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Gescheiterte Existenzen im neuen deutschen Film anhand von Andreas Dresens "Sommer vorm Balkon" und Oskar Roehlers "Die Unberührbare"

Titel: Gescheiterte Existenzen im neuen deutschen Film anhand von Andreas Dresens "Sommer vorm Balkon" und Oskar Roehlers "Die Unberührbare"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 32 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Marina Küffner (Autor:in)

Filmwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Oskar Roehler erklärt in einem Interview, dass er das Drehbuch über seine Mutter Gisela Elsner sehr schnell und mehr anhand von Anekdoten als recherchierten Fakten geschrieben hat. Er hat sich seine Mutter bildhaft vorgestellt: „eine Frau, Ende 50, die nur mit Tabletten einschlafen und sich am nächsten Morgen nur mit Aufputschmitteln aufwecken kann, aber ganz streng nach einem strikten Prinzip von Arbeit und Ökonomie, völlig ohne Liebe existiert“. Das „desaströs[e]“ Scheitern des Wiederfußfassens hat ihn besonders fasziniert: „In dieser absurden Verzweiflungssituation lag so eine Komik“.

Genau mit diesem Zusammenspiel zwischen Scheitern, Verzweiflung und Komik wird sich die vorliegende Arbeit befassen. Besonders im deutschen Film der letzten Jahre sieht man immer wieder Figuren, die auf die eine oder andere Weise scheitern. Ob es Freundschaften oder Liebesbeziehungen sind, die zerbrechen, oder die Eingrenzung der eigenen Freiheit und Selbstbestimmung. Die Einsamkeit und die daraus resultierenden Folgen werden häufig thematisiert, was im Hinblick auf die demographische Entwicklung zum Individualstaat natürlich auch mehr als aktuell ist.

Anhand von der Komödie Sommer vorm Balkon und dem Melodram Die Unberührbare sollen hier tragische Elemente untersucht und analysiert werden. Ausgehend von den Motiven der Verzweiflung und Ausweglosigkeit entwickeln beide Filme ihre Geschichte über Einsamkeit und Liebe, Distanz und Freundschaft in vollkommen gegensätzliche Richtungen. Maßgebend dafür ist der im Film vorhandene Grade an Tragik. Diese wird der Analyse vorangestellt vorab definiert und in einen geschichtlichen Kontext gesetzt. Nach diesem Überblick über die Entwicklung des Tragödienbegriffs werden die beiden Filme genauer beleuchtet. Die Analyse behandelt sowohl den Einfluss des gesellschaftlichen Umfelds auf das Scheitern der Protagonisten, wie auch den Verlauf des persönlichen Scheiterns. Den Prozess der Veränderung, den die Figuren im Film erleben, definiert neben den tragischen Elementen auch komische. Diese werden auch Gegenstand der Analyse sein.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Faszination des Scheiterns seit der Antike

3. Das Scheitern als gesellschaftliches Phänomen

3.1 Die Unberührbare im ideologischen Konflikt

3.2 Sommer vorm Balkon als Wirklichkeitsabbild einer zukunftslosen Generation

4. Die Vereinsamung als Auslöser des Scheiterns

4.1 ‚So ist das Leben. Aber wirklich!‘

4.2 Eine gegen Alle: Die Unberührbare im Kampf gegen Ekel, Schwermut und Ausweglosigkeit

5. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv des Scheiterns in zeitgenössischen deutschen Filmen, insbesondere anhand der Werke "Sommer vorm Balkon" von Andreas Dresen und "Die Unberührbare" von Oskar Roehler, um die soziologischen und psychologischen Hintergründe sowie die Verbindung von tragischen und komischen Elementen zu analysieren.

  • Die historische Entwicklung und moderne Definition des Tragikbegriffs
  • Soziale Phänomene wie Arbeitslosigkeit und Identitätsverlust im deutschen Film
  • Die Rolle der Vereinsamung als Katalysator für das persönliche Scheitern
  • Der Kontrast zwischen tragischen Melodramen und tragikomischen Alltagserzählungen

Auszug aus dem Buch

3. Das Scheitern als gesellschaftliches Phänomen

Von der Unfähigkeit zum Erwachsenwerden handeln viele der deutschen Filme seit den Neunzigerjahren. Darin spiegeln sich Arbeitslosigkeit, die soziale Isolation, das Verkommen der Lebensumwelt, die Gewalt und die Drogen, und vor allem und immer wieder: ein eklatanter Mangel an Projekten und Zukunftsaussagen, ein elektronischer Koken der Medien und die Wiederkehr der Gespenster aus der Geschichte von Familie und Nation.

Georg Seeßlen trifft hier auf den Punkt, was den Kern der Mehrzahl an neuen deutschen Filmen ausmacht. Die soziale Entwicklung zum zwar unabhängigen, aber doch auch isolierten Menschen, der nicht mehr genau weiß, wo er hinwill und auch keine direkten Zukunftsmöglichkeiten dargeboten bekommt, ist ein Phänomen, das im Alltag jeden betrifft und somit ist dies auch ein wichtiger Bestandteil der kontemporären Filmthematik. Vorbei sind die von Seeßlen definierten ersten und zweiten Generationen des deutschen Films – oder auch Deutschland an sich: „die romantischen Rebellen der 68er“ sowie „die Subversiven und die Verweigerer der ökonomisch verschärften Coolness der 89er-Wende“ sind Vergangenheit. Heute bestimmen „Sozialabbau und Lähmung“ die dritte Generation zum Jahrtausendwechsel. Das Scheitern an dieser „sozialen Verelendung“, wie Seeßlen sie nennt, ist etwas, was dem Zuschauer auch selbst bekannt ist. In diesem Kapitel möchte ich verdeutlichen, inwieweit das Scheitern der Charaktere durch die gesellschaftliche Entwicklung unterstützt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der zentralen Fragestellung bezüglich der Darstellung von Scheitern, Verzweiflung und Komik im deutschen Film anhand zweier ausgewählter Beispiele.

2. Die Faszination des Scheiterns seit der Antike: Theoretische Herleitung des Tragödienbegriffs von Aristoteles über Hegel bis hin zur Moderne und Arthur Miller.

3. Das Scheitern als gesellschaftliches Phänomen: Untersuchung der soziologischen Faktoren wie Arbeitslosigkeit und sozialer Isolation in zeitgenössischen Filmen.

3.1 Die Unberührbare im ideologischen Konflikt: Analyse des ideologischen Scheiterns der Protagonistin vor dem Hintergrund des Mauerfalls.

3.2 Sommer vorm Balkon als Wirklichkeitsabbild einer zukunftslosen Generation: Betrachtung des Films als Abbild des sozialen Verfalls und der prekären Lebenswirklichkeit.

4. Die Vereinsamung als Auslöser des Scheiterns: Fokus auf die psychologische Ebene und den persönlichen Untergang der Protagonisten.

4.1 ‚So ist das Leben. Aber wirklich!‘: Untersuchung der tragikomischen Aspekte der Vereinsamung in "Sommer vorm Balkon".

4.2 Eine gegen Alle: Die Unberührbare im Kampf gegen Ekel, Schwermut und Ausweglosigkeit: Darstellung der totalen Isolation und des finalen Scheiterns von Hanna Flanders.

5. Fazit: Zusammenfassende Analyse der Ergebnisse und Einordnung des Scheiterns als kollektive Omnipräsenz im modernen deutschen Film.

Schlüsselwörter

Scheitern, Tragödie, deutscher Film, Sommer vorm Balkon, Die Unberührbare, Andreas Dresen, Oskar Roehler, Vereinsamung, soziale Identität, Melodram, Tragikomödie, gesellschaftlicher Wandel, Arbeitslosigkeit, Postmoderne, Film Noir.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Darstellung und Ursachen des Scheiterns von Filmfiguren im neuen deutschen Film der 2000er Jahre.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen der ideologische Wandel, soziale Ausgrenzung, Vereinsamung sowie das Spannungsfeld zwischen tragischen und komischen Momenten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verdeutlichen, wie gesellschaftliche Entwicklungen das persönliche Scheitern der Charaktere in "Sommer vorm Balkon" und "Die Unberührbare" beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse vorgenommen, die auf literatur- und tragödientheoretischen Ansätzen (u.a. Aristoteles, Hegel, Arthur Miller) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine gesellschaftspolitische Analyse und eine Untersuchung der persönlichen, psychologischen Vereinsamung der Filmfiguren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Scheitern, Tragik, Identitätsverlust, soziale Isolation und die gesellschaftspolitische Transformation Deutschlands sind prägend.

Wie unterscheidet sich "Sommer vorm Balkon" von "Die Unberührbare"?

Während "Sommer vorm Balkon" eine tragikomische Alltagserzählung ist, die trotz Notlagen Hoffnung lässt, zeigt "Die Unberührbare" den radikalen, düsteren Niedergang einer Figur in totaler Isolation.

Welche Bedeutung hat der Mauerfall für die Protagonistin Hanna Flanders?

Der Mauerfall führt bei ihr sowohl zum materiellen Ruin als auch zu einer ideologischen Desillusionierung, die ihren sozialen Abstieg besiegelt.

Warum spielt die Komik eine Rolle in einer Tragödie?

Komische Elemente dienen im untersuchten Film als Selbstschutz und Mittel zur Distanzierung, um die katastrophale Lebensrealität erträglich zu gestalten.

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Details

Titel
Gescheiterte Existenzen im neuen deutschen Film anhand von Andreas Dresens "Sommer vorm Balkon" und Oskar Roehlers "Die Unberührbare"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
„Absolute Giganten“ bis „Gegen die Wand“: Deutsche Gegenwartsfilme 1999ff.
Note
1,7
Autor
Marina Küffner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
32
Katalognummer
V454830
ISBN (eBook)
9783668880559
ISBN (Buch)
9783668880566
Sprache
Deutsch
Schlagworte
andreas dresen oskar roehler die unberührbare sommer vorm balkon scheitern gescheiterte existenz scheitern im film neuer deutscher film deutscher gegenwartsfilm antike tragödie drama
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marina Küffner (Autor:in), 2010, Gescheiterte Existenzen im neuen deutschen Film anhand von Andreas Dresens "Sommer vorm Balkon" und Oskar Roehlers "Die Unberührbare", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454830
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  32  Seiten
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