Besitzt die Schule einen Erziehungsauftrag? Der Begriff der Erziehung und potenzielle Spannungen zwischen Schule und Elternhaus


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

2. Der Begriff „Erziehung“

3. Erziehungsmaßnahmen

4. Erziehungsschwierigkeiten

5. Erziehung als Aufgabe der Schule

6. Spannungen zwischen Elternhaus und Schule

7. Konkrete Problemfelder

8. Reflektierende Nachbetrachtung

9. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

Die folgende Hausarbeit, Studienleistung des Seminars „Erziehung und Sozialisation“, behandelt das Themenfeld Erziehung. Die Hausarbeit wird im Hinblick auf Probleme familiärer und schulischer Erziehung geschrieben und steht unter den Leitfragen: „ Besitzt die Schule neben dem Bildungsauftrag überhaupt einen Erziehungsauftrag? Wenn ja, wie sieht dieser aus und welche Rechte hat die schulische Erziehung gegenüber der familiären Erziehung? Wodurch kommt es zwischen Lehrern und Eltern vermehrt zu Spannungen und wie könnte die Kooperation zwischen Eltern und Lehrern besser funktionieren?“ Der Begriff „Erziehung“ ist im alltäglichen Wortgebrauch der meisten Menschen fest verankert. Jeder hat schon einmal Erziehung genossen und ist vielleicht schon in der Situation gewesen, selber Erzieher zu sein. Ohne die Erziehung von Heranwachsenden könnte keine Gesellschaft bestehen. Da Kinder immer häufiger den größten Teil ihres Tages in einer schulischen Einrichtung verbringen, sind Lehrer schon lange nicht mehr nur Wissensvermittler, sondern sie haben auch pädagogische Aufgaben.

2. Der Begriff „Erziehung“

Das Thema Erziehung ist im Grundgesetz aufgefasst worden. In Artikel 6, Absatz 2 heißt es: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“[1] Man verbindet mit der Erziehung die gezielte Förderung der Entwicklung und der Unterstützung von Lernprozessen eines Kindes. Dabei hat jeder, der jemanden erzieht, ein persönliches Ziel, auf das er hinarbeitet. Erziehung geschieht nicht immer nur beabsichtigt, da Eltern immer eine Vorbildfunktion für ihre Kinder haben und somit auch in unbewussten Momenten Erziehung stattfindet. Die Persönlichkeitsbildung und die Unterstützung beim Heranwachsen eines Individuums sind dabei besonders wichtig. In der Erziehung gibt es eine Hierarchie, denn es gibt immer einen Erzieher und eine zu erziehende Person. Neben der Förderung von guten Eigenschaften und moralischen Werten zielt die Erziehung auch auf die Unterdrückung von schlechten Eigenschaften ab.

Das Wort „Erziehung“ hat seinen Ursprung im lateinischen Verb „educere“, was so viel wie „hinausführen“ bedeutet. Das deutsche Wort „erziehen“ ist aus dem althochdeutschen Wort „irziohan“ entstanden. Daher rührt der Gedanke, dass das Kind von einem unvollkommenen, schwachen Dasein hin zu einem selbstständigen, vollkommenen Erwachsenen geführt werden soll.[2]

Der Pädagoge Wolfgang Brezinka versuchte dem Erziehungsbegriff eine eindeutige Bedeutung zuzuweisen, er schrieb: „Unter Erziehung werden soziale Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen mit psychischen und (oder) sozial-kulturellen Mitteln in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll beurteilten Komponenten zu erhalten“.[3] Erziehung ist demnach kein einseitiger Prozess, sondern er entsteht durch einen Dialog und einer Zusammenarbeit zwischen zwei Menschen. Erziehung kann verschiedene Sinnbedeutungen haben: es kann für die Aufzucht des Kindes stehen, auch in finanzieller Hinsicht, für die Ausrichtung des Kindes auf die in der Gesellschaft geltenden Ideale und Maßstäbe und für die Schulung und Bildung des Kindes.[4] Eine weitere Definition lautet: „Als Grundbegriff der Pädagogik und Didaktik bezeichnet Erziehung eine Beziehung zwischen Menschen, insoweit ihr als fremdorientierte Einwirkung eine subjektive Mitwirkung entspricht und insofern sie eine Verhaltensänderung (mehr oder minder dauernd) beabsichtigt oder eine solche erkennen lässt. Erziehung ist also ein typisch mitmenschlicher Begriff, der sozialem Handeln eines Menschen entspringt und von einem erziehenden Mitmenschen (Handlungssubjekt) als Vorbild oder als Vermittler von Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Wissen und Werten zu deren Aneignung auf einen Zu-Erziehenden (Handlungsobjekt) ausgerichtet ist, um dessen Vervollkommnung und Wertsteigerung zu erreichen.“[5]

Eine besonders passende Definition des Begriffes „Erziehung“ geht auf Werner Wiater zurück, er schreibt: „Erziehung ist eine notwendige, absichtsvolle und intergenerative Hilfe bei der Entwicklung des Heranwachsenden zu seiner Mündigkeit.“[6] Das Thema Mündigkeit spielt also eine entscheidende Rolle bei der Erziehung von Heranwachsenden. Es ist wichtig, dass sie im Erwachsenenalter in der Lage sind, verantwortungsbewusst für sich selber und für ihre Umwelt Entscheidungen treffen zu können. Dabei sind das Verhalten und die Vorbildfunktion der Eltern wieder maßgebend mitverantwortlich. Dennoch gibt es auch Grenzen bei der Erziehung, sodass gewalttätige Handlungen und Zwang ausgeschlossen werden sollten: „Erziehung steht also letztlich immer im Dienste der Selbstverwirklichung des Zu-Erziehenden und unterscheidet sich so von Dressur, Drill, Abrichtung u.ä.“.[7]

Drei Grundverständnisse von Erziehung haben sich in der älteren Literatur gebildet und sind bekannt unter der Steinmetz- Metapher, der Gärtner- Metapher und der Bergführer- Metapher. Bei der Steinmetz- Metapher geht es um das Bild des Erziehers als Handwerker, der ein bestimmtes Ziel durch Mittel und Methoden erreichen will und somit ein handwerklicher Vorgang stattfindet. Bei der Gärtner- Metapher spielt der Gedanke der Selbstentfaltung des Kindes eine Rolle. Der Erzieher ist in diesem Sinne nur der Wegbegleiter und unterstützt den Entwicklungsprozess ohne selbst in ihn einzugreifen. Der Bergführer kennt alle Wege und lässt den Heranwachsenden selber entscheiden, welchen Weg er wählt, um ans Ziel zu gelangen. Er unterstützt den Heranwachsenden und behütet ihn, ohne ihm etwas vorzugeben. Nach heutigem Stand trifft wohl keine der Metaphern zu einhundert Prozent auf den komplexen Begriff „Erziehung“ zu, jedoch tragen beide einen richtigen Teil dazu bei.[8]

3. Erziehungsmaßnahmen

Erziehung erfolgt durch Maßnahmen, die der Erzieher ergreift, um ein erzieherisches Ziel beim Heranwachsenden zu erreichen. Es gibt unterschiedliche Erziehungsmittel, hier einige Beispiele: Lob, Belohnung, Tadel, Strafe, Gewähren, Liebesentzug, Gewöhnung, Gespräch, Übung, Arbeit, Spiel, Spaß, etc. Neben den Erziehungsmitteln gibt es auch noch unabsichtliche Effekte, die erzieherische Wirkung haben, wie zum Beispiel die Peergroup, in der sich der Heranwachsende aufhält und durch die er beeinflusst wird. Diese Erziehungsmittel lassen sich in beabsichtigte Mittel (Lob, Tadel, Strafe) und in Mittel, die keine erzieherische Maßnahme sind (Spiel, Spaß) unterteilen. Statt von Erziehungsmitteln spricht man heutzutage auch von „Erziehungshilfen oder Hilfen zur Selbsterziehung der Heranwachsenden“, da Erziehungsmittel oft zu streng formuliert sind, da die Mündigkeit des Heranwachsenden im Sinne von Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Mitverantwortet gebildet werden soll und nicht durch Zwang. Die Konditionen, die ein Heranwachsender bei schlechtem Verhalten auferlegt werden, sollen dazu dienen, gute Verhaltensweisen zu fördern und diese durch angenehme Folgen häufiger auftreten zu lassen als die schlechten Verhaltensweisen. Dennoch ist zu beachten, dass Konditionen niemals den Charakter von Dressurmitteln oder Mitteln zur Züchtigung haben dürfen. Wenn dies der Fall ist, ist es wahrscheinlich, dass die Heranwachsenden sich Ausweichverhaltensweisen wie lügen oder gewalttätige Handlungen aneignen um den Konditionen zu entgehen.[9] Auch in der Schule sind erzieherische Maßnahmen Teil des Schulalltags und müssen von den Lehrkräften regelmäßig vollzogen werden. Beispiele für solche Maßnahmen sind Gespräche, Ermahnungen, Beratung, Rüge und Tadel. Auch ein Klassenbucheintrag bringt häufig schon den Erfolg einer erzieherischen Maßnahme, eine sogenannte Strafarbeit in schriftlicher Form zählt auch zu erzieherischen Maßnahmen. Bei schwereren Verstößen ist der Ausschluss vom laufenden Unterricht möglich, dieser darf allerdings nur stattfinden, wenn der Unterricht mit der betroffenen Person nicht weiterlaufen kann und eine Aufsichtsperson für den ausgeschlossenen Schüler vor Ort ist.[10] Dennoch ist es wichtig darauf zu achten, nicht zu viele Sanktionen zu verteilen. Je häufiger dies geschieht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl Lehrer als auch Schüler die Lust an der Schule verlieren oder gar aus Angst oder Frustration nicht mehr gerne am Unterricht teilnehmen möchten.

4. Erziehungsschwierigkeiten

Natürlich kommt es bei der Erziehung von Heranwachsenden in der Familie zu Schwierigkeiten und Konflikten. Diese liegen jedoch in der Natur zwischenmenschlicher Beziehungen und sind Ausdruck von Individualität. Ein konfliktloses Zusammenleben wäre nur möglich, wenn sich jeder Mensch widerspruchslos in das Gefüge des gesellschaftlichen Lebens eingliedern würde. Das wiederum ist keinesfalls das Ziel von Erziehung.[11] Gerhard Meyer-Willner definiert Erziehungsschwierigkeiten wie folgt: „Unter Erziehungsschwierigkeiten sind Phänomene zu verstehen, die in der Literatur auch unter Termini wie Verhaltens-, Unterrichts-, Disziplinschwierigkeiten, -konflikten und –störungen abgehandelt werden. Zu ihnen kommt es, wenn sich mindestens zwei Personen oder Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, Erwartungen, Wünschen, Bedürfnissen oder Einstellungen gegenüberstehen und diese in Handlungen umgesetzt werden, durch die sich eine Seite in der Verfolgung ihrer Intention beeinträchtigt oder gehindert fühlt.“[12]

Viele Erziehungsprobleme treten in der täglichen Kommunikation auf. Es kommt vor, dass das Kind durch zu viele, zu wenige oder zu schwierige Anweisungen überfordert wird und sich deshalb von seinem gewöhnlichen Verhaltensmuster entfernt. Oftmals passiert es, dass Eltern die Heranwachsenden zu wenig loben und das Kind so kaum positive Rückmeldung erhält. Negative Verhaltensweisen werden hingegen stets festgestellt und sanktioniert. Welche Probleme treten konkret bei der Erziehung Heranwachsender auf? Häufig sind Aggressionen bei Kindern die Folge von nicht ausgelebten Gefühlen und zu wenig Bewegung und Forderung. Wenn Eltern Druck auf ihre Kinder ausüben und ihnen überfordernde Anweisungen geben kann es zu Leistungsverweigerungen, unter anderem in der Schule, kommen.[13]

[...]


[1] Siehe: Grundgesetze der Bundesrepublik Deutschland, unter: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_6.html [Stand: 21.09.2017 14:28 Uhr]

[2] Vgl. Waibel, Eva Maria: Erziehung zum Sinn- Sinn der Erziehung, Augsburg 2011, S.133.

[3] Zitiert nach Andresen, Sabine; Hunner-Kreisel, Sabine; Fries, Stefan (Hrsg.): Erziehung., Stuttgart 2013, S.20-21 (Brezinka 1971, 613).

[4] Vgl. Waibel, Eva Maria: Erziehung zum Sinn- Sinn der Erziehung, Augsburg 2011, S.134.

[5] Siehe: Keck, Rudolf W.: Erziehung, in: Keck, Rudolf W; Sandfuchs, Uwe; Feige, Bernd (Hrsg.): Wörterbuch Schulpädagogik, Regensburg 2004, S.122-123.

[6] Siehe: Wiater, Werner: Bildung und Erziehung als Aufgabe der Schule, in: Apel, Hans Jürgen; Sacher, Werner (Hrsg.): Studienbuch Schulpädagogik, Kempten 2005, S. 314.

[7] Siehe: Keck, Rudolf W.: Erziehung, in: Keck, Rudolf W; Sandfuchs, Uwe; Feige, Bernd (Hrsg.): Wörterbuch Schulpädagogik, Regensburg 2004, S.123.

[8] Vgl: Wiater, Werner: Bildung und Erziehung als Aufgabe der Schule, in: Apel, Hans Jürgen; Sacher, Werner (Hrsg.): Studienbuch Schulpädagogik, Kempten 2005, S. 318-319.

[9] Vgl: Wiater, Werner: Erziehungsmittel, in: Keck, Rudolf W; Sandfuchs, Uwe; Feige, Bernd (Hrsg.): Wörterbuch Schulpädagogik, Regensburg 2004, S.123.

[10] Vgl: Homberger, Dietrich: Erziehungsmaßnahmen, in: Lexikon Schulpraxis, Baltmannsweiler 2003, S.90.

[11] Vgl: Meyer-Willner, Gerhard: Erziehungsschwierigkeiten, in: Keck, Rudolf W; Sandfuchs, Uwe; Feige, Bernd (Hrsg.): Wörterbuch Schulpädagogik, Regensburg 2004, S.129.

[12] Siehe: Ebd. S.128-129.

[13] Vgl: „Erziehungsprobleme-Brauchen alle Eltern eine Super-Nanny?“, unter: http://www.erziehung.net/themen-der-erziehung/erziehung-allgemein/erziehungsprobleme-teil-2.html [Stand: 24.09.2017 11:54 Uhr].

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Besitzt die Schule einen Erziehungsauftrag? Der Begriff der Erziehung und potenzielle Spannungen zwischen Schule und Elternhaus
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Erziehung und Sozialisation
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V454187
ISBN (eBook)
9783668877047
ISBN (Buch)
9783668877054
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Erziehungsauftrag der Schule, Erziehungsauftrag der Eltern
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Besitzt die Schule einen Erziehungsauftrag? Der Begriff der Erziehung und potenzielle Spannungen zwischen Schule und Elternhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454187

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