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Wettbewerb statt Alimente - Das korporatistische Arrangement zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden im Umbruch

Title: Wettbewerb statt Alimente - Das korporatistische Arrangement zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden im Umbruch

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 35 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Matthias König (Author), Bettina Schulze (Author)

Politics - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Die deutsche Sozialpolitik ist ein klassisches Beispiel für die als neokorporatistisch bezeichnete Einbindung verbandlich organisierter Interessen in die Formulierung und Umsetzung staatlicher Maßnahmen und Programme. Besonders einflussreiche korporative Akteure sind in dieser Hinsicht die sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, die in einem spezifischen, von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägten Tauschverhältnis zum Staat stehen, und aufgrund ihrer Doppelfunktion als Interessenverbände und Dienstleistungsorganisationen in besonderem Maße in den Sozialstaat inkorporiert sind.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden hat in Deutsch-land eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und seit der Weimarer Republik zunehmend gefestigt und gesetzlich untermauert wurde. Von großer Bedeutung für das kooperative Verhältnis war insbesondre die jahrzehntelang praktizierte - und in einigen Bereichen noch heute betriebene - Subsidiaritätspolitik, die der Freien Wohlfahrtspflege einen bedingten Vorrang gegenüber staatlichen und privaten Träger bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen einräumte, und damit entscheidenden Anteil am Größenwachstums und an der zunehmenden Inkorporation der Wohlfahrtsverbände hatte.
Mit den sozialgesetzlichen Reformen der frühen 90er Jahre wandelte sich das traditionelle Verhältnis zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden nachhaltig. Die wettbewerbspolitisch motivierte Abschaffung der Privilegierung der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege bedeutete einen Rückzug des Staates aus weiten Teilen der Finanzierung der Verbände und den Beginn eines Konkurrenzkampfs zwischen freien und privaten Trägern.
Welchen Einfluss die Reformen Anfang der 90er Jahre auf die korporatistische Ein-bindung der Wohlfahrtsverbände in den Sozialstaat hatten, und wie sich die Situation seither für die beteiligten Akteure verändert hat, soll in dieser Hausarbeit untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen des Neokorporatismus

2 Die Inkorporation der Wohlfahrtsverbände in die Sozialpolitik

2.1 Rahmenbedingungen für die Etablierung der verbandlichen Einbindung

2.2 Strukturen des mesokorporatistischen Arrangements

2.3 Strukturelle Defizite und Probleme

3 Strukturbruch im korporatistischen Verhältnis durch die Sozialreformen der 90er Jahre ?

3.1 Hintergründe des sozialstaatlichen Wandels

3.2 Ansatzpunkte und Inhalte der Reformen

3.3 Auswirkungen der Reformen auf das korporatistische Verhältnis

4 Die Bedeutung der Sozialreformen der 90er Jahre für die beteiligten Akteure

4.1 Der Staat: Leistungsverträge statt Pauschalfinanzierung

4.2 Die Wohlfahrtsverbände: Anbieterpluralismus statt „Wohlfahrtskartell“

4.3 Die Leistungsempfänger: Kundensouveränität statt Alimente

4.4. Fazit

5 Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Hausarbeit untersucht, welchen Einfluss die Sozialreformen der frühen 90er Jahre auf die korporatistische Einbindung der Wohlfahrtsverbände in den deutschen Sozialstaat hatten und wie sich die Situation seither für die beteiligten Akteure (Staat, Verbände, Leistungsempfänger) verändert hat. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob diese Reformen einen strukturellen Bruch im traditionell korporatistischen Verhältnis zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden bedeuten.

  • Theoretische Grundlagen des Neokorporatismus und Mesokorporatismus.
  • Historische Entwicklung der engen Zusammenarbeit zwischen Staat und Verbänden durch das Subsidiaritätsprinzip.
  • Analyse der Sozialreformen der 90er Jahre und deren wettbewerbspolitische Motive.
  • Untersuchung der Auswirkungen auf die Akteure am Fallbeispiel der Jugendhilfe.
  • Diskussion über die zukünftige Notwendigkeit und Rolle der Wohlfahrtsverbände in einem veränderten sozialen Umfeld.

Auszug aus dem Buch

2.2 Strukturen des mesokorporatistischen Arrangements

Zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden besteht ein komplexer Kooperationszusammenhang, der durch wechselseitige Abhängigkeiten und Verflechtungen zusammengehalten wird. Wohlfahrtsverbände sind auf allen politischen Ebenen in institutionalisierter Form in den sozialpolitischen Willensbildungsprozess inkorporiert, wobei ihr Einfluss weit über Lobbyfunktionen hinausgeht. Durch ständige Arbeitsgemeinschaften wie etwa die BAGFW, ministerielle Beratungsgremien oder gesetzlich geregelte Beteiligungsformen wie den Jugendwohlfahrtsausschuss sind sie zum einen Teil der Willensbildungsstruktur und wirken ihrem Selbstverständnis entsprechend an der Gestaltung des deutschen Sozialstaats mit, zum anderen „beherrschen (sie) einen großen Teil der Umsetzung und Administration der Wohlfahrtspolitik und (…) fungieren schließlich auch als Anwälte ihrer ‚Klienten’“ (Thränhardt 1986: 23 zitiert in Backhaus-Maul/Olk 1994: 108).

Backhaus-Maul und Olk (1994: 108 ff.) sowie Backhaus-Maul (2000: 24 ff.) weisen auf spezifische Besonderheiten im mesokorporatistischen Arrangement zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden hin, welche die Einzigartigkeit und insbesondre die Funktionslogik des kooperativen Verhältnisses im Wohlfahrtssektor erklären:

Dazu zählt zunächst die dauerhafte Verknüpfung beider Seiten. Während im klassischen (Makro-) Korporatismus das Zusammenwirken kollektiver Interessen zeitlich begrenzt ist und Kooperationen mit dem Staat wie im Falle konzertierter Aktionen „nach Bedarf“ eingegangen und ebenso wieder verlassen werden können, prägen im Wohlfahrtsbereich stabile Austauschbeziehungen, die primär in der wechselseitigen Ressourcenabhängigkeit der Akteure begründet liegen, das Verhältnis zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden.

Die Übernahme von Regierungsfunktionen durch die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, die in Form der Umsetzung öffentlicher Maßnahmen und Programme erfolgt, sowie die damit einhergehende Entlastung des Staates bei der Erfüllung seiner Steuerungs- und Ordnungsaufgaben, sind ein weiteres Strukturmerkmal des korporativen Arrangements im Wohlfahrtssektor. Diese Eigenschaft ist zwar nicht untypisch für mesokorporatistische Beziehungen, sondern wie oben erwähnt, ein zentrales Kriterium derartiger Kooperationen, jedoch ergeben sich hinsichtlich der verbandsinternen Umsetzung, genauer gesagt der Verpflichtung auf ausgehandelte Entscheidungen, spezifische Besonderheiten, die in der Organisation und der Funktionslogik der Wohlfahrtsverbände begründet liegen:

Ein bedeutender und für das Verhältnis zum Staat folgenreicher Unterschied zu klassischen organisierten Interessen besteht in der Doppelfunktion der Wohlfahrtsverbände als Interessenverbände auf der einen und sozialen Dienstleistungsorganisationen auf der anderen Seite.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Es wird die traditionelle neokorporatistische Einbindung der Wohlfahrtsverbände in Deutschland sowie der Wandel durch die Sozialreformen der 90er Jahre skizziert.

1 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen des Neokorporatismus: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte des Neokorporatismus sowie die spezifische Variante des Mesokorporatismus.

2 Die Inkorporation der Wohlfahrtsverbände in die Sozialpolitik: Das Kapitel beleuchtet die historische Verflechtung und die Bedeutung der Subsidiarität für die Stellung der Verbände.

2.1 Rahmenbedingungen für die Etablierung der verbandlichen Einbindung: Hier werden die rechtlichen Voraussetzungen und das Subsidiaritätsprinzip als Legitimationsgrundlage der Verbände analysiert.

2.2 Strukturen des mesokorporatistischen Arrangements: Dieses Kapitel beschreibt die wechselseitigen Abhängigkeiten, die Doppelfunktion der Verbände und die dauerhaften Austauschbeziehungen zum Staat.

2.3 Strukturelle Defizite und Probleme: Es werden Kritikpunkte wie Legitimationsdefizite und das Repräsentationsmonopol der Verbände kritisch reflektiert.

3 Strukturbruch im korporatistischen Verhältnis durch die Sozialreformen der 90er Jahre ?: Das Kapitel analysiert, ob die Einführung von Wettbewerbselementen die traditionellen Strukturen tatsächlich aufgebrochen hat.

3.1 Hintergründe des sozialstaatlichen Wandels: Die fiskalischen Herausforderungen und der politische Druck zur Konsolidierung des Sozialstaats werden hier thematisiert.

3.2 Ansatzpunkte und Inhalte der Reformen: Dieses Kapitel fasst gesetzliche Neuregelungen zusammen, die Wirtschaftlichkeitsmaxime und Wettbewerb im Sozialbereich einführen.

3.3 Auswirkungen der Reformen auf das korporatistische Verhältnis: Hier wird untersucht, ob die Reformen zu einer Schwächung der Verbände bei der Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben führen.

4 Die Bedeutung der Sozialreformen der 90er Jahre für die beteiligten Akteure: Dieses Kapitel untersucht die Folgen der Reformen für den Staat, die Verbände und die Leistungsempfänger.

4.1 Der Staat: Leistungsverträge statt Pauschalfinanzierung: Es wird analysiert, wie das neue Kontraktmanagement die Steuerungsmöglichkeiten des Staates verändert.

4.2 Die Wohlfahrtsverbände: Anbieterpluralismus statt „Wohlfahrtskartell“: Die Anpassungsprozesse der Verbände an den steigenden Wettbewerbsdruck stehen hier im Mittelpunkt.

4.3 Die Leistungsempfänger: Kundensouveränität statt Alimente: Das Kapitel diskutiert, inwieweit Wettbewerb die Marktmacht und Mitbestimmung der Nutzer verbessern kann.

4.4. Fazit: Die Ergebnisse zur Frage des Strukturbruchs im korporatistischen Arrangement werden zusammengefasst.

5 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die zukünftige Rolle der Wohlfahrtsverbände und die Herausforderung, soziale Werte mit ökonomischer Effizienz zu verbinden.

Schlüsselwörter

Neokorporatismus, Mesokorporatismus, Wohlfahrtsverbände, Sozialpolitik, Subsidiaritätsprinzip, Sozialreformen, Wettbewerb, Leistungsverträge, Kontraktmanagement, Privatisierung, Freie Wohlfahrtspflege, Interessenvertretung, Dienstleistungsanbieter, Korporatistisches Verhältnis, Strukturwandel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das traditionell neokorporatistische Verhältnis zwischen dem deutschen Staat und den Wohlfahrtsverbänden sowie dessen Wandel durch die wettbewerbsorientierten Sozialreformen der 1990er Jahre.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit befasst sich mit der Struktur von korporatistischen Arrangements, den theoretischen Grundlagen der Verbändeforschung, den Inhalten der Sozialreformen der 90er Jahre und den Auswirkungen dieser Veränderungen auf die beteiligten Akteure.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die Reformen der 1990er Jahre einen echten Strukturbruch im korporatistischen Verhältnis zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden herbeigeführt haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und verwaltungswissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen des Neokorporatismus mit der Untersuchung gesetzlicher Rahmenbedingungen und einem Fallbeispiel (Jugendhilfe) verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der verbandlichen Einbindung, die spezifischen mesokorporatistischen Strukturen, die gesetzlichen Änderungen durch die Reformen und die Auswirkungen auf staatliche Akteure, Wohlfahrtsverbände und Leistungsempfänger.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Neokorporatismus, Sozialreformen, Wohlfahrtsverbände, Wettbewerb, Subsidiarität und Leistungsverträge.

Warum wird im Beispiel der Jugendhilfe noch kein Strukturbruch konstatiert?

Die Autoren stellen fest, dass trotz der gesetzlichen Öffnung die Wohlfahrtsverbände aufgrund ihrer erheblichen Ressourcen, ihrer institutionellen Verankerung und der Trägheit der Behörden weiterhin eine dominante Stellung behalten haben, die einen vollständigen Bruch bisher verhindert.

Welche Doppelfunktion der Wohlfahrtsverbände ist entscheidend für ihre Machtposition?

Entscheidend ist, dass die Wohlfahrtsverbände gleichzeitig als Interessenverbände gegenüber dem Staat auftreten und als professionelle soziale Dienstleister tätig sind, was ihnen eine besondere Verhandlungsmacht und Einflussnahme ermöglicht.

Welches Fazit ziehen die Autoren für die Zukunft der Wohlfahrtsverbände?

Die Autoren plädieren dafür, dass sich die Verbände einerseits betriebswirtschaftlich modernisieren müssen, andererseits aber ihre sozialen Werte und ihre Rolle als Anwälte sozial Schwacher bewahren sollten, um nicht vollständig den Marktmechanismen zum Opfer zu fallen.

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Details

Title
Wettbewerb statt Alimente - Das korporatistische Arrangement zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden im Umbruch
College
University of Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Course
Politische Steuerung und gesellschaftliche Selbstregelung
Grade
1,3
Authors
Matthias König (Author), Bettina Schulze (Author)
Publication Year
2005
Pages
35
Catalog Number
V45439
ISBN (eBook)
9783638428439
Language
German
Tags
Wettbewerb Alimente Arrangement Staat Wohlfahrtsverbänden Umbruch Politische Steuerung Selbstregelung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias König (Author), Bettina Schulze (Author), 2005, Wettbewerb statt Alimente - Das korporatistische Arrangement zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden im Umbruch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45439
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