In den Jahren zwischen 1460 und 1520 entstand eine Gruppe von Kompositionen, die als Trauermotetten bezeichnet werden. Hervorgehend aus der im 14. Jahrhundert aufkommenden Tradition der Komponistenmotetten standen die Trauermotetten im direkten Bezug zur Auslebung des christlichen Glaubens, speziell den Riten um die Kunst des Sterbens, der Ars moriendi. Die Werkgruppe steht im engen intertextuellen Zusammenhang untereinander und hat als ein wichtiges Charakteristikum die Eigenschaft der Imitation des Kompositionsstils verstorbener Komponisten.
Josquins Nymphes de bois ist eine dieser Trauermotette und wird in der Literatur als Schlüsselwerk für diese Untergattung bezeichnet. Im Folgenden soll eine historische Verortung der Trauermotetten stattfinden, eine genauere Definition gegeben und schließlich eine Werkanalyse von Nymphes de bois vorgestellt werden. Das Aufzeigen verschiedener Parallelen zwischen den Werken soll die Intertextualität der Trauermotetten verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ars moriendi
3. Trauermotetten
4. Nymphes de bois
4.1 Analyse
4.2 Intertextualität
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Trauermotette "Nymphes de bois" von Josquin de Prez im Kontext der Ars moriendi und analysiert ihre musikalische Struktur sowie die intertextuellen Verflechtungen innerhalb der Werkgruppe der Trauermotetten um 1500.
- Historische Einordnung der Ars moriendi im Mittelalter
- Definition und Besonderheiten der Trauermotette als musikalische Untergattung
- Detaillierte Werkanalyse von "Nymphes de bois" unter Berücksichtigung kompositorischer Grundideen
- Untersuchung der Intertextualität und musikalischen Zitate in der Trauermotetten-Tradition
Auszug aus dem Buch
4. Nymphes de bois
Im Jahre 1497, am 6. Februar, verstarb Johannes Ockeghem in Tours. Kurz nach seinem Tode, so mutmaßt Fallows, schrieb der Dichter und burgundische Hofchronist Jean Molinet zwei Gedichte zum Angedenken an Ockeghem: eines in lateinischer und eines in französischer Sprache. Welche Art der Verbindung zwischen Molinet und Ockeghem bestand, ist heute unklar. Erstaunlich ist auch, dass Molinet sich zum Zeitpunkt von Ockeghems Tod 800km von diesem entfernt bei Condé aufhielt. Dennoch ist er es, der die vier führenden Komponisten ihrer Zeit dazu aufruft, den „Verlust ihres Vaters“ zu betrauern: Es sind Josquin, zu dem Zeitpunkt vermutlich unter Louis XII. an dessen königlichen Hofkapelle tätig, Brumel, Kapellmeister an der Kirche Notre Dame in Paris, Pierre de la Rue (im Gedicht als Pirchon bezeichnet), tätig am burgundischen Hof, ab 1498 dort Kapellmeister, und Compère, Kapellmeister in Cambrai. Dieses Gedicht von Molinet ist es, welches Josquin zur Grundlage für seine Ockeghem gewidmete Trauermotette nimmt und Fallows datiert das Werk auf Anfang 1498.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Trauermotetten als eine musikalische Werkgruppe zwischen 1460 und 1520 vor, die im Zusammenhang mit der Ars moriendi steht und durch Imitation der Stile verstorbener Komponisten geprägt ist.
2. Ars moriendi: Dieses Kapitel erläutert die christlich geprägte Sterbekultur des Mittelalters, in der Rituale zur Verkürzung der Zeit im Fegefeuer eine zentrale Rolle spielten und Musik als integraler Bestandteil der Totenriten fungierte.
3. Trauermotetten: Die Analyse beschreibt die Abgrenzung der Trauermotetten von den Komponistenmotetten und beleuchtet das neue Standesbewusstsein sowie die kompositorische Praxis, persönliche Totenklage mit traditionellen liturgischen Elementen zu verbinden.
4. Nymphes de bois: Das Hauptkapitel widmet sich der konkreten Analyse von Josquins Schlüsselwerk, wobei sowohl die musikalischen Motive und Strukturprinzipien (Analyse) als auch die intertextuellen Bezüge zu anderen Trauermotetten ausführlich dargelegt werden.
Schlüsselwörter
Trauermotette, Josquin de Prez, Johannes Ockeghem, Nymphes de bois, Ars moriendi, Intertextualität, Kompositionstechnik, Musikalische Totenklage, Cantus firmus, Phrygischer Modus, Gematrie, Renaissance, Musikwissenschaft, Trauerritus, Werkanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und Bedeutung der Trauermotetten im ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhundert, mit einem besonderen Fokus auf Josquin de Prez' Komposition "Nymphes de bois".
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historische Sterbekultur (Ars moriendi), die musikalische Gattung der Trauermotette, die formale Werkanalyse sowie die intertextuellen Bezüge und Zitate innerhalb dieser Werkgruppe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Josquins Werk "Nymphes de bois" als Schlüsselwerk der Trauermotetten zu positionieren und aufzuzeigen, wie der Komponist einerseits Ockeghems Stil aufgreift und sich andererseits künstlerisch emanzipiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine musikalische Werkanalyse, eine historisch-kontextuelle Einordnung sowie eine vergleichende Untersuchung der Intertextualität und kompositorischer Zitate.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der formalen und motivischen Struktur von "Nymphes de bois" (Prima und Secunda Pars) sowie eine Untersuchung der intertextuellen Verbindungen, wie Cantus-firmus-Übernahmen und Gematrie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Trauermotette, Intertextualität, Ars moriendi, Josquin de Prez und kompositorische Imitation.
Welche Rolle spielt Johannes Ockeghem für das Werk von Josquin de Prez?
Ockeghem dient Josquin als kompositorisches Vorbild und Mentor, dessen Tod den Anlass für die Komposition von "Nymphes de bois" gab, in der Josquin Ockeghems Stil zitiert und weiterentwickelt.
Wie wird die "Augenmusik" im Zusammenhang mit diesem Werk interpretiert?
Die Verwendung komplett schwarzer Noten in der Notation wird als "Augenmusik" gedeutet, die visuell die Trauer und die Funktion des Werkes als Klagemusik unterstreicht.
Was besagt die Gematrie im Kontext des Werkes?
Die Gematrie wird als Methode angewandt, um Namen von Komponisten (wie Ockeghem) musikalisch zu verschlüsseln, etwa durch eine spezifische Anzahl an Noten in frei komponierten Abschnitten.
- Arbeit zitieren
- Fee O'Keeffe (Autor:in), 2017, Josquin de Prez‘ "Nymphes de bois" im Kontext der Trauermotetten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455149