Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910


Hausarbeit, 2018
19 Seiten

Leseprobe

1. Einleitung

2. Hintergründe und Einflüsse
2. 1. Politische Situation
2. 2. Frauenbilder
2. 3. Zwischen Verstand und Gefühl

3. Literatur
3. 1. Jung-Wien
3. 2. Einflüsse auf die Schriftsteller

4. Kunst
4. 1. Wiener Secession
4. 2. Expressionismus
4. 3. Architektur

5. Musik
5. 1. Neuartiger Stil
5. 2. Zwischen Tradition und Innovation

6. Fazit

Literaturverzeichnis und Internetquellen

1. Einleitung

„Die Wiener Moderne – das umfasst Hofmannsthal und Gustav Klimt genauso wie Altenberg und Adolf Loos; wie Bahr, Kraus oder Schnitzler; Joseph Kainz oder das Kaffeehaus; Skandale um Secession und Schönberg-Konzerte.“1 Gotthart Wunberg zeigt mit diesem Zitat wie umfassend die Wiener Moderne war.

Doch wie entstand diese Gruppe junger Autoren und Künstler? Wer waren die Personen, die sich „Jung-Wiener“ nannten und damit 1890 die Wiener Moderne einläuteten? Zuerst stellten sich die Jung-Wiener nicht als das dar, was sie später waren.2 Die Gruppe gab es zwar, aber den Namen prägten vor allem Arthur Schnitzler, der schon 1891 in seine Aufzeichnungen von Jung-Wien spricht, und Hermann Bahr, um den sich die Gruppe auch bildete.

Doch ist Hermann Bahr damit der Gründer der Jung-Wiener und somit auch Initiator der Wiener Moderne? Das man dies so nicht behaupten kann, darin sind sich mittlerweile alle Experten einig. Selbst Bahr beanspruchte das in seiner „Autobiographischen Skizze“ niemals.3 Er schrieb nur: „Meine Wochenschrift >>Die Zeit<< tat tüchtig mit, und ich hatte das Glück, Olbrich, Klimt und Mahler zu erleben.“4

Wenn jemand die Gründung Jung-Wiens für sich beanspruchen kann, dann ist es Eduard Michael Kafka, der Hauptherausgeber, der „Moderne[n] Dichtung“, deren erste Ausgabe am 1. Januar 1890 erschien. Mit diesem runden Datum wird üblicherweise der Beginn der Wiener Moderne assoziiert.5 Natürlich muss man im Zusammenhang mit diesem Zeitabschnitt auch noch andere Namen nennen. Trotz großer Vielseitigkeit kann man die Wiener Moderne in drei größere Bereiche einteilen: Literatur, Kunst und Musik. Doch was hat diese Epoche in diesen Bereichen und auch gesellschaftlich wirklich verändert oder revolutioniert?

2. Hintergründe und Einflüsse

2. 1. Politische Situation

Auch wenn der Zeitraum von 1890 bis 1910 auf den ersten Blick friedlich und harmonisch wirkt, so erkennt man doch beim genaueren Betrachten sehr viele politische Probleme, die letztendlich auch genau das förderten, was während der Wiener Moderne künstlerisch geschaffen wurde.

Antisemitismus, Diskriminierung der Frau und Nationalitätenkonflike bestimmten den Alltag vieler Menschen.1 Auch mit der politischen Situation in Österreich-Ungarn war ein Großteil der Bevölkerung nicht glücklich. Der Autor Robert Musil beschrieb es folgendermaßen: „Es nannte sich schriftlich Österreichisch-Ungarische Monarchie und ließ sich mündlich Österreich rufen […]. Vor dem Gesetz waren alle Bürger gleich, aber nicht alle waren eben Bürger. Man hatte ein Parlament, welches so gewaltigen Gebrauch von der Freiheit machte, da[ss] man es gewöhnlich geschlossen hielt. […] Solcher Geschehnisse gab es viele im Staat, und zu ihnen gehörten auch jene nationalen Kämpfe […].“2 Mit den nationalen Konflikten ist gemeint, dass zu jener Zeit kein wirklich einheitliches Reich existierte. Es bestand aus den zwei größeren, faktisch eigenständigen Staaten Österreich und Ungarn. Diese konnte man in sechs weitere Nationen aufteilen: Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ukraine, Serbien, Rumänien. Es gab zwölf anerkannte Sprachen und mehr als fünf Religionen.3 Dies alleine zeigt schon, wie gespalten das Land war, das eigentlich nur noch formal unter der Krone zusammen gehalten wurde.4

Selbst die Monarchie hatte in dieser Zeit große Schwierigkeiten das Vertrauen der Bürger nicht zu verlieren. Die innenpolitischen Probleme nahmen immer mehr zu und die Krone verlor immer mehr Einfluss. Als 1914 der Thronfolger Ferdinand und seine Frau bei einem Attentat starben, war damit der Untergang Österreich-Ungarns eigentlich schon besiegelt. Nach dem ersten Weltkrieg kam schließlich 1918 das offizielle Ende der Donaumonarchie.1

2. 2. Frauenbilder

Abgesehen von den Nationalitätenkonflikten gab es zu dieser Zeit viele weitere Probleme, zum Beispiel die Diskriminierung der Frauen. Bis zur Einführung des Frauenwahlrechts 19182 mussten Frauen immer wieder hinter der männlichen Bevölkerung zurückstehen.

Auch zur Zeit der Wiener Moderne änderte sich das Frauenbild in der Gesellschaft nicht. Der Psychologe Otto Weininger veröffentlichte 1903 sein Buch „Geschlecht und Charakter.3 In diesem findet man Aussagen wie: „Der tiefstehende Mann, steht […] also noch unendlich hoch über dem höchststehenden Weib […].“4 An diesem Zitat erkennt man schon, dass Frauen nicht respektiert wurden und deswegen als Künstler oder Literaten keine Chance hatten. So auch zum Beispiel Gustav Mahlers Frau, Alina Mahler-Werfel, die eine sehr gute Musikerin und wahrscheinlich auch leidenschaftliche Komponistin war. Allerdings wurde sie vom patriarchalischen Mahler stark unterdrückt: „Wie stellst du dir so ein komponierendes Ehepaar vor? Hast du eine Ahnung wie lächerlich [das] werden mu[ss]? […] Du hast von nun an den Beruf: mich glücklich zu machen!“5

So ging es aber auch vielen anderen Frauen, die ständig unterdrückt wurden und oft nicht frei entscheiden durften, wie sie ihr Leben gestalten sollten. Sie wurden als die „natürlich[en] Feind[e] des männlichen Ich[s]“, betrachtet und oft auf „sexuelle Geschöpfe“ reduziert.6

Es gab zwar Frauen, die die Fremdbestimmung durch ihre Männer nicht mehr hinnehmen wollten, allerdings wurden diese Frauen zu jener Zeit ausgegrenzt und nicht respektiert. Wegen dieser Gründe waren alle Hauptakteure der Wiener Moderne männlich. Die Emanzipation der Frau erfolgte erst später.

2. 3. Zwischen Verstand und Gefühl

„Das geistige und kulturelle Klima schwankte extrem zwischen Höhen und Tiefen, zwischen den Polen Fortschrittsglauben und Untergangsstimmung. […] Je weiter die Rationalisierung des Weltbildes voranschritt, desto vehementer artikulierten sich Sehnsüchte nach Irrationalem.“1 So muss die Stimmung im Österreich der Wiener Moderne gewesen sein.

Man war fasziniert von den neuen Möglichkeiten, die sich durch die Industrialisierung eröffneten. Durch relativen Wohlstand und eine längere Friedensperiode konnte man ungetrübt einen Blick auf die Probleme der Gesellschaft werfen. Soziale Ungerechtigkeiten und die Nationalitätenfrage beschäftigten die Menschen.

Aus diesen Gründen und wegen der Unzufriedenheit mit der Monarchie, der repressiven Haltung der Kirche und einem breiten Antisemitismus,2 fanden sich junge Künstler, Literaten und Musiker zusammen, die genug vom wahrheitsdarstellenden Realismus und Naturalismus hatten.3 Sie wollten nicht mehr an die Realität gefesselt sein, sondern ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Sie wollten neue Kunst machen.

3. Literatur

3. 1. Jung-Wien

Mehr noch als in den anderen Kunstformen traten beinahe alle großen Literaten der Wiener Moderne als eine Gruppe auf, die den Namen Jung-Wien oder Junges Österreich trug. Schnitzler, Beer-Hoffmann, Salten, Hofmannsthal, Dörmann und Vanjung, um nur die bekanntesten Namen zu nennen, waren alle Mitglieder dieser Gruppierung.4 Der Treffpunkt der jungen Wiener war das Café Griensteidl, weswegen die Werke jener Autoren auch als Kaffeehausliteratur bezeichnet werden. Das Besondere an dieser Vereinigung junger Autoren war die Tatsache, dass alle ihren eigenen Stil hatten und es keineswegs einen einheitlichen Standard gab. Jung-Wien war die wohl individuellste Gruppierung zur Zeit der Wiener Moderne.

Das wohl bekannteste Mitglied war, sowohl zu Lebzeiten als auch danach, Arthur Schnitzler. Seine Werke, zum Beispiel das 1893 erschienene Theaterstück „Anatol“ oder die Novelle „Leutnant Gustl“ von 1900 handeln fast alle um die Jahrhundertwende. Sie sind ein Spiegelbild der damaligen Gesellschaft, in denen der Autor nicht davor scheute Antisemitismus und andere Probleme anzuprangern.1 Auch die Motive, die er verwendete, sind oft die gleichen. „Die Liebe und der Tod - kaum ein zweiter Schriftsteller hat diesem Themenkreis eine derartige Bedeutung zugemessen wie der Dichterarzt[…].“2 Sein Weltbild war sehr ironisch, aber auch melancholisch bestimmt. Für Schnitzler war es ein Weg sich selbst als Künstler auszudrücken.

Im Gegensatz zu Schnitzler war der 1892 erst 18-jährige Hugo von Hofmannstahl der festen Überzeugung, dass die Kraft der Literatur in die Politik einwirken und gesellschaftliche Missstände verändern und zum Besseren wenden könne.3 Hofmannsthal sah sich selbst als einen Erben der barocken Theatertradition. Durch seine Detailverliebtheit und immer wiederkehrenden Motive, wie Treue, Bewahren und Leugnen von Veränderungen, erschafft er ein Erstarren in seiner Kunst.4 Er war der Meinung, dass der Höhepunkt schon da gewesen wäre und man diesen am Leben erhalten müsse.5 Das bekannteste Werk Hofmannsthal ist das 1911 uraufgeführte Theaterstück „Jedermann“. In diesem wird der Protagonist mit dem Tod konfrontiert und stellt dadurch seinen Lebenswandel in Frage. Es ist eine Rückbesinnung auf das mittelalterliche Mysterienspiel.

[...]


1 Wunberg, Gotthart (Hrsg.): Die Wiener Moderne. Literatur Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910, Stuttgart 1981, Seite 11

2 Vgl. Wunberg, Gotthart (Hrsg.): Die Wiener Moderne. Literatur Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910, Stuttgart 1981, Seite 13

3 Vgl. Bahr, Hermann: Das Hermann Bahr Buch, Barsinghausen 2012

4 Bahr, Hermann: Das Hermann Bahr Buch, Barsinghausen 2012, Seite 17

5 Vgl. Wunberg, Gotthart (Hrsg.): Die Wiener Moderne. Literatur Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910, Stuttgart 1981, Seite 15

6 Vgl. Ackerl, Isabella: Wiener Moderne 1890 – 1910, Wien 1999, Seite 6-8

7 Lorenz, Dagmar: Wiener Moderne, Stuttgart 2007, Seite 13

8 Vgl. Lorenz, Dagmar: Wiener Moderne, Stuttgart 2007, Seite 14

9 Vgl. Mutschlechner, Martin: Die Doppelmonarchie. Zwei Staaten in einem Reich, http://ww1.habsburger.net/de/kapitel/die-doppelmonarchie-zwei-staaten-einem-reich[05.02.2018]

10 Vgl. Pöhlmann, Markus: Der Krieg führte zum Zerfall, Wissenschaft, https://www.wissenschaft.de/magazin/weitere-themen/der-krieg-fuehrte-zum-zerfall/ [04.02.2018]

11 Vgl. Bader-Zaar, Brigitta: Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich, Demokratiezentrum, http://www.demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/bader-zaar_frauenwahlrecht.pdf [03.02.2018]

12 Vgl. Ackerl, Isabella: Wiener Moderne 1890 – 1910, Wien 1999,Seite 13

13 Weininger, Otto: Geschlecht und Charakter: Eine prinzipielle Untersuchung, Wien 1920, Seite 335/336

14 Ackerl, Isabella: Wiener Moderne 1890 – 1910, Wien 1999, Seite 19

15 Vgl. Ackerl, Isabella: Wiener Moderne 1890 – 1910, Wien 1999, Seite 20

16 Ackerl, Isabella: Wiener Moderne 1890 – 1910, Wien 1999, Seite 6

17 Vgl. Ackerl, Isabella: Wiener Moderne 1890 – 1910, Wien 1999, Seite 8

18 Vgl. Wunberg, Gotthart (Hrsg.): Die Wiener Moderne. Literatur Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910, Stuttgart 1981, Seite 187

19 Vgl. Lorenz, Dagmar: Wiener Moderne, Stuttgart 2007, Seite 91

20 Vgl. Ackerl, Isabella: Wiener Moderne 1890 – 1910, Wien 1999,Seite 31

21 Weinzierl, Ulrich: Die Angst des Arthur Schnitzler vor dem Ehebett, Welt, https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article106312598/Die-Angst-des-Arthur-Schnitzler-vor-dem-Ehebett.html [13.03.2018]

22 Vgl. Tomandl, Babara: Die Bildung in der Gesellschaft der Wiener Moderne. Institutionen, Ideen und Zielsetzungen, Wien 2008, Seite 43

23 Vgl. Ackerl, Isabella: Wiener Moderne 1890 – 1910, Wien 1999,Seite 31

24 Vgl. Jäger, Lorenz: Blätter, die der Wind verweht, Frankfurter Allgemeine, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/hugo-von-hofmannsthal-saemtliche-werke-bibliothek-blaetter-die-der-wind-verweht-11709733.html [14.03.2018]

25 Geni, https://www.geni.com/people/Arthur-Schnitzler/6000000007014044143 [14.03.2018]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V455085
ISBN (eBook)
9783668864788
ISBN (Buch)
9783668864795
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wiener, moderne, literatur, kunst, musik
Arbeit zitieren
Niklas Metzler (Autor), 2018, Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455085

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