzusetzen, wo der Klient momentan steht. Dies ist eine essentielle Prämisse für einen in der Straßensozialarbeit tätigen Sozialarbeiter (vgl. Gref 1995, S. 15).

Diese Erkenntnisse sind äußerst relevant für die Fragestellung, da sich der Straßensozialarbeiter somit auf unterschiedlichste Zielgruppen, die verschiedene Anforderungen an ihn stellen, immer wieder neu einstellen muss und gegebenenfalls sich auch verschiedenen Handlungsabläufen und Methoden bedienen muss, um den Klienten bestmögliche sozialpädagogische Unterstützung anzubieten.

1.3 Ziele und Absichten

Ein bedeutendes Leitziel der Straßensozialarbeit ist – wie in vielen anderen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit – die Hilfe bei der Lebensbewältigung. Das heißt, dass der Straßensozialarbeiter seine Klienten bei der Lebensführung und bei der Bewältigung von Problemen und Konflikten, die im Leben und Alltag des Klienten entstehen, sozialpädagogisch unterstützt. Dieses Leitziel bezieht sich auf die individuelle Ebene, was bedeutet, dass der Straßensozialarbeiter sozialpädagogische Unterstützung bei der Persönlichkeitsstabilisierung und der Persönlichkeitsentwicklung leistet. Ebenso unterstützt er den Klienten bei dem Erwerb individueller Handlungskompetenzen und regt die Entwicklung jener an. Auf der Ebene des Sozialverhaltens ist die Erweiterung des Verhaltensrepertoires und die Entwicklung der sozialen Kompetenz als Ziel im Vordergrund (vgl. Gref 1995, S. 16 f.).

Ein weiteres Ziel der Straßensozialarbeit besteht insbesondere bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen darin, soziale Räume zu schaffen. Es ist zum Beispiel möglich neue Jugendtreffs oder Gruppenräume in Jugendzentren einzurichten, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten sich dort aufzuhalten und zu treffen oder in den Kontakt mit einem Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter zu kommen (vgl. Gref 1995, S. 17).

Des Weiteren ist eine weitere äußerst wichtige Zieldimension in der Straßensozialarbeit den Zugang zu der Zielgruppe zu finden, damit der Straßensozialarbeiter ihr Vertrauen gewinnen und die jeweilige Lebenswelt- und Situation kennen und begreifen lernen kann. Dies stellt eine relevante Voraussetzung für das Tätigkeitsfeld der Straßensozialarbeit dar, da der Straßensozialarbeiter Zugang und Vertrauen zu der Zielgruppe herstellen muss, um mit ihnen sozialpädagogisch zu arbeiten und die oben genannten Ziele erreichen zu können. Ebenso sollte der Straßensozialarbeiter Hilfe zur Selbsthilfe leisten und die Klienten durch die Aktivierung ihrer eigenen Fähigkeiten fördern, sodass die Lebensgestaltung der Zielgruppe weniger riskant, sondern sicherer und angenehmer wird (vgl. Klose 1997, S. 16).

Hierzu sollte unbedingt erwähnt werden, dass die Leitziele bei ihrer Durchführung nicht nur problemorientiert, sondern auch präventionsorientiert gehandhabt werden sollten (vgl. Stimmer 2000, S. 88). Der Straßensozialarbeiter hat demnach neben der Aufgabe an den Problemen der Zielgruppe anzusetzen, auch das Ziel präventiv zu arbeiten, sodass Probleme und Konflikte in der Lebensführung der Klienten gar nicht erst entstehen können.

Bei all diesen Zielen und Absichten, die die Straßensozialarbeit verfolgt, ist zu erwähnen, dass es durchaus zu Zielkonflikten kommen kann (vgl. Keppeler 1989, S. 20). Denn in jeder Stadt herrschen unterschiedliche gesellschaftliche und soziale Verhältnisse und Rahmenbedingungen, sodass es nicht immer möglich ist alle Leitziele gleich stark zu verfolgen. Jede Stadt hat unterschiedliche Zielgruppen und somit auch unterschiedliche Anforderungen an die tätigen Straßensozialarbeiter. Die Ziele und Absichten müssen auf das jeweilige Arbeitsgebiet abgestimmt werden, damit keine Zielgruppe übersehen oder vernachlässigt werden kann.

2. Methoden in der Straßensozialarbeit

2.1 Arbeitsprinzipien und Arbeitsablauf

In dem Arbeitsfeld der Straßensozialarbeit gibt einige sehr wichtige Arbeitsprinzipien, die für eine gelingende Arbeit und das Erreichen der Leitziele relevant sind. Dafür sind folgende Voraussetzungen nötig: die Freiwilligkeit der Kontaktaufnahme, die Akzeptanz des Straßensozialarbeiters, die Gewährleistung von Anonymität, die Kontinuität des Kontaktes, der Vetrauensschutz, die Ressourcenorientierung und die Orientierung an den Bedürfnissen und der Lebenswelt der Klienten (vgl. Gillich 2006, S. 58). Eine weitere wichtige Voraussetzung, die betrachtet werden muss, ist die Akzeptanz des Andersseins der Zielgruppe. Damit ist gemeint, dass der Straßensozialarbeiter den Klienten ernst nehmen muss, auch wenn die Lebensauffassung des Klienten konträr zu der des Straßensozialarbeiters steht. Dieses Prinzip ist in allen Tätigkeitsbereichen der Sozialen Arbeit essentiell, aber im Bereich der Straßensozialarbeit noch ein Stück weit mehr, da sich die Zielgruppen vom Straßensozialarbeiter akzeptiert und in ihrer Lebensführung ernst genommen fühlen müssen (vgl. Gref 1995, S. 15). Somit ist die Akzeptanz und Anerkennung der Zielgruppen ein äußerst bedeutendes Arbeitsprinzip, ohne das eine sozialpädagogische Unterstützung für die Klientel nicht möglich wäre.

Ein weiterer Aspekt zu diesem Thema ist der Grundsatz von Parteilichkeit und Solidarität, welcher ebenfalls bei der Straßensozialarbeit unumgänglich ist. Denn der Straßensozialarbeiter muss eine positive Einstellung zu der jeweiligen Zielgruppe haben und sich ihr gegenüber solidarisch verhalten und darf nicht als ein Feind oder Verräter angesehen werden. Der Straßensozialarbeiter darf beispielsweise mit der Polizei zusammenarbeiten, um die Klienten zu unterstützen. Allerdings sollte er keine kontrollpolitischen Aufgaben übernehmen. Er kann es zum Beispiel ablehnen, Berichte über die Klienten an die Justiz abzugeben (vgl. Keppeler 1989, S. 27). Dieses Grundprinzip ist im Hinblick auf die Vetrauensbeziehnung zwischen Straßensozialarbeiter und Klient grundlegend.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Grundlagen und Methoden der Straßensozialarbeit
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,70
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V453876
ISBN (eBook)
9783668859555
ISBN (Buch)
9783668859562
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundlagen, methoden, straßensozialarbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Grundlagen und Methoden der Straßensozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453876

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