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Inwieweit kann der Täter-Opfer-Ausgleich den Bedürfnissen des Opfers gerecht werden?

Title: Inwieweit kann der Täter-Opfer-Ausgleich den Bedürfnissen des Opfers gerecht werden?

Term Paper , 2017 , 28 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Christoph Blum (Author)

Social Work
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Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA), als eine Form der informellen Konfliktregelung, wurde gesetzlich verankert und kann sowohl positive empirische Befunde, als auch weitestgehend -zumindest theoretische- Akzeptanz aufweisen. Aus diesem Grund, soll in dieser wissenschaftlichen Arbeit untersucht werden, in wieweit der Täter-Opfer-Ausgleich den Bedürfnissen des Opfers, welche in den traditionellen Sanktionsverfahren keine Berücksichtigung erhalten, gerecht werden kann. Sollte dieser einen näheren Bezug zum Opfer aufweisen, wäre zu diskutieren, weshalb er in der Praxis weiterhin nur eine marginale Anwendung finde.

Während das Opfer nach der Straftat lange Zeit gänzlich missachtet wurde, kommt ihm in letzter Zeit zunehmend Aufmerksamkeit zu. Die Viktimologie, als relativ junges Teilgebiet der Kriminologie, untersucht dabei, welchen Stellenwert das Opfer in der Tatentstehung hat und welche Folgen sich für das Opfer ergeben. Auch, wenn sich derzeit zahleiche Bemühungen um die Opferforschungen drehen, findet dieses immer noch nur eine Randposition im Strafprozess. Obwohl immer mehr Bedürfnisse des Opfers nach der Tat herausgearbeitet werden, werden diese im Strafprozess nicht ausreichend berücksichtig.

Dazu kommt, dass Strafe zunehmend als unangemessen als Reaktion auf Straftaten angesehen wird. Dafür sprechen sowohl empirische Befunde, die eine Effizienz der Strafe nicht abdecken und auch Kritiken an den konventionellen Straftheorien, die das Opfer in keiner -oder nur marginaler- Weise anführen. Wird eine Straftat verstanden als Konflikt, besitzt das Opfer jedoch eine entscheidende Rolle als Mitakteur, der mit seinen Interessen sowohl an der Tat als auch in der Konfliktbereinigung eine Rolle finden sollte. Nach diesen Erkenntnissen entsteht in neuerer Zeit vermehrt das Bemühen, informelle Alternativen zur Strafpraxis zu finden. Dabei werden außergerichtliche Verfahren angestrebt, die auf Diversion oder Strafmilderung. Das Opfer findet dabei eine entscheidende Position im Sinne der Konfliktbereinigung was sich nach aktuellem Forschungsstand auch positiv auf die Strafeffizienz auswirke.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Themenrelevanz und Fragestellung

1.2 Gliederung

2. Tatfolgen für Opfer

2.1 Bedürfnisse des Opfers

3. Zweck der Strafe – Straftheorien

4. Rolle des Opfers im Strafverfahren

5. Alternativen zum Strafverfahren

5.1 Restorative Justice

5.2 Täter-Opfer-Ausgleich

5.2.1 Ablauf & Ziele

5.2.2 Gesetzliche Grundlagen

5.2.3 Bedürfnisse des Opfer im TOA

5.2.4 Kritik

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, inwieweit der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) als informelles Konfliktregelungsverfahren den Bedürfnissen von Kriminalitätsopfern gerecht werden kann, die im konventionellen, stark täterzentrierten Strafrechtssystem häufig vernachlässigt werden.

  • Viktimisierung und die daraus resultierenden psychischen sowie sozialen Bedürfnisse des Opfers.
  • Kritische Analyse der Rolle des Opfers im traditionellen deutschen Strafverfahren.
  • Darstellung der Konzepte Restorative Justice und Täter-Opfer-Ausgleich.
  • Untersuchung der gesetzlichen Verankerung des TOA im Strafrecht.
  • Kontrastierung von TOA und formellem Strafverfahren hinsichtlich der Erfüllung spezifischer Opferinteressen.

Auszug aus dem Buch

5.2 Täter-Opfer-Ausgleich

Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) ist das an Täter und Opfer gerichtetes Angebot, in einem außergerichtlichen Konfliktgespräch eine Regelung zu finden, in der auf die Bedürfnisse bei der Seiten Rücksicht genommen wird und die den zugrundeliegenden Konflikt, der zur Tat geführt hat, abmildern oder beseitigen kann (Janke 2005, S. 24). Demnach wird neben der Strafe und der Non-Intervention von einer „dritte[n] Spur im Strafrecht“ (Kindhäuser, Neumann & Paeffgen 2013, §46a Rn. 1-4) gesprochen. Das Ergebnis dieses Gesprächs soll eine Einigung über eine Wiedergutmachungsbemühung des Täters sein, die sowohl materiell aber auch symbolisch ausfallen kann und die zur Verbindlichkeit vertraglich festgehalten wird (Bieri und Ferel 1994, S. 25–26). Für den Täter hat der TOA neben der sozioemotionalen Komponente den Vorteil, dass er sich positiv auf die Strafbemessung auswirken kann, was im Kap.5.2.2 am Gesetz gezeigt werden soll.

Als Alternativkonzept soll der TOA, statt Vergeltungs- und Repressionsgedanken, konstruktive Tatverarbeitung und Schlichtung zwischen Täter und Opfer herbeiführen (Bauer 1997, S. 14–15). Er steht damit für einen Paradigmenwechsel von einer, auf den Staat und seine Interessen ausgerichteten Strafrechtstheorie, zu einer, im Interesse des Opfers stehenden Strafrechtspraxis (Eppenstein 1999, S. 27). Die Opfer und entsprechende Wiedergutmachungsverfahren werden damit in das Zentrum gerückt (Bauer 1997, S. 19). Der TOA scheint vor allem deshalb so attraktiv, da er sowohl aus ökonomischer Sicht - im Sinne der Strafprozesskostenminimierung - sinnvoll ist, als auch eine positive Wirkung auf die Beziehung zwischen Täter und Opfer habe (Lamnek 1997, S. 367). Ein wichtiges Kriterium des TOA ist, dass das Zusammentreffen auf freiwilliger Basis stattfindet, da es durch Zwang den Aspekt der ehrlichen Wiedergutmachung vernachlässige. Damit dies jedoch konstruktiv und zielgerichtet stattfinden kann, gibt es einen Vermittler oder Mediator, der den Prozess unterstützt, aber nicht lenkt (Janke 2005, S. 24–25). Nach Bauer (1997, S.61) wäre der TOA dementsprechend als Humanisierung des Strafrechts und damit als Weiterführung rechtsphilosophischer Reformbestrebungen der Aufklärung zu verstehen, die Erziehung, Prävention und Wiedereingliederung im Sinne der Ordnung des Zusammenlebens der Gesellschaft für die geeignetsten Instrumente zur sozialen Kontrolle hielten (ebd., S.39).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenrelevanz ein und verdeutlicht die Vernachlässigung des Opfers im Strafrecht sowie die Forschungsfrage zur Eignung des Täter-Opfer-Ausgleichs.

2. Tatfolgen für Opfer: In diesem Kapitel werden die vielfältigen psychischen, sozialen und physischen Folgen einer Viktimisierung analysiert und zentrale Opferbedürfnisse abgeleitet.

3. Zweck der Strafe – Straftheorien: Hier werden die verschiedenen Straftheorien erläutert, wobei insbesondere die Position des Opfers innerhalb dieser rein staatlich geprägten Rechtfertigungsmodelle beleuchtet wird.

4. Rolle des Opfers im Strafverfahren: Dieses Kapitel kritisiert den sekundären Status des Opfers im Strafverfahren, in dem es meist nur als Zeuge fungiert und dessen individuelle Bedürfnisse kaum Berücksichtigung finden.

5. Alternativen zum Strafverfahren: Hier werden informelle Alternativen wie Restorative Justice und der Täter-Opfer-Ausgleich vorgestellt, deren Ablauf und gesetzliche Rahmenbedingungen detailliert dargestellt und kritisch hinterfragt werden.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der TOA die Bedürfnisse der Opfer in vielen Bereichen besser erfüllen kann als das formale Strafverfahren, auch wenn er weiterhin kontrovers diskutiert wird.

Schlüsselwörter

Täter-Opfer-Ausgleich, TOA, Kriminologie, Viktimologie, Restorative Justice, Opferbedürfnisse, Strafrecht, Strafzumessung, Konfliktbereinigung, Wiedergutmachung, Diversion, Strafprozess, Rechtsstaatsprinzip, Schuldprinzip, psychische Folgeschäden

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Eignung des Täter-Opfer-Ausgleichs als informelles Verfahren zur Konfliktlösung, um den Bedürfnissen von Kriminalitätsopfern besser gerecht zu werden als das klassische Strafverfahren.

Welche sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Folgen von Straftaten für die Opfer, die Kritik an klassischen Straftheorien sowie die Analyse des Täter-Opfer-Ausgleichs in Theorie und Praxis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwieweit der Täter-Opfer-Ausgleich den spezifischen Bedürfnissen des Opfers, die in traditionellen Sanktionsverfahren oft unberücksichtigt bleiben, gerecht werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine wissenschaftliche Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse kriminologischer und rechtswissenschaftlicher Texte basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Opferbedürfnisse, die Straftheorien, die Rolle des Opfers im Strafverfahren sowie eine ausführliche Darstellung des Täter-Opfer-Ausgleichs inklusive seiner gesetzlichen Grundlagen und kritischer Würdigung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Täter-Opfer-Ausgleich, Restorative Justice, Opferbedürfnisse, Viktimologie, Strafrechtspraxis und Konfliktbereinigung.

Wie unterscheidet sich der TOA von einem normalen Strafprozess für das Opfer?

Im TOA wird das Opfer vom passiven Zeugen zum aktiven Interaktionspartner erhoben, wobei seine Bedürfnisse und Gefühle direkt in den Kommunikationsprozess einfließen, anstatt vom Staat als abstraktes Rechtsgut behandelt zu werden.

Warum wird der TOA trotz seiner Vorteile kritisch diskutiert?

Kritiker führen an, dass der TOA rechtsstaatliche Prinzipien, wie das Legalitäts- oder Schuldprinzip, tangieren könnte und befürchten eine Ausweitung sozialer Kontrolle oder ein Scheitern der spezialpräventiven Wirkung.

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Details

Title
Inwieweit kann der Täter-Opfer-Ausgleich den Bedürfnissen des Opfers gerecht werden?
College
University of Kassel  (Sozialwesen)
Course
Opfer im Strafrecht
Grade
2,3
Author
Christoph Blum (Author)
Publication Year
2017
Pages
28
Catalog Number
V453924
ISBN (eBook)
9783668856851
ISBN (Book)
9783668856868
Language
German
Tags
Täter Opfer Ausgleich Bedürfnisse Restorative Justice Strafrecht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Blum (Author), 2017, Inwieweit kann der Täter-Opfer-Ausgleich den Bedürfnissen des Opfers gerecht werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453924
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