Der Autor bietet einen prägnanten Einblick in die Ikonographie der etruskischen Grabmalerei des vierten und fünften Jahrhunderts v. Chr. Dabei wird an drei exemplarischen Beispielen v.a. der Ausdruck von Tanz und Festmahl im Zusammenhang mit dem Totenkult und den damit verbundenen Lebens-Vorstellungen dieser frühitalischen Hochkultur betrachtet. Die abgebildeten Darstellungskonventionen, aber auch die Gebrauchsgegenstände werden mit Hinblick auf ihre Verwendung in den späteren Kulturen der Römer und Griechen der Klassischen Zeit analysiert, um ein Bild der Intention der antiken Künstler und ihrer Werke zu erarbeiten.
`...ein weiteres Beispiel für die bekannte Imitation bzw. Adaption griechischer Vorbilder aus Mythos und Kunst. Diese Entwicklung wurde durch die engen Handelskontakte mit griechischen Kolonien in Unteritalien und dem attischen Kernland sowie einer größeren Anzahl ionischer Einwanderer unterstützt. Der Einfluss der griechischen Kultur zeigt sich neben den Vorstellungen von Lebens- und Götterwelt auch in Art der Kleidung, Handwerkstechnik und der Gebrauchskunst. Etrurien stellte in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhundert einen großen Absatzmarkt für den Import attischer Keramik und ihrer Produzenten dar – mit Sicherheit eine prägende Ergänzung zur Ausgestaltung einer eigenen etruskischen Kultur.`
Inhaltsverzeichnis
I. Tomba delle Leonesse (um 530 v. Chr.)
II. Tomba dei Vasi dipinti (um 500 v. Chr.)
III. Tomba dei Leopardi (um 470 v. Chr.)
IV. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Gelage- und Tanzszenen in der etruskischen Wandmalerei ausgewählter Grabkammern der Nekropole von Tarquinia, um deren ikonographische Bedeutung im Kontext des etruskischen Totenkultes und der griechischen Einflüsse zu analysieren.
- Analyse der malerischen Ausgestaltung spezifischer Grabkammern (Tomba delle Leonesse, Tomba dei Vasi dipinti, Tomba dei Leopardi).
- Interpretation der Gelageszenen und der Rolle der dargestellten Akteure.
- Untersuchung von Symbolik und Motiven, wie dem Meeresfries und rituellen Objekten.
- Einordnung der etruskischen Wandmalerei in den Kontext griechischer Vorbilder und kultureller Adaptionen.
- Diskussion über die Bedeutung der Szenen als Spiegel des Diesseits oder des Jenseitsglaubens.
Auszug aus dem Buch
Tomba delle Leonesse
Das Grab der Löwinnen wurde 1873 entdeckt. Der unterirdische Grabbau umfasst eine rechteckige Kammer, die sich zur Rückwand hin leicht verbreitert. Alle Wände der Kammer selbst wurden mit mehrfarbigen Malereien versehen. Allerdings sind die Motive, vor allem die der Eingangswände, im Laufe der Zeit teilweise stärker zerstört. Hier sind nur noch fragmentarische Reste von Hippokampen – Fabelwesen mit Pferdeköpfen und Fischleibern – erhalten. Das Grab hat eine Gesamtlänge von 9,30 m mit Dromos, ist 3 m breit und hat eine Wandhöhe von 2,10 m. Die Malereien an der Decke imitieren einen breiten, dunkelroten Firstbalken sowie in Form eines braun-weißen Schachbrettmusters vermutlich die Oberfläche einer Kassettendecke. Die Ecken des Raumes und die Längswände sind jeweils mit einer rotbraunen protodorischen Säule bemalt, versehen mit einem schlichten, mehrfarbig abgesetzten Kapitell. Offensichtlich eine weitere Form der Anlehnung an die Architektur anderer Gebäudeformen, auf den Fels der Grabkammer aufgemalt.
Der Giebel der Rückwand ist mit zwei weiblichen heraldischen Panthern bemalt, die der angedeuteten breiten Giebelstütze zugewandt sind. Diese Tierfiguren wurden früher als Löwinnen gedeutet, worauf die Benennung des Grabes zurückzuführen ist. Unter dieser Szene ist eine ca. 75 cm tiefe Nische in die Rückwand gearbeitet, eventuell der Aufbewahrungsort einer Urne für die Brandbestattung oder als Platz für Grabbeigaben, die – falls jemals existent – bei der Entdeckung des Grabes jedenfalls nicht mehr vorhanden waren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Tomba delle Leonesse (um 530 v. Chr.): Dieses Kapitel beschreibt die architektonischen Merkmale und die Malereien des Grabes, insbesondere die Rückwand mit dem Volutenkrater und den Tanzszenen sowie den charakteristischen Meeresfries.
II. Tomba dei Vasi dipinti (um 500 v. Chr.): Hier werden die gut erhaltenen Szenen der Hauptkammer analysiert, die ein Paar auf einer Kline sowie Tanzende und Musiker zeigen, und es wird der Einfluss attischer Vasenmalerei diskutiert.
III. Tomba dei Leopardi (um 470 v. Chr.): Das Kapitel widmet sich der Darstellung der gelagerten Paare und der Prozession von Dienern, wobei die frühklassischen Einflüsse und die pflanzliche Ausstattung hervorgehoben werden.
IV. Zusammenfassung: Die abschließenden Überlegungen interpretieren die Wandmalereien als Zeugnisse des etruskischen Totenkultes, die sowohl sozialen Status dokumentieren als auch Anspielungen auf das Leben nach dem Tod enthalten.
Schlüsselwörter
Etruskische Wandmalerei, Tarquinia, Monterozzi-Nekropole, Gelageszene, Symposion, Totenkult, Grabmalerei, attisch-schwarzfigurig, Tanzszenen, Unterwelt, Totenfeier, Ikonographie, Antike Kunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der inhaltlichen und stilistischen Analyse von Gelage- und Tanzszenen in etruskischen Gräbern des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Ikonographie der Grabmalereien, der kulturelle Austausch mit Griechenland sowie die Frage nach der Funktion dieser Szenen im etruskischen Totenkult.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine detaillierte Betrachtung ausgewählter Beispiele zu klären, ob die Darstellungen das reale Leben des Verstorbenen widerspiegeln oder einen Jenseitsglauben illustrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse der Wandmalereien durchgeführt, unterstützt durch kunsthistorische Einordnung und die Auswertung archäologischer Fundkontexte.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert nacheinander die Tomba delle Leonesse, die Tomba dei Vasi dipinti und die Tomba dei Leopardi hinsichtlich ihrer architektonischen Gegebenheiten und bildlichen Darstellungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Etruskische Wandmalerei, Symposion, Totenkult, Grabkontext und griechischer Einfluss.
Warum wird der Meeresfries in der Tomba delle Leonesse als mythologisch interpretiert?
Die Platzierung unter den Gelagerten deutet weniger auf eine realistische Küstenlandschaft hin, sondern vielmehr auf eine symbolische Reise des Verstorbenen in eine jenseitige Welt.
Welche Bedeutung haben die Eier in den Darstellungen der Gelagerten?
Die Eier werden als Weihgeschenke an den Gott Dionysos gedeutet und unterstreichen den rituellen Charakter der abgebildeten Gelageszenen.
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- B.A. Felix Reid (Author), 2003, Gelage und Tanzszenen der etruskischen Grabmalerei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45405