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Die Homosexualitätsdiskussion in und um den deutschen Wandervogel

Title: Die Homosexualitätsdiskussion in und um den deutschen Wandervogel

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: David Ronneburg (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem ‘Wandervogel’, der ersten, durch das kreative und selbstverantwortliche Streben der Jugend Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Bewegung. Schon allein die Novität dieser Erscheinung im Vergleich zur staatlich gelenkten Jugendpflege und ihren Institutionen wäre Grund genug, sich diesem Thema zu widmen. Im Folgenden soll der ‘Wandervogel’ jedoch unter einem ausgewählten Gesichtspunkt, namentlich seiner Involviertheit in die ‘Inversionsdiskussion’ der 1920er Jahre betrachtet werden. Zum Teil waren Wandervogelmitglieder wie Hans Blüher aktive Mitgestalter dieses Diskurses, zum anderen geriet der Bund durch die Natur seines Aufbaus und die Publikationen Blühers in den Verdacht, Rekrutierungsorgan älterer Homosexueller zu sein. Einschätzungen wie etwa die Kröhnkes, im Wandervogel wären "erstmals in der Neuzeit Homosexuelle selbstbewußt und mit ersten Ansätzen zum Bekenntnis der eigenen Liebe und mit Stolz auf sie hervor[ge]treten" müssen kritisch betrachtet werden. Zur Homosexualität als geschlechtlicher Handlung gibt es im Wandervogel nur in äußerst wenigen Fällen verläßliches und aussagekräftiges Beweismaterial. Das mag dem gesellschaftlichen Klima bzw. der weitgehenden Tabuisierung der Homosexualität im frühen 20. Jahrhundert geschuldet sein oder am schlichten Fehlen des Tatbestandes liegen. Von einem ′selbstbewußten Bekenntnis zur Homosexualität′ kann nur in Einzelfällen die Rede sein. Ein Problem der Literatur, die den Wandervogel als eine Homosexuellenbewegung sieht, scheint in diesem Zusammenhang ein häufig ungenauer Umgang mit der Terminologie zu sein. So werden Homosexualität und Homoerotik selten bzw. inkonsequent voneinander geschieden oder gar synonym gebraucht - ähnlich wie dies in der Auseinandersetzung der zeitgenössischen Printmedien mit dem Wandervogel teilweise geschah.
Diese Arbeit versucht deshalb vielmehr der Frage nachzugehen, warum ausgerechnet der ‘Wandervogel’ zu einem der Brennpunkte der Inversionsdebatte werden konnte und von welcher Qualität diese Debatte war. Um den Umfang dieser Arbeit nicht über ein akzeptables Maß hinaus auszudehnen, mußte die Darstellung der Entwicklung der Wandervogelbewegung sehr verkürzt erfolgen. Der daraus resultierenden Vereinfachung komplexer Sachverhalte wurde durch den Verweis auf weiterführende Literatur versucht entgegenzuwirken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Zum Thema

1.2. Zu den Quellen

1.3. Zum Thema in der Forschung

2. Der Wandervogel: Von der Gründung bis 1914

2.1. Anfänge der Bewegung

2.2. Der Wandervogel als ‘Päderastenclub’

2.2.1. Die Affäre Jansen

2.2.2. Homosexualität und gesellschaftliches Klima um 1900

2.2.3. Wandervogelbewegung als erotisches Phänomen

3. Wandervögel im Ersten Weltkrieg

4. Der Wandervogel in der Weimarer Republik

4.1. Entwicklung bis 1933

4.2. Wandervogel und Inversionsdiskussion

5. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern der „Wandervogel“ als Brennpunkt der „Inversionsdiskussion“ in der Weimarer Republik fungierte, wie es zur öffentlichen Verbindung des Bundes mit Homosexualität kam und welche Rolle die Thesen von Hans Blüher dabei spielten.

  • Entstehungsgeschichte und soziokulturelles Umfeld des frühen Wandervogels.
  • Die Affäre Jansen als Auslöser für den Homosexualitätsverdacht.
  • Theoretische Grundlagen der „Inversionsdiskussion“ durch Hans Blüher.
  • Politisierung und Radikalisierung in der Weimarer Zeit.
  • Geschlechterrollen und der Umgang mit dem „anderen“ Geschlecht in der Bewegung.

Auszug aus dem Buch

2.2.1. Die Affäre Jansen

Karl Fischers straffe hierarchische Organisation und besonders das Oberbachantentum bleiben im Wandervogel jedoch nicht unumstritten. Bald formiert sich eine Opposition, die, nach Auflösung des Wandervogel AfS, 1904 den ‘Wandervogel e.V. zu Steglitz bei Berlin’ gründet, mit einem siebenköpfigen Führerkollegium statt des Oberbachanten. Der neue Verein versteht sich als Elitebund und bescheidet sich mit Berlin als seinem Wirkungsfeld. Fischer hingegen bildet mit treuen Gefolgsleuten den ‘Alt-Wandervogel’ (AWV) und hält am Ausbau der Organisation fest. Schnell kommt es zur Gründung weiterer Ortsgruppen - vorallem in Großstädten, weil dort die oben angerissenen Probleme der Zeit stärker zu Tage treten. Durch die Schaffung des ‘Eltern- und Freundesrates’ (Eufrat) gelingt Fischer die Anbindung an die Erwachsenenwelt, was die gesellschaftliche Stellung des Vereins stärkt, bei gleichzeitiger Garantie der jugendlichen Autonomie in der Ausgestaltung des Wandervogellebens.

Als sich Fischer nach Abschluß seines Sinologiestudiums 1906 allmählich aus der Bewegung zurückzieht - 1907 geht er nach China - übergibt er die Leitung der Organisation an den Kaufmann Hermann Friese und den Rittergutsbesitzer Wilhelm Jansen (1866-1943). Der 42-jährige Jansen, 1905 zum AWV gestoßen, wird nach, von ihm und Friese betriebener, struktureller Umgestaltung und besonders der Lockerung der Aufnahmebedingungen und Verpflichtungen der Mitglieder zum Vorsitzenden des Eufrat und zu einer der einflußreichsten Persönlichkeiten im AWV. Es ist wohl nicht zuletzt auf diese Umgestaltungsarbeit zurückzuführen, daß die Bewegung schnell anwuchs. Die Zahl der Mitglieder stieg von etwa 1 500 im Jahre 1906 auf rund 35 000 im Jahre 1913.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Thematik, der Quellenlage und der Forschungsgeschichte zur Verstrickung des Wandervogels in die Inversionsdebatte.

2. Der Wandervogel: Von der Gründung bis 1914: Analyse der Ursprünge der Bewegung und der ersten Skandale, die den Bund in den Verdacht der Homosexualität brachten.

3. Wandervögel im Ersten Weltkrieg: Untersuchung der Auswirkungen des Krieges auf das Bundesleben und die fortlaufende Auseinandersetzung mit der Inversions-Thematik.

4. Der Wandervogel in der Weimarer Republik: Darstellung der Politisierung, des Einflusses völkischer Ideologien und der endgültigen Auflösung unter dem Druck des NS-Regimes.

5. Zusammenfassung und Fazit: Schlussfolgerung, dass die Inversion zwar intensiv diskutiert wurde, aber weniger für das Wesen der Jugendbewegung als solche entscheidend war als der gesellschaftliche Umbruch.

Schlüsselwörter

Wandervogel, Jugendbewegung, Inversionsdiskussion, Hans Blüher, Homosexualität, Weimarer Republik, Männerbund, Wilhelm Jansen, Reformpädagogik, Geschlechterrolle, völkische Bewegung, §175, Inversion, Emanzipation, Adoleszenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen der historischen deutschen Jugendbewegung (Wandervogel) und der zeitgenössischen Diskussion um Homosexualität und „Inversion“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Entstehung der Bewegung, die Rolle der Sexualitätsdebatte durch Vordenker wie Hans Blüher, die politische Radikalisierung in der Weimarer Ära und die soziokulturellen Hintergründe.

Was ist die Forschungsfrage?

Die Autorin geht der Frage nach, warum der „Wandervogel“ zu einem der Brennpunkte der Inversionsdebatte wurde und wie die Qualität dieser Debatte in der damaligen Gesellschaft einzuschätzen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die zeitgenössische Printmedien, Monographien, Briefe und wissenschaftliche Sekundärliteratur auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den Anfängen um 1900 über die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs bis hin zur Politisierung und dem Ende der bündischen Jugend 1933.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Wandervogel“, „Inversionsdiskussion“, „Männerbund“, „Hans Blüher“ und den „gesellschaftlichen Umbruch“ in der Weimarer Republik geprägt.

Warum war die Affäre Jansen von so großer Bedeutung?

Die Affäre Jansen war der erste Skandal, der den Wandervogel öffentlichkeitswirksam mit dem Vorwurf des „Päderastenclubs“ in Verbindung brachte und die interne Spaltung des Bundes forcierte.

Welche Rolle spielte die Theorie von Hans Blüher?

Blüher interpretierte die gleichgeschlechtliche erotische Anziehung als trieb-psychologische Grundlage des Wandervogels, was einerseits Befürworter fand, andererseits jedoch Munition für Kritiker und politische Gegner lieferte.

Wie endete der Wandervogel in der Weimarer Republik?

Infolge zunehmender Politisierung und der Machtergreifung der Nationalsozialisten lösten sich die verschiedenen Gruppen entweder selbst auf oder wurden verboten und teilweise aufgrund vermeintlicher „Homosexuellen-Umtriebe“ verfolgt.

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Details

Title
Die Homosexualitätsdiskussion in und um den deutschen Wandervogel
College
University of Leipzig  (Historisches Seminar)
Course
Die Jugendbewegung in der Weimarer Republik
Grade
1,3
Author
David Ronneburg (Author)
Publication Year
2002
Pages
29
Catalog Number
V45512
ISBN (eBook)
9783638429047
ISBN (Book)
9783638775328
Language
German
Tags
Homosexualitätsdiskussion Wandervogel Jugendbewegung Weimarer Republik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Ronneburg (Author), 2002, Die Homosexualitätsdiskussion in und um den deutschen Wandervogel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45512
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