Contre Dieu. Opposition gegen die frankophone Reformation in der Stadt Genf im 16. Jahrhundert


Seminararbeit, 2018
30 Seiten, Note: 5.0 (Schweiz)

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

Wüstes Durcheinander

„Als ob Gott seine Hand auf mich legte"

Der Versuch Ordnung zu schaffen

Rückruf

Neuanfang

Zucht und Konflikte

Libertiner und Perrinisten

Angst vor den Fremden

Streit und Feuer

Finale Krise

Niederlage der Feinde Gottes

Post tenebras Lux

Fazit

Quellen und Literaturverzeichnis

Primärquellen

Sekundärliteratur

Einleitung

„Es ist nur eine wahre Religion; aber es kann vielerlei Arten des Glaubens geben."1 Dieser Aussage Immanuel Kants um 1798 hätten Johannes Calvin und die Genfer Pastoren rund 250 Jahre zuvor, wohl vehement widersprochen. Im Februar 1555 gelang es den Anhängern Calvins, die Mehrheit bei den Wahlen zu sichern. Alle vier „Syndics", wie die Bürgermeister genannt wurden, standen hinter Calvin und der Reformation. Ein verwunderlicher Sieg, betrachtet man doch die Umstände, unter denen sich die Reformation etablierte: 17 Jahre zuvor wurden die Prediger Calvin und Guillaume Farel der Stadt verwiesen und mussten Genf innerhalb von drei Tagen verlassen. Bereits zwei Jahre später erkannte man in Genf, dass man die 1536 beschlossene Reformation nicht ohne Hilfe von aussen durchsetzen kann und Calvin wurde nach Genf zurückgerufen. Die Jahre zwischen 1541 und 1555 galten der Etablierung und Gestaltung der Genfer Reformation. Doch wer denkt, die Genfer begrüssten diesen Wandel mit Dankbarkeit, der irrt. Die Geschichte der frankophonen Reformation der Stadt Genf ist eine Geschichte der Oppositionen. Befürworter und Gegner der Reformation führten jahrelang ein sprichwörtliches Tauziehen um die Stadt. 1555 markiert mit dem Sieg der „Calvinisten" eine endgültige Wendung. Doch auch dieser Sieg ging nicht ohne Widerstand einher. Insgesamt wurden 23 Todesurteile gegen die Widersacher verhängt, von denen acht vollstreckt wurden - wer konnte, rettete sich durch Flucht. Doch wie kam es dazu, dass innerhalb einer Stadt - die gemeinsam eine neue Richtung beschloss - sich die Fronten derart verhärteten und Auseinandersetzungen, Verleumdungen und Machtkämpfe an der Tagesordnung standen?

Diese Arbeit untersucht die Verhältnisse der Stadt Genf im 16. Jahrhundert zur Zeit der Etablierung der frankophonen Reformation. Dabei wird vor allem die Rolle Johannes Calvins behandelt, der selbst in vielen Konflikten involviert war. Dabei soll aufgezeigt werden, mit welchen Widerständen Calvin und die frankophone Reformation im Allgemeinen konfrontiert waren, welche Ursachen den Widerständen zugrunde lagen und wieso es der Reformation unter Calvin und seinen Pastoren dennoch gelang, sich gegen die Opposition durchzusetzen. Demnach folgt die Arbeit der Fragestellung:

Welche Kräfte stellten sich Johannes Calvin und der frankophonen Reformation in der Stadt Genf im 16. Jahrhundert entgegen?

Die Quellenlage rund um die frankophone Reformation ist vielschichtig und breit erforscht. Viele Zeugnisse, darunter Briefe und Schriften Johannes Calvins, aber auch Register des „Consistoire" und des „Conseil de Genève" (RCGJ sind uns überliefert und bieten Einblick in die damaligen Verhältnisse der Stadt Genf. Der erst kürzlich erschienene Bildband „Côté chaire, côté rue. L'impact de la Réforme sur la vie quotidienne à Genève (1517-1617)“ von Geneviève Gross und anderen Autoren bietet einen spannenden Einblick der Auswirkungen der Reformation auf das alltägliche Leben der Bürger Genfs. Auf Ebene der Sekundärliteratur kann auf eine grosse Anzahl an Biografien über Johannes Calvin zurückgegriffen werden, von denen besonders „Calvin. Sein Weg und Werk“ von Willem F. Dankbaar besticht. Der aus dem holländischen übersetzte Nachdruck der zweiten Auflage von 1996 behandelt klar und verständlich die Lebensstationen des Reformators und sein Wirken in Genf, aber auch Einblicke in Person und Theologie. William G. Naphys „Calvin and the Consolidation of the Genevan Reformation“ gilt praktisch schon als Standardwerk, greift es die doch Arbeit vieler früherer Autoren auf, und ergänzt diese mit Statistiken und damit verbundenen neuen Interpretationen.

Ziel der Arbeit ist es, anhand exemplarischen Ereignissen und Personen aufzuzeigen, weshalb sich Oppositionen rund um die Reformation und deren Unterstützer bildeten. Dabei soll veranschaulicht werden, welche Parteien sich gegenüberstanden und aus welchen Motivgründen überhaupt Dispute entstanden. Eine Durchleuchtung der damaligen Rechtsverhältnisse und Ahndungen gegen etwaige Verstösse sollen vermitteln, welchen Einfluss die neuen Gesetze und Ordnungen auf das alltägliche Leben ausübten. Der besondere Fokus soll dabei vor allem auf der Person Johannes Calvin liegen. Auch wenn andere Reformatoren massgeblich an der Durchsetzung der Reformation beteiligt waren, so sticht er doch als zentrale Figur jener Zeit hervor, die selbst oft in die Konflikte verwickelt war, nicht zu guter Letzt aufgrund seiner Führungsrolle in der Kirche.

Hauptteil

Wüstes Durcheinander

„Als ich zum ersten Mal in diese Kirche kam, war so gut wie nichts vorhanden. Man predigte [...]. Aber es gab keine Reformation. Alles befand sich in einem wüsten Durcheinander."2 So beschrieb Johannes Calvin den Zustand der Reformation in Genf bei seinem ersten Aufenthalt. Oft steht die Genfer Geschichte des 16. Jahrhunderts im Schatten Calvins. Dabei wird häufig vergessen, dass die Reformation von den Bürgern Genfs bereits vor der Ankunft Calvins, im Juli 1536, beschlossene Sache war.3 Denn schon im Mai 1536 erfolgte die offizielle Abschaffung der Messe und Einführung des reformierten Kultus. Jean de Jussies „Kleine Chronik" berichtet über die Anfänge der Reformation in Genf: „Der Fürst und grosse Häresiearch dieser fluchwürdigen Sekte war ein Ordensmann des heiligen Augustinus namens Martin Luther. [...] Denn durch ihn wurden mehrere edle Länder, die in der Blüte der Frömmigkeit standen, vom wahren Glauben abgebracht, [...] und jetzt neuerdings die Stadt Genf in Savoyen, obwohl es dort immer angesehene Leute und gute Katholiken gab."4

Es scheint also, als wäre der Entscheid, sich dem reformierten Glauben hinzuwenden, jedoch nicht im Sinne aller Bürger gewesen.

Ihre Ursprünge hat die Reformation in den Unabhängigkeitsbestrebungen der Stadt an der Rhône. Seit dem 4. Jahrhundert war Genf Sitz eines Bischofs, der in späterer Zeit auch als Stadtherr fungierte. 1162 verlieht Friedrich I., genannt Barbarossa, dem Bistum Unabhängigkeit und Rechtsunmittelbarkeit. Im 13. Jahrhundert erlangte Genf einen bedeutenden Ruf als Messestadt, was dem städtischen Bürgertum mehr Einfluss einbrachte. Doch zur selben Zeit fiel Genf und die dazugehörige Region an das Haus Savoyen und drohte damit fremdregiert zu werden. Denn in der Vergangenheit gewährten die Bischöfe den Genfern weite Freiheiten - doch nun fürchteten sie um ihre Selbstregierung.5 Um 1524 finden sich die Anfänge des reformierten Glaubens in Genf, als sich erstmals Anzeichen von lutherischem Gedankengut zeigten. Im gleichen Jahr publiziert Guillaume Farel - der „Vorbote“ Calvins - mit „Pater noster et le Credo en frangoys", das erste Schriftstück der frankophonen Reformation.6 Am 8. Februar 1526 trat Genf dem Städtebund mit Fribourg und Bern bei. Bei diesem Bündnis kann allerdings nicht von gleichwertigen Partnern gesprochen werden. Vielmehr agierten die Partner, vor allem aber Bern, als Protekrotatsmächte, die auch Mitbestimmung in Regierungsangelegenheiten forderten, wie sich noch zeigen sollte. Zwei Jahre nach dem Bündnis, 1528, folgte Bern dem Beispiel des „Zwinglianischen“ Zürichs und schaffte die Messe und den römischen Glauben ab. Die erfolgreiche Annäherung durch das Bündnis der Städte, förderte die Ausbreitung lutherischer Ideen in Richtung Genf. 1532, mit der Hilfe Berns und anderer Prediger wie Antoine Froment (1508-1581) und Pierre Viret (1511-1571), stieg Guillaume Farel zum Vertreter jener Ideen in Genf auf. „Im Monat Oktober 1532 kam ein schäbiger unglückseliger Prädikant namens Meister Guillaume Farel nach Genf; [...] Der Drecksack antwortete er sei von Gott geschickt und er komme, um sein Wort zu verkündigen."7 Die Reaktion der frommen Katholiken fiel dementsprechend aus: „Sie wollten diesen Bösewicht und seine Komplizen auf eine schlimme Weise zu Tode bringen [...]. Und einer von ihnen versetze ihm einen kräftigen Fusstritt gegen die Schultern, der andere heftige Faustschläge auf den Kopf und ins Gesicht. [...] Als er durch die Strassen ging, schrien Männer und Frauen, man solle ihn in die Rhone versenken. [...] An diesem folgenden Tag [02.01.1533] wurde [...] beschlossen, dass sie in gar keiner Weise wollten, dass diese Sekte in ihrer Stadt regiere [...] und dass darüber in der Bevölkerung keine Frage mehr auftauche. "8

Es scheint, dass das Berner Vorhaben, den Grundstein für die Reformation in Genf zu legen, bei den Bürgern für wenig Begeisterung sorgte. De Jussies Zeilen könnte man entnehmen, dass für den reformierten Glauben in Genf kein Platz vorhanden sei. Und dennoch, die Zeit belehrte die Katholiken eines Besseren: „An diesem gleichen Sonntag wurde eine allgemeine Prozession veranstaltet [...]. Die Lutheraner nahmen daran teil, sowohl Männer wie Frauen. Darüber freute sich jedermann, in der Meinung, sie seien jetzt alle bekehrt. Aber ach! Es war nur Verstellung, wie sie es alsbald danach, ganz allmählich, zeigten."9 Denn einige Zeit später kam es zu erneuten gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen der aus Fribourg stammende Domherr Pierre Werli ermordet wurde und Genf damit in politische Bedrängnis geriet. Pierre de la Baume, Bischof und immer noch Stadtherr, wurde in die Angelegenheiten eingebracht und zog in die Stadt ein. „Die Christen waren darüber hoch erfreut, die Häretiker sehr betrübt."10 Denn der sonst so wenig Interesse zeigende Bischof zog den Prozess gegen die Mörder mit voller Selbstverständlichkeit an sich und untersagte zudem reformierte Predigten sowie die Lektüre der Bibel in der Volkssprache - die Bürger bangten um ihre alten Freiheiten. Doch der Bischof spielte damit den Anhängern des neuen Glaubens in die Karten. Denn den freiheitsliebenden Patriziern der Stadt, war ein solches Vorgehen ein Dorn im Auge. Die Ausschreitungen spitzten sich in den folgenden Monaten weiter zu, bis im Dezember 1533 ein Bürgerkrieg zwischen Lutheranern und Katholiken nur durch Eingreifen der Bürgermeister und Androhung der Todesstrafe, für jeden der sich nicht sofort zurückziehe, verhindert werden konnte. Um Weihnachten verkündete der Prediger Guy Furbity, die Lutheraner verstecken sich unter dem Deckmantel des Evangeliums, um ihre unmoralischen Lüste auszuleben und sie seien nichts anderes als „Geilmätze, Fresser, Hurenvögel, Mörder und Strauchdiebe, ohne Respekt vor und ihren Oberen."11 Die Reaktion der „Strauchdiebe“ liess nicht lange auf sich warten - Furbity wurde auf Geheiss Berns verhaftet und eingekerkert. Bei der darauffolgenden Disputation mit Farel kam es zu einem wüsten Schlagabtausch, bei der jede Seite versuchte, die andere schlechter zu reden, als dies das Gegenüber bereits tat. Doch Furbity beging einen Fehler.12 Er gestand ein, dass das Fastengebot als solches nicht im Wort Gottes enthalten sei. Er musste eingestehen, gegen die Bibel gepredigt zu haben - ein Vergehen, das er seinem Gegner vorgeworfen hatte.

In der Folgezeit gewann Farel und seine Lehre immer mehr an Einfluss. Am Dienstag vor Palmsonntag taufte Farel zum ersten Mal ein Kind nach der neuen Lehre. Am Weissen Sonntag, dem 12.04.1534, verheiratete er das erste Paar. „Danach, am St. Anna-Tag [...] wurde das Läuten der heiligen Messe verboten, um den miserablen Prädikanten nicht zu behindern."13 Die Berichte der Nonne, über weitere Verfolgungen und Ermordungen gleichen fast den Berichten der Christenverfolgungen im antiken Rom. Immer mehr Kirchen und Katholiken mussten für ihren Glauben bezahlen. „Am ersten Sonntag im August wurde im gesamten Bistum eine grosse Exkommunikation Kraft der Vollmacht des Hochwürdigsten Herrn von Genf veröffentlicht; [...] Darüber blähten sich die Ketzer zu noch grösserer Bosheit auf. Und sie drohten, dass spätestens an Weihnachten alle Kirchen leer sein würden und die gesamte Stadt im Glauben vereint sein würde."14 Die nächsten Zeilen sind nüchtern, es scheint, als würde de Jussie jenen Aussagen noch nicht wirklich glauben wollen. Doch der Conseil général kam am 21. Mai 1536 zusammen und entschied sich - wie bereits der Rat der Zweihundert am 10. August 1536 - die alte Messe abzuschaffen und nun vollends nach der neuen Lehre leben zu wollen.

Es wird sichtbar, dass bereits die Anfänge der Reformation in Genf ein Wechselspiel der Oppositionen war. Zu Beginn galten Anhänger des lutherischen Glaubens noch als „Bösewichte" und Farel wurde sogar mit Gewalt aus der Stadt vertrieben, doch mit der Zeit wendete sich das Blatt. Die Saat der Reformation keimte und fand immer mehr Sympathisanten. Auf ihrem Weg zur ihrer offiziellen Ausrufung am 21. Mai 1536, hinterliess sie eine Spur von Blut und Gewalt - auf beiden Seiten. Der Grund, wieso sich dennoch so viele der neuen Lehre anschlossen, ist derweil simpel.

Der als Stadtherr fungierende Bischof gewährte den Genfer Bürgern in der Vergangenheit weitestgehend Autonomie. Doch mit der Übernahme Savoyens übte Karl III. einen enormen Druck auf die Stadt aus. Den Erfolg als Messestadt verdankte Genf vor allem seiner günstigen Lage. Handel und wirtschaftlicher Erfolg waren aber wie überall auf politische Stabilität angewiesen. Mit dem Bischof konnte man sich bisher arrangieren, doch mit Karl III. kam eine neue Komponente hinzu. Als Vidame - Stellvertreter des Bischofs in weltlichen Angelegenheiten - verfügte der Herzog über weitgehende Kompetenzen und konnte jederzeit die lebenswichtigen Handelsrouten blockieren.15 Die Mitglieder der Eidgenossenschaft machten vor, wie man sich von den Zwängen solcher Herrscher befreien und sich selbst verwalten konnte. Demensprechend wurden Freiheitsgedanken bei der lokalen Elite geschürt. Jüngere Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte mit dem Bischof, wie die Hinrichtung Philibert Bertheliers - dem ersten „Revolutionsopfer" - schadeten auch dem Verhältnis mit „Monseigneur“. Die sogenannten „Mammelus“, Anhänger des Herzogs, kamen an die Macht und regierten in der Folgezeit. Der neue Glaube, der auch vom mächtigen Bern unterstützt wurde, bot demnach, wie vielerorts auch, nach jahrelangem Ringen die Chance sich endgültig von Bischof und Herzog loszusagen und die Trennung am 21. Mai 1536 zu vollziehen.

„Als ob Gott seine Hand auf mich legte"

Als er mit 27 Jahren zum ersten Mal Genf besuchte, war Jean Cauvin keine unbekannte Person mehr. Während seiner Studienzeit in Paris kam er im Haus seines Wohnungsgebers Etienne de la Forge erstmals mit lutherischen Ideen in Kontakt. Calvins Vater, Gerhard Cauvin, war einflussreicher Bürger der Stadt Noyon, Sekretär des Bischofs und schliesslich Prokurator des Domkapitels. Calvins Mutter war eine fromme Katholikin. Der junge Calvin war ein fleissiger Student der Theologie: „Er arbeitete hart, studierte Tage und halbe Nächte hindurch, stand morgens wieder früh auf und wiederholte dann, was er am vorigen Tag gelernt hatte."16 In seiner Pariser Studienzeit übernahm er auch die damalige Gewohnheit, den eigenen Namen zu latinisieren. Aus Jean Cauvin wurde Johannes Calvinus. Doch im Alter von 19 Jahren die Kehrtwende. Sein Vater entschied, es wäre besser, wenn der junge Calvin sich in den Rechtswissenschaften versuche. Denn Vater Cauvin stand mittlerweile mit seinem früheren Arbeitgeber aufgrund einer Erbschaft in Konflikt. Zu dieser Zeit kam er auch mit seinem Vetter, Pierre Robert d’Olivetan, in Kontakt - jener, der später auch die französische Olivetanbibel veröffentlichte, zu der Calvin das Vorwort beitrug.

Als sein Freund Nikolaus Cop zum Rektor der Pariser Universität ernannt wurde, war Calvin ihm bei der Ausarbeitung seiner Antrittsrede behilflich, in der sich Cop offen für den lutherischen Glauben aussprach. Die Reaktionen des Publikums waren heftig - Cop und Calvin mussten aus Paris flüchten. Im Zuge der „Affaire des Placards"17 musste Calvin, der 1534 zwischenzeitlich wieder nach Paris zurückkehrte, erneut aus der Stadt fliehen. Diesmal zog es ihn nach Strasbourg. Als König Franz I. die Verfolgungen für beendet erklärte, reiste Calvin noch einmal nach Noyon um verbliebene Angelegenheiten zu klären. Auf dieser Reise, „hatte ich vorgehabt, rasch durch Genf zu reisen und mich nicht länger als eine Nacht in der Stadt aufzuhalten. "18 - schreibt Calvin.

Der Versuch Ordnung zu schaffen

„Nun war hier vor kurzem durch die Wirksamkeit des genannten trefflichen Mannes [Farel] und Pierre Virets das Papsttum niedergeworfen worden, doch waren die Verhältnisse noch ungeordnet und die Stadt in schlimmer, gefährlicher Weise in Parteien gespalten."19 Selbst dem fremden Calvin fiel sofort auf, wie die frühe Reformation die Stadt gespalten hat.

Wie bereits dargelegt, entschieden sich längst nicht alle Genfer rein aus religiösen Motiven für den neuen Glauben. Unter „vivre selon Évangile et la parole de Dieu [..f"[19]20 verstanden bestimmt nicht alle ein Versprechen, ein sittenhaftes Leben zu führen. Viele Bürger erhofften sich die Möglichkeit, endlich nach der Lust ihrer eigenen Sinne zu leben. Dementsprechend schwer gestaltete sich die Arbeit Farels und seiner Kollegen Froment und Viret, die im Begriff waren, ein neues Gemeindeleben aufzubauen und der Zügellosigkeit der Bürger Einhalt zu gebieten.21 Umso gelegener kam es Farel, als er erfuhr, dass Calvin in der Stadt sei und schon am Folgetag wieder abreisen wolle. Calvin hielt fest, dass er „durch eine furchtbare Beschwörung Guillaume Farels festgehalten wurde, als ob Gott vom Himmel her gewaltsam seine Hand auf mich legte."22 Calvins Anwesenheit in Genf im Juli 1536 war- ausser für Farel - augenscheinlich nicht von grosser Bedeutsamkeit. Die Ratsprotokolle bezeichnen ihn einfach als „iste Gallus“ - dieser Franzose da. Nach einigen Religionsgesprächen in Lausanne, bei denen Calvin sich zu Beginn relativ ruhig verhielt, versetze er die anwesenden Theologen in Staunen, als er Stellen aus der Bibel mit genauer Textangabe rezitierte. Einige Tage später wurde auch in Lausanne und Umgebung die Reformation eingeführt.23 Nach diesen Ereignissen war Calvin in aller Munde und wurde von der Regierung zum Prediger berufen.

Calvins erste Aufgabe war die Organisation der Gemeinde und Kirche. Im November 1535 wurden dem Rat die „Artikel zur Ordnung der Kirche und des Gottesdienstes in Genf“ vorgelegt und im Januar des Folgejahres angenommen. In jener Kirchenordnung fanden sich sämtliche Punkte wieder, die laut Calvin für eine funktionierende Kirche unabdingbar sind: Regelmässige Feier des Abendmahls, Psalmengesang, aber auch heikle Themen wie Ausschluss aus der Gemeinde und Exkommunikation; „Es wäre daher eine förderliche Sache, zuerst einmal zu wissen, wer sich überhaupt zur Kirche Jesu Christi bekennen will und wer nicht."24 Doch der Rat nahm die Kirchenordnung nur in entschärfter Form an.25 Das Abendmahl soll wie bisher nur vier Mal im Jahr gefeiert werden. Für das Ehegericht ist weiterhin der Kleine Rat zuständig und die von den Predigern geforderte Kirchenzucht fand keinen Anklang bei der Regierung. Es schien, als waren die Anhänger der Reformation noch nicht so stark wie erhofft. Besonders deutlich wird dies bei der Forderung eines Glaubensbekenntnisses von den Bürgern: Jeder soll mit Eid schwören nach dem Evangelium zu leben und die zehn Gebote zu befolgen. An sich war der Inhalt allgemeiner und unspektakulärer Natur. Jedoch drohte bei Verweigerung des Eides der Verlust der Bürgerrechte und mögliche Ausweisung aus Genf - ein Affront. Der Rat fühlte sich offensichtlich in seiner Zuständigkeit beschnitten und befürchtete eine Einschränkung seiner gerade gewonnenen Macht durch die neue Kirche. Bürger, die gegen diese Bekenntnis verstossen, seien von den Magistraten zu bestrafen. Auch wenn die Mitglieder des Rates das Bekenntnis annahmen, zeigte sich das Volk widerspenstiger. Da das Vorhaben nur schwer durchzusetzen war, entschied der Rat, dass jeweils unter zehn Bürgern ein Hauptmann zu wählen sei, der selbst das Bekenntnis ablege und wiederum für die Zehn verantwortlich sei. So kam es, dass am 29. Juli 1537 der Ratssekretär Michel Roset die Kanzel bestieg und das Bekenntnis vorlas. Ein denkwürdiger Moment für die Stadt - aber der Schein trog. Ein Grossteil der Bürger erschien gar nicht, war der Eid doch vom Rat erzwungen. Calvin und Farel wollten die Reformation in Genf schneller durchsetzen als es den Bürgern lieb war - und dies bekamen sie langsam zu spüren.

Weiteren Druck übte Bern aus, das empfahl, einen solchen Eid nichtzu leisten.26 Die Stadt Bern, die sich immer mehr in die Genfer Angelegenheiten einmischte, drängte nun darauf, dass die Sakramente in allen evangelischen Städten gleich zu feiern seien: mit Oblaten statt gewöhnlichem Brot. Taufsteine sollten wieder aufgestellt werden und durch Farel abgeschaffte besondere Feiertage wie Weihnachten, Neujahr oder Christi Himmelfahrt sollten - sofern sie nicht auf einen Sonntag fielen - wieder eingeführt werden. Bürgermeister und Rat befahlen den Pfarrern, sich künftig an diese Regelungen zu halten - Calvin, Farel und Kollegen weigerten sich. Nicht etwa, weil sie die Berner Praktiken ablehnten, sondern weil sie nicht anerkennen wollten, dass die Obrigkeit in Angelegenheiten der Kirche eingreife. Zum Nachteil der Reformation kam hinzu, dass bei den Wahlen 1538, Männer gewählt wurden, die Calvin und Farel nicht sonderlich wohlgesinnt waren.

An Ostern 1538 eskaliert dann die Situation. Calvin und Farel weigerten sich das Abendmahl in der aufgezwungenen Art und Weise zu feiern. Daraufhin untersagte der Rat den beiden die Predigt. Calvin und Farel bestiegen die Kanzel dennoch und sahen sich zudem im Recht. Um weitere Unruhen durch Verhaftungen der beiden zu verursachen, beschloss der Rat, die aufmüpfigen Prediger aus der Stadt zu verbannen.

Auch in dieser Phase der Reformation zeigte sich, dass auch wenn sich Bürger und Rat von Genf offiziell für die Reformation aussprachen, dies noch keinesfalls bedeutete, dass sie auch bereit waren, vollends nach deren Regeln zu leben. Auch letzte Vermittlungsversuche aus Bern scheiterten. Erneutes Betreten der Stadt blieb den Verbannten verwehrt.

Calvin empfand die Ausweisung aus der Stadt regelrecht als Befreiung. In seinen Augen war Genf eine schreckliche Stadt, voll mit Säufern und Spielern, regiert von einer Obrigkeit, die ihm die Arbeit mehr als schwer gemacht hatte.27 Farel folgte dem Ruf als Pfarrer nach Neuchâtel und Calvin den dringenden Gesuchen aus Strasbourg.

„Als ich nun so von der Fessel dieser Berufung frei war und als Privatmann in Frieden leben wollte, zog mich der treffliche Diener Christi Martin Butzer wieder mit einer ähnlichen Beschwörung, wie sie Farel gebraucht hatte, gewaltsam in eine neue Amtsstellung zurück."28

Rückruf

Wir überspringen die Zeit in Strasbourg, in der Calvin seine Institutio Christianae Religionis überarbeitete, Religionsgespräche führte, die Antwort an Kardinal Sadolet verfasste und seine Frau Idelette de Bure kennenlernte und heiratete und widmen uns den Geschehnissen in Genf nach seiner Verbannung.

Inzwischen gerieten die Verhältnisse dort langsam ausser Kontrolle. Die Regierung war ihrer Aufgabe nicht gewachsen, die neuernannten Pfarrer versagten in ihren Pflichten und Unsittlichkeiten waren wieder an der Tagesordnung. In diesem Milieu entstand eine Bewegung, die die Rückkehr zum alten Glauben und gesitteten Verhältnissen forderte. Einige Gegner der Anhänger Calvin und Farels traten mit Bern in Verhandlung, wodurch die Selbstständigkeit der Stadt ernsthaft gefährdet wurde. Nach diesen Artikeln wurden sie „Artikulanten" genannt - woraus die Bürger „Artischocken“ machten.29 Die Anhänger der Vertriebenen, die nach Farel benannten „Guillermins"- bis zur Verbannung war nämlich Farel der anerkannte Führer der Gemeinde - wurden zwischenzeitlich in die Ecke gedrängt.30 Doch im Februar 1539 wurden Bürgermeister gewählt, die den früheren Ideen der Reformatoren nicht gänzlich abgeneigt waren. Währenddessen eskalierte die Stimmung in der Stadt zunehmends. Im Juni 1540 kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der herrschenden Partei und ihren Gegnern. In den folgenden Unruhen verlor der Rat die Kontrolle über die Geschehnisse und der Generalkapitän Jean Philippe, der militärische Bevollmächtigte der Stadt, wurde am 10. Juni hingerichtet.31

Im Laufe des Jahres 1540 erreichten Calvin immer mehr Bitten, nach Genf zurückzukehren und für Ordnung zu sorgen. Calvin hatte für solche Bemühungen nur wenig übrig: „Nach Genf soll ich also gehen, um besser zu leben? Warum nicht lieber sofort ans Kreuz? Besser wäre es, gleich zu sterben, als auf der Folterbank endlos gequält zu werden."32

Aber die Wege des Herrn sind unergründlich - und „so hat doch Gott schliesslich durch seine geheimnissvolle Vorsehung meinem Leben eine ganz andere Bahn gewiesen."33

Neuanfang

Am 1. Mai 1541 hob der Conseil général die Verbannung der Reformatoren auf. Schliesslich betrat Calvin am 13. September nach drei Jahren wieder den Ratssaal von Genf. Der einst Vertriebene war nun ein willkommener Mann. Doch er wusste um die inneren Unruhen Bescheid und wäre dem Rückruf nicht gefolgt, wenn nicht unter seinen Bedingungen. Seine Familie blieb vorerst in Strasbourg - Calvin ahnte wohl nicht, dass er Genf bei seinem zweiten Aufenthalt nie mehr verlassen würde. Gewisse „Guillermins“ erhofften sich bei seiner Rückkehr sicherlich Vergeltung an ihren Feinden - doch Calvin war an solchen Streitigkeiten aber nicht interessiert.

Eine neue Kirchenordnung hatte für ihn Priorität. Bereits am 20. November 1541 passierten die „Ordonnances Ecclésiastiques“34 die Gremien der Stadt und traten durch Volksabstimmung in Kraft.35 Kernpunkte der Ordonnanzen sind die Ämterlehre36 sowie die Kirchenzucht. Von besonderer Stellung waren hierbei die Ältesten, die sogenannten „Anciens". „Ihre Aufgabe besteht darin, auf die Lebensführung eines jeden zu achten, und diejenigen freundschaftlich zu ermahnen, die sie Fehltritte tun oder in unordentlichen Verhältnissen leben sehen."37 Mit den Pastoren zusammen bildeten die Anciens gemeinsam das „Konsistorium“. Ein Gremium aus zwölf Mitgliedern der Räte und allen Pastoren, das in Konfliktfällen Ermahnung aussprechen konnte - doch es sollte sich noch zeigen, dass besonders das Konsistorium zu Konflikten führen wird.

Ein weiterer Konfliktpunkt stellte zudem der Eid der Pastoren dar. Sie schworen „[mich] der Ordnung und dem geltenden Recht der Stadt zu fügen [...], indem ich mich selbst den Gesetzen und der Obrigkeit unterordne, soweit dies mein Amt zulässt; das heisst, solange die Freiheit nicht beeinträchtigt wird, die wir haben müssen, um nach Gottes Auftrag zu lehren [...]."38 Der springende Punkt hierbei war, dass die Pastoren zwar zugestanden, sich der Obrigkeit und den herrschenden Gesetzen unterzuordnen. Dies aber nur, solange dadurch nicht ihre Arbeit - das Werk Gottes - behindert wird.

Die eigentliche Strafgewalt unterlag zwar immer noch dem Rat. Doch der Verlauf der Geschichte zeigt, dass die Trennung von geistlichen und weltlichen Kompetenzbereichen sich mehr als schwierig gestaltete und teils kuriose Formen annahm. Besonderer Streitpunkt war bis 1555 das Recht zur Exkommunikation. Der Rat sah im Konsistorium vor allem eine Beratungsinstanz, während das Konsistorium sich befugt fühlte, in solchen Angelegenheiten selbst Entscheide fällen zu dürfen.

Zucht und Konflikte

Die Ordnung des öffentlichen Lebens war eines der grössten Probleme. Missstände auf diesem Gebiet waren besorgniserregend. Dementsprechend mussten Massnahmen ergriffen werden, um Herr der Lage zu werden. Um die verbreitete Trunksucht einzudämmen, wurden Wirtshäuser geschlossen und an ihrer Stelle „Abteien“ gegründet - Gaststätten, in denen die Wirte verpflichtet waren, auf das Verhalten der Gäste zu achten; dass zu Tisch auch jeder betete und dankte.39 Auch musste eine französische Bibel aufgelegt werden, in der jeder lesen konnte. Doch das Experiment missglückte - ein Wirtshaus ist halt keine Kirche. Auch gegen die Prostitution ging die Obrigkeit vor.

Verdächtige Häuser wurden geschlossen und verwarnte Frauen, die ihre Tätigkeit dennoch weiter ausübten, wurden in der Rhone ertränkt. Auf Ehebruch standen schwere Strafen - dennoch führten „unmoralische Sexualvergehen" die Liste der Strafen an.40 Ehescheidungen auf Grund Ehebruchs hingegen galten als nachvollziehbar und erlaubt. Die Arbeit der Pastoren als Sittenwächter der Stadt gestaltete sich zunehmend schwieriger. Als 1543 die Pest in Genf wütete, weigerten sich viele von ihnen ihre Arbeit in den betroffenen Gebieten zu verrichten. Unter den Bürgern sorgte dies für weiteren Unmut. Dachten doch viele, dass die Pastoren auch die Ausschweifungen ihrer Kollegen wenig interessieren und nicht verfolgen würden. Lästereien gegen die weltliche und kirchliche Obrigkeit standen jedoch unter hoher Strafe.

Das musste auch Pierre Amenaux erfahren. Der Spielkartenfabrikant und Mitglied im kleinen Rat sah durch die neue Sittenordnung seine Existenz bedroht. Obendrein hatte er das Unglück, dass seine Ehegattin es mit der ehelichen Treue nicht so genau nahm. Obwohl ihm eigentlich die Scheidung auf Grund Ehebruchs erlaubt gewesen wäre, verhinderte Calvin eine solche. Das brachte für Amenaux das Fass zum überlaufen. Bei einem Essen mit Freunden äusserte er sich abfällig über Calvin: seine Lehre sei falsch, er lehre die Jugendlichen absichtlich wenig Latein, damit sie ihn nicht kontrollieren können und Calvin strebe nur nach dem Sitz des Bischofs. Solche Aussagen standen unter schwerer Strafe. Und sogleich machten sich seine „Freunde“ auf, dieses Geschwätz an den Rat weiterzugeben.

Als Mitglied des Rates wollten seine Kollegen Milde walten lassen. Der Vorgeladene Amenaux sollte vor dem Rat und Calvin niederknien und um Verzeihung bitten. Für Calvin ein zu mildes Urteil - Amenaux habe nicht nur ihn, sondern auch die Kirche und damit Gott angegriffen: „Ein Hund bellt, wenn er sieht, dass sein Herr angegriffen wird. Ich wäre sehr feige, wenn ich sehe, dass Gottes Wahrheit angegriffen wird, und dann stumm bliebe [...]."41 Er verlangte, weil Amenaux der Obrigkeit angehörte, eine mässige aber öffentliche Bestrafung. So verurteilte der Rat Amenaux am 8. April 1546. Er musste im Büsserhemd und einer Kerze durch die Stadt ziehen und an jeder Kreuzung niederknien und vor der Kirche um Vergebung bitten.

Diese Zurschaustellung eines angesehenen Bürgers verfehlte seine Wirkung nicht. Der Fall zeigte den Genfern, was passiert, wenn man sich gegen Kirche und Obrigkeit auflehne. Doch die Spannung unter den Bürgern stieg. Die Anschuldigungen Amenauxs, dass der Rat unter der Fuchtel fremder Pastoren stehe, wurde durch seine Verurteilung erst recht angeheizt.

Libertiner/Perrinisten

Längst nicht jeder begrüsste die Neuerungen und die Sittenzucht, die nun in Genf herrschte. Viele erfreuten sich den gewonnenen Freiheiten - schüttelten sie doch erst gerade das Joch von Bischof und Herzog ab. Hinzu kam, dass zwar viele glaubenstechnisch der Reformation angehörten, jedoch mit der sich langsam etablierenden Herrschaft der fremden Pastoren nicht einverstanden waren. Die Wellen an französischen Glaubensflüchtlingen, die täglich Genf erreichten, erhitzen die Gemüter der patriotischen Genfer Familien weiter an.

Allmählich bildete sich unter den Unzufriedenen eine Opposition. „Patrioten“ nannten sie sich selber; aber die Anhänger Calvins bezeichneten sie als „Libertiner“ - in Anlehnung an ihre „freie“ Auffassung der Sitten, die sie sich erlaubten.42 Ihr Anführer war Ami Perrin - weswegen sie auch oft als „Perrinisten“ bezeichnet wurden - der früher zu den feurigen Anhängern Calvin und Farels gehörte. Seine Familie gehörte zu den ersten, die zur Zeit der Amenaux-Affäre ganz offenkundig Widerstand gegen die herrschende Ordnung ausübten.

Der ganze Eklat begann mit der Verwarnung der Frauen des Clans. Françoise Favre, Perrins Frau sowie seine Mutter, Pernette Grant, wurden wegen ständiger „Zankerei“ verwarnt.43 Perrins Schwiegervater, François Favre, erhielt eine Vorladung des Konsistoriums wegen eines allfälligen Verdachtes der „Unzucht“ welche er jedoch ignorierte. Als er schlussendlich doch erschien, wenn auch verspätet, sagte er: „ce consistoyre est une aultre juridiction dessus la justice de Geneve"44 Sprich, Favre anerkannte das Konsistorium als höhere Rechtsinstanz schlicht nicht an. Sein Sohn Gaspard stellte sich hinter den Vater, als auch er aufgrund Fehlverhaltens und Beleidigungen vorgeladen wurde. Er fand, sein Vater wurde in arroganter Weise von den fremden Ministern behandelt. Als Calvin ihn befragen wollte, erwiderte Gaspard; er rede nur mit den Monsigneur le Sindique - dem Bürgermeister - und mit keinem anderen. Schon gar nicht mitjemandem, der nicht einmal das Bürgerrecht besass. Damit spielte er auf die Herkunft Calvins und seinen Status innerhalb Genfs an. Denn auch wenn Calvin von vielen Kreisen geschätzt wurde und eine führende Stellung innerhalb der Gesellschaft einnahm, besass er dennoch nicht das Bürgerrecht und blieb für seine Gegner ein „einfacher Franzose". Eine Meinung die viele Angehörige der alteingesessenen Genfer Familien teilten - sie hatten genug von fremden Ministern und Pastoren, die ihnen das Leben in ihrer Stadt schwer machten.

Am 26. März 1546 kam es zu einem erneuten Disput. Antoine Lect, prominenter Genfer und ehemaliges Mitglied des kleinen Rates, feierte die Hochzeitseiner Tochter Jeanne Lect mit Claude Philippe, Sohn eines exekutierten Mitglieds der „Artischoken“. Auf der abendlichen Feier der Hochzeit tanzten einige Besucher und verstossen damit gegen das geltende Tanzverbot in der Stadt. Insgesamt wurden 26 Personen angeklagt, darunter sehr prominente Namen: Antoine Lect, ehemaliger Kleinrat; Ablard Cone, amtierender Bürgermeister; Ami Perrin, amtierender Kleinrat sowie mehrere Mitglieder des Conseil général.45

Für die Mitglieder der Oberschicht schien es am besten, zusammenzuhalten und einfach alles zu leugnen. Calvins Reaktion liess nicht auf sich warten. In einer Predigt bezeichnete er die Angeklagten als Wüstlinge und wilde Tiere. Calvin geriet derart in Rage, dass Aimé Alliod, Mitglied des Rats der Zweihundert mitten in der Predigt aufstand und Calvins Aussagen vehement zurückwies. Und auch die Angeklagten hatten noch ein Ass im Ärmel: ein gewisser Urbain Guisard, Adeliger aus dem zu Bern gehörenden Waadt, nahm ebenfalls an den Festivitäten teil. Seine Berner Herkunft positionierte ihn ausser die Reichweite Calvins. Antoine Lect argumentierte, Guisard hätte die Leute zum Tanzen und Lachen angeregt, da das, wo er herkomme, auf Hochzeiten üblich sei. Doch die Minister taten dies als belanglose Ausrede ab. Gerade der Zusammenhalt der Minister und ihre Hartnäckigkeit liess die Angeklagten nacheinander einbrechen und Busse tun.

Es zeichnete sich ein Machtkampf zwischen fremden Ministern und der alteingesessenen Elite ab. Die Minister sahen sich in der Ignoranz der Patrizier verhöhnt, während diese wiederum sich über die Arroganz der Minister aufregten. Und dennoch gelang es den Ministern, einen wichtigen Sieg einzufahren. Sie hatten sich erfolgreich gegen jene gewehrt, die glaubten, dass Recht und Ordnung für sie nicht galt. Doch bereits im Folgemonat kam es zu einer erneuten Auseinandersetzung mit einem Mitglied der Familie Favre. Jean Favre beleidigte den Pastor Reymond Chauvet als sie sich auf der Strasse kreuzten. Chauvet, erst kürzlich aus Frankreich eingetroffen, zwang Jean Favre vor ihm auf die Knie zu gehen und zur Abbitte den Boden zu küssen. Chauvet war in seiner Position als Pastor eigentlich gar nicht befugt eine solche Strafe auszusprechen. Nach getaner Abbitte ging Chauvetvon dannen, während Jean Pensabin, ein ehemaliger Ancien, Favre bedauern hörte, Chauvet nicht niedergeschlagen zu haben. Die Folge: eine Vorladung Favres vor das Konsistorium.

Für Calvin stellte der Widerwille einiger Patrizier - besonders der Familie Favre - sich der geltenden Ordnung unterzufügen, ein Problem dar. Dementsprechend sollte Ami Perrin, der immerhin Stadtkommandant war, seine Familie besser kontrollieren.

Perrins Verhältnis mit Calvin verschlechterte sich jedoch zunehmend. Erschwerend kam hinzu, dass Kaiser Karl V. erpicht war, die Hegemonie in Europa zu erlangen und zahlreiche protestantische Reichsstädte eroberte. So fürchtete man auch in Genf, mögliches Ziel von Karl V. zu werden. Perrin bemühte sich, mit guten Absichten, beim französischen König Heinrich II. militärische Unterstützung für einen möglichen Angriff zu sichern.46 Gleichzeitig verfolgte Lorenz Maigret, Calvins Freund, ähnliche Bestrebungen. Beide Verhandlungen wurden unabhängig voneinander geführt - und keiner wusste, dass auch der andere mit dem König in Kontakt stand. Als die Verhandlungen jedoch bekannt wurden, beschuldigten sich die Unterhändler gegenseitig des Verrates. Sowohl Perrin wie Maigret wurden verhaftet. Bern, das immer noch seine Finger im Spiel um Genf hatte, war an einer möglichen Beziehung zwischen Genf und Frankreich interessiert. Sie schenkten Perrin mehr Vertrauen als Maigret und Calvin, der seit jeher kein gutes Verhältnis mit Bern pflegte.

Beide Fälle endeten mit einem Kompromiss. Die Beschuldigten wurden freigesprochen und Perrin erhielt seine Stellung als Generalkapitän zurück. Für Maigret ging die Sache nicht so glücklich aus. Er verlor seine Bürgerrechte und Ämter in der Stadt.

Die Rivalität zwischen den Patriziern und Calvin blieb von den Genfern nicht unnotiert. Perrin galt mittlerweile als der Vorkämpfer der Alt-Genfer Partei - Calvin hingegen wurde unter ihnen zusehends unbeliebter. Bei den Wahlen im Februar 1547 verzeichneten die Libertiner einen Sieg und waren mit den Anhängern Calvins fast gleichauf. Im Dezember waren die Gemüter im Grossen Rat derart erhitzt, dass es sogar zu einem wüsten Handgemenge kam.

Angst vor den Fremden

Die immerwährenden Streitigkeiten zwischen der „Compaigne des pasteurs" und der Genfer Elite beruhte vor allem auf der Ablehnung der Autorität der Pastoren. Die alteingesessenen Familien wollten sich nichts von fremden Ministern sagen lassen. Angekurbelt wurden Feindseligkeiten besonders durch nicht abreissende Flüchtlingsströme. Während die Pastoren eine aktive Rolle innerhalb der Genfer Gesellschaft einnahmen, empfanden viele die Flüchtlinge als eine passive Bedrohung.47 Französische Glaubensflüchtlinge passierten seit Beginn der religiösen Auseinandersetzungen auf ihrer Flucht die Stadt Genf. Zwischen Oktober 1538 und 1539 zählte man innerhalb eines Jahres mehr als lO'OOO Fremde, die die Stadt passierten - Genf selbst zählte zu dieser Zeit nur rund 12‘000 Einwohner. Das ohnehin schon verschuldete Genf gelangte immer mehr in Bedrängnis. Als in den Jahren zwischen 1543 und 1545 die Pest wütete, versuchte man sich auf dieses Problem zu konzentrieren, statt für Flüchtlinge zu sorgen.

In den Jahren bis 1545 war die Stadt bemüht, die Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen und sie anschliessend weiterzuschicken. Die Zeit ab 1546 markiert hingegen den Beginn der fremdenfeindlichen Gesinnungen in Genf. Dies hatte verschiedene Ursachen. Immer mehr Flüchtlinge weigerten sich, die Stadt zu verlassen. Erschwerend kamen die Auseinandersetzungen der (fremden) Magistrate mit den Patriziern hinzu, die die Fremdenfeindlichkeit zusätzlich antrieben. Zudem entwickelte sich für die Lokalelite ein weiteres Ärgernis: der Zuzug von wohlhabenden Geschäftsleuten aus Frankreich.

Nun hatte Genf mit zwei Problemen zu kämpfen. Einerseits die Belastung ausgehend von den mittellosen Flüchtlingen, die die ohnehin strapazierten Finanzen weiter belasteten und andererseits Niederlassungen von wohlhabenden Fremden, die mit ihren Geschäften ernsthafte Konkurrenz für ansässige Händler bedeuteten48 und sich teilweise sogar Bürgerrechte erkauften. Zu erwähnen ist jedoch, dass die Ablehnung von Fremden nicht per se auf jeden zutraf. Besonders das Druckereigewerbe florierte erst dank den Zuzüglern.

Durch den Verkauf des Burgrechts an wohlhabende Ausländer konnten die Finanzen der Stadt ein wenig entlastet werden. Im Jahr 1547 wurden 138 Neubürger aufgenommen und erhielten politische Rechte. Gerade bei der Lokalelite sorgte ein solches Vorgehen für Unbehagen. Denn es schien nicht, als würden sich die Neubürger in die bestehende Ordnung einfügen. Geschäfte und Bürgschaften erledigten die Fremden untereinander, dementsprechend profitieren die an sich wohlhabenden Genfer Familien kaum von der Geschäftstüchtigkeit der neuen Bürger. Hinzu kam, dass bis 1557 von 440 französischstammenden Frauen nur 16 davon lokale Männer heirateten.49 Viele Patrizier fürchteten demnach die Entwicklung einer Parallelgesellschaft, die durch ihre finanziellen Mittel immer mehr an Macht gewinnen und schlussendlich die Kontrolle übernehmen könnte.

Jedenfalls verwundert es nicht, dass zwischen 1551 und 1552 vor allem über Beschränkungen der politischen Rechte diskutiert wurde.

Streit und Feuer

Durch die Ankunft von französischen Glaubensflüchtlingen gewann die Kirchenordnung immer mehr an Zustimmung und Unterstützung. Die frühen 1550er Jahre verliefen für die Stadt innen- sowie aussenpolitisch eher ruhig. Doch in der Folgezeit bahnte sich erneut eine Periode der Auflehnung an. Mehrere Fälle von Streitigkeiten zwischen Ministern und Patriziern ereigneten sich. Im Mai 1551 wurde Pierre Amenaux für sein Nichterscheinen bei der Predigt ermahnt. Im Juni kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Ministern mit Philibert Berthelier und Pierre Bonna. Die Tatsache, dass Bonnas Frau sich weigerte vor dem Konsistorium zu erscheinen, half der Sache wenig. Im Winter 1551 verhaftete man Jérôme Bolsec, da er öffentlich die Prädestinationslehre Calvins angriff. Hinzu kamen persönliche Zwistigkeiten einiger Patrizier mit Calvin, der sich weigerte, ein Kind der Familie Sept zu taufen. Calvins Begründung: Der Vater anerkenne ihn nicht als seinen Seelenhirten, folglich sei er auch nicht verpflichtet, ihm jenen Dienst zu erweisen.50 All jene Streitigkeiten verhinderten, dass sich die Situation zwischen der Kirche und der Lokalelite entspannen konnte.

Innerpolitisch brisant und mit weitreichenden Folgen gestaltete sich besonders die Affäre rund um Michel Servet. Zwischen Calvin und dem spanischen Arzt und antitrinitarisehern Theologen kam es bereits in der Vergangenheitzu Briefwechseln, in denen Calvin Servets Ideen zurückwies.51 Servet, der aufgrund seiner Auffassungen vielerorts gesucht wurde, begann 1553 den Fehler nach Genf zu kommen und dort ausgerechnet an einer Predigt Calvins teilzunehmen. Kurz vor Servets Auftauchen in Genf kam es zu zwei Häresieprozessen in Genf.52 Im Juli wurde Robert le Moine aus der Stadt ausgewiesen, als er behauptete, Prostitution und Unzucht seien in der Bibel nicht verboten. Drei Tage vor Servets Ankunft verbannte man Jean Baudin, aufgrund der Aussagen, Jesus sei ein Phantom und die Bibel bloss ein Buch wie jedes andere. Möglicherweise hatten diese Ereignisse Einfluss auf die Wahrnehmung der Affäre rund um Servet.

Unmittelbar nach der Festnahme legten einige Libertiner, vor allem Philibert Berthelier und Ami Perrin, Fürsprache für Servet ein. Für Calvin wenig verwunderlich, gingen ja bereits Gerüchte umher, dass die Libertiner Servet unterstützten. Doch jede Hilfe kam zu spät, denn auch externe Gutachten aus Zürich, Bern und Basel waren sich in ihrem Urteil einig: Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen. Calvin und die Pastoren unternahmen noch den Versuch, das Urteil zu mindern. Auch sie sprachen sich für den Tod des Ketzers aus - erbaten jedoch die mildere Form der Enthauptung. Doch der Rat blieb bei seinem Urteil und Servet wurde am 27. Oktober 1553 verbrannt.

Finale Krise

Auch wenn Berthelier und Perrin in Verdacht standen, mit Servet gemeinsame Sache zu machen, konnte dies nicht bewiesen werden. Vielmehr war der Fall Servet ein weiterer Schauplatz der Kämpfe zwischen Calvin und der Obrigkeit. Für die Bürger zeichnete sich bereits ein Parteienkonflikt wie jener zwischen „Artischocken“ und „Guillermins“ um 1540 ab. Auf der einen Seite die Libertiner, die ihre Traditionen und alten Rechte verteidigten, auf der anderen Seite Calvin und die Minister, die für die Kirche und die Einhaltung der Sitten kämpften. Und wie sich zeigen sollte, nutzten die Minister die straffe Kirchenordnung zu ihren Gunsten. Jedes Vergehen gegen die Sittenregeln wurde benutzt, um den schädlichen Einfluss der Libertiner auf die Bürger Genfs zu betonen. Die Lokalelite wiederum beschuldigte die Pastoren und Calvin, in ihrer Arroganz und Überheblichkeit eine Theokratie errichten und alles beherrschen zu wollen.

Auch die folgenden Monate waren gezeichnet von Ausschweifungen.53 Im März 1554 wurden drei Fälle von Sodomie behandelt. Lambert Le Blanc und vier weitere wurden nach Beratung Calvins mit seinen Ministern öffentlich verbrannt. Im September wurden erneut fünf Jugendliche desselben Vergehens beschuldigt. Aufgrund ihres Alters wurden jedoch mildere Strafen ausgesprochen. Auch das Jahr 1555 begann mit einer Hinrichtung. Für Calvin war klar, in Zeiten des nahenden Endes taucht das Böse vermehrt auf, denn der Teufel weiss, dass ihm nur noch eine kurze Frist bleibt."54 Am Abend des 9. Januars zogen die Perrinisten durch die Stadt, begleitet von obszönen Gesängen. Da aber die meisten aus vornehmen Familien stammten, fielen die Urteile mild aus und das, obwohl einige der Lästerer sogar Feuerwaffen auf sich trugen.

Es wurde immer absehbarer - der letzte Kampf stand bevor.

Niederlage der Feinde Gottes

Bei den Wahlen im Februar 1555 wurde die politische Macht der Perrinisten gebrochen. Drei der vier gewählten Bürgermeister stammten aus dem Kreis um Calvin. Auch in anderen Gremien der Regierung sah es ähnlich aus. Die Mehrheit der Neugewählten waren Calvin zuzurechnen. Verwunderlich sind solche Resultate kaum. Entschied man sich dafür, die Perrinisten zu wählen, entschied man sich indirekt, jene zu unterstützen, die sich nicht der geltenden Ordnung unterfügten und massgeblich für die innerpolitischen Konflikte zuständig waren. Jedoch bedeutete dies noch keinen klaren Sieg für Calvin und seine Anhänger. Zählte der Kleine Rat 1555 siebenundzwanzig Mitglieder, können 12 davon Calvins Anhängerschaft zugeordnet werden und mindestens fünf waren Calvin wohlgesinnter als den Perrinisten.

Die Perrinisten wurden sich allmählich ihrer Lage bewusst. Auch letzte Versuche, die Rechte der neu eingebürgerten Ausländer zu beschränken, damit die Gegner nicht noch mehr an politischer Kraft gewannen, scheiterten. Auf dem Gipfel der Auseinandersetzungen, entlud sich der Konflikt am 16. Mai 1555.

In dieser Nacht zogen die Perrinisten auf die Strassen Genfs hinaus und protestierten gegen die Entscheidungen des Kleinen Rates. Doch der Aufstand war mehr als eine Trunkprozession. Spätere Behauptungen, man wollte in dieser Nacht einen Umsturz durchführen, erwiesen sich als haltlos. Dementsprechend fielen die Reaktionen auf den Tumult zuerst gemässigt aus. Man kümmerte sich zuerst um jene, die wenig politische Autorität besassen. Denn Ami Perrin beispielsweise, wohnte trotz Teilnahme an den Revolten der Sitzung des Kleinrats am 24. Mai bei. Doch in der Folgezeit wandelte sich die Stimmung. Die Magistrate gingen nun mit aller Härte gegen die Rebellen vor. Am 19. Juni wurden Verwandte der angeklagten Perrinisten ihrer Ämter im Conseil général enthoben. Insgesamt wurden 23 Todesurteile ausgesprochen, von denen acht vollstreckt wurden.55 Die meisten, darunter Philibert Berthelier, Balthasar Sept und Ami Perrin flohen, bevor sie hingerichtet wurden. Die Perrinisten sahen sich als Genfs loyalste Bürger, die im Kampf gegen die machthungrige neue Ordnung verloren hatte. Ihre Gegner sahen in den Urteilen den lang ersehnten Sieg gegen ein Pack von Sündern und Feinden Gottes.

Post tenebras Lux

Calvins Partei hatte von jetzt an die Macht in den Händen und war sich der Zustimmung des Rates gewiss. Nach vierzehn Jahren wurde zudem endlich erreicht, dass der Rat nicht mehr in die kirchliche Zuchtordnung eingriff. Das Jahr 1555 kann demnach durchaus als Wendepunkt der Reformation bezeichnet werden. Ganz nach dem Wahlspruch der Stadt „Post tenebras Lux“ erstrahlte Genf nun im „Licht nach der Dunkelheit“. Jetzt, da die letzte Opposition, die Perrinisten, ausgeschaltet waren, konnte der Reformator seine übrigen Lebensjahre der Ordnung Genfs widmen. Ausschweifung und Geldverschwendung gehörten ebenso der Vergangenheit an, wie in Gasthäusern zu essen und zu trinken. Männer und Frauen hatten in der Kirche auf getrennten Seiten zu sitzen und lange Haartracht bei Männern oder übertriebene Frisuren der Frauen wurden verboten. Solche Gesetze waren keine Erfindung Calvins, sondern kamen auch anderwärts vor. Calvin war vielmehr darauf erpicht, die Bürger zu einem frommen und arbeitsamen Leben zu erziehen. Immerhin galt ökonomischer Erfolg als Wohlwollen und Zeichen der Gnade Gottes.

Muss man sich nun Genf jener Zeiten als trostlosen Ort vorstellen, aus dem Glück und Freude verbannt wurden? Jedenfalls für die römische Kirche und ihre Glaubensgenossen musste dies so erscheinen. Für die Anhänger der Reformation aber erstrahlte Genf nun in einem heiligen Licht und leuchtete als „neues Jerusalem“ allen anderen den rechten Weg. In Europa blieb dies nicht unbemerkt: Schenkte man der Stadt an der Rhone - die bisher vor allem durch die immerwährenden innerpolitischen Zwistigkeiten von sich reden machte - früher noch wenig Aufmerksamkeit, so galt Genf nun als Mittelpunkt des Protestantismus. Die in Genf ausgebildeten Pastoren erfreuten sich immer grösserer Nachfrage. Dies wiederum konnte dank der Gründung der Genfer Akademie ermöglicht werden, die ursprünglich zur Ausbildung der Pastoren gedacht war, aber im Laufe der Jahrhunderte immer mehr an Bedeutung gewann und Studenten und Humanisten aus dem gesamten reformierten Europa anzog.

Fazit

Wir erinnern uns: „Nach Genf soll ich also gehen, um besser zu leben? Warum nicht lieber sofort ans Kreuz?"56

Bei seinem ersten Aufenthalt noch vertrieben, erscheint es verständlich, jener Stadt für immer den Rücken kehren zu wollen. Aber Calvin wäre nicht Calvin, wenn er den Dienst Gottes nicht über seine eigene persönliche Haltung gestellt hätte. So wie es die Pflicht der Könige und Prinzen sei, Übeltäter zu bestrafen und die Lehre in ihren Ländern und Gebieten zu verbreiten57, so fühlte sich Calvin dazu verpflichtet, sich in den Dienst Gottes zu stellen und nach dem Vorbild der Apostel die wahre Lehre zu verkünden. Durch seine Berufung geriet Calvin, der „von Natur etwas menschenscheu und schüchtern war"58 in den Strudel der innerpolitischen Genfer Zwistigkeiten. „Mit wieviel Kämpfen mich Gott seitdem heimgesucht, mit welchen Prüfungen er mich auf die Probe gestellt hat, das gäbe eine lange Geschichte [...]. Ganze fünf Jahre, während deren arge Menschen übergrosse Macht hatten und auch ein Teil des Volkes [...] ungezügelte Freiheit erlangte, mussten wir ohne Unterlass um die Aufrechterhaltung der Kirchenzucht kämpfen."59

Und wahrlich, die 1550er Jahre waren eine beschwerliche Zeit für Calvin und die „ministres évangéliques". Dennoch gelang ihnen das praktisch Unmögliche; sie trotzten allen Widerständen und setzten sich bei den Wahlen 1555 endgültig gegen ihre Gegner durch. Auch wenn das Ergebnis nicht als überwältigender Sieg oder gar als Revolution bezeichnet werden kann, darf dennoch nicht ausser Acht gelassen werden, gegen wen Calvin und seine Anhänger triumphierten: die alteingesessenen Patrizier, die über Jahrhunderte ihre Netze in der Stadt spinnten und keineswegs bereit waren, auch nur einen Teil ihrer Macht abzugeben. Doch wie war es überhaupt möglich, die Machtverhältnisse umzukehren?

Die Geschehnisse haben gezeigt, dass seitens der Bevölkerung keineswegs von Einstimmigkeit oder Zusammenhalt in religiösen Angelegenheiten gesprochen werden kann. Bereits in der Frühphase der Reformation kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, bei denen die Anhänger der neuen Bewegung klar die Minderheit ausmachten. Doch die Chroniken der Nonne Jean de Jussie zeigen, dass der Kreis dieser „fluchwürdigen Sekte“60 immer grösser wurde und Auseinandersetzungen mit Katholiken immer öfters vorkamen. Die Hinwendung zur Reformation war mit vielen Rückschlägen verbunden. Es war nicht bloss eine einfache Volksabstimmung im Mai 1536, bei der sich alle dafür aussprachen, von heute auf morgen nach dem neuen Glauben zu leben. Vielmehr musste sich die Reformation Stück für Stück vorankämpfen - und oft mit drastischen Mitteln. Die Zerstörung von katholischen Bildern, Altären oder ganzen Kirchen aber auch die Ermordung des Domherren Pierre Werli zeugen von einem jahrelangen Ringen der Konfessionen innerhalb Genfs. Dabei sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass längt nicht alle Anhänger der Reformation sich dieser bloss aus religiösen Gründen anschlossen. Interessierten sich die italienischen Herzoge und Fürsten im Süden mehr für Kunst und Selbstdarstellung, bot die Reformation vielen Herrschern nördlich der Alpen ein Sprungbrett, sich von Kirche und Kaiser loszusagen und eigenständig werden zu können. Für Genf konnten die Chancen kaum besser stehen. Einerseits befreiten sie sich von der Herrschaft des Bischofs und des Hauses Savoyen, andererseits gelang so auch eine Annäherung an das bereits reformierte Bern und andere Gebiete der Eidgenossenschaft - jene hat immerhin rund 300 Jahre zuvor gezeigt, wie man sich ganz die Unabhängigkeit erkämpft.

Somit waren Farel und seine Freunde, darunter auch Calvin, um 1536 mit folgender Situation konfrontiert: Offiziell entschied sich Genf für den reformatorischen Glauben, aber längst nicht alle waren auch bereit, so zu leben. Dies mussten Farel und Calvin 1538 am eigenen Leib erfahren. Vielen Bürgern waren die Neuerungen und strengen Sittenordnungen ein Dorn im Auge. Musste man sich einige Jahre zuvor noch fürchten, Bischof und Herzog könnten die Rechte der Bürger beschneiden, waren es nun die Reformatoren, die den Bürgern vorschreiben wollten, wie sie zu leben hatten. Wenig verwunderlich also, wurden Farel und Calvin im April 1538 aus Genf ausgewiesen. Doch schnell wurde den Genfer Herren klar; ohne fremde Hilfe, war die Reformation in Genf nicht durchsetzbar und Calvin wurde zurückgerufen.

Doch wenn man Calvin bereits 1538 aus der Stadt verbannte, wieso wurde er nach seiner Rückkehr - trotz aller Auseinandersetzungen mit den herrschenden Mächten - nicht erneut aus der Stadt ausgewiesen?

Eines ist klar: Calvin wäre nicht nach Genf zurückgekehrt, wenn nicht unter seinen Bedingungen. Er machte keinen Hehl aus seiner Ablehnung gegenüber Genf. Trotzdem sah er sich Gott gegenüber verpflichtet: „Schliesslich siegten aber doch mein Pflüchtgefühl und meine Treue, so dass ich der Herde, von der man mich weggerissen, wieder zurückgegeben wurde [...]."61 Im Februar 1539 wurden Bürgermeister gewählt, die Calvin weniger kritisch gegenüberstanden. Nach seiner Rückkehr, im September 1541, wurden gleich darauf im November 1541 seine Artikel zur Neuordnung der Kirche angenommen. Wäre Calvin aufgrund der Unruhen in der Folgezeit erneut verbannt worden, hätte das eine öffentliche Blamage für die Regierung bedeutet. Vorerst genoss Calvin also die Unterstützung der Regierung - auch bei heikleren Themen. Dennoch war man in Genf immer noch bemüht, sich nicht allzuweit von Bern zu entfernen. Deswegen gelang es Calvin auch bei seiner Rückkehr nicht, dass wie er 1537 bereits wünschte, „die Feier des heiligen Mahls Jesu Christi mindestens jeden Sonntag stattfände.“62 Doch im Verlauf der Zeit nahm der Einfluss und die Selbständigkeit Genfs stetig zu und der Einfluss Berns auf die Genfer Politik immer mehr ab - auch aufgrund der Ereignisse rund um die Verhandlungen der „Artischocken“. Dies wiederum ermöglichte es Calvin und seinen Pastoren, ihren Einfluss innerhalb der Stadt auszuweiten. Für ihn mehr als recht, verstand Calvin sich doch nie mit den Berner Herren; „Die Kirche von [Bern] hat unsere Kirche verraten, und sie haben mich dort immer mehr gefürchtet als geliebt.“63

Die grösste Veränderung in dieser Sache brachte jedoch die Einführung des „Konsistoriums“. Denn auch wenn dem Kontrollorgan eigentlich nur eine Beratungsfunktion zukam und die Strafvollmacht immer noch dem Rat oblag, so wachten die Pastoren doch wie Hirten über ihre Schafe.

Fälle wie jene des Pierre Amenaux zeigen, dass selbst angesehene und einflussreiche Bürger der Stadt keine Immunität mehr bei Fehltritten genossen. Nahm man früher „nach dem Evangelium“ zu leben nicht ganz so ernst, so war nun klar: „Eine dauernde Kirche werden wir nicht haben, wenn nicht die alte, d. h. die apostolische Kirchenzucht wiederhergestellt wird, [...]."64 Für Calvin war klar, dass Amenaux, der der Obrigkeit angehörte, eine öffentliche Bestrafung verdiente. Somit wurde signalisierte, dass jeder, egal welchen Standes oder Herkunft, sich an die Ordnungen der Kirche zu halten habe. Es ist also wenig verwunderlich, dass sich bald darauf Opposition gegen „iste Gallus“ und seine französischen Pastoren formierte. Die „Libertiner“, die sich als letzte Verteidiger der alten Ordnung sahen, waren der Kirche und Calvin lange ein Dorn im Auge. Auf Vorladung des Konsistorius folgten Spottprozessionen, Geplänkel, Leute nannten ihren Hund Calvin oder nannten Calvin sogar Kain.65

All jene Auseinandersetzungen wurden zusätzlich durch die Ströme an Glaubensflüchtlingen und die damit verbundene Xenophobie angeheizt. Reichte es der alten Elite doch schon, dass Calvin - selbst Franzose - französische Pastoren um sich scharte, so kamen jeden Tag neue Flüchtlinge in Genf an, von denen ein grosser Teil beabsichtigte zu bleiben und teilweise sogar Bürgerrechte erwarb. Die zunehmende Entfremdung und Angst, dass die neuen Bürger die alten Machtverhältnisse umstürzten könnten, heizten die inneren Konflikte immer weiter an. Nur dank der Beharrlichkeit Calvins und seiner Pastoren konnte verhindert werden, dass in den Jahren nach 1546 die Reformation in Genf vorangetrieben wurde und die Stadt nicht zu einer protestantischen Siedlung „verkümmerte“. Hinzu kam, dass Calvins Gegner die Grenzen immer mehr austesteten und somit auch die Regierung in Bedrängnis brachten - denn eine Regierung, die sich auf der Nase herumtanzen lässt, besitzt keine Autorität.

Mit den Ereignissen des Jahres 1555 gelang es Calvin und seinen Unterstützern, durch eine kleine Mehrheit, die Wahlen für sich zu entscheiden und den seit 1550 andauernden Machtkämpfen ein Ende zu bereiten. Als die Verlierer im Mai 1555 für erneute Unruhen sorgten und sogar Gerüchte um einen möglichen Umsturz die Runde machten, wurde endgültig durchgegriffen. Wer gerade noch rechtzeitig fliehen konnte, kam mit dem Leben davon - in Genf gab es jedenfalls keinen Platz mehr für die Aufwiegler nach diesen Ereignissen. Die nachfolgenden Jahre 1555-1557 markierten das Ende der innenpolitischen Konflikte in Genf. Calvin und seinen Anhängern gelang es relativ schnell für inneren Frieden zu sorgen. Dank dem Ende der Unruhen, konnte Genf nun auch nach aussen aktiv werden und bewies politische Stabilität.

Als Calvin zum ersten Mal nach Genf kam, „gab [es] keine Reformation. Alles befand sich in einem wüsten Durcheinander"66 und in der Stadt war der Samen der Zwietracht gesät.67 Er, der selbst nie den Wunsch hatte im Rampenlichtzu stehen, „und stets gerne ein ruhiges Leben im Schatten gehabt hätte"68, machte es sich zum obersten Ziel die „gute Sache“ zu vertreten. Aufgrund seines scharfen Intellekts und seinem noch grösseren Temperament war Calvin stets ein gefürchteter Gegner aber auch hochgeschätzter Freund. „Wohl haben Kummer und Leiden seinen Glauben vertieft, Kämpfe und Prüfungen [aber] seinen Willen gestählt."69 Er war bis zum Schluss darauf erpicht, für das Wohl der Genfer Kirche zu sorgen. Selbst als ihn im Alter von 54 Jahren seine Kräfte nach jahrelanger, schwerer Krankheit langsam verliessen, empfing der gezehrte Calvin noch einmal die Pastoren an seinem Bett und dankte ihnen für ihre Arbeit und ihre Geduld, die sie ihm stets entgegenbringen mussten: „Darum bitte ich Euch, dass Ihr mir das Schlechte verzeiht. Wenn es aber auch etwas Gutes gegeben hat, so richtet Euch danach und befolgt es!"70 Am 27. Mai 1564 schied Johannes Calvin aus dem Leben. Auf seinen Wunsch hin, kennzeichnete kein Grabstein seine letzte Ruhestätte71 - Gott, nicht Calvin soll verehrt werden.

Auch wenn er es nie beabsichtige, Johannes Calvin gehört zu den grössten und einflussreichsten geistigen Führern und Persönlichkeiten der Neuzeit. Zwar war er nicht Begründer der frankophonen Reformation, verhalf ihr aber zum Durchbruch und Sieg - seine Lehren beeinflussten die Weltgeschichte.

„ Wenn wir bedenken, dass dieser Mann, je älter er wurde, umso mehr leiden musste an oft unerträglichen Schmerzen und an chronischer Schlaflosigkeit, werden wir Verständnis für seine neurotische Natur bekommen und uns noch über die Mässigung und Milde wundern, die er trotzdem immer wieder an den Tag zu legen wusste, und über die Kraft, mit der er sich auch in dieser Hinsicht selbst überwand.“72

Quellen und Literaturverzeichnis

Primärquellen

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Sekundärliteratur

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1 Kant, Immanuel, Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft. Die Metaphysik der Sitten. 1793, S. 107.

2 Calvin, Jean (Hrsg. Busch, Eberhard], Calvin-Studienausgabe. Gestalt und Ordnung der Kirche. Neukirchen­Vluyn 1994, Bd. 2, S. 295.

3 Vgl. Chronologie S. 275ff; Gross et al., Côté chaire, côté rue. L'impact de la Réforme sur la vie quotidienne à Genève (1517-1617). Genf2018.

4 De Jussie, Jean (Hrsg. Feld, Helmut], Kleine Chronik. Bericht einer Nonne über die Anfänge der Reformation in Genf. Mainz 1996, S. 29ff.

5 Vgl. Reinhardt, Volker, Die Tyrannei der Tugend. Calvin und die Reformation in Genf. München 2009, S. 20.

6 Gross etal. (2018), S.275.

7 Feld (1996), S. 44.

8 Ebd., S. 45ff.

9 Ebd., S. 55ff.

10 Ebd., S.62

11 Feld 1996, S. 69.

12 Reinhardt (2009], S. 44.

13 Feld 1996, S. 84.

14 Ebd., S. 90.

15 Reinhardt (2009J, S.21.

16 Ebd., S. 4.

17 Vorfall um 1534, bei dem antikatholische Plakate in Paris und anderen Städten einen Skandal auslösten.

18 Schwarz, Rudolf, Johannes Calvins Lebenswerk in seinen Briefen. Eine Auswahl von Briefen Calvins. Neukirchen 1962, Bd. 3, S. 897.

19 Ebd.

20 Beschluss des conseil général, 21. Mai 1536. Gross et al. (2018], S. 24.

21 Dankbaar, Willem F., Calvin. Sein Weg und Werk. Neukirchen-Vlyun 1996, S. 41.

22 Schwarz (1962], Bd. 3, S. 897.

23 Dankbaar (1996], S. 43.

24 Busch (1994], Bd. 1.1, S. 125.

25 Rohloff, Reiner, Johannes Calvin. Gottingen 2011, S. 29.

26 Naphy, William G., Calvin and the Consolidation of the Genevan Reformation. London 1994, S. 27.

27 Dankbaar [1996), S. 52.

28 Schwarz [1962), Bd. 3, S. 897.

29 Dankbaar [1996) S. 68.

30 Naphy (1994], S. 33-42.

31 Reinhardt (2009], S. 102.

32 Ebd., S. 107. Zitiert nach: loannis Calvini Opera Quae supersunt omnia. Bd. 10b-22: Thesaurus epistolicus Calvinianus sive collectio amplissima epistolarum tab ab Jo. Calvino quam ad eum scriptarum (Hg. Baum, Cunitz, ReussJ, Braunschweig 1872-1880, S. 144.

33 Schwarz (1962], Bd. 3, S. 896.

34 Busch (1994], Bd. 2, S. 239ff.

35 Rohloff (2011], S. 38.

36 Pastoren, Doktoren, Diakone und Älteste (Anciens]

37 Busch (1994], Bd. 2,S. 255.

38 Busch (1994], Bd. 2, S. 245.

39 Dankbaar (1996], S. 89.

40 Vgl. Naphy (1994), Tabelle 12, S. 108.

41 Dankbaar (1996), S. 197.

42 Dankbaar (1996), S. 97.

43 Naphy (1994), S. 96.

44 Ebd., Originalzitat in: AEG/Consistoire, vol. 2, fol. 34 (25. Februar 1546).

45 Naphy (1994], Appendix 9, S. 247.

46 Dankbaar (1996J, S. 98.

47 Vgl. Naphy (1994), S. 121ff.

48 Im Juli 1544 versuchte die Regierung alle Geschäfte der Ausländer zu verbieten, um die einheimischen Geschäftsleute zu schützen.

49 Naphy (1994}, S. 129.

50 Reinhardt (2009}, S. 159.

51 Dankbaar (1996}, S. 106.

52 Vgl. Naphy (1994}, S. 183.

53 Vgl. Naphy (1994}, S. 188ff.

54 Clippeum, fol. 88r, zitiert nach: Segl, Peter. Der Hexenhammer. Entstehung und Umfeld des Malleus malleficarum von 1487. Köln 1988, S.124.

55 Vgl. Naphy (1994], Tabelle 24, S. 194.

56 Reinhardt (2009}, S. 107.

57 Busch (1994J, Vorrede zur Olivetanbibel, Bd. 1.1, S. 55.

58 Schwarz 1962, Bd. 3, S. 896.

59 Ebd.

60 Feld 1996, S. 29.

61 Schwarz 1962, Bd. 3, S. 898.

62 Busch (1994J, Artikel zur Ordnung der Kirche und des Gottesdienstes in Genf, Bd. 1.1, S. 117.

63 Busch (1994], Abschiedsrede an die Pfarrer, Bd. 2, S. 303.

64 Schwarz 1962, Bd. 1, S. 64.

65 Vgl. Reinhardt (2009J, S. 151.

66 Busch (1994], Bd. 2, S. 295.

67 Vgl. Naphy (1994], S. 13: „in urbe, ut iam dixi, habemus intestinum semen dissidii"'.

68 Schwarz (1962], Bd. 3, S. 896.

69 Dankbaar (1996], S. 191.

70 Busch (1994], Bd. 2, S. 299.

71 Schwarz (1962], Bd. 3, S. 1280.

72 Dankbaar (1996], S. 192.

30 von 30 Seiten

Details

Titel
Contre Dieu. Opposition gegen die frankophone Reformation in der Stadt Genf im 16. Jahrhundert
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Note
5.0 (Schweiz)
Autor
Jahr
2018
Seiten
30
Katalognummer
V454164
ISBN (Buch)
9783668857414
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Calvin Genf Reformation
Arbeit zitieren
Lino Gal (Autor), 2018, Contre Dieu. Opposition gegen die frankophone Reformation in der Stadt Genf im 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454164

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