Wie gefährlich ist das Smartphone für Kinder? Über den Einfluss der Smartphone-Nutzung auf die kindliche Gesundheit


Fachbuch, 2019
72 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Entstehungszusammenhang, persönliche Motivation
1.2 Kurzeinblick Medien
1.3 Historie Smartphone
1.4 Problemstellung

2 Fragestellungen und Hypothesenbildung
2.1 Mediennutzung
2.2 Gefährdungspotential
2.3 Soziodemografie
2.4 Sonstiges
2.5 Hypothesenbildung

3 Forschungsstand
3.1 Studienlage

4 Nationale Studien
4.1 2014 – miniKIM - Studie
4.2 2015 – Digitale Milieu-Studie DIVSI - U
4.3 2016 – FIM - Studie
4.4 2017 – BLIKK - Studie
4.5 Fazit der nationalen Studien

5 Internationale Studien
5.1 Patterns of mobile device use by care-givers and children during meals in fast food restaurants
5.2 Maternal mobile device use during a structured parent-child interaction task
5.3 Exposure and Use of Mobile Media Devices by Young Children
5.4 Influence of smartphone addiction proneness of young children on problematic behaviors and emotional intelligence: Mediating self-assessment effects of parents using smartphones
5.5 Parent Perspectives on Their Mobile Technology Use: The Excitement and Exhaustion of Parenting While Connected
5.6 Mothers’ views of their preschool child’s screen-viewing behavior: a qualitative study
5.7 The Relation Between Use of Mobile Electronic Devices and Bedtime Resistance, Sleep Duration, and Daytime Sleepiness Among Preschoolers
5.8 Touchscreen generation: children's current media use, parental supervision methods and attitudes towards contemporary media
5.9 Parent Perceptions of Mobile Device Use Among Preschool-Aged Children in Rural Head Start Centers
5.10 Electronic Media Exposure and Use among Toddlers
5.11 Children's Environmental Health in the Digital Era: Understanding Early Screen Exposure as a Preventable Risk Factor for Obesity and Sleep Disorders
5.12 Fazit der internationalen Studien

6 Tabellarische Gegenüberstellung der Studien

7 Hypothesenabgleich

8 Ergebnisse im Hinblick auf präventive Leistungen und Maßnahmen

9 Fazit
9.1 Diskussion
9.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Bei Kindern im Vorschulalter sind Smartphones im täglichen Gebrauch angekommen. Diese Arbeit zeigt die Ergebnisse von 15 aktuellen nationalen und internationalen Studien zu Medien-Nutzung und Smartphone-Gebrauch und deren Auswirkungen auf Kinder. Dabei stehen das Nutzungsverhalten und mögliche gesundheitliche Auswirkungen und Folgen für Kinder im Vordergrund dieser Bachelorarbeit. Die Ergebnisse zeigen sowohl national als auch internatio-nal, dass das Smartphone in Familien und bei Kindern als unverzichtbares Medium im Alltag seinen Platz gefunden hat. Dabei nimmt die Nutzung der Geräte bereits vor dem dritten Le-bensjahr zu. Gerade das Nutzungsverhalten der Eltern hat den größten Einfluss auf mögliche Entwicklungsstörungen der Kinder. Die Querschnittsstudien zeigen dabei, dass gesundheitliche Auswirkungen wie Sprach- und Verhaltensstörungen, sowie Suchtverhalten und Hyperaktivität, aber auch ein sich verändertes Freizeit- und Kommunikationsverhalten, die Folgen sein kön-nen.

Abstract

For preschoolers, smartphones have arrived in daily use. This paper shows the results of 15 recent national and international studies on media use and smartphone use and its impact on the child. The use behavior and possible health effects and consequences for the child are in the foreground of this work. The results show both nationally and internationally that the smartphone has found its place in families and children as an indispensable tool in everyday life. The use of the devices increases even before the age of three. Especially the usage behavior of the parents has the greatest influence on a possible developmental disorder of the children. The cross-sectional studies show that health effects, such as language and behavioral disorders, as well as addictive behavior and hyperactivity but also a changed leisure and communication be-havior, are the consequences.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Geräteausstattung im Haushalt 2014

Abbildung 2: Aktivitäten im Alltag 2014

Abbildung 3: Liebste Aktivitäten 2014

Abbildung 4: DIVSI Internet-Milieus: Gesamtbevölkerung

Abbildung 5: DIVSI-Internet Milieus: Eltern U9

Abbildung 6: Altersentwicklung der Gerätenutzung von Kindern

Abbildung 7: Nutzungsintensität in Abhängigkeit von der Bildung

Abbildung 8: Kommunikationswege

Abbildung 9: Medienausstattung im Haushalt

Abbildung 10: Medientätigkeit der Vorschulkinder

Abbildung 11: Einschätzung der Mediennutzungskompetenz

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Summierte Nutzung von Smartphone und Fernseher

Tabelle 2: Diagnostizierte Sprachentwicklungsstörungen und Nutzung elektronischer Medien

Tabelle 3: Tabellarische Darstellung der Studienergebnisse

1 Einleitung

In dieser Bachelorarbeit sollen die aktuellen Studienlagen zum Thema Smartphone-Nutzung im Kindesalter analysiert und herausgearbeitet werden. Inwieweit bewerten aktuelle Studien die Gefährdung von Kleinkindern und Kindern im Kita- und Vorschulalter. Hierbei soll insbesondere die Medien-Nutzung von Smartphones von Kindern und Eltern und deren Einfluss auf die Entwicklung der Kinder betrachtet werden.

Die digitale Welt schreitet immer weiter voran und erhält immer mehr Einzug in fast alle Lebensbereiche des Menschen. Wurden die digitalen Errungenschaften anfangs belächelt und als Randthema technikversierter Menschen abgestempelt, sollte spätestens nach dem Erscheinen der ersten mobilen Geräte mit Internetanbindung klar geworden sein, dass ein neuer gesellschaftlicher Wandel entstanden ist. Es gibt nur noch wenige Lebensbereiche die nicht von der digitalen Welt durchzogen sind. Zukünftige Entwicklungen zeigen, dass selbst analoge Dinge, wie Alltagsgegenstände, Geräte und Maschinen, im Internet of Things (IoT) miteinander vernetzt werden. Einige Wissenschaftler sprechen bereits von der Entwicklung des Menschen vom Homo sapiens zum „Homo Digitalis“ und beschreiben damit die mögliche zukünftige Symbiose des Menschen mit der digitalen Technik (Montag, 2018).

Der Einfluss auf die Gesundheit der Menschen scheint noch ein Randthema wissenschaftlicher Untersuchungen zu sein. Gibt doch bereits das Jugendwort des Jahres 2015, „Smombie“, einen Anhaltspunkt für eine mögliche Gesundheitsgefährdung. Der Begriff, eine Verschmelzung von „Smartphone“ und „Zombie“, zeigt, dass Jugendliche selbstreflektiert eine Bezeichnung für einen Smartphone-Besitzer gefunden haben, der durch intensive Smartphone-Nutzung so abgelenkt ist, dass er seine Umwelt nicht mehr wahrnimmt. Die ersten „Smombie-Ampeln“, Bodenampeln im Straßenverkehr, wurden bereits in Augsburg und weiteren Städten zum Schutz der Fußgänger vor Straßenbahnen an Bahnübergängen und Haltestellen eingeführt (Tost, 2016). Auch das Unfallrisiko durch Smartphone-Nutzung am Steuer wurde durch den Gesetzgeber erkannt, und im Bußgeldkatalog aufgenommen (gomobile media GmbH, 2018). Dieser kleine Einblick in den Alltag zeigt, dass die ersten direkten Risiken und Gefahren im Umgang mit Smartphones bekannt sind. Doch welche weiteren Einflüsse auf die Gesundheit können wissenschaftlich betrachtet ergründet werden?

Lag das Hauptaugenmerk bis vor einigen Jahren in Bezug auf die Mediennutzung noch auf dem Fernsehen, so ist der Einfluss des Smartphones noch weitgehend unbekannt. Das Zusammentreffen der Lebenswelt eines Kindes mit der digitalen Welt beginnt immer frühzeitiger. Der gesellschaftliche Wandel bringt eine vollständige Erreichbarkeit rund um die Uhr mit sich. Das Internet ist nicht mehr stationär an ein Gerät gebunden, sondern kann überall mitgenommen werden. Die Forderung nach digitaler Entsagung von Kleinkindern scheint unmöglich: „Das Internet erlangt schon bei kleinen Kindern eine relevante Alltagsbedeutung. Bereits die Kleinsten sind gelegentlich online; die Internetnutzung intensiviert sich fortan rasch.“ (Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet, 2015, S. 16). Das Bundesministerium für Gesundheit (2017, S. 1) gibt zu bedenken: „Diese Präsenz führt dazu, dass Kinder vom ersten Lebenstag an von elektronischen Medien umgeben sind“.

„Gesund aufwachsen“ ist ein nationales Gesundheitsziel des Bundesministeriums für Gesundheit (2017). Die Gesundheitsförderung und Prävention im Kindesalter wird immer wichtiger, da hier die Weichen für das Leben gestellt werden. Daher gilt es frühzeitige Einflüsse, die auf die Kinder und deren Entwicklung einströmen, im Auge zu behalten. Die drei Kernbereiche dieses Gesundheitsziels sind: Lebenskompetenz, Bewegung und Ernährung. Ein detaillierter Blick in diese Ziele beschreibt zudem die „Reduktion von Belastungen/ belastenden Einflüssen für Kinder, Jugendliche und Familien“ (Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e. V., 2010).

Diese Bachelorarbeit wird den Fokus der Analyse auf Smartphone-Nutzung legen, die Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern insbesondere in der Altersdifferenzierung von 0 bis 6 Jahren untersuchen und eine Gefährdungseinschätzung anhand der aktuellen nationalen und internationalen Studienlage vornehmen, inwieweit bereits Effekte auf die Gesundheit von Kindern festzustellen sind.

1.1 Entstehungszusammenhang, persönliche Motivation

Im Mai 2017 veröffentliche die Drogenbeauftrage der Bundesregierung die ersten Ergebnisse des Projektes „BLIKK-Medien“ (Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz und Kommunikation), eine in Auftrag gegebene Studie zum Umgang mit digitalen Medien in Familien und den möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder (Bundesministerium für Gesundheit, 2017). Sensibilisiert durch die Geburt meiner Tochter im Februar 2017 und den darauffolgenden eigenen Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien in Anwesenheit meiner Tochter, aber auch im generellen Umgang mit digitalen Technologien, las ich den Studien-Kurzbericht. Es stellten sich schnell Fragen möglicher gesundheitlicher Beeinflussung und Gefahren, die auf meine Tochter, aber auch auf die eigene Person einwirken könnten und wie diese zu verhindern sind. Das Zusammenspiel von elterlichen Führsorgepflichten und von Konsum und Nutzung von Inhalten auf dem Smartphone sind im Alltag unübersehbar. Gerade auf Spielplätzen wird deutlich, dass selbst Kleinkinder in den Einflussbereich von Smartphones gelangen, wenn die Eltern, Großeltern, aber auch Betreuer von Kindertagesstätten, ihr Smartphone nutzen und die Aufmerksamkeit zeitweise von den Kindern ablenken. Der eigene Reflex, das Smartphone selbst in unangemessenen Situationen aus der Hosentasche zu ziehen, scheint bereits automatisiert abzulaufen. Es stellt sich hierbei die Frage, inwieweit dies bereits als Suchtverhalten einzustufen ist. Aber auch grundlegende Fragestellungen stellen eine persönliche Motivation zum Untersuchungsgegenstand dar. Wie gehe ich selbst mit dem Thema um, was ist der richtige Weg und welche Gefahren sind im Umgang mit digitalen Medien und Kindern vorhanden?

Der Erfolg von Smartphones lässt sich allein an den steigenden Nutzerzahlen feststellen. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. - BitKom schätzt aufgrund einer eigenen Umfrage vom Februar 2017 die Smartphone-Nutzerzahl auf rund 57 Millionen Deutsche (Ametsreiter, 2017). Dies entspricht rund 78% der Bundesbürger, die regelmäßig ein Smartphone nutzen. Im Vergleich 2013 waren es noch 41%. Aktuelle Studiendaten zeigen, dass in deutschen Familien eine hundertprozentige Abdeckung von Handy oder Smartphone besteht. „Praktisch alle Haushalte mit Kindern zwischen drei und 19 Jahren verfügen über mindestens ein Mobiltelefon (konventionelles Handy oder Smartphone), einen Internetzugang, einen Fernseher und ein Radiogerät“ (Feierabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2017, S. 50).

Die Zahlen verdeutlichen noch einmal die gesellschaftliche, aber auch gesundheitliche Relevanz des Themas. Es stellt sich schnell die Frage, ob gesundheitliche Risiken durch die Verwendung von Smartphones zu erwarten sind und ob mögliche Folgen bereits wissenschaftlich erforscht wurden. Welche Effekte sind durch die Nutzung von Smartphones auf die Physiologie von Kindern zu erwarten. Bestehen Auswirkungen auf psychologische Prozesse und verändert die Smartphone-Nutzung die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten des Menschen. Und vor allem: Welche dieser Effekte wirkt sich störend auf die gesunde Entwicklung von Kindern im Kleinkind und Vorschulalter aus? Ab wann kann von einem „zu viel“ von digitalen Medien gesprochen werden? Die Drogenbeauftrage der Bundesregierung veröffentlichte im Juli 2017 den aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung, hier wurde auch das Thema Computerspiel- und Internetsucht unten den Jugendlichen als steigend angegeben (Bundesministerium für Gesundheit, 2017).

1.2 Kurzeinblick Medien

Die Analyse von Mediennutzung im Kindesalter setzt Kenntnisse über vorhandene Medien voraus, die von Kindern täglich benutzt und konsumiert werden. Wenn im Allgemeinen von „Medien“ gesprochen wird, ist hierbei keine klare Abgrenzung zu einem bestimmten Medium vorhanden. So fallen auch Bücher, Fotos und Zeitschriften unter den allgemeinen Medienbegriff. Grundsätzlich können aber analoge und digitale Medien unterschieden werden. Insbesondere das Fernsehen hat in den letzten Jahren einen technologischen Wandel erlebt: vom analogen Fernsehsignal zum digitalen Fernsehen und Fernsehgeräten mit unterschiedlichsten Funktionen und Anwendungen, wie Internetzugang, Speichern von Fernsehsendungen zum zeitversetzten Abspielen. Wenn von Mediennutzung im Kindesalter gesprochen wird, soll an dieser Stelle kurz aufgezeigt werden, welche Medien in deutschen Familienhaushalten, in denen Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren aufwachsen, vorhanden sind. Die Daten der Studie miniKIM aus dem Jahre 2014 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015, S. 5) zeigen die prozentuale Verteilung vorhandener Gerätetypen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Geräteausstattung im Haushalt 2014

(Feierabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015, S. 5)

Bereits in dieser Studie wird der Stellenwert des Mediums Fernsehen deutlich. Eine hohe Bedeutung haben insbesondere Bildschirmmedien, die vor allem audio-visuelle Inhalte bereitstellen und zusätzlich den Zugang zum Internet ermöglichen.

„Der Fernseher ist häufig – (Empfangs)technisch gesehen – auch digital. Nicht nur internetfähige Smart-TVs, sondern auch „terrestrisches Fernsehen“ (DVB-T) sind digital arbeitende Technologien. Da Fernseher allerdings häufig „analog“ verwendet werden, das heißt nicht ans Internet angeschlossen sind, auch wenn dies technisch möglich wäre, sondern nur zum Schauen des linearen Programms der TV-Sender genutzt wird, fällt das Fernsehen nicht in den Bereich digitaler Medien. Dennoch wird in ausgewählten Zusammenhängen auch das Fernsehen – aufgrund seiner ausgeprägten Bedeutung in der Medienlandschaft von Kindern – in die Betrachtung einbezogen“ (Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet, 2015, S. 12).

Die Fernsehnutzung ist im Jahre 2014 bereits im Alter von 4 bis 5 Jahren als dritthäufigste Freizeitbeschäftigung angegeben. Neben dem „Drinnen Spielen“ und „Draußen spielen“ scheint der Fernsehkonsum bereits in jungen Jahren sehr ausgeprägt zu sein (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015). Das Smartphone verbindet die Elemente in Form des Bildschirms, des Internets, der Steuerung des Gerätes über den Bildschirm und der ortsunabhängigen Verfügbarkeit durch die gegebene Mobilität des Hosentaschenformates. Im Hinblick auf die Verbreitungsdynamik, die Mobilitätsmöglichkeiten und die Internetverfügbarkeit sollte ein Transfer des Mediums Fernsehen hin zum Smartphone und die damit einhergehenden Auswirkungen betrachtet werden.

Ein weiterer Aspekt soll an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden: Viele Studien aus der Vergangenheit betrachten das Medium des mobilen Telefons (umgangssprachlich mit „Handy“ bezeichnet) und des Smartphones nicht getrennt voneinander. Hauptunterschied ist vor allem die Internetfähigkeit und der hochauflösende Bildschirm des Smartphones.

Die Mediennutzungsdaten werden im Kapitel 3.1 noch einmal intensiv betrachtet. Vorläufig sei hier erwähnt, dass die „größte Veränderungsdynamik im Vergleich zur ersten Erhebung der miniKIM Studie aus dem Jahr 2012 beim Thema Smartphone (+17%) und Tablet-PC (+8%) in der Ausstattungsrate der Haushalte deutlich wird“ (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015, S. 5).

Die Veränderungsdynamik zum Medium Smartphone in den Folgejahren zeigt, welche Präsenz und welchen Stellenwert die Smartphone-Nutzung in der Bevölkerung eingenommen hat. Aus der BLIKK-Studie des Jahres 2017 kann entnommen werden, dass „das Smartphone im Verhältnis zu den anderen Medien im Alltag der Befragten heute ‚nicht mehr weg zu denken‘ ist“ (Bundesministerium für Gesundheit, 2017, S. 35).

Die Prognosen für die kommenden Jahre zeigen eine leichte Stagnierung der Verbreitung. Dies kann als Folge von Marktsättigung gedeutet werden. Weltweit besitzen laut Zenith Mobile Advertising Forecast rund 66% der Menschen ein Smartphone. 2017 waren es 63%, 2016 rund 58%. In Deutschland besitzen laut aktuellen Schätzungen rund 81% ein Smartphone. Weltweit führend bei der Verbreitung ist der westeuropäische Raum und vor allem Asien-Pazifik. Führend ist Taiwan mit 93% Smartphone-Verbreitung. Das Land mit der aktuell höchsten Anzahl an Smartphone-Nutzern wird 2018 China mit rund 1,3 Milliarden Nutzern sein (Schobelt, 2017).

1.3 Historie Smartphone

Die Omnipräsenz des Smartphones basiert auf einer erst jungen Erfolgsgeschichte. Sie begann vor rund zehn Jahren am 9. Januar 2007 in San Francisco in den USA. Das Datum kann ohne Weiteres als ein Höhepunkt der digitalen Revolution gezählt werden. An diesem Tag stellte Steve Jobs, langjähriger CEO von Apple Inc., ein völlig neues Gerät vor:

“Well today, we're introducing THREE revolutionary new products. The first one is a widescreen iPod with touch controls. The second is a revolutionary new mobile phone. And the third is a breakthrough internet communications device. An iPod, a phone, an internet mobile communicator. An iPod, a phone, an internet mobile communicator these are NOT three separate devices! And we are calling it iPhone” (Ryan, 2007).

Diese neue Technologie im Hosentaschenformat, von Kinderhand leicht bedienbar aufgrund einer einfachen und intuitiven Bedienoberfläche, wurde nach zweieinhalbjähriger Entwicklungszeit der Öffentlichkeit vorgestellt. Es verbindet die Funktionen des mobilen Telefonierens des bewährten Konzeptes des „Handy“, die Funktionalitäten eines Computers, die Bedienung direkt über den Bildschirm über Touch-Gestik und ermöglicht den Zugang zum Internet ohne Beschränkung in der Funktionalität. Zusätzlich können sogenannte APPs (application software), Programme mit spezifischen Funktionalitäten, installiert werden. Weiterhin ermöglichte Apple Inc. 2008 auch anderen, unternehmensfremden Entwicklern Programme zu entwickeln und diese im sogenannten App-Store, ein eigener digitaler Marktplatz, für die Öffentlichkeit anzubieten (Quiller Media Inc, 2008).

Der Funktionalität, der Akzeptanz in der Bevölkerung, aber auch einem enormen Marketing, ist es zu verdanken, dass der Erfolg des Smartphones bis heute anhält. Zusätzlich sei erwähnt, dass ein Jahr später die ersten Konkurrenzmodelle auf den Markt kamen. Hierunter Unternehmen wie Google und Samsung. Der Erfolg des Smartphones lässt sich durch die weltweite Nutzerzahl am deutlichsten betonen. Aktuelle Schätzungen gehen von über 2 Milliarden Nutzern weltweit aus (Statista GmbH, 2017). Diese Anzahl stützt die Verankerung des Smartphones in der Gesellschaft. Wobei sich die Verbreitung der Geräte auf die gesamte Gesellschaftsstruktur verteilt und nicht auf einzelne Zielgruppen und sozialen Schichten beschränkt ist.

Steve Jobs selbst ließ allerdings seine Kinder nicht an den Geräten teilhaben, wie ein veröffentlichtes Interview mit ihm zeigt: „They haven't used it. We limit how much technology our kids use at home” (Doug, 2016).

1.4 Problemstellung

Im Alltagsleben von Familien gehören Medien, und vor allem digitale Medien, wie selbstverständlich dazu. Fernseher, Computer, Spielekonsolen, aber auch mobile ortsunabhängige Geräte, wie das Smartphone, haben Einzug in das Setting „Familie“ gefunden. Dabei ist gerade das Kindesalter eine Lebensphase, „in der ein Mensch die gravierendsten anatomischen, physiologischen und Verhaltensentwicklungen durchmacht“ (Erhart, Ottová-Jordan, & Ravens-Sieberer, 2014, S. 59).

Weiterhin bilden sich in diesem frühen Lebensabschnitt bereits viele gesundheitsrelevante Einflussfaktoren, die im Lebensverlauf eines Menschen relativ stabil bleiben. Gerade im Rahmen der Sozialisation werden von den Eltern, aber auch anderen Bezugspersonen, grundlegende Verhaltensmuster erworben. Diese erworbenen Muster können sich unter Umständen noch Jahrzehnte später auf die Gesundheit der Betroffenen auswirken. Darunter fallen „Verhaltensmuster bezüglich der Hygiene, der Ernährung, aber auch der physischen Aktivität und Muster im Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Gesundheit“ (Erhart, Ottová-Jordan, & Ravens-Sieberer, 2014).

Aufgrund der hohen Bedeutung des Kindesalters sollen die Auswirkungen eines jederzeit präsenten Mediums, wie dem Smartphone, auf die Gesundheit des Kindes und dessen Rolle für die gesunde Entwicklung im Besonderem evaluiert werden. Aufgrund der im Kapitel 1.3 aufgezeigten jungen Historie des Smartphones steht die wissenschaftliche Forschung noch am Anfang.

Sind Smartphones eine gesundheitliche Gefahr für Kinder? Dass Smartphones bereits im Alltagsgebrauch als Gefahrenquelle erkannt wurden, kann nicht unerwähnt bleiben. So werden Smartphones und mobile Geräte in Krankenhäusern verboten, die Benutzung bei Start und Landungen von Flugzeugen untersagt, die Nutzung beim Autofahren wegen der Ablenkungsgefahr mit Ordnungsstrafen belegt. Trotz bekannter Gefahren nutzen 55% aller Autofahrer regelmäßig das Handy am Steuer, ein Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Sachverständigenorganisation DEKRA (DEKRA e.V., 2017).

Dabei stellt sich die Frage, ob die Gefahren direkt auf das Gerät selbst zurückgeführt werden können oder indirekt durch die Nutzung eine Gefährdung, beispielsweise durch Ablenkung, hervorgerufen wird. Direkte Gefahren, wie Strahlungsgefährdung, die vom Gerät ausgehen, sind zum Teil noch nicht abschließend bewertet. Die WHO erklärt zum Thema „elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen“, dass die elektromagnetischen Felder von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als möglicherweise krebserregend für den Menschen eingestuft werden. „The electromagnetic fields produced by mobile phones are classified by the International Agency for Research on Cancer as possibly carcinogenic to humans. Studies are ongoing to more fully assess potential long-term effects of mobile phone use” (World Health Organisation, 2014).

Dass Kinder bereits frühestmöglich mit Smartphones in Kontakt kommen, hängt auch vom Verhalten der Bezugspersonen ab, beispielsweise von dem Elternpaar im Kreissaal, welches mit dem Smartphone die ersten Bilder und Videos des Neugeborenen macht und die Fotos bei einem Social Media-Dienstleister veröffentlicht. Eine digitale Entsagung von Bildschirmmedien, wie sie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Umgang mit Medien fordert (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2015), muss auf ihre Alltagstauglichkeit hin untersucht und möglicherweise neu bewertet werden.

Die im Kapitel 1.2 erwähnte Smartphone-Verbreitung von 93% in Taiwan hat dort auch gesetzliche Konsequenzen. Die taiwanesische Regierung hat bereits 2015 das vorhandene Jugendschutzgesetz angepasst und neben Rauchen und Drogenkonsum die unverhältnismäßig lange Nutzung von Bildschirmmedien unter 18 Jahren verboten und die Eltern bei Missachtung und eintretenden Gesundheitsgefährdungen des Kindes zu Geldstrafen verpflichtet (Hwai, 2015).

Unterschiedliche Modelle der Wirkung gesundheitsrelevanter Einflussfaktoren auf den Lebenslauf von Kindern weisen darauf hin, wie früh einsetzende chronische Erkrankungen die gesundheitliche Situation ein Leben lang beeinflussen können. Dabei werden zwei Modelle beschrieben. Das Modell der „Akkumulation von Risiken“ meint, dass sich schädliche Einflüsse in frühen Jahren und schädliche Einflüsse aus späteren Lebensphasen zu einem erhöhten Krankheitsrisiko addieren können. Das Modell der „kritischen Perioden“ postuliert bestimmte Zeitfenster und Entwicklungsphasen, in denen eine Vulnerabilität für schädigende Einflussfaktoren vorliegt. Beispielsweise wirkt Substanzmissbrauch umso schädlicher, je jünger die Person ist“ (Erhart, Ottová-Jordan, & Ravens-Sieberer, 2014, S. 59).

Beachtenswert ist, dass das DSM-5, das psychiatrische Klassifikationssystem der American Psychiatric Association, eine neue Kategorie für substanzungebundenem Missbrauch gebildet hat: „Substance-related and addictive disorders“, in der nun auch „Spielsucht“ (gambling disorder) als erste Verhaltenssucht nicht mehr den Impulskontrollstörungen zugeordnet wird, sondern den Suchtstörungen (Bundesministerium für Gesundheit, 2017, S. 11).

Die Kernfrage und Problemstellung ist daher, mögliche Antworten auf die Frage der Wirkzusammenhänge und Effekte von Smartphone-Nutzung auf die Gesundheit von Kindern zu bestimmen, um daraufhin effektive Präventionsangebote und Empfehlungen zu definieren.

2 Fragestellungen und Hypothesenbildung

Aufbauend auf diesen Problemstellungen wurden folgende Fragestellungen und Hypothesen definiert, die in dieser Bachelorarbeit zu erarbeiten und zu beantworten sind.

2.1 Mediennutzung

Die Mediennutzung im Kindesalter und im Setting der Familien und im Setting der Kitas bedingt die Fragestellung der Mediennutzung im Allgemeinen und im Vergleich zum Smartphone.

- Wie hoch ist die Mediennutzung des Smartphones im Allgemeinen und in der spezifischen Alterskohorte von null bis sechs Jahren in Deutschland, prozentual im Vergleich zu: Fernsehen, Internet (Computer) und sonstigen relevanten Medien?
- Welche aktuellen nationalen Studien können zur Mediennutzung Antworten liefern?

2.2 Gefährdungspotential

Welche Gefährdungspotentiale können vom Smartphone ausgehen, und welche sind bereits wissenschaftlich untersucht worden? Im Gegensatz zu allgemeinen Aussagen werden hierbei wissenschaftlich-empirische Ergebnisse dargelegt werden, die eine anatomische, physiologische und Verhaltensgefährdung untersucht haben.

2.3 Soziodemografie

Lassen sich aus den Untersuchungsobjekten bestimmte Altersstufen und Lebensstile von Familien und Kindern evaluieren, die einer besonderen Gefährdungslage ausgesetzt sind und können zu folgenden Kriterien Aussagen der Gefährdung anhand der Studienlage getroffen werden:

- Welche Altersstufen sind besonders gefährdet?
- Welche Effekte liefert der soziale Status?
- Gibt es Geschlechterunterschiede?

2.4 Sonstiges

Welche weiteren Effekte und Gefährdungspotentiale liefern möglicherweise Studien, die für eine Gefährdung noch nicht in Betracht gekommen sind. Und kann eine Aussage zur generellen Gefährdungslage durch Smartphone-Nutzung zum aktuellen Zeitpunkt formuliert werden?

- Lassen sich Forschungsergebnisse aus anderen Nationen auf Deutschland übertragen?
- Wird die Mediennutzung und im Speziellen die Smartphone-Nutzung für Präventionsangeboten relevant?
- Können Stärken und Chancen innerhalb der Studien beschrieben werden?
- Wie ist die Einstellung der Eltern zur Smartphone-Nutzung?

2.5 Hypothesenbildung

Aufgrund der Forschungsfragen kann folgende vorläufige Hypothese gebildet werden: Die Nutzung von Smartphones in der Lebenswelt von Kindern im Alter von null – sechs Jahren stellt eine Gefährdung der Entwicklung des Kindes dar, insbesondere in sozial schwachen Milieus.

3 Forschungsstand

Im Hinblick auf die junge Historie des Smartphones, kann in Bezug auf den aktuellen Forschungsstand davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um ein sehr neues Forschungsfeld handelt. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass somit auch noch keine Langzeitstudien über mehrere Jahrzehnte existieren können (Erscheinungsdatum des ersten Smartphones am 09.01.2007, siehe Kapitel 1.3). Somit sind überwiegend Querschnittstudien zu analysieren.

Überlappende Forschungsansätze, die sich bereits mit einigen Themen der gesundheitlichen Auswirkung von digitalen Medien, wie dem Internet und dessen Suchtpotential auseinandersetzen, können nur zum Teil herangezogen werden. „Nach derzeitigem wissenschaftlichem Stand werden die neu erforschten Störungsbilder im Bereich der Computerspiel- und Internetnutzung den stoffungebundenen Suchterkrankungen (Verhaltenssüchten) zugerechnet“ (Bundesministerium für Gesundheit, 2017, S. 62). Zur Nähe der beiden Konzepte von „Internet“ und „Smartphone“ zueinander sei erwähnt, dass einige Experten von einer 25%igen Überlappung veröffentlichter Studien ausgehen (Montag, 2018).

Die Sucht nach Computerspielen wird aktuell von vielen Experten zudem als das größte Problem der digitalen Süchte angesehen. Dies wird insbesondere dadurch hervorgehoben, dass die WHO in der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) „Gaming Disorder“ in ihrer nächsten Ausgabe mit aufnehmen wird. Dies wird als Kategorie für Videospiele, sowohl offline als auch für onlinebasierte Spiele, gelten. Diese Einstufung wird auch ab Mitte 2018 für deutsche Ärzte verbindlich und bietet Betroffenen eine anerkannte Diagnose und Behandlungsvoraussetzungen (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2016). Die WHO begründet die Aufnahme mit überprüfbaren und verfügbaren Beweisen, dem Konsens von vielen beteiligten Experten verschiedener Disziplinen aus unterschiedlichen geographischen Regionen der WHO im Rahmen der ICD-11-Entwicklung. „A decision on inclusion of gaming disorder in ICD-11 is based on reviews of available evidence and reflects a consensus of experts from different disciplines and geographical regions that were involved in the process of technical consultations undertaken by WHO in the process of ICD-11 development” (World Health Organisation, 2018).

Auf nationaler Ebene wird dies durch die BZgA gestützte Aussage manifestiert, „Im Jahr 2015 ist nach den Befunden der Drogenaffinitätsstudie der BZgA bei 5,8 % aller 12- bis 17-jährigen Jugendlichen von einer Computerspiel- oder Internet­abhängigkeit auszugehen. Weibliche Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren sind mit 7,1 % statistisch signifikant stärker betroffen als die männlichen Jugendlichen dieser Altersgruppe (4,5 %)“ (Bundesministerium für Gesundheit, 2017, S. 63).

Auf Grundlage der vorliegenden Forschungsarbeiten zum Schwerpunkt der Gesundheitsgefahren für Kinder bis zum Vorschulalter, kann aktuell nur auf sehr wenige Studienarbeiten zurückgegriffen werden. Dennoch soll an dieser Stelle eine Einteilung zwischen deutschen und internationalen Studien vorgenommen werden. Diese sind im Folgendem nach Aktualität sortiert.

3.1 Studienlage

Folgender Abschnitt zeigt die nationale Studienlage zur Thematik „Smartphone und Gesundheitsaspekte im Kindesalter zwischen null und sechs Jahren“. Im Speziellen soll im Anschluss auf die vorliegenden internationalen Studienergebnisse eingegangen und ihre Ergebnisse im Detail dargestellt werden. Bei der Studienrecherche im internationalen Kontext wurde auf die Publikationsplattform www.pubmed.gov zurückgegriffen und mit entsprechender Detailsuche die Studienlage erforscht (National Center for Biotechnology Information, U.S. National Library of Medicine, 2018).

Dabei können folgende Punkte vor der Studienanalyse beschrieben werden.

- Es existieren auffällig viele wissenschaftliche Studien zu Smartphone-Anwendungen. Studien sind überwiegend Nutzungsanalysen bestimmter Smartphone-Applikationen in spezifischen Kontexten gesundheitlicher Anwendungen
- Es finden sich auffällig wenig Studien zu Gesundheit und Gefährdung im Kindesalter und im Besonderem im Kleinkindbereich.
- Thematisch passende Studien sind erst ab dem Zeitraum 2014 vorhanden.

Die Folgenden Ergebnisse zeigen die Studien auf nationaler Ebene.

4 Nationale Studien

Die nationale Studienlage zur Thematik der Smartphone-Nutzung und möglicher resultierender Gesundheitsgefahren in der frühen Kindheit bei Kindern unter 6 Jahren scheint auf nationaler Ebene noch am Anfang zu stehen. Allerdings werden bereits Langzeitstudien zur Mediennutzung von Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen geplant und die Grundlagen für eine Vergleichbarkeit der Studienkohorten vorbereitet. Dabei ist insbesondere der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) mit seinen bereits 1998 begonnenen Studien zum Medienverhalten und -Nutzen von jungen Menschen in Deutschland zu nennen. Allerdings geben auch die Forschungsergebnisse der DIVSI- und der BLIKK-Studie einen konkreten wissenschaftlichen Blick auf die Lage in Deutschland. Die Forschungsergebnisse werden in Reihenfolge des Erscheinens vorgestellt.

4.1 2014 – miniKIM - Studie

Die nationale Studienanalyse zum Untersuchungsgegenstand der Smartphone-Nutzung im Kindesalter soll an dieser Stelle mit einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) begonnen werden.

Wie Eingangs dieser Arbeit erwähnt wurde, ist eine medienfreie Kindheit kaum mehr vorstellbar. Zusätzlich wird das Thema „Medien und Kleinkinder“ kontrovers diskutiert. Um einen Einblick in den Alltag von Kleinkindern in Zusammenhang mit dem gelebten Medienalltag in Familien zu erhalten hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) im Jahr 2012 die Studienreihe KIM (Kinder + Medien, Computer + Internet) um die Befragung der Haupterzieher von 2- bis 5-Jährigen erweitert und als miniKIM-Studie bezeichnet. Die Studie untersucht somit den Medienumgang von 2- bis 5-jährigen Kindern. Hierzu wurden im Erhebungszeitraum vom 9. Mai bis 20. Juni 2014 623 Haupterzieher von 2- bis 5-jährigen Kindern, quotiert nach aktuell vorliegenden Strukturdaten des Statistischen Bundesamtes nach Haushalten mit Kindern in diesem Alter, per Selbstausfüllfragebogen befragt. Diese Ergebnisse sind repräsentativ für die -2 bis 5-Jährigen in Deutschland. Haupterzieher sind vor allem Mütter. Die Geschlechterverteilung betrug rund 50% jeweils Jungen und Mädchen. Die Altersklasse 2 bis 3-Jähriger und 4- bis 5-Jähriger wurde ebenfalls zu 50% unterteilt (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015).

Die Studie zeigt, dass im Jahr 2014 ein sehr breites Spektrum an vorhandenen Medien in Haushalten, in denen 2- bis 5-Jährige aufwachsen, existierte. „In nahezu allen Familien gibt es (mindestens) ein Fernsehgerät, einen Computer bzw. Laptop sowie ein Handy bzw. Smartphone“ (Feierabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015, S. 5). Aufgrund der Ersterhebung aus dem Jahr 2012 werden hierbei vor allem die größten Veränderungen bei den Geräten von Smartphone (Zunahme von 17%) und bei Tablet-PC (Zunahme von 8%) deutlich. Dabei sind in den Kinderzimmern vor allem Kassettenrekorder und CD-Spieler vorhanden. Kinder in diesem Alter besitzen eher selten eigene Geräte (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015).

Neben dem Drinnen und Draußen spielen, die am häufigsten genannte Aktivität im Alltag der Kinder, folgt bereits schon auf dem 3. Platz der meistgenutzten Aktivität das Fernsehen. Weitere Aktivitäten in Bezug auf Medien sind bei der täglichen Nutzung in der Altersgruppe von relativ geringer Bedeutung. Allerdings zeigt die differenzierte Betrachtung der Altersklassen, dass die Medienaktivität ab 4 Jahren deutlich steigt. Die Abbildung 2 zeigt: In Bezug auf Handy-/Smartphone-Nutzung, welche eine eher untergeordnete Rolle der Nutzungshäufigkeit verzeichnet, ist im Vergleich der Altersklassen 2-bis 3-Jährige und 4-bis 5-Jährige, eine klare Zunahme von 5% auf 12% zu verzeichnen (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aktivitäten im Alltag 2014

(Feierabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015, S. 8)

Hinsichtlich der liebsten Aktivitäten der Kinder, hierbei konnten bis zu drei Nennungen erfolgen, dominierten weiterhin das Spielen. Bei den 4-bis 5-Jährigen kommt auch das Treffen mit Freunden, Fernsehen schauen, Sport ausüben, sowie Computer-/Konsolen-/Onlinespiele spielen, besser an, als bei jüngeren Kindern. Handy-/Smartphone-Nutzung spielt hierbei eine untergeordnete Rolle, wie Abbildung 3 zeigt (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Liebste Aktivitäten 2014

(Feierabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015, S. 9)

Betrachtet wurde ebenfalls die Nutzungszeit der verschiedensten Medien. Deutlich wird hier wiederum die Präferenz zum Fernsehen, mit rund 43 Minuten pro Tag. Bücher lesen und Radio hören nimmt die 2.- und 3.-längste Zeit in Anspruch, mit jeweils 26 Minuten und 18 Minuten. Die Nutzung von Spielen an Computer/Konsole/Internet, Handyspiele, Tablet-Spiele und die Internetnutzung allgemein – werden nach Angabe der Haupterzieher von der Mehrheit der Kinder überhaupt noch nicht genutzt (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015).

Weiterhin wurde in der Studie auch abgefragt, inwieweit die Medien eher alleine oder mit jemand anderem genutzt werden. Dabei überwiegt bei der Nutzung von Handy-/Smartphone- oder Tablet-Spielen sowie der Internetnutzung die gemeinsame Nutzung mit den Eltern (Feirabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015).

[...]

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Wie gefährlich ist das Smartphone für Kinder? Über den Einfluss der Smartphone-Nutzung auf die kindliche Gesundheit
Autor
Jahr
2019
Seiten
72
Katalognummer
V454687
ISBN (eBook)
9783956877834
ISBN (Buch)
9783956877841
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Smartphone, Kinder Gesundheit, Gesundheitsgefahren, internationale Studien, nationale Studien, Handy, Kita, Gesundheitsgefährdung, Mediennutzung, Kinder, Prävention
Arbeit zitieren
Henry Rygiel (Autor), 2019, Wie gefährlich ist das Smartphone für Kinder? Über den Einfluss der Smartphone-Nutzung auf die kindliche Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454687

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