Den größten Teil des Romans „Frau Jenny Treibel“ machen Gespräche, beiläufige Unterhaltungen und verräterisches Palaver aus. Der Erzähler gibt lediglich Regieanweisungen, weshalb die Gespräche mehr Funktionen als üblich übernehmen müssen. Die wichtigste Funktion ist die Charakterisierung der Figuren.
Diese Arbeit befasst sich mit den Gesprächen innerhalb des Romans und ihrer Bedeutung für die Handlung sowie der Charakterisierung der Figuren.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Inhalt des Romans
2. Die Entstehung des Romans
3. Ein Roman in Gesprächen
3.1 Die Bedeutung des Erzählers
3.2 Funktion der Gespräche
4. Die Figuren und ihre Sprache
4.1 Kommerzienrätin Jenny Treibel
4.2 Corinna Schmidt
4.3 Wilibald Schmidt
4.4 Rosalie Schmolke
5. „Reden ist Silber, Schweigen aber Gold“ – Auch bei Fontane?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Roman "Frau Jenny Treibel" von Theodor Fontane mit einem besonderen Fokus auf die sprachliche Gestaltung und die dialogische Struktur als Mittel zur Charakterisierung der Figuren. Die zentrale Forschungsfrage geht der Bedeutung der Gespräche nach und analysiert, wie durch den Sprachgebrauch der Charaktere sowohl ihre soziale Identität als auch eine kritische Haltung gegenüber der Bourgeoisie zum Ausdruck gebracht wird.
- Analyse der verschiedenen Erzählformen (neutral, auktorial, personal) im Roman.
- Untersuchung der Funktion von Gesprächen für die Charakterentwicklung.
- Vergleichende Analyse der Hauptfiguren (Jenny Treibel, Corinna Schmidt, Wilibald Schmidt, Rosalie Schmolke).
- Kritik an der bürgerlichen Scheinwelt und den Werten der Kommerzienrätin.
- Bedeutung der Sprache als Instrument der Macht und Selbstdarstellung.
Auszug aus dem Buch
4.1 Kommerzienrätin Jenny Treibel
Jenny Treibel ist eine „mit Geschmack und Sorglichkeit gekleideten und trotz ihrer hohen Fünfzig noch sehr gut aussehenden Dame“ (S. 5). Sie ist korpulent, „ein wenig asthmatische“ (S. 5) und stattlich. Diese Informationen über das Äußere Jenny Treibels erfährt der Leser durch den Erzähler. Im Verlauf des Romans verliert das Äußere allerdings an Bedeutung, nur ihre Garderobe, sowie ihr Schmuck werden erwähnt, da sie ihren Status anzeigen.
Jenny Treibel hieß vor ihrer Ehe Bürstenbinder. Ihrem Vater gehörte ein Materialwarenladen, wo sie gegen Bezahlung Tüten klebte, um zu lernen, wie man mit Geld umgeht. Ihren damaliger Verehrer, Louis „aus einem Obstkeller in der Spreegasse“ (S. 6) sah sie schon während ihrer Kindheit als „zu niedrigen Standes“ (S. 6) an. Jenny erzählt, wie ihre Mutter ihr sorgfältig, trotz der vielen Arbeit, die „kastanienbraunen Locken“ (S. 8) wickelte. Mit Erfolg, wie Wilibald Schmidt berichtet:
Ach, ihre Mutter, die gute Frau Bürstenbinder, die das Püppchen ... immer so hübsch herauszuputzen wußte, sie hat in ihrer Weiberklugheit damals ganz richtig gerechnet. Nun ist das Püppchen eine Kommerzienrätin und kann sich alles gönnen. (S. 14)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Inhalt des Romans: Dieses Kapitel gibt eine Übersicht über die Handlung, den Konflikt zwischen Corinna Schmidt und der Familie Treibel sowie die schließliche Auflösung der Verlobung.
2. Die Entstehung des Romans: Hier wird der historische Kontext der Entstehung, inklusive Briefzeugnissen von Fontane und möglichen realen Vorbildern für die Romanfiguren, beleuchtet.
3. Ein Roman in Gesprächen: Dieses Kapitel erläutert die besondere Erzählweise Fontanes und die zentrale Rolle der Dialoge als Charakterisierungsinstrument.
4. Die Figuren und ihre Sprache: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der vier Hauptfiguren hinsichtlich ihrer individuellen Sprache und ihres Verhaltens im sozialen Gefüge.
5. „Reden ist Silber, Schweigen aber Gold“ – Auch bei Fontane?: Das Fazit reflektiert die Bedeutung der Dialogform für die Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe des Romans sowie die sozialkritische Dimension.
Schlüsselwörter
Theodor Fontane, Frau Jenny Treibel, Romananalyse, Dialogstruktur, Erzählperspektive, Bourgeoisie, Gesellschaftskritik, Corinna Schmidt, Wilibald Schmidt, Sprache, Charakterisierung, Berliner Realismus, Sozialer Aufstieg, Bürgertum, Generationenkonflikt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Theodor Fontanes Roman "Frau Jenny Treibel" unter besonderer Berücksichtigung der sprachlichen und dialogischen Mittel, die zur Charakterzeichnung eingesetzt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Gesellschaftskritik am Bourgeoisstandpunkt, die Bedeutung von Sprache als Machtinstrument und die Differenz zwischen dem "Höheren" und den tatsächlichen materiellen Werten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fontane durch die konsequente Dialogisierung seiner Figuren ein lebendiges, facettenreiches Bild der Bourgeoisie zeichnet, ohne dabei den Erzähler explizit in den Vordergrund zu drängen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die sich auf Textstellenbelege, Quellenvergleiche und Sekundärliteratur stützt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Erzählperspektiven sowie die detaillierte Untersuchung der vier Hauptfiguren Jenny Treibel, Corinna Schmidt, Wilibald Schmidt und Rosalie Schmolke.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erzählstruktur, gesellschaftliche Identität, Klassenunterschiede und realistische Figurendarstellung charakterisieren.
Inwiefern spielt das "Liebeslied" für Jenny Treibel eine Rolle?
Das Lied dient Jenny Treibel als Mittel, um ihre vermeintliche Verbindung zum "Höheren" zu inszenieren, während Wilibald Schmidt es als Werkzeug für den "sentimentalen Freundschaftskult" entlarvt.
Warum revidiert Corinna Schmidt ihre Entscheidung?
Corinna erkennt durch Gespräche, insbesondere mit der Schmolke, dass eine Heirat in die Treibelsche Familie aufgrund der dominanten und kaltherzigen Art von Jenny Treibel nicht ihren tatsächlichen Wünschen entspricht.
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- Birgit von Eicken (Author), 2005, Theodor Fontanes 'Frau Jenny Treibel'. Ein Roman in Gesprächen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45420