Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Problem der Synthese von Leib und Seele. Dabei besteht die Intention des Autors darin, den Fokus auf bestimmte Aspekte der Problementwicklung im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext zu legen, um anzudeuten, dass jede psychologische Theorie sich auf eine philosophische Tradition zurückführen lässt, die niemals umhinkommt, zu diesem Problem Stellung zu beziehen. Es wird in großen Schritten der Weg des Problems von den Alten Ägyptern über Rene´ Descartes bis zu John Pinel skizziert. Dabei mussten viele bedeutende Personen und ihre wichtigen Beiträge unerwähnt bleiben. Viele der heute etablierten Theorien stehen auf tönernen Füßen. So ist wohl keine Theorie des Temperaments bekannt, an deren Stammbaum nicht auf halber Höhe die Säftelehre des Galenos zu finden wäre. Auch die Aufteilung des Kortex in Brodman- Areale kann ihre Verwandtschaft zu der aus heutiger Sicht untauglichen Phrenologie Galls kaum verleugnen und zeigte der Welt, dass sich wissenschaftliche Theorien auch wissenschaftlich falsifizieren lassen.
Der Pfarrerssohn Gustav Theodor Fechner suchte akribisch den Übergang von der Seele zum Leib auf einem Graphen, der wohl nicht ohne Grund Asymptote -die Unerreichbare- heißt. Der Weg auf der Suche nach dem Substrat des Seelischen, den man sich wie eine mäandernde Spirale vorstellen kann, führte weiter zu William Stern, der, mit Baruch Spinoza im Ranzen es jenseits der Scheidung von Leib und Seele in der Person vermutete und darum im Adjektiv suchte. Während sich die der empirischen Forschung zugänglichen Paradigmen jedoch durch gezielte Falsifikationen evolutionär entwickeln konnten, sodass die Wissenschaft stets den derzeitigen Stand des Irrtums repräsentierte, blieb das psychophysische Problem hartnäckig und unlösbar. Der Standpunkt zum psycho- physischen Problem scheint eher von den mit der Sozialisation verbundenen Bildungsinhalten als vom Grad der Fähigkeit sich diese anzueignen abhängig zu sein. Wie auch immer man sich dazu stellen mag, vielleicht liegt die Antwort tatsächlich in einer anderen Welt. Eine logisch konsistente Begründung für das eine oder andere fehlt, muss fehlen.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Die Geschichte des Problems
1.1 Von den Ägyptern zu den Israeliten
1.2 Die Griechen benannten das Problem
1.3 Platon und Aristoteles
1.4 Die Stoiker
1.5 Aurelius Augustinus
1.6 Der Kartesische Dualismus als solides Fundament auf sumpfigem Grund
2. Die Reduktionen des John Pinel
3. Zusammenfassung
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das historische und philosophische Problem der Wechselwirkung zwischen Leib und Seele. Ziel ist es, die Entwicklung dieses psycho-physischen Problems in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie psychologische Theorien oft auf tiefer liegenden philosophischen Traditionen basieren.
- Historische Betrachtung des Leib-Seele-Problems von der Antike bis zur Neuzeit.
- Analyse der philosophischen Ansätze von Platon, Aristoteles, Descartes und anderen Denkern.
- Kritische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Reduktionismen.
- Diskussion der Unlösbarkeit des psychophysischen Problems als fundamentales philosophisches Dilemma.
- Einfluss gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Ausbildung wissenschaftlicher Paradigmen.
Auszug aus dem Buch
1.3 Platon und Aristoteles
Platon sah im Körper nur ein unwirtliches Gefängnis der Seele. Er transportierte diese Sicht durch das Wortspiel „Soma“ sei gleich „Sema“, also Grabesdenkmal. Das Grabmahl ist danach dem Verfall geweiht, die Seele jedoch unsterblich. Körper und Geist sind für ihn zwei grundverschiedene Angelegenheiten. Die Seele jedoch hat mit beiden zu tun. Im „Phaidros“ entwirft er die Theorie der Anamnesis und der Seelenwanderung. Danach ist das Weltall der Ort, an dem die Ideen ihr zu Hause haben. Dort fliegt die Seele auf Vogelschwingen umher und schaut Ideen, wenn sie Glück hat. Denn, wenn das Pech sie verfolgt, verlässt sie die Kraft, das Wahre zu erkennen, und sie sinkt, Federn lassend, in die Niederungen der Erde hinab. Dort wird sie vom Winde erfasst und, Halt suchend, umhergetrieben. Den findet sie dann in einem erdigen Körper, den sie fortan bis zu seinem Tode umtreibt, sodass der Eindruck entsteht, er handelte aus eigenem Antrieb.
Die Seele selbst möchte aber wieder zurück in das Reich intellektueller Genüsse, was aber nur gelingen kann, wenn sie wieder ihr Gefieder erhält, was grundsätzlich nicht vor Ablauf von zehntausend Jahren geschieht. Es sei denn, sie ist zufällig in den Leib eines ehrlichen Philosophen gefahren, dann werden ihr unter weiteren Auflagen, die zufällig genau den Gewohnheiten Platos, entsprachen siebentausend Jahre erlassen.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Synthese von Leib und Seele ein und skizziert den historischen Abriss der Problemstellung.
1. Die Geschichte des Problems: Dieses Kapitel zeichnet den Weg der Debatte von den alten Ägyptern und Israeliten über die griechische Philosophie bis hin zum Kartesischen Dualismus nach.
1.1 Von den Ägyptern zu den Israeliten: Untersuchung des frühen Verständnisses von Seele und Leib im Kontext antiker Bestattungskulte und religiöser Vorstellungen.
1.2 Die Griechen benannten das Problem: Darstellung der frühen Trennung von Leib und Seele, beginnend bei Homer bis hin zu pythagoreischen Einflüssen.
1.3 Platon und Aristoteles: Analyse der platonischen Ideenlehre und des aristotelischen Hylomorphismus bezüglich der Leib-Seele-Verbindung.
1.4 Die Stoiker: Diskussion des stoischen Verständnisses von Materie, Seele (Pneuma) und der Interaktion mit dem Körper.
1.5 Aurelius Augustinus: Betrachtung der christlichen Sichtweise von Augustinus, der die Seele in die Innenschau des Menschen verlegt.
1.6 Der Kartesische Dualismus als solides Fundament auf sumpfigem Grund: Kritische Würdigung von Descartes' "res cogitans" und "res extensa" sowie deren Einfluss auf die moderne Wissenschaft.
2. Die Reduktionen des John Pinel: Auseinandersetzung mit Pinels biopsychologischer Sichtweise und dessen Kritik an dichotomen Denkweisen.
3. Zusammenfassung: Synthese der vorangegangenen Kapitel und Schlussfolgerung zur Unlösbarkeit des psychophysischen Problems.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Leib-Seele-Problem, Psychophysisches Problem, Philosophie, Dualismus, Monismus, Seele, Materie, Geist, Interaktionismus, Descartes, Platon, Aristoteles, Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Metaphysik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das historische und philosophische Kernproblem der Wechselwirkung zwischen Leib (Körper) und Seele und wie dieses Dilemma verschiedene Denksysteme über Jahrtausende beeinflusst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die Geschichte der Philosophie, die Entwicklung des Dualismus, naturwissenschaftliche Paradigmen und die Frage, wie Gesellschaftsstrukturen das Denken über das menschliche Wesen formen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, den historischen Weg des psychophysischen Problems aufzuzeigen und zu demonstrieren, dass jede psychologische Theorie tief in philosophischen Traditionen verwurzelt ist, die sich bis heute der endgültigen logischen Auflösung entziehen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen geisteswissenschaftlich-historischen Ansatz, der Zitate und klassische philosophische Texte nutzt, um die Entwicklung des Problemverständnisses kritisch zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden historischen Rückblick, der bei den Ägyptern beginnt, über die griechischen Klassiker und Augustinus führt und mit einer kritischen Analyse von René Descartes sowie dem zeitgenössischen Wissenschaftler John Pinel endet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Leib-Seele-Problem, Dualismus, Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Philosophiegeschichte, Materie und Geist.
Wie bewertet der Autor Descartes' Beitrag zum Leib-Seele-Problem?
Der Autor würdigt Descartes als zentralen Akteur der Philosophiegeschichte, bezeichnet dessen Modell jedoch gleichzeitig als ein "fundamentales Dilemma", da es physikalische Grundsätze verletze, obwohl es für die empirischen Wissenschaften eine klare Trennung schuf.
Welche Bedeutung hat das Zitat "Ignoramus et Ignoramibus" am Ende der Arbeit?
Es dient als Fazit des Autors, dass das Leib-Seele-Problem trotz jahrtausendelanger philosophischer Bemühungen ungelöst bleibt und man eingestehen muss: "Wir wissen es nicht und werden es nie wissen."
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- Heiko Böttcher (Author), 2005, Das Leib-Seele-Problem. Aspekte der Problementwicklung in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45424