Die Ursache der Wasserknappheit in Afrika

Eine volkswirtschaftliche Analyse


Hausarbeit, 2018

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Ursache der Wasserknappheit in Afrika
2.1 Klimatische Faktoren
2.2 Eine volkswirtschaftliche Analyse des Gutes Wasser
2.2.1 Trittbrettfahrerproblem
2.2.2 Die Tragik der Allmende
2.2.3 Externe Effekte bei Wasserknappheit

3 Dublin Prinzipien

4 Regionalität im Wassermanagement

5 Zentrales vs. dezentrales Management
5.1 Dezentrales Wassermanagement in Nepal
5.2 Vorteile von dezentralem Wassermanagement
5.3 Nachteile von dezentralem Wassermanagement
5.4 Risiken bei der Implementierung von dezentralem Wassermanagement
5.5 Lösung: das richtige Verhältnis von dezentralem und zentralem Wassermanagement
5.6 Voraussetzungen für die erfolgreiche Implementierung
5.7 Dezentrales Wassermanagement in Uganda

6 Die Beschaffung und Verteilung von Wasser

7 Zusammenfassung und Fazit

8 Tabellenverzeichnis

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Rund 780 Millionen Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Mehrheit dieser Menschen lebt auf dem afrikanischen Kontinent. Auf den ersten Blick scheint das im Zusammenhang mit dem trockenen Klima in diesen Ländern zu stehen. So wird es in der Werbung von Hilfsorganisationen suggestiert. Aber was, wenn klimatische Faktoren keine Rolle spielen? Wo liegen die wahren Ursachen? Und was können wir tun? Seit Jahrzehnten werden Milliarden an Entwicklungshilfen an die betroffenen Länder gespendet. Und dennoch kann das Grundbedürfnis nach Wasser nicht befriedigt werden. Müssen wir unsere Entwicklungsarbeit überdenken?

In dieser Arbeit soll der Trinkwassermangel analysiert und Lösungsvorschläge unterbreitet werden. Dabei wird der Kontinent und darin die Länder mit der größten Wasserknappheit für Konsumenten betrachtet, da an einem extremen Beispiel Problemstrukturen oft am ehesten erkennbar sind.

Nach der Ursachenanalyse des Trinkwassermangels folgen eine allgemeine Übersicht über Lösungsansätze und dann eine tiefergehende Ergründung des dezentralen Wassermanagement. Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein Konzept zur Aufgabenverteilung zwischen zentralen und dezentralen Institutionen, welches am Beispiel von Uganda getestet wird. Am Ende folgt ein Querschnitt über die Arten der Beschaffung und Verteilung von Wasser.

Das Ziel ist es einen detaillierten Lösungsvorschlag zur Bekämpfung des Trinkwassermangels zu liefern, um folgende Forschungsfrage zu beantworten:

Wie können alle Menschen mit Trinkwasser versorgt werden?

2 Die Ursache der Wasserknappheit in Afrika

Auf dem afrikanischen Kontinent ergeben sich für den Anteil der Bevölkerung, die Zugang zu sauberen Trinkwasser haben, die schlechtesten Werte - mit teilweise unter 50% in den Sub-Sahara Regionen, die am stärksten unter Trinkwassermangel leiden (Diercke). Es wird geschätzt, dass ca. 300 Millionen von 800 Millionen Menschen in diesem Gebiet nicht ausreichend Zugang zu Trinkwasser haben. (United Nations Department of Economic and Social Affairs)

Im folgenden Abschnitt wird der klimatische Kontext dieser Knappheit betrachtet und untersucht, ob er eine Erklärung für die Problematik bietet.

2.1 Klimatische Faktoren

Afrika gilt als zweit-trockenster Kontinent der Welt nach Australien und hat jährlich je nach Region zwischen 100 bis 500 Millimeter Regen pro Quadratmeter (United Nations Department of Economic and Social Affairs). Allerdings kann festgestellt werden, dass der Regen in den trinkwasserärmsten Regionen am häufigsten vorkommt (Diercke). Neben dem Niederschlag, stellen Grundwasserreserven und die Temperaturen eine wichtige Rolle bei der Beurteilung des klimatischen Kontexts. Aus den hohen durchschnittlichen Temperaturen, die bis über 40°C reichen (Diercke), entsteht gerade in den am meisten von Trinkwasserknappheit betroffenen Staaten ein hoher Verdunstungsgrad, der diesen Mangel begünstigt. Grundwasserreserven sind wiederum sowohl in trinkwasserreichen als auch in trinkwasserarmen Regionen vorhanden.

Aus dieser Analyse wird folgende Schlussfolgerung abgeleitet: Beim Trinkwassermangel handelt es sich nicht um ein klimatisches oder geographisches, sondern um ein ökonomisches Problem. Diese Ansicht wird auch vom United Nations Department of Economic and Social Affairs unterstützt. Dazu wird informiert, dass ca. 80% aller Länder in Afrika ihre eigenen Ziele im Wassermanagament nicht erreichen können, was diese Hypothese unterstützt. Um ein genaueres Bild von der ökonomischen Dimension der Problematik zu erhalten, wird im nächsten Teil dieser Arbeit eine volkswirtschaftliche Analyse des Gutes Wasser vorgestellt.

2.2 Eine volkswirtschaftliche Analyse des Gutes Wasser

Wasser wird in der Öffentlichkeit oft als öffentliches Gut bezeichnet. Diese Art von Gütern weist zwei Eigenschaften auf: die Nicd Gutes nicht verzichtet werden kann. In Maslows Pyramide der menschlichen Bedürfnisse lässt sich Wasser auf der untersten Eben einordnen und zählt damit zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Dabei dient es nicht nur direkt nicht-ausschließbar, da der Körper Flüssigkeit benötigt, sondern auch indirekt: Wasser wird auch genutzt um Nahrungsmittel anzubauen bzw. Tiere zu versorgen, von denen der Mensch sich ernährt.

Die Nicht-Rivalität im Konsum bedeutet, dass ein Gut von mehreren Verbrauchern zur gleichen Zeit konsumiert werden kann. Ein klassisches Gut, dass beide dieser Eigenschaften aufweist ist z.B. Sicherheit. Durch den Konsum von Sicherheit hat ein Anderer nicht weniger davon. Allerdings trifft diese Eigenschaft nicht auf Wasser zu. Wenn ein Glas Wasser konsumiert wird, kann es nicht mehr von einer anderen Person aufgenommen werden. Es kann auch nicht gleichzeitig konsumiert werden. Das heißt, dass eine Rivalität im Konsum besteht. Aus diesem Grund ist Wasser kein öffentliches Gut, sondern wird als Allmendegut bezeichnet. Aus dieser Art von Gütern lassen sich einige bekannte Probleme ableiten.

2.2.1 Trittbrettfahrerproblem

Das sogenannte Trittbrettfahrerproblem tritt sowohl bei öffentlichen Gütern als auch bei Allmendegütern auf. Die Ursache für dieses Phänomen ist die Nutzung eines Gutes ohne Gegenleistung. Im Fall von Wasser kann auf dieses Gut aufgrund seiner Nicht-Ausschließbarkeit nicht verzichtet werden aber gleichzeitig haben große Teile der Bevölkerung nicht die finanziellen Mittel, um dafür zu bezahlen. Die Gegenleistung in Form von Geld bleibt also aus.

Die Verteilung eines Gutes ohne den Erhalt einer Gegenleistung wiederum, macht dieses Geschäft für Unternehmen unattraktiv. Aus diesem Grund ist das Angebot von Allmendegütern mit dem Trittbrettfahrerproblem durch private Anbieter unzureichend. Da Wasser jedoch unverzichtbar ist, muss es alternativ von staatlicher Seite oder anderen Institutionen bereitgestellt werden.

2.2.2 Die Tragik der Allmende

Bei Allmendegütern entwickelt sich das Trittbrettfahrerproblem dann weiter zur sogenannten „Tragik der Allmende“. Die Basis dieser Problematik ist, dass ein Gut theoretisch frei verfügbar ist, es aber in seiner Masse begrenzt ist oder nicht effizient genutzt wird. Wie bei der Analyse des klimatischen Kontexts festgestellt wurde, existieren Wasserressourcen in trinkwasserarmen Gebieten. Sie sind gleichzeitig in ihrer Masse begrenzt und werden nicht effizient genutzt, da sie entweder gar nicht gewonnen bzw. gespeichert werden oder durch Verdunstung, undichte Leitungen und Ähnlichem verloren geht. Ein weiterer Grund für die ineffiziente Nutzung von Wasser ist, dass seine Besitzrechte in vielen Gebieten noch nicht geklärt wurden und der Zugang zu guten Technologien und Konstruktionen aufgrund des Mangels an finanziellen Ressourcen fehlt.

Eine Folge dieser „Tragik“ kann eine Übernutzung sein. Ein klassisches Beispiel für dieses Problem ist die Überfischung von Gewässern. Bei der Betrachtung von Wasser, kann eine Übernutzung auftreten, wenn z.B. Wasserspeicher nicht bis in die nächste regenarme Jahreszeit reichen, da zu viel dieses Gutes verloren geht.

Des Weiteren entsteht ein sogenannter „Aneignungskampf“. Die Nicht-Ausschließbarkeit in Kombination mit einem mangelhaften Angebot verstärkt die Rivalität im Konsum. Im Extremfall kann dies zum Begehen von Verbrechen für die Aneignung von Wasser führen.

Am Ende entsteht daraus ein klassisches soziales Dilemma: Alle Betroffenen haben das gleiche Bedürfnis nach Wasser. Gleichzeitig stehen sie in Konkurrenz im Konsum zueinander. Es bestehen also übereinstimmende und divergente Interessen, die aus volkswirtschaftlicher Sicht in den meisten Fällen nicht dazu führen, dass die Betroffenen zusammenarbeiten und eine Lösung für alle Beteiligten suchen. Stattdessen werden die Probleme durch die gegensätzlichen Interessen verstärkt.

2.2.3 Externe Effekte bei Wasserknappheit

Außerdem folgt aus der „Tragik der Allmende“ eine Reihe von externen Effekten.

Das bereits erläuterte Problem, dass der Konsum durch einen Nutzer den Konsum durch einen anderen einschränkt wird als negativer positionaler Effekt bezeichnet und ist in der Volkswirtschaft dafür bekannt durch den sogenannten „Aneignungskampf“ Marktversagen zu verursachen. Um Güter dieser Art für alle zugänglich zu machen ist es nötig eine Zugangsbegrenzung bzw. einen Verteilungsmechanismus einzuführen. Von staatlicher Seite aus können für den Wasserkonsum z.B. Quoten oder Verfügungsrechte eingeführt werden.

Ein negativer technologischer Effekt entsteht beispielsweise, wenn durch Umweltverschmutzung das Angebot von Trinkwasser weiter sinkt und die Situation dadurch verstärkt wird. Damit wird ein Marktversagen noch wahrscheinlicher. In den am meisten betroffenen Ländern existieren auch nicht ausreichend Regularien, um die Verschmutzung sowohl durch Privatpersonen als auch durch Unternehmen zu verhindern.

Im ersten Teil der Analyse wurde schon angesprochen, dass Unternehmen ein Anreiz fehlt Wasser anzubieten, wenn dafür keine Gegenleistung erbracht werden kann. Dieses Phänomen wird durch einen positiven technologischen externen Effekt erweitert. Dabei profitieren Dritte mehr von einer Sache als dessen Verursacher. Wenn eine bessere Technologie für die Gewinnung, Speicherung oder den Transport von Wasser wie z.B. eine hochwertige dichte Rohrleitung durch Unternehmen angeboten wird, profitieren die Nutzer davon enorm, da ihr Grundbedürfnis nach Wasser dadurch gesichert werden kann. Allerdings wird das Unternehmen von der Bereitstellung weniger profitieren, da den betroffenen Staaten meist das Kapital für eine derartige Anschaffung fehlt. Deshalb gibt es keinen ökonomischen Anreiz für das Unternehmen eine individuelle Technologie zu entwickeln und anzubieten. Folglich werden Maßnahmen zum Bau von Wasseranlagen oft nur von Hilfsorganisationen, Drittländern und internationalen Organisationen im Rahmen von Entwicklungsarbeit durchgeführt, weil diese nicht ökonomischen sondern humanitären Anreizen folgen. Wenn private Anbieter in den Markt einsteigen sollen, müssen Subventionen durch dritte Institutionen angeboten werden.

3 Dublin Prinzipien

Um herauszufinden inwiefern das ökonomische Management von Wasser verbessert werden kann, werden in diesem Abschnitt die Dublin Prinzipien zu einem nachhaltigen Wassermanagement betrachtet. Daraus ergeben sich erste Hinweise aus die Lösung des Problems.

Vom 26.-30. Januar im Jahr 1992 fand die Conference on Water and the Environment (ICWE) in Dublin statt. Insgesamt 500 Teilnehmer, darunter Experten aus 100 Ländern und Vertreter von 80 internationalen und zwischenstaatlichen Organisationen und NGOs haben Prinzipien über Wasser und dessen nachhaltige Nutzung festgestellt. Es folgt eine freie Übersetzung der Prinzipien:(Diercke 3)

- Prinzip 1: Frisches Wasser ist eine endliche und verwundbare Ressource. Es ist essentiell für den Erhalt von Leben, die Weiterentwicklung und die Umwelt.

Dieses Prinzip soll einen ganzheitlichen Ansatz fördern, bei dem die Interessen der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit People, Planet und Profit gleichwertig Beachtung finden sollen.

- Prinzip 2: Wasserentwicklung und –management sollte auf einen gemeinschaftlichen Ansatz basieren, der Nutzer, Planer und Gesetzgeber auf allen Ebenen involviert.

Die Gemeinschaft sollte im Wassermanagement eingebunden werden, um ein Bewusstsein für eine nachhaltige Nutzung zu schaffen. Laut den offiziellen Ausführungen zu diesem Prinzip soll dies auf der „kleinsten angemessenen Ebene“ stattfinden und mit „vollster öffentlicher Rücksprache“. Nutzer sollen sowohl in die Planung als auch in die Umsetzung involviert werden.

- Prinzip 3: Frauen spielen eine zentrale Rolle in der Bereitstellung, dem Management und dem Schutz von Wasser.

In vielen Ländern mit Trinkwassermangel ist es die Aufgabe der Frauen Wasser zu beschaffen. Aus diesem Grund ist ihre Involvierung besonders wichtig, damit nachhaltig mit dieser Ressource umgegangen wird. Explizit wird angegeben, dass sie zudem „spezielle [hygienische] Bedürfnisse“ im Bezug auf Wasser haben und selbst bestimmen sollen auf welche Art und Weise sie im Wassermanagement mitwirken.

- Prinzip 4: Wasser hat einen wirtschaftlichen Wert in all seinen konkurrierenden Nutzungsformen und sollte als wirtschaftliches Gut betrachtet werden.

Bei dem letzten Prinzip wird darauf Bezug genommen, dass es sich in den meisten Fällen von Wassermangel um ein ökonomisches Problem handelt. Es wurde offiziell ausgeführt, dass der Zugang zu sauberen Wasser ein Grundrecht ist und es als Wirtschaftsgut im besonderen Maße effizient verteilt, genutzt und geschützt werden soll.

Aus diesen Prinzipien soll nun ein geeigneter Lösungsansatz für eine tiefergehende Analyse in dieser Arbeit entnommen werden. Da dieser Beleg im Rahmen der Umweltvertiefung zum Thema Regionalität und Nachhaltigkeit geschrieben wird, bietet sich eine genauere Untersuchung von Prinzip 2 an: der Umgang mit Wasser auf der „auf kleinsten angemessenen Ebene“ betont die Wichtigkeit von dezentralem Wassermanagement. Inwiefern diese Thematik Regionalität entspricht wird im nächsten Absatz geklärt.

4 Regionalität im Wassermanagement

Im Allgemeinen wird als Region ein lokal begrenztes Gebiet bezeichnet unabhängig von dessen Größe. Im weiteren Sinne kann sich dieser Begriff auf einen bestimmtes Einfluss- oder Wirkungsbereich beziehen oder wie in der ursprünglichen lateinischen Verwendung auf ein Herrschaftsgebiet.

Beim dezentralen Wassermanagement steht also die administrative Ebene auf der es betrieben wird für Regionen mit unterschiedlichen Dimensionen. Anstatt sich auf eine Region zu spezialisieren, werden die Unterteilung und die Größe der Regionen selbst betrachtet und bewertet. Da die „kleinste angemessene Ebene“ angestrebt werden soll, steht dezentrales Wassermanagement im Einklang mit der volkstümlichen Verwendung des Begriffes Regionalität als Beschreibung von kleinräumigen geografischen Einheiten.

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Ursache der Wasserknappheit in Afrika
Untertitel
Eine volkswirtschaftliche Analyse
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V454021
ISBN (eBook)
9783346075352
ISBN (Buch)
9783346075369
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrika, Wasser, Wasserknappheit, Güterverteilung, Allmende, Dublin Prinzipien, Dezentrales Wassermanagement, Wassermanagement, Dezentrales Management
Arbeit zitieren
Paula Müller (Autor:in), 2018, Die Ursache der Wasserknappheit in Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454021

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