Die Idee, dass es sich bei biblischen Texten um eine buchstabengetreue Fixierung handelt, kann durch die Wissenschaft nicht direkt bestätigt werden. Vielmehr gibt es eigentlich keine Endgestalt biblischer Texte, sondern man muss von verschiedenen Textzeugen ausgehen.
Dieses Werk soll diskutieren, inwiefern die uns vorliegende Schrift von einer Autorität, also einer Person oder Institution, „beschlossen“ wurde. Dafür möchte ich mich auf das Jesajabuch konzentrieren, da es in sich mehrere Spannungen aufweist und damit ein gutes Demonstrationsobjekt von innerbiblischer Schriftauslegung und Interaktion mit anderen Texten des AT darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines zum Jesajabuch
3. Sprachliche Beziehungen
3.1. Vergehen/Schuld/Strafe – עון
3.2. trösten – נחם
3.3. Kommen der Herrlichkeit Gottes – כבוד יהוה
3.4. Siehe, euer Gott – הנה אלהיכם
3.5. frühere und jetzt beseitigte Sünden Israels
4. Thematische und theologische Beziehungen
4.1. Zion/Jerusalem
4.1.1. Protojesaja – Heils- und Unheilsworte
4.1.2. Deuterojesaja – Trost und Zusage der göttlichen Hilfe
4.1.3. Tritojesaja – Schöpfung und Trost
4.2. Der Heilige Israels
4.3. Gerechtigkeit
5. Zusammenfassung
6. Persönliches Resümee
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kompositorische Einheit des Jesaja-Buches. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern sprachliche sowie thematische und theologische Verbindungen zwischen den drei Teilen des Buches (Proto-, Deutero- und Tritojesaja) auf eine absichtliche redaktionelle Gesamtkomposition hindeuten oder ob es sich um unabhängig entstandene Schriften handelt.
- Analyse der sprachlichen Verknüpfungen (z. B. Schuld, Trost, Herrlichkeit Gottes)
- Untersuchung des zentralen theologischen Themas Zion/Jerusalem
- Bewertung der Rolle des "Heiligen Israels" und des Begriffs der "Gerechtigkeit"
- Diskussion der redaktionellen Brückenfunktion von Kapiteln wie 1, 12 und 35
- Kritische Auseinandersetzung mit der Forschung von Rolf Rendtorff
Auszug aus dem Buch
3. Sprachliche Beziehungen
Aufgrund sprachlicher Beziehungen werden verschiedene Verbindungslinien zwischen einzelnen Teilen des Jesajabuches hergestellt. Rendtorff [148] sieht ausgehend von Kapitel 40, also dem Einleitungskapitel des Deuterojesaja, sehr deutliche Beziehungen zu den beiden anderen Buchteilen, vor allem sieht er starke Verbindungen zu den Kapiteln 1; 12 sowie 35. Er macht dies anhand verschiedener Themen fest, auf die nun eingegangen werden soll.
Melugin, der sich in seiner Arbeit auf „Deuterojesaja“16 bezieht, fand eine Beziehung zwischen Jes 40 und Jes 1. Diese Beziehung wird durch עון (Vergehen/Schuld/Strafe) hergestellt. In 1,4 wird der mit Schuld beladenen Stadt Jerusalem gedroht, 40,2 fordert auf, Jerusalem zu sagen, dass die Schuld beglichen sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den Begriff des Kanons und die Bedeutung der Schrift im wissenschaftlichen Kontext, wobei die Interaktion der Texte im Alten Testament als zentrales Element der Forschung hervorgehoben wird.
2. Allgemeines zum Jesajabuch: Das Kapitel erläutert, dass das Jesajabuch eine Sammlung prophetischer Werke aus mehreren Jahrhunderten darstellt, und führt in die wissenschaftliche Diskussion um die Komposition und die Einheit des Buches ein.
3. Sprachliche Beziehungen: Hier werden spezifische Begriffe wie "Schuld", "trösten" und "Herrlichkeit Gottes" untersucht, um mögliche redaktionelle Verbindungslinien zwischen den verschiedenen Teilen des Jesajabuches aufzuzeigen.
4. Thematische und theologische Beziehungen: Dieses Kapitel vertieft die Analyse anhand der zentralen Themen "Zion/Jerusalem", "Der Heilige Israels" und "Gerechtigkeit", um die theologische Kohärenz der Buchteile zu prüfen.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Bedeutung der Kapitel 12 und 35 als redaktionelle Brücken und konstatiert, dass das Thema Zion/Jerusalem das stärkste Bindeglied des Werkes darstellt.
6. Persönliches Resümee: Der Autor bewertet die vorgelegten Ergebnisse kritisch und schlussfolgert, dass die thematischen und theologischen Argumente für eine redaktionelle Einheit überzeugender sind als die rein sprachlichen Analysen.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Seminararbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Jesajabuch, Protojesaja, Deuterojesaja, Tritojesaja, Zion, Jerusalem, Heiliger Israels, Komposition, Exegese, Altes Testament, Redaktionsgeschichte, Schriftauslegung, Theologie, Trost, Gerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kompositorische Einheit des Jesajabuches und prüft, ob die verschiedenen Teile durch redaktionelle Arbeit bewusst miteinander verknüpft wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung sprachlicher Gemeinsamkeiten sowie zentraler theologischer Themen wie Zion/Jerusalem, dem "Heiligen Israels" und dem Verständnis von Gerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Hypothese zu hinterfragen, ob das Jesajabuch als einheitliches, "aus einem Guss" gefertigtes Werk betrachtet werden kann oder ob es sich um eine Sammlung verschiedener Texte handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf die formgeschichtliche Forschung und die Analyse innerbiblischer Schriftauslegung, wobei er sich primär an der Forschung von Rolf Rendtorff orientiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte sprachliche und theologische Untersuchung der drei Buchteile (Proto-, Deutero- und Tritojesaja) und deren wechselseitige Bezüge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Jesajabuch, Komposition, Zion/Jerusalem, Heiliger Israels, Redaktionsgeschichte und Schriftauslegung.
Welche Funktion schreiben Sie den Kapiteln 12 und 35 zu?
Der Autor identifiziert diese Kapitel als wichtige "Brückentexte", die redaktionell dazu dienen, die verschiedenen Überlieferungen des Jesajabuches miteinander zu verbinden.
Wie bewertet der Autor die sprachlichen Analysen?
Der Autor äußert sich kritisch und hält einige der sprachlichen Argumente für "übertrieben bemüht", da die entsprechenden Begriffe im Alten Testament teilweise sehr weit verbreitet sind.
- Arbeit zitieren
- Dietmar Böhmer (Autor:in), 2016, Die Autorität der Schrift. Grundfragen der Komposition des Jesaja-Buches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455046