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Anwendung der Interpretationsforschung an Schuberts "Frühlingstraum" aus der Winterreise op. 89

Titel: Anwendung der Interpretationsforschung an Schuberts "Frühlingstraum" aus der Winterreise op. 89

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 30 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Fee O'Keeffe (Autor:in)

Musik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Was ist Interpretationsforschung und welche Erkenntnisse lassen sich mit ihrer Hilfe über Musikstücke gewinnen?

Mit diesen zwei Frageansätzen lässt sich kurz und knapp der Inhalt der vorliegenden Arbeit umreißen: hier soll es darum gehen, den noch recht jungen Zweig der Musikwissenschaft "Interpretationsforschung" mit seinen Inhalten und Zielen kurz vorzustellen.
Im Anschluss daran soll Schuberts "Frühlingstraum" aus der Winterreise, op. 89, in Gestalt verschiedener Einspielungen untersucht werden, um einen praktischen Beitrag zur Interpretationsforschung zu leisten.

Anders als in den anderen Zweigen der schönen Künste ist in der Musik das „Werk“ schwer zu fassen. Es hat keinen Bestand in Form eines vom Künstler zum Beispiel selbst geschaffenen Bildes oder einer Statue. Was aber ist „das“ musikalische Werk? Die Interpretationsforschung operiert mit einem offenen Werkbegriff. Für sie besteht nicht „das“ musikalische Werk, erst recht nicht in Form seiner schriftlichen Codierung, des Notentextes. Stattdessen ist das Werk ein musikalisches, klingendes Erzeugnis mit hohem Facettenreichtum und ist hierin stets angewiesen auf seine vortragenden Interpreten.

Eben diese Angewiesenheit auf seine Interpreten setzt das Werk stets einer hohen Subjektivität aus. Denn jede Vortragsweise – mag sie gelungen sein oder nicht– ist nur eine von vielen Möglichkeiten, den Notentext zu decodieren und der Autorintention, also der Idee des Komponisten, nachzuspüren.

In diesem Spannungsfeld zwischen Autorintention und Interpretensubjektivität bewegt sich nun die Interpretationsforschung. Beides ist im hohen Maße abhängig voneinander „insofern eine kompositorische Autorintention ohne eine sie deutende Interpretensubjektivität tot bliebe“ – da das Werk nicht zum Erklingen käme und damit keinen Bestand hätte – „eine Interpretensubjektivität ohne Autorintention aber gegenstandlos“ – in anderen Worten, dass die Grenze des Facettenreichtums eines Werkes eingehalten werden muss.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitende Worte

2 Interpretationsforschung

3 Eine kurze Analyse

4 Die Einspielungen

4.1 Die Herangehensweise

4. 2 Die einzelnen Interpretationen

4.3 Die Interpretationen im Vergleich

5 Schlusswort

6 Anhang

6. 1 Frühlingstraum von Wilhelm Müller

6.2 Analyseübersicht

6.3 Einspielungen nach Jahr sortiert

6.4 Einspielungen nach Dauer sortiert

7 Diskographie

7.1 Bariton und Tenor

7.2 Sopran und Mezzosopran

8 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Feld der musikwissenschaftlichen Interpretationsforschung vorzustellen und durch eine vergleichende Untersuchung verschiedener Aufnahmen von Schuberts "Frühlingstraum" aus der Winterreise op. 89 einen praktischen Beitrag zu dieser Disziplin zu leisten. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche Interpreten durch ihre individuelle Gestaltung das musikalische Werk und seine Facetten realisieren.

  • Grundlagen und Ziele der Interpretationsforschung
  • Musikalische Analyse der Komposition "Frühlingstraum"
  • Vergleichende Analyse von 13 verschiedenen Einspielungen
  • Einfluss von Interpretationstraditionen und individuellen Künstleransätzen
  • Rolle des Klaviers und der Agogik im Interpretationsprozess

Auszug aus dem Buch

4. 2 Die einzelnen Interpretationen

Gerhaher trägt mit volltönender Stimme vor und wird durch Huber sensibel, doch geradezu gleichberechtigt am Klavier begleitet. Die Interpretation wird dadurch bestimmt, die unterschiedlichen Stimmungen der Strophen zu erkunden und auszudrücken. Die Einleitung und erste Strophe erscheinen lieblich, sanft und heiter, das Tempo ist beschwingt, aber nie eilig. Die Strophe tänzelt ohne besondere Höhepunkte dahin und vermittelt den Eindruck von Unbekümmertheit. Die Pause mit Fermate in Takt 14 macht eine klare Abgrenzung zwischen A und B deutlich, verharrt aber nicht lange.

B wirkt deutlich beschleunigt und heftig, in den Phrasen „es schrien die Raben vom Dach“ schon beinahe wütend. Einzelne Töne hierin, Takt 21 auf „schrie-“ und „Ra-“, sowie Takt 25 „Ra-“ werden stark akzentuiert, während sich die Lautstärke allgemein deutlich steigert, wobei die Singstimme hier den Dynamikvermerken der Klavierstimme folgt. Die Fermate über der Pause ist wieder deutlich, aber nicht verharrend.

Die Rückkehr ins Dur in C ist im Ausdruck völlig anders gelungen als in A. Ein gedämpfter, verhaltener Eindruck wird vermittelt, nur behutsam betont der Sänger einzelne Töne (Takt 30 „-schei-“, Takt 35 „Blät-“). Die Hörerwartung drängt geradezu ins Moll und als dieses in Takt 37 erreicht wird, verlangsamen die Interpreten das Tempo noch einmal. Die Stimme des Sängers decrescendiert auf der letzten Phrase. Melancholie bis hin zu leerer Hoffnungslosigkeit wird assoziiert. Innerhalb des einen Taktes 44 gelingt es dem Pianisten meisterlich aus der vorherigen Stimmung behutsam und doch bestimmt herauszuführen, sodass die wiederkehrende Unbeschwertheit in I1‘ überzeugt. Der Ausdruck in A‘ bleibt konsequenterweise wie in A. Wir werden wieder entführt in den zuvor beschriebenen Traum, als wäre nichts passiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitende Worte: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Erkenntnisgewinne durch Interpretationsforschung anhand Schuberts "Frühlingstraum".

2 Interpretationsforschung: Definition der Interpretationsforschung als musikwissenschaftlicher Disziplin im Spannungsfeld zwischen Autorintention und Interpretensubjektivität.

3 Eine kurze Analyse: Musiktheoretische Untersuchung der Struktur und Hauptmerkmale des Liedes "Frühlingstraum" als Grundlage für den Interpretationsvergleich.

4 Die Einspielungen: Methodische Erläuterung der Auswahl von 13 Einspielungen sowie deren detaillierte Analyse im Einzelvergleich und im Vergleich der Jahrgänge.

5 Schlusswort: Zusammenfassendes Fazit über die Bedeutung der Interpretensubjektivität und den Gewinn durch die Vielfalt musikalischer Interpretationen.

6 Anhang: Bereitstellung ergänzender Materialien wie dem Gedichttext, einer tabellarischen Analyseübersicht und statistischen Daten zu den Aufnahmen.

7 Diskographie: Auflistung der in der Arbeit behandelten Tonträger unterteilt nach Stimmlagen.

8 Literaturverzeichnis: Verzeichnis der herangezogenen wissenschaftlichen Literatur und Quellen.

Schlüsselwörter

Interpretationsforschung, Franz Schubert, Winterreise, Frühlingstraum, Musikwissenschaft, Interpretensubjektivität, Autorintention, Liedanalyse, Aufführungspraxis, Tonträger, Diskographie, Agogik, Dynamik, Interpretation, Einspielungen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Interpretationsforschung als jungem Zweig der Musikwissenschaft und wendet diese Methodik praktisch auf Schuberts Lied "Frühlingstraum" aus der Winterreise an.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Das Spannungsfeld zwischen dem notierten Werk (Autorintention) und der individuellen Gestaltung durch den Interpreten (Interpretensubjektivität) steht im Mittelpunkt.

Was ist die primäre Zielsetzung der Untersuchung?

Ziel ist es, die Vielseitigkeit musikalischer Interpretationen anhand von 13 verschiedenen Einspielungen aufzuzeigen und zu analysieren, wie Interpreten den "Frühlingstraum" musikalisch umsetzen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine musiktheoretische Analyse des Liedes durchgeführt, gefolgt von einer vergleichenden Interpretationsanalyse verschiedener historischer und aktueller Aufnahmen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil umfasst eine Analyse der Liedstruktur, die Vorstellung der ausgewählten Interpretationen sowie deren Vergleich hinsichtlich Jahrgängen, Künstlerpersönlichkeiten und Darstellungsdauern.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Interpretationsforschung, Werkbegriff, Subjektivität, Aufführungspraxis und historischer Kontext geprägt.

Wie unterscheidet sich die Herangehensweise von Fischer-Dieskau in seinen verschiedenen Aufnahmen?

Der Autor zeigt auf, wie Fischer-Dieskau über Jahrzehnte hinweg zwischen reduzierteren, eher objektiv orientierten Ansätzen und Phasen gesteigerter dramatischer Expressivität experimentierte.

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Interpretation?

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass es keine spezifisch "weibliche" oder "männliche" Interpretation gibt; alle Interpreten nutzen ähnliche musikalische Mittel für den Ausdruck der Stimmungen.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Anwendung der Interpretationsforschung an Schuberts "Frühlingstraum" aus der Winterreise op. 89
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Musikwissenschaftliches Institut)
Note
1,3
Autor
Fee O'Keeffe (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
30
Katalognummer
V455152
ISBN (eBook)
9783668877696
ISBN (Buch)
9783668877702
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anwendung interpretationsforschung schuberts frühlingstraum winterreise
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fee O'Keeffe (Autor:in), 2017, Anwendung der Interpretationsforschung an Schuberts "Frühlingstraum" aus der Winterreise op. 89, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455152
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Leseprobe aus  30  Seiten
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