Gelage und Tanzszenen der etruskischen Grabmalerei


Seminararbeit, 2003

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

I. Tomba delle Leonesse (um 530 v. Chr.)

II. Tomba dei Vasi dipinti (um 500 v. Chr.)

III. Tomba dei Leopardi (um 470 v. Chr.)

IV. Zusammenfassung

V. Bibliographie

I. Tomba delle Leonesse

Das Grab der Löwinnen wurde 1873 entdeckt. Der unterirdische Grabbau umfasst eine rechteckige Kammer, die sich zur Rückwand hin leicht verbreitert. Alle Wände der Kammer selbst wurden mit mehrfarbigen Malereien versehen. Allerdings sind die Motive, vor allem die der Eingangswände, im Laufe der Zeit teilweise stärker zerstört. Hier sind nur noch fragmentarische

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Reste von Hippokampen – Fabelwesen mit Pferdeköpfen und Fischleibern – erhalten. Das Grab hat eine Gesamtlänge von 9,30 m mit Dromos, ist 3 m breit und hat eine Wandhöhe von 2,10 m. Die Malereien an der Decke imitieren einen breiten, dunkelroten Firstbalken sowie in Form eines braun-weißen Schachbrettmusters vermutlich die Oberfläche einer Kassettendecke. Die Ecken des Raumes und die Längswände sind jeweils mit einer rotbraunen protodorischen Säule bemalt, versehen mit einem schlichten, mehrfarbig abgesetzten Kapitell. Offensichtlich eine weitere Form der Anlehnung an die Architektur anderer Gebäudeformen, auf den Fels der Grabkammer aufgemalt.

Der Giebel der Rückwand ist mit zwei weiblichen heraldischen Panthern bemalt, die der angedeuteten breiten Giebelstütze zugewandt sind. Diese Tierfiguren wurden früher als Löwinnen gedeutet, worauf die Benennung des Grabes zurückzuführen ist. Unter dieser Szene ist eine ca. 75 cm tiefe Nische in die Rückwand gearbeitet, eventuell der Aufbewahrungsort einer Urne für die Brandbestattung oder als Platz für Grabbeigaben, die – falls jemals existent – bei der Entdeckung des Grabes jedenfalls nicht mehr vorhanden waren.

Rund um die Grabkammer verläuft auf Höhe der Nische ein Fries mit Wellen, springenden Delphinen und Vögeln über dunkelblauem Wasser. Der große Figurenfries ist von diesem Meeresfries durch eine dreifarbige Lotus-Palmettenkette abgetrennt.

Rückwand:

Zentral über der Nische ist ein großer Volutenkrater mit Efeugirlande aufgemalt, eng flankiert von zwei Musikern mit Leier und Flöte. Rechts davon hängt eine große Schöpfkelle. Der rechte Bereich ist mit einem Paar besetzt, durch die ausladenden Körperhaltungen wohl in hingebungsvollem Tanz begriffen: Die Frau mit heller Haut und dunklem Haar, bekleidet mit einem einfachen durchsichtigem Chiton. Eine Hand ist in recht eigenwilliger Haltung in die Höhe gestreckt – möglicherweise eine rituelle Geste. Er ist mit dunkelroter Haut abgebildet; weiterhin komplett nackt, ohne Bart, mit langem blondem Haar in Strähnen über den Schultern und Oinochoe (Weinkrug) in der linken Hand. Auf Grund seiner Nacktheit und des Trinkgeschirrs ist diese Person an anderer Stelle als Mundschenk bezeichnet worden.

In Verbindung mit den umgebenen Hinweisen auf Trunk und Tanz ist der zentrale Krater auf der Rückwand wohl eher als Wein-Vorratsgefäß denn als wohl fälschlich vermutete Urnenabbildung zu verstehen – erst recht, wenn man die in der Größe durchaus passende Schöpfkelle rechts daneben betrachtet.

Hier ist die aus der griechischen Malerei bekannte und durchaus übliche Darstellung des Geschlechtes über die Hautfarbe der Personen zu beobachten. Die Männer mit sonnengebräunter Haut, da sie vornehmlich Aktivitäten im Freien nachgegangen sind. Und die Frauen mit heller bis weißer Hautfarbe, da sie einerseits flächiger bekleidet sind und sich andererseits länger im Haus aufhalten. Demnach hat auch die einzelne tanzende Frau auf der linken Seite keine farbige Haut, dafür aber deutlich reichere Bekleidung: Einen mehrfarbiger Chiton mit Mantel, über den dunklen Haaren eine Tutulus-Haube, typisch für die von ionischen Einwanderern stark beeinflusste etruskische Tracht. Bei dieser Figur sind recht deutlich Vorritzungen der Umrisse auf der Wand zu sehen, an die sich der Künstler später bei der Ausmalung nicht exakt gehalten hat.

Seitenwände:

Über dem Meeresfries sind auf dem Boden gelagerte Männer zu sehen, jeweils zwei auf jeder Seite, getrennt durch die Säulen der Längsseiten. Sie sind nur spärlich mit einem um die Hüften geschlungenen Mantel bekleidet, abwechselnd in grün und blau. Sie haben entweder Blätterkränze oder Tänien (Stirnbänder) im Haar. Diese Männer, auf Grund der Kylikes (weit geöffnete Trinkschalen) und weiterer Attribute als Bankett-Teilnehmer zu identifizieren, sind auf ein einfach gefaltetes Kissen gelehnt. Einer der Männer hält neben seiner Kylix ein Ei in der Hand – hier wohl nicht als Speise, sondern als Symbol von Fruchtbarkeit und (Wieder-)Geburt im Kontext des Totenkultes zu verstehen. Zu seinen Füssen hängt ein Fransenschal an der Wand, angeblich ein Symbol der Eingeweihten in die Mysterien des Dionysos. Die Kappe mit den langen Bändern, die der Mann auf dem Kopf trägt, scheint orientalisch beeinflusst zu sein. Ein anderer Mann hält einen Myrtenzweig; zu seinen Füßen steht die kleine Figur eines Musikers, wahrscheinlich die Schausteller-Statuette eines Hermaphroditen mit Flöte und Ei bzw. Frucht in der Hand. Allerdings ist diese Figur weder im Original, noch in Umzeichnungen besonders gut zu erkennen.

Die Darstellung der Trinkenden ist im Verhältnis zu den Musikern und Tänzern deutlich größer, was vielleicht einen Rückschluss auf die soziale Stellung zulässt. Auffällig ist auch, dass die Gelagerten nicht wie auf ähnlichen Darstellungen durch Gestik und Mimik in geselligem Kontakt zueinander stehen, sondern nur rein formal in Abwechselung der Farbe der Haare (blond, schwarz) und der Mäntel (blau, grün). Bei Restaurationen der Wandmalereien in den Jahren 1981/82 ist eine kleine Gelageszene rechts unterhalb der Nische wieder entdeckt worden, die längere Zeit nicht zu sehen war. Sie zeigt sehr fragmentarisch zwei weitere gelagerte Männer in roten Hüftmäntelchen. Diese Gelagerten sind – anders als die auf Klinen liegenden – immer in eine bestimmte Richtung ausgerichtet, da ja der dargestellte Unterkörper eine solche Ausrichtung erfordert. Normalerweise sind die Personen nach dem üblichen Liegeschema nach Westen gewandt, nicht wie hier der Rest der Bildkomposition (beispielsweise der Meeresfries mit den springenden Delphinen) auf das Zentrum der Rückwand hin.

Bei den Personen handelt es sich wahrscheinlich um Teilnehmer eines Symposions mit Tanzdarbietungen zu Ehren des Verstorbenen und nicht um mehrere Darstellungen des Grabinhabers selbst, da die unterschiedlichen Haarfarben der Männer nicht dazu passen würden.

Ob der Meeresfries, der vergleichbar in den Malereien der Tomba della Caccia e Pesca zu finden ist, mit einer Vorstellung von einem Leben nach dem Tod – etwa auf der mythologischen Insel der Seeligen – zu verbinden ist, bleibt offen. Die Darstellung der Hippokampen auf der Eingangswand, die wohl ebenso wenig als Abbildung des realen Lebens gemeint sind, könnte diese Theorie zumindest unterstützen. Im Vergleich zu früheren etruskischen Wandmalereien wurden hier mehrere Farben in größeren Flächen verwendet. Die Lotus-Palmettenkette über dem Meeresfries ist sowohl aus anderen Gräbern, als auch von attisch-schwarzfigurigen Vasenmalereien des späteren 6. Jahrhunderts bekannt und unterstützt die Datierung der Tomba delle Leonesse auf die Zeit um 530 v. Chr.

II. Tomba dei Vasi dipinti

Die Tomba dei Vasi dipinti, also das Grab der bemalten Vasen, ist eines von mehreren etruskischen Gräbern der Monterozzi-Nekropole von Tarquinia. Es wurde bereits 1867 entdeckt, wurde aber bis 1869 vom Grundstücksbesitzer geheim gehalten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gelage und Tanzszenen der etruskischen Grabmalerei
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V45405
ISBN (eBook)
9783638428194
ISBN (Buch)
9783638776424
Dateigröße
1361 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gelage, Tanzszenen, Grabmalerei, Proseminar, Etrusker, Archäologie, Gräber, Wandmalerei, Italien, Etrurien, Tomben, Hügelgräber, Flötenspieler
Arbeit zitieren
B.A. Felix Reid (Autor), 2003, Gelage und Tanzszenen der etruskischen Grabmalerei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45405

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