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Die Enite-Konzeption im "Erec". Hartmann von Aue und Chrétien im Vergleich

Title: Die Enite-Konzeption im "Erec". Hartmann von Aue und Chrétien im Vergleich

Term Paper (Advanced seminar) , 2017 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marie Annette Laufer (Author)

Literature - Medieval Literature
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In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, die Entwicklung der Enite-Figur nah an dem Artusroman "Erec" Hartmanns von Aue nachzuzeichnen und dabei den Chrétienschen als Folie im Blick zu behalten. Ziel der Analyse wird sein, die wesentlichen Änderungen Hartmanns in Bezug auf die Enite-Figur zu erkennen und zu reflektieren, welche Effekte sie zeitigen, insbesondere bezüglich der Paarkonstellation.

Aus diesem Grund wird die Entwicklung der Figur vom gesellschaftlichen Aufstieg über die Krise bis hin zur endgültigen Rehabilitation nachgezeichnet. Den Abschluss bildet ein Blick auf die Entwicklung der ‚Stimme‘ Enites und ihre Funktion(en).Da der Fokus der vorliegenden Arbeit auf der Konzeption von Protagonistenidentitäten liegt, ist zu klären, auf welche Identitätskonzepte sinnvoll in historischen Texten rekurriert werden kann.

Der "Erec" Hartmanns von Aue gilt als der erste deutsche Artusroman und ist bis heute intensiv untersuchter Gegenstand der literaturwissenschaftlichen Forschung. Anlass zu den vorliegenden Überlegungen gab der Aufsatz Volker Mertens’ „Enide – Enite. Projektionen weiblicher Identität bei Chrétien und Hartmann“. Mertens interessiert, ob die weibliche Hauptfigur nur Mittlerin auf dem Weg der Identitätsfindung Erecs ist und dabei selbst statisch bleibt oder ob auch sie einen identitätsstiftenden Weg geht.

Ferner reflektiert er, welche unterschiedliche Rolle die Heldin in den beiden Romanen spielt, wie sich dieser Prozess bei Hartmann und bei Chrétien gestaltet und wo die Gründe für mögliche Unterschiede liegen könnten. Am Ende seiner Untersuchung gibt Mertens der Chrétienschen Enide deutlich den Vorzug, da er in ihr eine Entwicklung zu erkennen glaubt, die er der Hartmannschen Enite abspricht: So entwickele sich die Französin von einer stark erotisch fundierten Identität im ersten Handlungszyklus zu ihrer sozialen Identität als repräsentative Ehefrau an der Seite eines verantwortlichen Herrschers, auch wenn die Identitätsstiftung im konventionellen Rahmen Familie und Repräsentation verliefe.

Enite dagegen bliebe an die vorgegebene Identität statisch als von Anfang an reine, vollkommene Heldin gebunden und fungiere vornehmlich als „gesellschaftliche geforderte Beigabe“ – wenngleich sie in der Gesamtkonzeption des Romans von einem eher „utopischen Gesellschaftsentwurf“ getragen würde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzeption und Stellenwert der Enite-Figur im „Erec“ Hartmanns von Aue

2.1 Allianzverbindung

2.2 Krise

2.3 Apotheose

2.4 Fokus: Enites Stimme

3. Fazit

4. Literatur

4.1 Primärliteratur

4.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Konzeption der Enite-Figur in Hartmanns von Aue Artusroman „Erec“ unter Berücksichtigung der Identitätsbildung. Ziel ist es, die Unterschiede zur französischen Vorlage von Chrétien de Troyes aufzuzeigen und zu belegen, dass Enite nicht als statische Beigabe, sondern als aktive, ebenbürtige Partnerin und Mitgestalterin des idealen Herrscherpaares fungiert.

  • Identitätskonzepte und Subjektivierung in mittelalterlichen Texten
  • Die Entwicklung der Enite-Figur von der Allianzverbindung bis zur Apotheose
  • Der Zusammenhang zwischen Identität, Körperinszenierung und Status
  • Die Funktion der weiblichen Stimme als Handlungsmovens
  • Die Transformation von höfischen und christlichen Werten in der Paarbeziehung

Auszug aus dem Buch

2.3 Apotheose

Enite erhält in beiden Texten zwei Pferdegeschenke, die in „spiegelbildliche[r] Korrespondenz“ zu den abgeleisteten Pferdeknechtsdiensten stehen. Die Szenen befinden sich inhaltlich und strukturell an entscheidender Stelle, wobei die Pferde „als Symbol des Ritterstandes“ „Gradmesser des sozialen Status“ sind. Das erste Pferd ist bereits von exquisiter Schönheit, bei Hartmann strahlend weiß wie ein Hermelin, mit gelockter und dichter Mähne, stolzer Haltung, von sanftem und freundlichem Wesen und versehen mit einem Sattel aus rotem Gold (v. 1423–1453). In Erscheinung und Temperament ist es würdig, eine Dame wie Enite zu tragen. Es wird ihr vor der Einkleidung durch Ginover und der Hochzeit mit Erec übergeben und damit kurz vor ihrer offiziellen Integration in die höfische Artusgesellschaft. Das zweite Pferdegeschenk, ungleich erlesener als das erste, erhält die Heldin nach der Wiederherstellung der Minnegemeinschaft mit Erec. Bei Hartmann ist es ein Zauberpferd aus Zwergenbesitz (v. 7393–7425), das in seinen magischen Qualitäten der ursprünglichen Feennatur der Enide / Enite-Figur entspricht. Es räumt nicht nur dem Wunderbaren einer Anderswelt Platz ein, sondern dient, indem es „vom Autor Hartmann zumindest mit der Hälfte der ihm verfügbaren abendländischen Rhetorik- und Literaturgeschichte aufgezäumt wird“, der Ehrung einer Figur: Enite.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Forschungsprojekt vor, das die Enite-Konzeption bei Hartmann von Aue derjenigen bei Chrétien de Troyes gegenüberstellt und die Identitätsentwicklung der Protagonistin beleuchtet.

2. Konzeption und Stellenwert der Enite-Figur im „Erec“ Hartmanns von Aue: Dieses Hauptkapitel analysiert in vier Unterabschnitten die Entwicklung der Heldin von der ersten Begegnung (Allianzverbindung) über ihren Identitätsverlust (Krise) und die transzendente Aufwertung (Apotheose) bis hin zur Bedeutung ihrer kommunikativen Rolle (Stimme).

3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht Hartmanns Intention, Enite als aktive und dem Helden ebenbürtige Figur innerhalb einer harmonischen Trias von Individuum, Gesellschaft und Gott zu zeichnen.

4. Literatur: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primärquellen und die wissenschaftliche Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Erec, Hartmann von Aue, Enite, Identitätskonzeption, höfischer Roman, Minne, Ehegemeinschaft, Körperinszenierung, Identität, Apotheose, Stimme, Chrétien de Troyes, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Geschlechterrollen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung der weiblichen Hauptfigur Enite im deutschen Artusroman „Erec“ von Hartmann von Aue im Vergleich zur französischen Vorlage von Chrétien de Troyes.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen Konzepte der weiblichen Identität, die höfische Inszenierung des Körpers, die Entwicklung der Minnebeziehung sowie die Bedeutung der weiblichen Stimme und Handlungsfähigkeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit möchte nachweisen, dass Hartmann die Enite-Figur im Vergleich zur Vorlage aktiver und ebenbürtiger gestaltet hat und sie wesentlich zur Etablierung eines idealen, von Gott berufenen Herrscherpaares beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Es handelt sich um eine textnahe Analyse, die philologische Methoden mit kulturhistorischen Identitätsdiskursen (Inklusion vs. Exklusion) und narratologischen Ansätzen verbindet.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier inhaltliche Stufen: die Allianzverbindung, die existenzielle Krise des Paares, die Apotheose durch die Verleihung von Symbolwerten (Pferde) sowie die Funktion von Enites Stimme als Handlungsmovens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Erec, Enite, Identitätskonzeption, höfische Minne, Apotheose und die Rolle der Frau im Artusroman.

Warum ist das zweite Pferdegeschenk bei Hartmann so bedeutsam?

Es fungiert als „Zauberpferd“ und unterstreicht durch eine aufwendige Ekphrasis die sakrale und außerweltliche Aufwertung Enites, was ihre Rolle als ebenbürtige Partnerin Erecs festigt.

Welche Funktion hat die „Stimme“ Enites in Hartmanns Roman?

Enites Stimme dient nicht nur als Ausdruck ihres Innenlebens, sondern fungiert als entscheidendes Handlungsmovens, das Erec aus Krisen leitet und eine ideale akustische Kommunikation innerhalb der Ehe etabliert.

Warum wertet der Autor die „Klage-Szene“ als Grenzüberschreitung?

In der Klagemonolog-Szene bricht Enite durch maskuline Züge, Hadern mit Gott und Verzweiflung mit den gesellschaftlichen Konventionen des zeitgenössischen Weiblichkeitstopos.

Wie unterscheidet sich Hartmanns Schluss von der französischen Vorlage?

Während Chrétien primär ein weltliches Herrscherpaar zeichnet, fügt Hartmann eine überweltliche Dimension hinzu, in der die Herrschaft durch göttliche Gnade legitimiert und in eine christliche Werteordnung eingebettet wird.

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Details

Title
Die Enite-Konzeption im "Erec". Hartmann von Aue und Chrétien im Vergleich
College
LMU Munich  (Institut für Deutsche Philologie)
Course
"Erec" - Hartmann und Chrétien im Vergleich
Grade
1,0
Author
Marie Annette Laufer (Author)
Publication Year
2017
Pages
26
Catalog Number
V455182
ISBN (eBook)
9783668871274
ISBN (Book)
9783668871281
Language
German
Tags
Enite Erec Frauenfigur in der mittelhochdeutschen Literatur Eines Stimme Hartmann von Aue Chrétien de Troyes Erec et Enide Identitätskonzepte in historischen Texten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marie Annette Laufer (Author), 2017, Die Enite-Konzeption im "Erec". Hartmann von Aue und Chrétien im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455182
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