Gesundheitliche Folgen von dem Leben in unteren Schichten der Gesellschaft und mögliche Erklärungsansätze


Seminararbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1.Einleitung
1.1. Armut
1.1.1. Definition
1.1.2. Enstehung
1.2. Was ist Gesundheit?
1.3. Sterben Arme früher?
1.4. Medizinische Grundlagen der Wirkung von Stress auf den Körper

2. Erklärungsansätze
2.1. Die Wirkung der Arbeitsbedingungen
2.2. Die Wirkung des Bildungsniveaus
2.3. Gesundheitsverhalten von Personen der unteren sozialen Schicht
2.4. Unterschiede in psychischen Morbidität

3. Erklärungsmöglichkeiten
3.1. Vorwurf der Artefakte
3.2. Selektions- oder Drifthypothese
3.3. Risikofaktorenmodell – Kultur und Verhalten
3.4. Mehrebenen Modell

4. Aussichten und Prognosen

5. Literaturnachweis

1.Einleitung

Die Frage, die auch Antonovsky bereits beschäftigte: wie wird man ein guter Schwimmer in dem Fluss des Lebens, ist brisanter denn je. Nach dem im Jahre 2001 erstmalig vorgelegten Armutsbericht der Bundesregierung verteilt sich immer mehr Geld auf immer weniger Personen (Morfeld 2002 S.1, 22). Auch in Deutschland, einem der führenden Industrienationen, klafft der Spalt zwischen arm und reich immer weiter auseinander. So ist die Armutsquote von 11,7% im Jahre 1993 auf 13,5% im Jahr 2003 gestiegen.In dieser Hausarbeit soll auf die möglichen Ursachen für das zustande kommen von Unterschieden in der Krankheitshäufigkeit und Todeshäufigkeit in den verschiedenen sozialen Schichten eingegangen werden. Die Realität ist, dass auch in einem Sozialstaat trotz hoher Investitionen in das Gesundheitssystem die Fuge zwischen den Schichten im gesamten 20. Jahrhundert sich nicht verkleinern ließ. Selbst das wissenschaftliche Interesse an sozialer Ungleichheit und Gesundheit geriet in den 80er Jahren in Vergessenheit. Doch auch die Bundesregierung hat sich durch den Beschluss der WHO „Health for All“ im Jahre 1998 dazu verpflichtet die soziale Ungleichheit im Gesundheitsbereich zu verringern, damit nicht der Satz an Bedeutung gewinnt den Alfred Oppolzer in seinem Buch aus dem Jahre 1986 so treffend beschreibt: „Wenn Du arm bist, mußt Du früher sterben“(Helmert, Bammann, Voges, Müller (Hrsg.) 2000 S.9f).

1.1.Armut

1.1.1. Definition

Für die Definition von Armut in Industrienationen hat die EU als Grenze festgelegt, das derjenige als „in Armut lebend“ bezeichnet wird, der in einem Haushalt wohnt mit weniger als 50% des Durchschnittsnettohaushaltseinkommens einer Region. Haushalte mit einem Einkommen von 50% - 62,5% des Durchschnittswertes werden als „von Armut bedroht“ oder als „nahe der Armutsgrenze“ bezeichnet (Helmert 2003 S.62).

Ein anderer Ansatz zur zahlenmäßigen Erfassung von in Armut lebenden bzw. von Armut bedrohten Menschen in Deutschland erfolgt über den Bezug von Sozialhilfe.

1.1.2. Entstehung von Armut

In Armut kann man heutzutage entweder freiwillig oder unfreiwillig geraten. Der Armut freiwillig „beitreten“ kann man zum Beispiel durch seinen Glauben. So vertreten Bettelorden (z.B. Franziskaner oder Dominikaner) die Sichtweise, dass materieller Besitz für das Seelenheil der Menschen nicht von Bedeutung ist (Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie 2005). Unfreiwillig in Armut gerät mit Sicherheit der grösste Teil der Betroffenen durch ein jeweils individuelles Einzelschicksal.

1.2. Was ist Gesundheit?

Nach der Definition von 1948 der WHO (Weltgesundheitsorganisation) versteht man darunter nicht nur das Fehlen von Krankheiten, sondern auch den „Zustand des vollkommenen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens“ im objektiven Sinn (Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie 2005). Auch sei es ein Abwägen von Risikofaktoren und Schutzfaktoren. Vorraussetzungen nach Hurrelmann sind unter anderem die Lebensfreude der Menschen und ihre Fähigkeit, in ihrem Leben Sinn zu erkennen; die herrschenden Lebens- und Arbeitsbedingungen und die Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge, die sie nutzen können. Auch das Wissen und den Umgang mit möglichen Krankheiten bzw. deren Symptome ist wichtig (Rohleder Gesundheitssoziologie SS 2005 KfhNW). Im Gegensatz dazu wird Krankheit von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als ein „regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, der eine Behandlung erfordert und/oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat“ bezeichnet (Schwarzer 2004 S.16). Dies ist aber nicht schwarz oder weiß zu sehen. Beispielsweise sprechen von Diabetes mellitus betroffene Personen nicht davon, dass sie krank sind. Sie bezeichnen sich selbst als „bedingt gesund“. So kann man ein „Handicap“ haben, doch dank der heutigen medizinischen Fortschritte sind die Lebensbedingungen von den Betroffenen erheblich verbessert worden. Doch wie jeder Fortschritt sind auch Verbesserungen der Gesundheitsversorgung teuer. Können diese dennoch gerecht verteilt werden?

1.3. Sterben Arme früher?

Diese Frage steht in Deutschland schon lange. Doch blieben die Forschungsaktivitäten zu diesem Thema in Deutschland lange Zeit hinter denen anderer Eu-Staaten oder der USA zurück. Dies hat verschiedene Ursachen. Hemmend wirkt sich einerseits aus, dass in Deutschland der Beruf oder das letzte Gehalt der Verstorbenen nicht mit auf dem Todesschein vermerkt wird, wie es zum Beispiel in England seit 1910 der Fall ist. Auch eine Datenverknüpfung aus verschiedenen Datenbanken ist in Deutschland aus Datenschutzgründen nicht möglich (Helmert 2003 S. 14)

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die seid jeher existierenden sozialen Schichten einen grossen Einfluss auf Mortalität und Morbidität von Personen der verschiedenen Schichten haben. Unter Mortalität versteht man die Sterblichkeit oder die Sterbeziffer (Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie 2005) und unter Morbidität die statistische Häufigkeit einer Krankheit (Bertelsmann Neues Lexikon 1995 Band 6 S.440). Damit stellt sich die Frage nach der Erklärung dieser sozialen Unterschiede in Mortalität und Morbidität.

Die Aktualität dieser Frage ist enorm, auch wenn man berücksichtigt, dass die Unterschiede in Morbidität und Mortalität zwischen den einzelnen Schichten stark zurück gegangen sind seit der Einführung der sozialen Versicherungen wie Kranken-, Unfall-, Renten-, und Arbeitslosenversicherung und durch die Veränderung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Es sollte das Ziel sein, die vorhandenen Ungleichheiten weitestgehend zu mindern. Von sozialer Ungleichheit wird gesprochen, wenn „als wertvoll geltende Güter nicht absolut gleich verteilt sind“ (Hradil 1999 S.25). Die Unterschiede zwischen arm und reich sind eine der Kehrseiten der Medaille in freien und demokratischen Gesellschaften. Sie können gesellschaftlich legitimiert sein, da auch ganz individuelle z.B. körperliche oder genetische Faktoren zu gesundheitlichen Ungleichheiten führen. Man spricht hier von „health inequality“(Mielcke 1994 S.14). Doch ist der Wunsch nach Chancengleichheit da; der Wunsch, dass jeder Mensch in seinem Leben die gleichen Chancen zur Erfüllung seiner Ziele, auf Zugang zu Bildungs- und Gesundheitswesen hat und dies unabhängig von seiner geburtlichen „Startposition“. Das sollten unabdingbare Ziele einer sozial-demokratischen Gesellschaft sein (Helmert, Bammann, Voges, Müller(Hrsg.) 2000 S.17f). Unter „health inequity“ werden die als ungerecht empfundenen Unterschiede bezeichnet wie beispielsweise ungleiche Zugänge zu medizinischen Versorgungseinrichtungen. Doch sind die Grenzen fließend (Mielcke 1994 S.14), so dass z.B. die Ansichten über die Stellung der Frau noch vor 50 Jahren ganz andere waren wie heute. Vieles was vor mehreren Jahren völlig selbstverständlich war, wird heute als sozial ungerechtfertigt angesehen.

1.4. Medizinische Grundlagen der Wirkung von Stress auf den Körper

Dieser Teil soll körperliche und psychische Wirkungen von Stress erklären und Grundbegriffe erläutern die im späteren Text näher beschrieben werden. Für das bessere Verständnis wurde dieser Abschnitt voran gestellt.

Auf den Körper des Menschen wirken so genannte Stressoren ein. Diese werden unterteilt in

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Stressoren werden vom Menschen sensorisch aufgenommen und im Zentralnervensystem ausgewertet. Im Limbischen System wird diese Empfindung dann emotional gefärbt. So entstehen Gefühle wie Wut, Ärger, Zorn oder Angst. Über den Hypothalamus wird entweder das Sympathische Nervensystem oder das Parasympathische Nervensystem angetriggert. Durch das Sympathische Nervensystem wird die so genannte „flight-and-fight-reaction“ ausgelöst, was Angriff oder Flucht ermöglicht. Es werden nun die Stresshormone Adrenalin oder Noradrenalin über das Nebennierenmark ausgeschüttet. Dadurch wird sehr viel Energie frei gesetzt. Die Person ist hochgradig erregt. Der Puls, die Atemfrequenz und der Blutdruck steigen; man bekommt eine Gänsehaut und die Pupillen erweitern sich. Auch Angstschweiß tritt aus. Dadurch wird die Wärmeabfuhr beim wegrennen gewährleistet. Wenn eine Flucht- oder Angriffsreaktion nicht möglich ist oder scheint, kommt es über die Nebennierenrinde zur Ausschüttung von Cortisol. Es führt zu einer lähmenden Erstarrung, was auch eine Drosselung nicht überlebenswichtiger Körperfunktionen (Fortpflanzungsfunktion, Reparaturvorgänge aber auch die Funktionen der Immunsystems) zur Folge hat. Dies erleben wir als panische oder lähmende Angst. In dieser Situation sinken der Blutdruck und der Puls, die Pupillen werden starr und die Muskulatur wird angespannt. Es tritt ein „Notprogramm“ ein, was einen möglichst geringen Energieverlust zur Folge hat. Dabei ist zu beachten, dass Cortisol die Entzündungsfähigkeit des Körpers steigert und somit auch die Infektionsanfälligkeit steigt(Hülshoff 2001 S.264f).

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Gesundheitliche Folgen von dem Leben in unteren Schichten der Gesellschaft und mögliche Erklärungsansätze
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V45396
ISBN (eBook)
9783638428118
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitliche, Folgen, Leben, Schichten, Gesellschaft, Erklärungsansätze, Seminar
Arbeit zitieren
Michael Dintner (Autor), 2005, Gesundheitliche Folgen von dem Leben in unteren Schichten der Gesellschaft und mögliche Erklärungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45396

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