In der vorliegenden Arbeit soll daher zuerst die Entstehungsgeschichte der schottischen Hochland-Spiele von ihren keltischen Ursprüngen an skizziert werden. Dies soll durch deren Einordnung in den Gesamtzusammenhang der Geschichte Schottlands geschehen.
Darauf folgend wird der Versuch unternommen, die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rolle der Spiele darzustellen und kritisch zu hinterfragen.
Außerdem sollen im weiteren Verlauf der Arbeit die Spiele in ihrem sportlichen Charakter näher beleuchtet und die einzelnen Disziplinen genauer beschrieben werden, bevor dann das Weiterleben der Tradition außerhalb Schottlands noch umrissen werden soll.
Bei der Darstellung der sportgeschichtlichen Entwicklung soll also chronologisch vorgegangen werden um zu verdeutlichen, dass ein Überblick über die sukzessive Weiterentwicklung über die Jahrhunderte hinweg entscheidend zu einem besseren Verständnis des heutigen Charakters der Highland Games beiträgt. Zu einer erleichterten Übersicht werden zwei Zeitleisten dargeboten, die die wichtigsten Daten der Entwicklungsgeschichte der Highlands und der Hochlandspiele enthalten. Die erste beinhaltet die frühere Entwicklungsgeschichte bis 1750, die zweite schließt zeitlich hieran an und erstreckt sich bis heute.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einleitung
3 Begriffsklärung der Hochland-Spiele und deren geographische Verortung
4 Die Geschichte der Highland Games chronologisch gegliedert
4.1 Die Ursprünge keltischer Tradition bis in das 11.Jahrhundert und die Wurzeln der Hochlandspiele
4.1.1 Die Rolle der Skoten und Pikten für die Highlands
4.1.2 Angelsachsen, Britonen und der Einfluss einfallender Wikingerstämme
4.1.3 Die Frage danach ob eine Irische Tradition als Urheber der schottischen Hochlandspiele angesehen werden kann
4.2 Die große Zeit der Highland Clans (1100 – 1750)
4.3 Von den Highland Clans zu den Highland Societies
4.3.1 Culloden Ende der Jakobiteraufstände und der Beginn einer neuen Periode
4.3.2 Der Act Proscription und seine Umkehrung
4.4 Neubeginn einer alten Tradition - Die Highland Societies und der Grundstein für die ersten neuen Highland Games
4.5 Von der Marginalisierung der Hochlandbevölkerung über den Einfluss der Romantik bis zur Popularisierung der Highland Games unter Queen Victoria
4.5.1 Der Gesellschaftliche Wandel der Highlands und die Probleme, welche sich hieraus für die ländliche Bevölkerung ergaben
4.5.2 Sir Walter Scott und der Einfluss der Romantik auf das schottische Hochland
4.5.3 Der Charakter der Spiele zur Zeit Walter Scotts
4.5.4 Queen Victoria, Balmorality, Sporting Landlords und die Renaissance der Highland Games
5 Die popularisierten Highland Games im 19. Jahrhundert - der Weg in die Moderne
5.1 Beginn der Verbreitung der Spiele und erste Anzeichen der Professionalisierung
5.2 Die Gründung der Scottish Amateur Association 1883 und der Anfang einer scheinbaren Differenzierung der Highland Games in Amateur- und „Profisport“
5.3 Das Aufkommen anderer Sportarten und die damit verbundene Wirkung auf die Highland Games - Der Pedestrianism
6 Die Highland Games im 20. und 21. Jahrhundert – kulturelle Modernisierung und Zivilisierung der schottischen Highlands
6.1 Die Highland Games in der Phase bis zum ersten Weltkrieg und der darauf folgenden wirtschaftlichen Depression
6.2 Vom Zerfall der Hochlandspiele nach dem zweiten Weltkrieg bis zu deren Wiederbelebung in den 80er Jahren
6.3 Die Situation der Spiele von den 80er Jahren bis heute
6.3.1 Wirtschaftsfaktor Highland Games?
6.3.2 Die Highland Games zwischen Kultur und Kitsch
6.3.3 Die Highland Games als Politikum?
7 Die sportliche Dimension der Highland Games heute
7.1 Die Heavies
7.1.1 Das Steinstoßen - Putting the Stone
7.1.2 Der Hammerwurf – Throwing the Hammer
7.1.4 Das Gewichtwerfen auf Weite - Throwing the Weight for Distance
7.1.5 Das Hochwerfen des Gewichts - Tossing the Weight over the Bar
7.1.6 Das Baumstammwerfen - Tossing the Caber
7.1.7 Das Werfen von Heuballen - Tossing the sheaf
7.2 The Light Events
7.2.1 Die Laufdisziplinen: Running
7.2.2 Die Sprungdisziplinen
7.3 Der Ringkampf - Wrestling (Cumberland Style + Catch-As-Catch-Can)
7.4 Tauziehen - Tug of War
7.5 Highland-Tänze
7.6.1 Die Gruppentänze
Die Reels und der Reel of Tulloch (gälisch: Hullachan)
Der Everlasting Jig oder Irish Jig
7.6.2 Die Solotänze
Der sword dance
7.6 Die musikalischen Elemente
7.7 Shinty
7.7.1 Kurze Etymologie des Wortes „shinty“
7.7.2 Die Entwicklung der Sportart - kurz umrissen
7.7.3 Die Erscheinungsform von Shintys damals und heute
8 Internationale Highland Games und die Highland Games international
9 Zusammenschau und abschließende Aspekte über den Mythos der Hochlandspiele
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, den Charakter der schottischen Highland Games durch eine mehrdimensionale Betrachtung ihrer historischen, soziopolitischen und sportlichen Entwicklung zu beleuchten. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich die Spiele von einem traditionellen kulturellen Clan-Phänomen zu einer global popularisierten Sportveranstaltung entwickelten und welche Rolle externe Einflüsse wie die Romantik und das britische Königshaus dabei spielten.
- Historische Entstehung und Entwicklung der Highland Games von den keltischen Wurzeln bis zur Moderne.
- Analyse der soziopolitischen Rahmenbedingungen, wie der Highland Clearances und des Einflusses der Highland Societies.
- Detaillierte sportwissenschaftliche Beschreibung der klassischen Disziplinen (Heavies, Light Events, Tänze, Shinty).
- Untersuchung der Kommerzialisierung, Popularisierung und der Bedeutung des Tourismus für die heutige Form der Spiele.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Die Rolle der Skoten und Pikten für die Highlands
Die keltischen Ursprünge Schottlands gehen zunächst auf den Einfluss von fünf verschiedenen Volksgruppen zurück: Skoten, Pikten, Angelsachsen, Britonen (aus dem Gebiet um Strathclyde) und einfallende Wikinger (Grant 1991: 17). Im 5. Jahrhundert (Doghson 1981: 40) breiteten sich die ursprünglich irischen Skoten zunächst vor allem im Nordwesten Schottlands, dem heutigen Argyllshire und Kintyre aus (Grant 1991: 16). Diese Gebiete waren allerdings vorher schon teilweise besiedelt, vgl. hierzu Isabel Grant: „The earliest settlement of the Gael recorded in history took place on the Argyllshire coast about 498, but there are many traditions of earlier settlements.” (Grant 1961: 4)
Die verschiedenen Namen für die einwandernde Gruppierung verweisen allesamt direkt auf deren Herkunft. „Scottos bedeutet eigentlich auch Ire. Eine Unterscheidung zwischen Scoti und Hiberni wird erst im Hochmittelalter vorgenommen“ (Novacek, 1989: 13). Die eigentlichen Gründe für deren Emigration aus ihrem Heimatland sind nicht eindeutig geklärt. Allerdings kursieren mehrere Theorien hierfür. Zum einen wäre möglich, dass die Skoten sich niederließen, nachdem sie die Pikten im Kampf gegen die Römer verteidigt hatten. Zum Zweiten, dass sie zur Unterstützung der Britonen gegen die Pikten dorthin zogen und zum Dritten, dass sie selbst Piraten waren, die aus ihrer Heimat vertrieben worden waren und in neuem Terrain Asyl suchten (Novacek, 1989: 13).
Die Pikten selber waren von Grund auf schon ein gemischtes Volk, ein erstes Zeugnis von deren Existenz gibt es aus dem Jahre 297. Die Aussage „the historical Picts are the only Picts known to us“, getroffen von Wainwright (Doghson 1981: 27), macht deutlich, dass das einstige Volk der Pikten nicht lange überdauerte. Der Grund hierfür ist, dass um das Jahr 843 der Skote Kevin McAlpin die Pikten unterwarf und daraufhin durch den Zusammenschluss beider Völker das Königreich Alba gründete. Alba ist der auch heute noch gültige keltische Name für Schottland. Verwunderlich an der Unterwerfung und nachfolgenden Vereinigung ist vor allem, dass dies ohne größeres Aufsehen geschah. Eigentlich hatten sich die Pikten bis dahin stets wacker gegen die römischen Besatzer durchgesetzt und oftmals diesen nicht unerheblichen Schaden zu gefügt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der Autor schildert seine persönliche Motivation und erste Berührungspunkte mit den Highland Games während einer Schottlandreise.
2 Einleitung: Es wird die Forschungsintention dargelegt, eine wissenschaftliche Zusammenschau der historischen und sportlichen Entwicklung der Spiele zu liefern.
3 Begriffsklärung der Hochland-Spiele und deren geographische Verortung: Der Autor definiert das Phänomen Highland Games und ordnet es geographisch in das schottische Hochland ein.
4 Die Geschichte der Highland Games chronologisch gegliedert: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte, beginnend bei keltischen Wurzeln, über die Ära der Clans bis hin zum Einfluss der Romantik.
5 Die popularisierten Highland Games im 19. Jahrhundert - der Weg in die Moderne: Fokus auf die Professionalisierung, die Rolle des Pedestrianism und die Gründung der ersten Sportverbände.
6 Die Highland Games im 20. und 21. Jahrhundert – kulturelle Modernisierung und Zivilisierung der schottischen Highlands: Analyse der Auswirkungen der Weltkriege und der Entwicklung bis zur heutigen touristischen Bedeutung.
7 Die sportliche Dimension der Highland Games heute: Detaillierte sportpraktische Untersuchung der Heavies, Light Events, Tänze und Shinty.
8 Internationale Highland Games und die Highland Games international: Betrachtung der Ausbreitung der Spiele über die schottischen Grenzen hinaus durch Emigration und Kolonialisierung.
9 Zusammenschau und abschließende Aspekte über den Mythos der Hochlandspiele: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse und Reflexion über den Kultstatus der Spiele.
Schlüsselwörter
Highland Games, Schottland, Clan-System, Kulturgeschichte, Sportgeschichte, Heavies, Shinty, Romantik, Queen Victoria, Tradition, Highland Clearances, Pedestrianism, Nationale Identität, Braemar Gathering, Brauchtumspflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Highland Games als ein komplexes kulturelles und sportliches Phänomen, dessen Wurzeln tief in der schottischen Geschichte liegen und das sich im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die historische Entstehungsgeschichte, der Wandel von traditionellen Clan-Treffen hin zu populären Sportveranstaltungen sowie die sportwissenschaftliche Beschreibung der verschiedenen Disziplinen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist eine mehrdimensionale Analyse der Highland Games, die deren Bedeutung vor dem Hintergrund der soziopolitischen Veränderungen in Schottland, wie etwa den Highland Clearances oder dem Einfluss der Romantik, kritisch hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse sowie der Auswertung historischer Quellen und aktueller Medien, um die Entwicklung der Spiele in ihrem gesellschaftlichen Kontext nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische historische Aufarbeitung, die Analyse der Popularisierung im 19. und 20. Jahrhundert sowie eine detaillierte sportpraktische Beschreibung der Heavy Events, Light Events, Tänze und der Sportart Shinty.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Highland Games, Clan-Kultur, sportliche Tradition, soziale Marginalisierung, Romantik und die sportliche Dimension der einzelnen Disziplinen charakterisiert.
Warum spielt die Rolle der Queen und des Landadels eine solch große Bedeutung?
Der Autor argumentiert, dass der englische Adel und das Königshaus durch ihre Romantisierung des Hochlandlebens maßgeblich zur Popularisierung der Spiele beitrugen, diese dabei aber auch von ihrem ursprünglichen sozialen Kontext als Treffen der einfachen Bevölkerung entfremdeten.
Welche Rolle spielt der Sport "Shinty" im Vergleich zu den anderen Disziplinen?
Shinty wird als eine uralte keltische Mannschaftssportart dargestellt, die eine eigenständige Entwicklung durchlief, sich heute als Feldspiel modernisiert hat und eng mit dem irischen Hurling verbunden ist.
Ist der sportliche Charakter der heutigen Highland Games noch mit dem der frühen Spiele vergleichbar?
Obwohl die Kernbestandteile erhalten blieben, betont die Arbeit den Wandel hin zur Popularisierung und die Einflüsse moderner Sportarten sowie die Herausforderung, trotz professioneller Tendenzen den ursprünglichen Geist der Spiele zu bewahren.
Was besagt die These über das "Playground for the sporting rich"?
Diese These hinterfragt die Umgestaltung der Highland Games durch wohlhabende Landbesitzer im 19. Jahrhundert, bei denen die Spiele zunehmend als exklusive Freizeitgestaltung der Oberschicht und als touristische Attraktion inszeniert wurden.
- Quote paper
- Niklas Jung (Author), 2005, Die Schottischen Highland Games. Ihre Geschichte und gelebte Tradition, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45408