Der erstmalig 1916 verwendete und erst seit den 60er Jahren letzten Jahrhunderts wieder an Aufmerksamkeit gewonnene Begriff des sozialen Kapitals findet neben Soziologie auch in den Wirtschaftswissenschaften immer breiteres Interesse.
Mit diesem Thema haben sich mehrere Autoren im Laufe der letzten 50 Jahre befasst und verschiedene Konzepte des sozialen Kapitals ausgearbeitet. Die bekannten Autoren sind Jane Jacobs, Glenn C. Loury, Pierre Bourdieu, Robert D. Putnam, James S. Coleman und andere.
In der handlungssystematischen Studie entwickelt Coleman sein Modell des sozialen Systems, anhand dessen die wichtigsten Elemente und Beziehungen zwischen ihnen erklärt werden. Im Vordergrund stehen Akteure als rational handelnde Individuen oder Gruppen von Individuen, die im Besitz bestimmter Ressourcen sind und deren alleiniges Interesse in der Kontrolle eigener und fremder, aber erwünschter Ressourcen besteht. Die reziproken Beziehungen, die aus dem Wissen um das Vorhandensein interessanter Ressourcen bei anderen Akteuren möglich werden, bilden soziales Kapital in Gemeinschaften.
Das Phänomen des sozialen Tausches erklärt Coleman als Folge der Beziehungen, die zwischen den Akteuren entstehen. Das bedeutet, dass soziales Kapital eine Grundlage für das Funktionieren des sozialen Tausches bildet.
In dieser Arbeit wird auf das Colmansche Modell des sozialen Systems näher eingegangen. Dabei werden die Elemente dieses Systems besonders aufmerksam behandelt, um das Phänomen des sozialen Kapitals erklären zu können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Soziales System
1.1. Elemente: Akteure und Ressourcen, Interesse und Kontrolle
1.2. Sozialer Tausch
1.3. Soziales Gleichgewicht
2. Soziales Kapital
2.1. Begriff des sozialen Kapitals. Physisches Kapital, Humankapital, soziales Kapital
2.2. Formen des sozialen Kapitals
2.2.1. Verpflichtungen und Erwartungen. Vertrauen
2.2.1. Informationspotenzial
2.2.3. Normen und wirksame Sanktionen
2.2.4. Herrschaftsbeziehungen. Macht
2.3. Schaffung, Aufrechterhaltung und Zerstörung von sozialem Kapital
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Modell des sozialen Systems nach James S. Coleman zu erläutern und dessen Beitrag zur Erklärung des Phänomens "Soziales Kapital" zu analysieren. Dabei steht die Untersuchung der zugrunde liegenden Mechanismen sozialer Interaktion und deren Bedeutung für die Entstehung von Ressourcenkontrolle im Fokus.
- Grundlagen des sozialen Systems nach Coleman (Akteure, Ressourcen, Interessen)
- Mechanismen des sozialen Tausches und des sozialen Gleichgewichts
- Definition und verschiedene Formen des sozialen Kapitals
- Prozesse der Schaffung, Aufrechterhaltung und Zerstörung von sozialem Kapital
- Die Rolle von Macht und Vertrauensbeziehungen in sozialen Strukturen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Verpflichtungen und Erwartungen. Vertrauen
Schaffung von Verpflichtungen und Entstehung der Erwartungen im Laufe der Tauschhandlung unter der Bedingung der vorhandenen Vertrauensbasis stellt eine wichtige Form des sozialen Kapitals dar. Coleman beschreibt diesen Prozess als eine kontinuierliche Ansammelung von „Gutschriften“ unter den Akteuren: „Wenn ein Akteur A für einen Akteur B etwas tut und in ihn das Vertrauen setzt, dass er in der Zukunft eine Gegenleistung erbringt, wird damit im Akteur A eine Erwartung hervorgerufen und für B eine Verpflichtung geschaffen, das Vertrauen zu rechtfertigen. Diese Verpflichtung kann man als eine „Gutschrift“ betrachten.“ Dabei sind zwei Elemente von besonderer Bedeutung: das Maß der Vertrauenswürdigkeit des sozialen Umfeldes, was bedeutet, dass Verpflichtungen eingelöst werden, und die tatsächliche Menge der einzulösenden Verpflichtungen.
Dabei stellt sich die Frage, warum rationale Akteure die Verpflichtungen überhaupt schaffen. Coleman erklärt dieses Phänomen als Mittel zum Zweck: manchmal tut eine Person für eine andere etwas nur mit der Absicht, somit eine Verpflichtung zu schaffen. Coleman gibt auch eine mögliche Antwort für solches Verhalten: „wenn ich dir einen Gefallen tue, geschieht dies normalerweise, wenn du Hilfe brauchst und mir keine großen Kosten daraus erwachsen. Wenn ich rational bin und ganz eigennützig handle, achte ich darauf, dass dieser Gefallen für dich so wichtig ist, dass du bereit sein wirst, mir einen Gegengefallen zu erweisen, wenn ich Hilfe brauche, welcher mir einen größeren Gewinn verschafft, als dieser Gefallen mich kostet – natürlich nur, wenn du zu diesem Zeitpunkt nicht selber Hilfe brauchst. (…) Die Rentabilität für den Geber besteht darin, dass der Empfänger den Gefallen erst dann erwidert, wenn der Geber selber Hilfe braucht.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Konzepts des sozialen Kapitals ein und skizziert Colemans handlungssystematischen Ansatz.
1. Soziales System: Dieses Kapitel erläutert die Grundelemente Akteure und Ressourcen sowie die daraus resultierenden Tauschbeziehungen und das Streben nach sozialem Gleichgewicht.
2. Soziales Kapital: Hier werden der Begriff des sozialen Kapitals definiert, seine verschiedenen Formen analysiert und die Dynamiken seiner Entstehung, Bewahrung und Zerstörung dargelegt.
3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert, dass soziales Kapital eine wertvolle, aber pflegebedürftige Ressource für Individuen und Organisationen darstellt.
Schlüsselwörter
Soziales Kapital, James Coleman, Soziales System, Akteure, Ressourcen, Sozialer Tausch, Soziales Gleichgewicht, Vertrauen, Verpflichtungen, Normen, Herrschaftsbeziehungen, Macht, Handlungsstruktur, Nutzenmaximierung, Organisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung des Begriffs des sozialen Kapitals, basierend auf dem Modell des sozialen Systems von James S. Coleman.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die rationalen Handlungen von Akteuren, der soziale Tausch, die Entstehung von Vertrauensbeziehungen sowie die verschiedenen Ausprägungen und Funktionen von sozialem Kapital.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Phänomen des sozialen Kapitals durch die Analyse von Colemans Systemtheorie verständlich zu machen und die Bedingungen für dessen Entstehung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und Auseinandersetzung mit der handlungssystematischen Studie von James S. Coleman.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das soziale System (Elemente, Tausch, Gleichgewicht) und detailliert die verschiedenen Formen des sozialen Kapitals, wie Vertrauen, Informationspotential, Normen und Macht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ressourcenkontrolle, rationale Egoisten, soziale Beziehungen, Nutzenmaximierung und strukturelle Voraussetzungen für soziale Kooperation.
Wie unterscheidet Coleman soziales Kapital von anderen Kapitalformen?
Im Gegensatz zu physischem oder Humankapital verkörpert sich soziales Kapital nicht in Werkzeugen oder individuellen Fertigkeiten, sondern in den Beziehungen zwischen Personen, die bestimmte Handlungen erleichtern.
Welche Rolle spielen Organisationen bei der Entstehung von sozialem Kapital?
Organisationen sind Orte, an denen soziales Kapital durch die Struktur von Positionen stabilisiert werden kann, um den Informationsfluss und die Kooperation zwischen den Akteuren zu fördern.
- Quote paper
- Karina Boldyreva (Author), 2005, Soziales Kapital nach James Coleman, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45466