Der Wandel der Familie wird bereits seit Jahrhunderten von Menschen analysiert, beobachtet und bewertet. Familie ist ein Thema, was jeden von uns auf unterschiedlichste Art und Weise unser gesamtes Leben lang begleitet und somit allgegenwärtig scheint. Deshalb ordnen unterschiedliche Wissenschaftler und Autoren den familialen Wandel auch jeweils unterschiedlich ein. Peuckert (2012: 1) zeigt auf, dass wir uns laut vieler Aussagen einerseits in einem Zeitalter der „Krise der Familie“ befinden, wenn wir nicht sogar schon beim „Tod der Familie“ angekommen sind, während andere Sichtweisen die „Kontinuität und Stabilität der Familie“ betonen.
Diese Hausarbeit möchte dies nicht selbstständig einordnen, sondern zunächst zwei soziologische Theorien vorstellen und erläutern. Diese Thesen fungieren unter anderem als Erklärungsansätze für den familialen Wandel. Die Individualisierungstheorie wird zum Beispiel von Ulrich Beck aufgegriffen, welcher zeigt, wie die Loslösung aus traditionellen Zwängen zu Situationen führt, in denen die Individuen stetig biographische Entscheidungen treffen müssen, was dann wiederum das Familienleben stark beeinflusst. Thomas Meyer fokussiert sich auf die Theorie der sozialen Differenzierung, indem er eindrucksvoll die Familie als Subsystem der Gesellschaft weiter differenziert und somit die Modernisierung in Bezug auf den Wandel der Familie darstellt.
Zu Beginn fungiert ein chronologischer Überblick des Familienwandels vom vorindustriellen Zeitalter bis zum heutigen 21. Jahrhundert als Grundlage für die folgenden Kapitel und Bezüge. Davon ausgehend stelle ich anschließend beide Theorien vor und nenne eine Vertreterauswahl, um zu zeigen, wie sich die Theorien mit immer neuen Vertretern im Prozess der Zeit weiterentwickelt und aktualisiert haben. Anschließend ordne ich beide Theorien in Bezug auf den familialen Wandel ein. Wie erklären die einzelnen Anschauungen den Wandel der Familie? Wo bestehen Unterschiede, wo gibt es fundamentale Gemeinsamkeiten? Dies wird als Leitfrage im vorletzten Kapitel beantwortet, um im Fazit zusammenfassend das Themengebiet abzuschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wandel der Familie
3. Soziologische Theorien
3.1 Die Theorie der Individualisierung
3.2 Die Theorie der sozialen Differenzierung
4. Erklärungsansätze für den Wandel der Familie
4.1 Erklärungsansätze der Individualisierungstheorie
4.2 Erklärungsansätze der sozialen Differenzierungstheorie
4.3 Zusammenführung der Erklärungsansätze
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den soziologischen Wandel der Familie von der Vormoderne bis zur Gegenwart, indem sie die Individualisierungstheorie und die Theorie der sozialen Differenzierung als zentrale Erklärungsansätze gegenüberstellt und analysiert.
- Historische Entwicklung familialer Strukturen vom vorindustriellen Zeitalter bis zum 21. Jahrhundert.
- Vertiefende Analyse der Individualisierungstheorie nach Simmel, Elias und Beck.
- Strukturelle Betrachtung der sozialen Differenzierung durch Durkheim, Luhmann und Meyer.
- Vergleich und Zusammenführung der beiden Theorien zur Erklärung familialer Veränderungsprozesse.
- Untersuchung moderner Lebensformen und privater Subsysteme als Antwort auf gesellschaftliche Anforderungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Theorie der Individualisierung
Die Individualisierungstheorie ist eine der vier Dimensionen der Modernisierung und zeichnet sich durch einen persönlichkeitsbezogenen Fokus aus (vgl. Rosa/Strecker/Kottmann 2007: 21f.). Viele Soziologen nahmen sich dieser Theorie an und definierten sie auf ihre Art und Weise. Im Zuge dieses Kapitels werden die Vertreter Georg Simmel (1858-1918), Norbert Elias (1897-1990) und Ulrich Beck (1944-2015) und ihre Auslegungen der Theorie vorgestellt. Ulrich Beck und seine Erklärungsansätze der Modernisierung werden hierbei genauer beleuchtet, da sie sich auf das jüngste Zeitalter beziehen.
Georg Simmel, seinerzeit soziologisch vielseitig interessiert, legte seinen Fokus auf die sozialen Veränderungen und gesellschaftlichen Strukturen in der frühen Moderne (vgl. Rosa/Strecker/Kottmann 2007: 88). Er definierte den Modernisierungsprozess als Auswirkung der „[…] Wechselwirkungen zwischen individuellen und strukturellen, geistigen und materiellen Entwicklungen […]“ (Rosa/Strecker/Kottmann 2007: 90). Simmel beobachtete in der modernen Gesellschaft wachsende Freiheiten für das Individuum bei gleichzeitig steigender Vergesellschaftung (ebd.). Menschen gehen demnach im Zuge der Individualisierung immer häufiger aus individuellem Interesse eigene Beziehungen ein. Als wichtiges Entwicklungsmerkmal für die Entwicklung der Individualisierung nennt er „die Ausdehnung und Überschneidung sozialer Kreise […]“ (Rosa/Strecker/Kottmann 2007: 106). Gefahren sieht Simmel vor allem dort, wo sich die Individuen alle gleichartig entwickeln und „[…] gleichförmig werden“ (ebd.). Es könne passieren, dass die Menschen aufgrund der „[…] Komplexität und Solidität der objektiven Kulturgebilde […] so überwältigt werden, dass sie sich an ihnen nicht mehr bilden und entwickeln können […], sondern seelisch verkümmern“ (ebd.). Zusammenfassend ist also zu sagen, dass Simmel als Ursache für die Individualisierung die Vergesellschaftung sieht und die Wechselwirkungen von Gesellschaft und Individuum betont.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des familialen Wandels ein und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Wandel der Familie: Dieses Kapitel liefert einen chronologischen Überblick über die Entwicklung von Familienformen von der vorindustriellen Zeit bis in das 21. Jahrhundert.
3. Soziologische Theorien: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Individualisierung und der sozialen Differenzierung anhand bedeutender soziologischer Vertreter dargestellt.
4. Erklärungsansätze für den Wandel der Familie: Dieses Hauptkapitel wendet die zuvor erläuterten Theorien konkret auf den Wandel der Familie an und führt die Ansätze zusammen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass beide Theorien den Wandel der Familie als stetigen, gesellschaftlich bedingten Prozess beschreiben.
Schlüsselwörter
Familiensoziologie, Wandel der Familie, Individualisierungstheorie, Theorie der sozialen Differenzierung, Modernisierung, Strukturwandel, Lebensformen, Privatheit, Ulrich Beck, Georg Simmel, Niklas Luhmann, Arbeitsteilung, Normalbiographie, soziale Kreise, Familiengründung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den soziologischen Hintergründen des Wandels der Familie und untersucht, wie verschiedene theoretische Perspektiven diesen Wandel erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der historische Wandel von Familienstrukturen, die Entwicklung der Individualisierung und die funktionale Differenzierung der Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Individualisierungstheorie und die Theorie der sozialen Differenzierung in Bezug auf ihre Erklärungskraft für den familialen Wandel zu analysieren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, bei der soziologische Fachliteratur gesichtet, zusammengefasst und in den Kontext der Familiensoziologie gestellt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung soziologischer Grundlagentheorien und deren gezielte Anwendung auf den Wandel der Familienformen und Lebensentwürfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Familiensoziologie, Individualisierung, soziale Differenzierung, Modernisierung und der Wandel der Familienstrukturen.
Wie unterscheidet Thomas Meyer die Subsysteme der Privatheit?
Thomas Meyer differenziert zwischen dem kindorientierten, dem partnerschaftsorientierten und dem individualistischen Privatheitstyp, um die Vielfalt moderner Lebensformen abzubilden.
Welche Bedeutung hat das 19. Jahrhundert für das bürgerliche Familienbild?
Im 19. Jahrhundert etablierte sich das bürgerliche Familienideal mit der Trennung von Erwerbsarbeit und Privatleben, das insbesondere für wohlhabende Schichten prägend wurde.
Warum sinken laut der Individualisierungstheorie die Geburtenzahlen?
Die Theorie führt dies auf die gestiegenen Entscheidungsfreiheiten und den damit verbundenen Druck auf Individuen zurück, ihr Leben biographisch zu planen, wobei Beruf und Kinderwunsch oft in Konflikt stehen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Familiensoziologische Erklärungsansätze für den Wandel der Familie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453954