Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen die Analyse und Interpretation der brasilianischen Berichterstattung zu den Juniprotesten 2013, bei der die Positionierung der traditionellen Massenmedien herausgearbeitet werden soll. Die vorliegende Arbeit erhebt nicht den Anspruch, definitive im Sinne von allgemeingültigen Aussagen über die Berichterstattung zu liefern, sondern zeigt lediglich Tendenzen auf. Um eine detailliertere Darstellung der Charakteristika der Berichterstattung zu gewährleisten, wurde die vorhandene Masse an Analysematerial aus dem Internet auf repräsentative Medienstimmen eingegrenzt.
Brasilien wurde im Juni 2013 während des FIFA Konföderationen-Pokals von einer landesweiten Massenprotestwelle erschüttert, bei der es sich um die größten Demonstrationen seit Diretas Já in den 1980er Jahren und Fora Collor im Jahre 1992 handelte. Im Allgemeinen müssen die Juniproteste als ein komplexes soziales und politisches Phänomen gedacht und verstanden werden, dessen Entstehung lediglich multikausal beantwortet werden kann. In diesem Sinn ist darauf hinzuweisen, dass der Aspekt Kommunikation der Protestbewegung, der sich in der Berichterstattung widerspiegelt, nie den komplexen Gesamtzusammenhang abbilden kann, sondern lediglich teilweise.
Ferner waren die traditionellen brasilianischen Massenmedien scharfer Kritik ausgesetzt. Ihre Berichterstattung und Kommunikation versteht sich als eine kommerzielle Aktivität, bei welcher der persönliche Gewinn letztendlich die größte Rolle spielt. Längst sind sowohl die Juniproteste 2013 als auch die anhaltenden gegenwärtigen Protestbewegungen zum Forschungsgegenstand verschiedener Studien geworden und die Debatten um die Sichtweisen und Interpretationen der Massenproteste halten im Land an, insbesondere vor dem Hintergrund der Wiederwahl von Präsidentin Dilma Rousseff im Jahr 2014. Doch auch in Deutschland thematisieren einige wissenschaftliche Publikationen in Anlehnung an die arabischen Demokratisierungsprozesse den sogenannten 'brasilianischen Frühling'.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Vorbetrachtungen
2.1 Kontextualisierung der Protestbewegung
2.2 Kurze Chronologie der Juniproteste 2013
2.3 Reaktion der Regierung
2.4 Reaktion der FIFA
III Analyse
3.1 Skizzierung der brasilianischen Medienlandschaft
3.2 Probleme der Medienlandschaft
3.3 Charakteristika der Berichterstattung
3.4 Wendepunkt der Berichterstattung
3.5 Verhältnis zwischen Medien und FIFA
3.6 Darstellung der wirtschaftlichen Effekte in den Medien
IV Schlussbetrachtung
V Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Positionierung der traditionellen brasilianischen Massenmedien, insbesondere des Konzerns Organizações Globo und der Zeitung Folha de São Paulo, während der Juniproteste 2013. Ziel ist es, die Medienmanipulation und die tendenziöse Berichterstattung zu analysieren, wobei auch der Aufstieg alternativer Medien wie Mídia Ninja sowie deren Einfluss auf den Wandel der journalistischen Darstellung beleuchtet werden.
- Analyse der brasilianischen Medienlandschaft und deren Machtstrukturen.
- Untersuchung der Berichterstattung während der Juniproteste 2013.
- Vergleich zwischen traditionellem Journalismus und digitalen, alternativen Medienbewegungen.
- Evaluation des Einflusses der FIFA und ökonomischer Faktoren auf die mediale Agenda.
- Identifikation von Wendepunkten in der medialen Darstellung der Proteste.
Auszug aus dem Buch
3.1 Skizzierung der brasilianischen Medienlandschaft
Paradoxerweise spiegelt sich die extreme ethnische und kulturelle Vielfalt der brasilianischen Bevölkerung nicht in der Medienlandschaft wider. Die Berichterstattung des Landes beschränkt sich auf wenige Familien, die die öffentliche Meinung durch ihre Presseorgane dominieren: Familie Marinho (Organizações Globo), Familie Frias (Grupo Folha) und Familie Mesquita (Grupo Estado). Ferner können in einem weiteren Sinn sieben weitere Familien identifiziert werden, die die Bildung der öffentlichen Meinung entscheidend lenken. Ich werde mich jedoch im Folgenden auf die beiden erst genannten Konzerne beschränken, da das Analysematerial ihren Online-Publikationen entnommen ist.
Organizações Globo dominiert als zweitgrößtes Medienkonglomerat weltweit den Markt. Der TV-Sender TV Globo ist mit einer Einschaltquote von 99,9 % größter Sender des Landes. Da das private Firmenkonglomerat mit Sitz in Rio de Janeiro in öffentlichen Einrichtungen, in der Gastronomie und in Krankenhäusern omnipräsent ist, besitzt es einen immensen Einfluss auf die Bevölkerung. Auf den ersten Blick scheint Globo gar nicht solch eine Monopolstellung zu haben, da es offiziell aus verschiedenen Unternehmen besteht: TV Globo (Rede Globo), Rádio Globo und O Globo im Printbereich. Der Name stammt von der Zeitung O Globo, die 1925 von Irineu Marinho ins Leben gerufen wird. Ab 1965 ist sein Sohn Roberto Marinho an der Spitze des Unternehmens, seit seinem Tod im Jahr 2003 sind es dessen Söhne Roberto Irineu Marinho und João Roberto Marinho. Insbesondere Roberto Marinho ist in der Vergangenheit aufgrund seines politischen Einflusses starker Kritik ausgesetzt (vgl. Spranz 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der brasilianischen Juniproteste 2013 ein und definiert den Fokus der Arbeit auf die Analyse der medialen Berichterstattung sowie der Rolle der traditionellen Massenmedien.
II Vorbetrachtungen: Dieses Kapitel kontextualisiert die Protestbewegung, beschreibt deren Chronologie sowie die Reaktionen der Regierung Rousseff und der FIFA auf die massiven Demonstrationen.
III Analyse: Der Hauptteil analysiert die Struktur und die Probleme der brasilianischen Medienlandschaft, beleuchtet die Charakteristika der Berichterstattung und untersucht kritisch das Verhältnis zwischen Medien, Sportpolitik und wirtschaftlichen Effekten.
IV Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und diskutiert das Scheitern der manipulativen Medienstrategien sowie die Bedeutung alternativer Medien für die Demokratisierung der Informationslandschaft.
V Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Quellen und die für die Analyse herangezogenen medialen Dokumente auf.
Schlüsselwörter
Juniproteste 2013, Brasilien, Medienlandschaft, Organizações Globo, Folha de São Paulo, Medienkonzentration, Partida de Imprensa Golpista, Mídia Ninja, Digitaler Journalismus, Protestbewegung, FIFA, Sportpolitik, Medienmanipulation, Demokratie, Berichterstattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie die großen brasilianischen Medienkonzerne über die landesweiten Massenproteste im Juni 2013 berichteten und welche Rolle sie dabei spielten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Machtkonzentration in der brasilianischen Medienlandschaft, das Verhältnis zwischen Medien und Politik, die Rolle der FIFA sowie der Aufstieg digitaler, alternativer Medien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Tendenzen der Medienmanipulation und die spezifische Positionierung von Medien wie Globo und Folha de São Paulo während der Unruhen offenzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Online-Pressestimmen und Videobeiträgen, ergänzt durch eine Auswertung wissenschaftlicher Publikationen zu Medienstrukturen und den soziopolitischen Hintergründen der Proteste.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird die Medienlandschaft Brasiliens skizziert, der Einfluss der Korruptionsproblematik thematisiert und der deutliche Wandel in der Berichterstattung durch das Eingreifen alternativer Medien und Journalisten aufgezeigt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Medienkonzentration, Partida de Imprensa Golpista, Mídia Ninja, Protestbewegung und Sportpolitisierung.
Was bedeutet der Begriff "Partida de Imprensa Golpista" in diesem Kontext?
Der Begriff, der "Partei der Presseputschisten" bedeutet, beschreibt die kritische Wahrnehmung der extremen Medienkonzentration und der vermeintlich voreingenommenen, konservativen Agenda der großen Medienkonzerne.
Warum wird der 14. Juni 2013 als Wendepunkt der Berichterstattung bezeichnet?
Nachdem an diesem Tag Journalisten durch die Polizei verletzt wurden, änderte sich die Berichterstattung der großen Zeitungen merklich, da nun die Pressefreiheit der eigenen Akteure direkt bedroht war.
- Arbeit zitieren
- Ruth Esther Schwarz (Autor:in), 2015, Die brasilianische Berichterstattung zu den Juniprotesten 2013, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454818