Akbar und seine Religion des din-i ilahi


Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historischer Hintergrund

3 Die Entstehung des neuen Glaubens
3.1 Die Legitimation des din-i ilahi
3.2 Die Rolle des Sonnenkultes

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Was bewegte einen muslimischen Herrscher, der zu Beginn seiner Herrschaft noch den sunnitischen Islam vertrat und sich schon früh zum Sufismus hingezogen fühlte, sich vom Islam abzuwenden und mit Hilfe seiner engsten Vertrauten am Hofe eine eigene Religion zu gründen (Grobbel 2001: 2), die der multikonfessionellen Situation des Reiches entsprechen sollte (Conermann 2006: 55) und alle religiösen Gegensätze unter einem gemeinsamen Nenner zu vereinen versuchte? Stand hinter dem späteren Bestreben Akbars, Hinduismus und Islam zu vereinen, nur sein Interesse an anderen Religionen oder auch politische Motive zur Sicherung seiner Autorität (Conermann 2006: 60) in den einzelnen Gebieten seines Reiches? War der Glaube vielleicht nur ein Mittel zum Zweck, um seine Herrschaft zu legitimieren und die Angehörigen verschiedenster Konfessionen unter seiner Führung zu integrieren und gibt es zu diesem religiösen Konzept sogar Parallelen in der damaligen Geschichte? Auf diese Fragen möchte ich in meiner Hausarbeit näher eingehen. In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit den Beweggründen und dem Ziel des neuen Glaubens von Akbar und stelle nach einem Überblick über den historischen Hintergrund die einzelnen Entwicklungsstufen des neuen Glaubens bis zu seiner Proklamation dar. Ich lege dann den Schwerpunkt auf die Rolle des Sonnenkultes als zentrales Element der Verehrung Akbars. Zum Schluss stelle ich zusammenfassend diejenigen Faktoren dar, die zur Entwicklung seiner Ideologie bzw. Religion beitrugen und versuche seine Motive vor dem damaligen Hintergrund zu klären.

2 Historischer Hintergrund

Akbar ist wohl der bekannteste Herrscher der Moguldynastie in Indien. Seine Abstammung lässt sich über seinen Großvater Babur (1483-1530), den Begründer des Mogulreiches, bis zur Timuridendynastie väterlicherseits und bis zu Čingiz Han mütterlicherseits zurückverfolgen (Franke 2005: 23). Babur war es in seinem fünften Beutezug nach Indien 1526 mit Einsatz von Kanonen und Gewehren gelungen, die in Nord-Indien vorherrschende afghanische Lodhi- Dynastie unter Sultan Ibrahim zu besiegen und die beiden Residenzstädte Agra und Delhi, inklusive Staatsschatz, einzunehmen. Sein Sohn Humayun konnte sich nach der Übernahme des Thrones zunächst politisch nicht durchsetzen und musste 1540 aus der Hauptstadt fliehen (Franke 2005: 24). Mit Unterstützung des Safawiden-Herrschers Šah Tahmasp, der ihm ein 12.000 Mann starkes Heer zur Verfügung stellte, im Gegenzug zu Geschenken und einem formellen Übertritts Humayuns und seines Gefolges zur Schia, eroberte Humayun schließlich auch seinen verlorenen Thron in Delhi zurück. Ein halbes Jahr später verunglückte er jedoch tödlich beim Sturz von einer Treppe seiner Bibliothek und starb drei Tage darauf am 23. Januar 1556. Sein Sohn und Nachfolger Abu ’l-Fath Ğalal ad-Din Muhammad Akbar wurde 1542 während seiner Fluchtjahre geboren (Franke 2005: 25). Seine schulische Ausbildung war nur sehr gering, was sein späteres Verhältnis zu Religion geprägt und seine Reformfreudigkeit begründen könnte. Am 14. Februar 1556 bestieg er den Thron (Conermann 2006: 63). In den ersten Jahren seiner Herrschaft hatte sein Regent Bayram Han, dessen Vater und Großvater in Baburs Diensten gestanden haben, die Regierungsgeschäfte in der Hand. Bereits Humayun stand er bei der Rückeroberung Indiens zur Seite. Dieser hatte Bayram Han zum Tutor Akbars ernannt. Der noch unsichere Machtanspruch Akbars wurde von Bayram Han gefestigt und dieser begann auch mit der Ausdehnung des Reiches. Je älter Akbar jedoch wurde, desto mehr eigene Ansprüche entwickelte er gegen diejenigen seines Regenten, der höchste Staatsbeamte nach Belieben entließ und Rivalen aus dem Weg räumte. So verbündete sich Akbar mit den Gegnern Bayram Hans, Adeligen aus Transoxanien, die sich nicht länger einem schiitischen Regenten unterordnen wollten (Franke 2005: 25). Es gelang, Bayram Han zu entmachten. Aber noch drei andere Personen beabsichtigten, die Macht an sich zu reißen. Akbars Amme Maham Anaga, ihr Sohn Adham Han und ein Vetter Akbars namens Šihab ad-Din; dieser wurde Gouverneur von Delhi und überwachte mit Maham Anaga die politischen und finanziellen Angelegenheiten des Reiches. Nachdem Adham Han nach einem Feldzug in Malwa fast die gesamte Beute für sich behalten hatte, ließ er aus Wut über seine daraus folgende Zurücksetzung den neu ernannten „Premierminister“, den wakil, ermorden, woraufhin Akbar ihn gleich zwei Mal von der Terrasse in den Palasthof werfen ließ. Maham Anaga starb vierzig Tage darauf. Nun hatte Akbar die Regierung endgültig selbst in der Hand. Um seine noch keineswegs gefestigte Macht auszubauen, bedarf es der Hilfe einiger wichtigen Persönlichkeiten. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten war Abu ’l-Fazl (Franke 2005: 26), der später engster Berater und Chronist Akbars wurde und auch politisch eine wichtige Figur war (Conermann 2006: 43). Nachdem der Gelehrte in den Kreis der Höflinge aufgenommen wurde, entwickelte er ein Herrschaftskonzept, dass sämtliche Ethnien und ihre Konfessionen unter Akbars Herrschaft zu integrieren versuchte (Franke 2005: 26). Das von ihm auf Geheiß Akbars verfasste Akbar-nāma, „Chronik der Herrschaft Akbars“ (Conermann 2006: 43) propagierte die neue Ideologie (Franke 2005: 26) Es sollte auch die Genialität, Rechtschaffenheit und Überlegenheit des Herrschers verewigen. Laut Abu ’l-Fazl war Akbar nicht nur der beste Herrscher, sondern auch der perfekte Mensch. (Conermann 2006: 43). Auch Hindus zählten zum engeren Zirkel der Höflinge. Todar Mal, seit 1582 oberster Finanzminister des Reiches, war für die Steuer- und Finanzverwaltung zuständig. (Franke 2005: 27). Der Brahmane Bir Bal wurde am Hofe zu einem wichtigen Berater (Conermann 2006: 43). Häufige Feldzüge waren charakteristisch für die ersten Herrschaftsjahre Akbars. Die Vereinigung der Küstenprovinz Gujarat mit den landwirtschaftlichen Gebieten wie Punjab und dem Gangesbecken stabilisierte den Handel enorm (Conermann 2006: 65). Nachdem gegen Ende des 16. Jahrhunderts der größte Teil Nordindiens zum Mogulreich gehörte, wollte man auch die Grenzen zum Süden erweitern. Prinz Murad, Akbars zweitältester Sohn, erhielt zunächst das Oberkommando über die Armee, starb jedoch 1599 an den Folgen seines Alkoholkonsums, so dass sein dritter Sohn Danyal das Kommando erhielt. 1599 zog Akbar selbst in den Dekkhan, um sein Heer anzuführen und blieb dort bis 1601, bis die wichtigsten Burgen von Ahmadnagar und Asirgarh erobert waren. Die letzen Jahre von Akbars Herrschaft konnten jedoch nicht mehr mit neuen Eroberungen glänzen. Der Feldzug auf dem Dekkhan ging nur schlecht voran und die Nachfolgeregelung war wegen des schwierigen Verhältnisses zu seinem Sohn lange Zeit ungeklärt gewesen (Conermann 2006: 66). Am 15. Oktober 1605 verstarb Akbar (Franke 2005: 29). Er hatte somit fast ein halbes Jahrhundert das Schicksal der Moguldynastie mitbestimmt. Allgemein kann man sagen, dass sich das Mogulreich unter Akbar zu einem zentralisierten und gut verwalteten Gebiet entwickelt hatte. Der Herrscher selbst bildete das Zentrum des Reiches und der Verwaltung. (Conermann 2006: 44). Eine vollständige administrative Kontrolle des Reiches und die Eingliederung aller in dieses System war durch die begrenzte Kommunikationsmöglichkeit und das riesige Ausmaß des Reiches nicht möglich und auch nicht in der Absicht des Herrschers. Weite Teile des Reiches standen unter der Herrschaft der Patrimonialfürsten, welche die Oberherrschaft des Moguln anerkannten. Diese Fürsten waren oft hinduistisch und übten in ihren Gebieten die gleiche Herrschaft aus wie zuvor und leisteten Abgaben. Der Herrscher selbst reiste viel und begutachtete die Situation vor Ort (Conermann 2006: 53). Hinter dem späteren Bestreben, Hinduismus und Islam in einer Einheitsreligion zu vereinen, standen somit auch politische Motive. Die Sicherung seiner Autorität innerhalb der kontrollierten Gebiete hing stark vom Gehorsam der hinduistischen Fürsten ab und auch die Expansionsbestrebungen waren davon abhängig (Conermann 2006: 60).

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Details

Titel
Akbar und seine Religion des din-i ilahi
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Orient- und Asienwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V454927
ISBN (eBook)
9783668881747
ISBN (Buch)
9783668881754
Sprache
Deutsch
Schlagworte
akbar, religion
Arbeit zitieren
Lidia Tyurina (Autor), 2013, Akbar und seine Religion des din-i ilahi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454927

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