Betreuungsplatzmangel in Deutschland

Bleibt beim quantitativen Ausbau von Betreuungsplätzen die Betreuungsqualität auf der Strecke?


Seminararbeit, 2017
22 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Analyse des Problemfeldes
1.1 Betreuungsplatzmangel - Aktuelle Zahlen
1.2 Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz fur Kinder unter drei Jahre
1.3 Anstieg des Betreuungsbedarfs als Ursache fur den Betreuungsplatzmangel
1.4 Anstieg der Geburtenziffer als Ursache fur den Betreuungsplatzmangel
1.5 Weitere Ursachen fur den Betreuungsplatzmange
1.6 Ein weiterer Mangel: Unzureichende Betreuungsqualitat
1.7 Investitionsprogramme der Bundesregierung
1.7.1 Erstes Investitionsprogramm 2008 bis 2013
1.7.2 Zweites Investitionsprogramm 2013 bis 2014
1.7.3 Drittes Investitionsprogramm 2015 bis 2018
1.7.4 Viertes Investitionsprogramm 2017 bis 2020

2 Offentliche Diskussion

3 Kritische Reflektion und eigene losungsorientierte Uberlegungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Der Kampf um das zweite Zuhause “ (TAZ.DE 2013) - Diese Schlagzeile ist eine von vie- len Schlagzeilen, die aktuell zum Thema ,Betreuungsplatzmangel fur Kinder unter drei Jah­ren’ die Zeitungen in Deutschland zieren.

Trotz des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz fur Kinder unter drei Jahren, sieht die momentane Betreuungssituation finster aus: Rund „ 300.000 Kleinkinderfinden keinen Kita- Platz “ (SPIEGEL ONLINE 2017). (vgl. SPIEGEL ONLINE 2017)

Selbst die neusten Berechnungen des Kolner Instituts der deutschen Wirtschaft (IWD) ver- sprechen fur die Betreuungssituation in Deutschland keinen Hoffnungsschimmer: „Deutsch- land braucht mehr als eine Millionen Platze - im letzten Jahr lagen wir gerade mal bei 720.000 Platzen" (ZEIT ONLINE 2017). (vgl. ZEIT ONLINE 2017)

Durch diesen Zustand ist die Politik zum Handeln gezwungen: Ende April 2017 hat der Bundestag das vierte Investitionsprogramm zur Schaffung von 100.000 neuen Betreuungs­platzen beschlossen (vgl. ZEIT ONLINE 2017). Die Frage bleibt jedoch, bei Schlagzeilen wie „Das Kita-Dilemma - endlich drin, aber unzufriederi‘ (Kolnische Rundschau 2015), ob der quantitative Ausbau von Betreuungsplatzen, ohne dabei parallel genugend in den Aus- bau der Betreuungsqualitat zu investieren, Licht in die Problemlage bringen wird? Diesbezuglich widmet sich die Seminararbeit im ersten Kapitel der Darstellung des Prob- lemfeldes ,Betreuungsplatzmangel fur Kinder unter drei Jahren in Deutschland’. Im zweiten Kapitel wird passend zum Problemfeld die Frage ,Inwiefern ist der quantitative Ausbau von Betreuungsplatzen fur das Betreuungsproblem in Deutschland hilfreich, wenn dabei die Be­treuungsqualitat auf der Strecke bleibt?‘ diskutiert, wahrend im dritten Kapitel unter der Ka- piteluberschrift ,Kritische Reflektion und eigene losungsorientierte Uberlegungen’ als Fazit die Meinung der Autorin wiedergegeben wird.

1 Analyse des Problemfeldes

Wie bereits in der Einleitung erwahnt, dient dieses Kapitel der, im Rahmen des Umfangs dieser Seminararbeit moglichen, Beschreibung des gegenwartigen Problemfeldes ,Betreu- ungsplatzmangel fur Kinder unter drei Jahren in Deutschland’. Fur die Beschreibung wird zuerst das AusmaB des Betreuungsplatzmangels mit aktuellen Zahlen dargestellt. Anschlie- Bend wird auf die Rechtslage eingegangen, bevor mogliche Ursachen und das neben dem Betreuungsplatzmangel koexistierende Problem der unzureichenden Betreuungsqualitat auf- gezeigt werden. Am Ende des Kapitels wird auf die politischen MaBnahmen gegen den quan- titativen und qualitativen Mangel der Kindertagesbetreuung Bezug genommen.

1.1 Betreuungsplatzmangel - Aktuelle Zahlen

In der Studie des IWDs wird das Problem des Betreuungsplatzmangels deutlich: Den Ergeb- nissen nach fehlten 2016 rund 290.000 Betreuungsplatze fur Kinder unter drei Jahren (siehe Abbildung 1), um den Wunschen der Eltern nach einem Betreuungsplatz nachzukommen. Demnach blieben circa 13 Prozent der Kinder unter drei Jahren (siehe Abbildung 1) trotz Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz unversorgt. (vgl. IWD 2017)

Dieses Problem ist nicht als punktuell zu betrachten. Vielmehr zeichnet sich ein zunehmen- der Betreuungsplatzmangel im Vergleich zum Vorjahr ab: Von 2015 auf 2016 stieg die Zahl der fehlenden Betreuungsplatze um 80.000 an. (vgl. IWD 2017)

Besonders groBe Betreuungslucken klaffen in Bremen und Nordrhein-Westfalen sowie in Reinland-Pfalz. In Bremen sind 20 Prozent aller Kinder unter drei Jahren von dem Betreu­ungsplatzmangel betroffen, was einer Zahl von 3.763 fehlenden Betreuungsplatzen ent- spricht. In Nordrein-Westfalen fehlen Betreuungsplatze fur 16,2 Prozent aller unter Dreijah- rigen, wobei sich diese Prozentzahl auf weitaus mehr Platze als in Bremen bezieht: 77.459 elterlichen Wunschen nach einem Betreuungsplatz konnte nicht nachgegangen werden. In Reinland-Pfalz sind 16 Prozent der Kinder unter drei Jahren nicht versorgt, was eine Betreu- ungslucke von 16.704 Platzen abbildet. Im Vergleich zu den genannten Bundeslandern sind Brandenburg und Thuringen rein rechnerisch am besten mit Betreuungsplatzen ausgestattet. Im Ost-West-Vergleich zeigen die Zahlen der Studie des IWD, dass Westdeutschland ver- glichen mit Ostdeutschland eine groBere Betreuungslucke aufweist. Wahrend Ostdeutsch- land 31.050 fehlende Betreuungsplatze hat und dementsprechend 7,3 Prozent der unter drei- jahrigen Kinder nicht versorgt sind, zeigt sich in Westdeutschland ein Mangel von 262.436 Betreuungsplatzen, dem 14,8 Prozent der Kinder zum Opfer fallen. (Siehe Abbildung 1) (vgl. IWD 2017)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kinderbetreuung: Die Lucken der Lander (IWD 2017)

1.2 Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz fur Kinder unter drei Jahren

Im Widerspruch zu den klaffenden Betreuungslucken steht der bereits kurz angesprochene Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz fur Kinder unter drei Jahren.

„Gegen die Stimmen der Opposition hat der Bundestag das Kinderforderungsgesetz verab- schiedet“ (WeltN24 2008), wodurch alien unter dreijahrigen Kindern ab dem 1. August 2013 ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in Kindertageseinrichtungen oder in der Kin- dertagespflege zugesichert wurde. Dieser Rechtsanspruch ist unter anderem im § 24 Absatz 1 des achten Sozialgesetzbuchs (SGB VIII) verzeichnet (vgl. Gerlach o.J.): „Ein Kind, das das erste Lebensjahr vollendet hat, hat bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres An- spruch auf fruhkindliche Forderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege“ (§ 24 Absatz 2 SGB VIII). Auch fur die Kinder, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, besteht ein solcher, wenn auch an Bedingungen geknupfter, Rechtsanspruch (vgl. § 24 Absatz 1 SGB VIII): Der Rechtsanspruch besteht, wenn die Voraussetzungen in einer Einrichtung oder in der Kindertagespflege fur die Entwicklung des Kindes „zu einer eigen- verantwortlichen und gemeinschaftsfahigen Personlichkeit geboten“ (§ 24 Absatz 1 SGB VIII) oder die Eltern einer Erwerbstatigkeit nachgehen beziehungsweise arbeitssuchend sind oder „sich in einer beruflichen BildungsmaBnahme, in der Schulausbildung oder Hochschul- ausbildung befinden oder Leistungen zur Eingliederung in Arbeit [...] erhalten“ (§ 24 Ab­satz 1 SGB VIII). (vgl. § 24 Absatz 1 SGB VIII)

Fortschrittlich hierbei hinsichtlich der Familienpolitik ist, dass der Betreuungsplatz nicht mehr lediglich fur Kinder, die das dritte Lebensjahr vollendet haben, als Rechtsanspruch geregelt ist, sondern auch fur Kinder, die das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet haben. (vgl. Gerlach o.J.) So auBerte sich auch die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen und beschrieb den neuen Rechtsanspruch als „einen Meilenstein fur mehr Vereinbar- keit von Familie und Beruf und mehr Bildung“ (WeltN24 2008). (vgl. WeltN24 2008)

Der Bund, die Lander und die Kommunen sind somit verpflichtet, den Rechtsanspruch bei bestehendem elterlichen Wunsch fur alle Kinder zu realisieren (vgl. Gerlach o.J.).

1.3 Anstieg des Betreuungsbedarfs als Ursache fur den Betreuungsplatzmangel

Eine Ursache fur das aktuelle Problem des Betreuungsplatzmangels in Deutschland liegt in dem steigenden Betreuungsbedarf, der eine verstarkte Inanspruchnahme von Betreuungs- platzen beinhaltet. Obwohl auf dem Krippengipfel 2007 noch davon ausgegangen wurde, dass sich 35 Prozent der Eltern von Kindern im Krippenalter einen Betreuungsplatz fur ihr Kind wunschen, sprechen neuste Zahlen des Familienministeriums ein anderes Wort: 46 Prozent der Eltern von Kindern dieser Altersgruppe, und damit weitaus mehr Eltern als beim Krippengipfel spekuliert, mochten ihr Kind mit einem Betreuungsplatz versorgt sehen. (vgl. IWD 2017)

Diese Ergebnisse des Familienministeriums werden durch eine Mitteilung des Statistischen Bundesamtes zum Thema „Anstieg der Zahl der Kinder unter 3 Jahren in der Kindertages- betreuung“ unterstutzt.

Laut dem Statistischen Bundesamt hatten zum 1. Marz 2017 circa 763 000 unter dreijahrige Kinder in der offentlich geforderten Kindertagespflege oder in einer Kindertageseinrichtung einen Betreuungsplatz. Den Ergebnissen entsprechend wurden somit 41 300 mehr unter Dreijahrige (5,7 Prozent) als im Vorjahr in der Kindertagesbetreuung betreut. Damit gab es einen leicht starkeren Anstieg im Vergleich zum Vorjahr: 2016 war ein Plus von 26 000 Kindern der Alterskategorie (3,7 Prozent) zu verzeichnen. (vgl. Destatis 2017)

Hamburg (+10,2 Prozent), Niedersachsen und Schleswig-Holstein (jeweils +10,1 Prozent) wiesen verglichen zu den anderen Bundeslandern den starksten Anstieg der betreuten unter Dreijahrigen im Vergleich zum Vorjahr auf. In Mecklenburg-Vorpommern (+1,9 Prozent) hingegen wuchs der Prozentanteil am geringsten. Dabei ist jedoch darauf hinzuweisen, dass in den im Osten von Deutschland liegenden Bundeslandern bereits in den vergangenen Jah­ren hohe Betreuungszahlen erlangt wurden. Dementsprechend fallen die Steigerungen in den ostlichen Gebieten nur noch knapp aus. (vgl. Destatis 2017)

Die Mehrheit der Eltern von unter dreijahrigen Kindern beanspruchten die Kindertagesbe­treuung in Kindertageseinrichtungen (84,6 Prozent). Dahingegen spielte die offentlich ge- forderte Kindertagespflege mit bundesweit 15,4 Prozent eine deutlich kleinere Rolle. (vgl. Destatis 2017)

1.4 Anstieg der Geburtenziffer als Ursache fur den Betreuungsplatzmangel

Eine weitere Ursache fur den Betreuungsplatzmangel stellt die steigende Geburtenziffer in Deutschland dar, die folglich zu einem Anstieg der Zahl von Kindern mit Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz im U3-Bereich1 fuhrt.

2015 erreichte die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland 1,50 Kinder pro Frau.

[...]


1 Bereich fur Kinder unter drei Jahren

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Betreuungsplatzmangel in Deutschland
Untertitel
Bleibt beim quantitativen Ausbau von Betreuungsplätzen die Betreuungsqualität auf der Strecke?
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
2,7
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V454642
ISBN (eBook)
9783668867499
Sprache
Deutsch
Schlagworte
betreuungsplatzmangel, deutschland, bleibt, ausbau, betreuungsplätzen, betreuungsqualität, strecke
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Betreuungsplatzmangel in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454642

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