Montessori in der Kritik. Wissenschaftliche Grundlagen und Forschung zur Pädagogik nach Maria Montessori


Zusammenfassung, 2014

12 Seiten


Leseprobe

Montessori in der Kritik

Harald, Eichelberger: Handbuch zur Montessori Didaktik, Innsbruck 1999.

Orientierung und Grundgedanken

- didaktische Grundorientierung angelehnt an Rousseau, also Recht des Kindes auf freie Entwicklung und eigenständige Zielsetzung

Die sensible Phase

- Die eigentliche Entdeckung geht auf Hugo de Vries zurück.
- Besondere Empfänglichkeiten, die in der Entwicklung auftreten.

Sie sind von vorübergehender Dauer und dienem dem Lebewesen dazu, bestimmte Fähigkeiten zu erwerben. Sobald das geschehen ist, klingt die Empfänglichkeit wieder ab.

- Fundamentale Bedeutung für Selbst-Konstruktion
- Erzieherische Arbeit: Förderung von phasenspezifischen Sensibilitäten
- im Idealfall erreicht das Kind dann bei der Arbeit mit dem Material den Zustand der Polarisation der Aufmerksamkeit ( der eigentliche Reife- und Entwicklungsprozess)
- Sensibilität von 0-3 : Bewegung, Ordnung und Sprache
- Sensibilität von 3-6 : dominiert von Bewusstseinsentwicklung durch Aktivität an und in der Umgebung und den Errungenschaften im Zusammenhang mit der Sinnesentwicklung

unbewusster Schöpfer → bewusster Arbeiter

- Sensibilität von 7-12:

Bedürfnis aus seinem Bereich herauszukommen, den Aktionsbereich zu erweitern → soziale Beziehungen.

Übergang des kindlichen Geistes zur Abstraktion.

Entstehung eines moralischen Bewusstseins, das eng mit der Entwicklung des sozialen Bewusstseins verknüpft ist.

Freiarbeit

- allgemeines Erbe der Reformpädagogik
- freie Wahl der Arbeit

Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit des Kindes

Anbindung des Lernens an Erleben und Erfahren der Schüler

innerhalb einer didaktisch vorbereiteten Umgebung

- absorbierende Geist: individuelle geistige Kraft, die es dem Kind ermöglicht, aus der Umwelt die für die Entwicklung des Kindes wesentlichen und den sensiblen Phasen entsprechenden Impulse aufzunehmen und sich dadurch selbst zu bilden.

- Freiheit für Montessori:

Nicht mit sich-selbst-überlassen-sein gleichbedeutend.

Das Kind einfach freilassen, damit es tut, was es will, heißt nicht es frei machen.

Freiheit ist immer eine große, positive Errungenschaft, man kann sie nicht leicht erlangen.

Freiheit ist Aufbau, man muss sie aufrichten, sowohl in der Umwelt wie in sich selbst. Hierhin besteht die Aufgabe des Lehrers, die einzige Hilfe, die er dem Kind reichen kann.

Freiheit für eigene individuelle Entwicklung des Kindes und auch für die LehrerIn, dies bedarf für alle einer einsichtigen und annehmbaren pädagogischen Struktur. Das Ziel aller ihrer Erziehungsbemühungen ist die aktive Förderung kindlicher Selbstständigkeit in deren Entwicklung durch Gewährung von Freiheit und durch Selbststätigkeit.

Arbeit des Lehrers mit dem Kind

- jedes didaktische Material ist Teil innerhalb einer didaktischen Ordnung
- umfangreiche Kentniss des Materials und des Inhalts sehr wichtig, genauso richtige Darbietung
- zahlreiche Darbietungen, denn Kind kann Gebrauch der Materialien ja nicht erraten
- Kind findet in allen Gegenständen einen Lehrer
- Polarisation der Aufmerksamkeit
- so eine Phase darf niemals durch den Lehrer gestört werden (weder Korrektur, Lob noch Einmischungen)
- Beobachtung:
- eine der wesentlichen Aufgaben des Lehrers in der Freiarbeit neben der Hilfestellung
- am besten im Raum untertauchen: Platz wählen, von dem man aus alle Kinder sieht, kein Kinderkontakt

gleichzeitig immer präsent sein und gemeinsames Arbeiten anbieten

- Regeln der Freiarbeit:
- Material wieder aufräumen
- niemals andere Kinder bei der Arbeit stören
- anfangs arbeiten die Kinder ganz unterschiedlich, manche beobachten nur andere, andere können sich tagelang nicht für ein Material entscheiden

Kennenlernen der anderen Kinder hat anfangs oft Priorität

- “große Arbeit” als höchstes Niveau der Freiarbeit, nahezu die gesamte Feriarbeit wird dafür genutzt, Kinder zeichnen sich durch große Ausgeglichenheit, Disziplin und Selbstbeherrschung aus

Die vorbereitete Umgebung und das Entwicklungsmaterial

- mindestens drei Jahre Altersunterschied zwischen den Kindern
- V.U. muss so beschaffen sein, dass sie die Selbstständigkeit des Kindes fördert
- muss dem Entwicklungsstand entsprechen, den Interessen und der Sensibilität der Kinder
- klar gegliedert und überschaubar
- Aufforderungscharakter
- Freiheit eigene Wahl zu treffen
- Offenbarungscharakter für ein entdeckendes Lernen des Kindes
- Entwicklungsmaterial:
- hilft die intellektuellen, psychischen und motorischen Fähigkeiten zu entwickeln
- Materialien zur Förderung phasenspezifischer Sensibilitäten: Übungen des täglichen Lebens + Sinnesmaterial
- didaktische Materialien: Mathe, Sprache, kosmische Erziehung
- bei allen Materialien:
- Prinzip der Isolation der Schwierigkeit
- Ästhetik
- Selbstkontrolle
- v.U. als Ordnungsrahmen für die Arbeit der Kinder

pädagogische Struktur, die bei offenem Unterricht unbedingt nötig ist.

- Erzieherverhalten auch Teil der v.U.

Mittler zwischen Kind und Umgebung

- Bewegung als wichtiger Teil:
- Hälfte des Bodens des Klassenzimmers sollte frei sein
- Material in Regalen
- Wegfall der Stundeneinteilung
- kein Stundenplan und kein Klassenunterricht
- Didaktische Ordnung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kinder werden erst dann Verantwortung übernehmen, wenn wir ihnen die Freiheit dazu geben. Für alle Entwicklungen muss Freiheit dabei sein.

Didaktische Ordnung

- bei Montessori gibt es keine ausformulierte didaktische Theorie
- man kann nur versuchen die didaktischen Aspekte des Modells sichtbar zu machen
- Unterricht ist viel zu komplex um durch eine Theorie erhellt zu werden
- mehrere konkurrierende Entwürfe können sehr hilfreich sein im Gegensatz zu einer verordneten
- bei Montessori dagegen didaktische Leitfäden, die der exemplarischen Ordnung folgen

Aufbau soll dem Kind helfen es selbst zu tun, sie können selbst entdecken, experimentieren und forschen

- es gibt durchaus Regeln, die die Freiheit beschränken, zB. darf die Arbeit an den Satzgliedern erst dargeboten werden, wenn das Wissen um die Wortarten gefestigt ist
- im Normalfall geht der Arbeit mit neuem Material eine Darbietung voraus -> beeinflusst
- es gibt keine Freiheit ohne Disziplin, sie bilden eine harmonische Verbindung

Maria Montessori: Grundlagen meiner Pädagogik, Wiebelsheim 2011.

– Kind und Erwachsener als vollkommen verschiedene Wesen, Erziehung dient nur dem Erwachsenen, der sich das Kind formt
– die Pädagogik hat also Forderungen aufzustellen, die sich an den Erwachsenen richten
– Bescheidenheit und Geduld als Grundlage der Pädagogik
– Kind wird nicht geformt, sondern es formt sich selbst und der Erwachsene versucht es vor Störungen zu bewahren
– die Handlungen von Erwachsenen sollen oft nicht dem Kind helfen, sondern seine Aktivität unterdrücken
– es ist so einfach einem kleinen Kind die Handlungen des täglichen Lebens in langsamen Bewegungen vorzumachen und der Erfolg wird sein, dass das Kind im frühesten Alter allein isst, sich allein wäscht und ein glücklicher zufriedener Mensch wird
– Ein Kind muss seine eigene spontane Bewegung ausführen können, es kann nur aufpassen, denken, wenn es sich bewegt
– die Wiederholung der Beschäftigung findet sich bei jedem Kind, das unter richtigen Bedingungen lebt. Es hört auf, wenn die innere Befriedigung erreicht ist.

Kinder arbeiten also nicht zielbewusst und schnell, sondern alles ist nur Mittel zur Bildung seiner Persönlichkeit.

Zwei grundlegende Forderungen:

- Schaffen einer neuen Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen, eine Haltungsänderung der Erwachsenen.
- Es ist die schöpferische Mission eines Kindes, eine sittliche Persönlichkeit zu bilden, diese Mission muss geachtet und unterstützt werden. In der Seele eines jeden Mneschen spielt sich das Drama von Gut und Böse ab. Wird das Kind in seiner Entwicklung durch das Unverständnis des Erwachsenen gestört, so werden die Energien des Kindes, die göttliche Mittel zur Menscheitsbildung sein sollten zur Verteidigung gegen den Erwachsenen genutzt und führe zur Zerrissenheit der Persönlichkeit, zu Kampf statt Liebe.

Bei Problemen:

Kinder zu tadeln ist wie einen Fieberkranken vorzuwerfen, dass er Fieber hat.

Kinder entwickeln Störungen, weil den Erwachsenen jegliches Verständnis für sie fehlt. Man muss bei der Wurzel des Übel beginnen und das Kind in Lebensbedingungen bringen, die es ihm ermöglichen, seine Persönlichkeit wieder zum Normalen zurückzuführen. Jetzt sind wir Ärzte, erst wenn das Kind geheilt ist können wir wieder Erzieher sein. Man muss dem Kind die Reorganisation seiner Persönlichkeit ermöglichen.

Das geschieht durch eine vorbereitete Umgebung.

– Immer muss die Haltung des Lehrers die der Liebe bleiben.

Er muss passiv werden, damit das Kind aktiv werden kann.

Kritk an moderner Pädagogik:

man will kindliche Eigenschaften durch eine Art Freiheit oder spontane Äußerungen wecken. Aber durch alle Mittel, die man heite anwendet, stellt man dem Kinde nur neue Hindernisse entgegen und überwältigt es. Ein Kind kann sich nur äußern, wenn eine Position der Ruhe, Freiheit und Ungestörtheit gegeben ist, die nich durch Erwachsene beeinträchtigt wird.

Freiheit des Kindes:

ist dann erlangt, wenn das Kind sich seinen inneren Gesetzen nach, den Bedürfnissen seiner Entwicklung entsprechen entfalten kann. Es ist frei, wenn es von der erdrückenden Energie des Erwachsenen unabhängig geworden ist.

Mit der Selbstständigkeit wächst die Würde.

Inge Hansen-Scharberg: Reformpädagogik. Geschichte und Rezeption, Baltmannsweiler 2012.

- Herman NOHL und seine Schüler haben aus der Vielzahl von Reformen ein pädagogisches Programm destiliert 1933
- ansonsten begann die Auseinandersetzung erst in den 60ern
- es gibt mehrere Ansichten :
- OELKERS: Reformpädagogik ist primär eine Ansammlung pädagogischer Theorien und Motive, die Praxis beachtet er nicht (Bücherwissen)
- Ansatz der Historiographie: Realgeschichte der Reformpädagogik in der Weimareer Republik / Verhältnis von praktischer Schularbeit und reflektorischer Theoriebildung bei den Reformpädagogen

(Schulrealität)

- Beginn ganz unterschiedlich zwischen 1820 bis 1890 (Oelkers) und 1890 und 1920 (Scheibe)
- schon zu Beginn kommt es zu einer Vermischung von kindzentrierten pädagogischen Ideen und einer schülerorientierten pädagogischen Praxis
- Unter dem Sammelbegriff “Reformpädagogik” werden verschiedene institutionelle Versuche, Schulformen zusammengefasst, aber auch ein neues Denken über die Entwicklund und Persönlichkeit des Kindes

Dazu kommen neue Konzeptionen von Unterrichtsgestaltung

- dazu kommen Reformansätze aus der Arbeiter- und Frauenbewegung

Besonders bekannte Reformpädagogen:

- Maria Montessori (1870-1952)
- Berthold Otto (1859-1933) entwirft in seiner Berliner Privatschule ein differenziertes Modell des

Gesamtunterrichts, in dem SS und L Gesprächs- und Verkehrsformen miteinander praktizieren

- Georg Kerschensteiner (1854-1932) setzte in München neben seiner Konzeption des

Arbeitsunterrichts und der staatsbürgerlichen Erziehung eine gründliche Reform der VS und der

Berufsschule durch Schulgärten, Schulküche, Werkstätten)

- Rudolph Steiner (1851-1925) ästhetisch-rhytmische Erziehung und Ökonomie des Unterrichts

Periode des pädagogischen Diskurses in der Entstehungsphase von 1920-33:

- Litt 1927: Führen und Wachsenlassen – ist eine Erziehung denkbar, die sich in ihrem Verhältnis zum Zögling von dem einen wie dem anderen dieser Prinzipien zugleich leiten ließe?
- Nohl versuchte den diffusen Reformprozeß unter einen Hut zu bringen, er klassifizierte in verschiedene Bewegungen (Jugendbewegung, Volkshochschulbewegung, Kunsterziehungsbewegung...)

Seine Beschreibung prägt über lange Zeit die Auffassung von Reformpädagogik und will das verborgene System des Lebens, wie es sich in der reformpädagogischen Bewegung zeigt herausheben.

Nohl möchte etwas einheitliches wie ein Bildungsideal finden, wird sie aber nicht dinen aufgrund der Mehrseitigkeit des Reformprozesses

Bei Nohl dominieren Konzeptionen und Ideen, die pädagogische Praxis aber wird negiert.

SPANNUNG sei das Kennzeichen der Pädagogik der Gegenwart, nämlich die zwischen Autonomie und ihrer Eingebundenheit in das Kulturganze, also eine relative Autonomie

Damit vereinfach er alles zu stark, und überlässt das ganze Feld politischer Bildung den Politikern -> NSDAP

Peter Heitkämper: Neurologische Begründungen der Montessori Pädagogik, in: Reinhard Fischer, u.a. (Hrsg.): Montessori Pädagogik: aktuelle und internationale Entwicklungen, Münster 2005, S. 75-91

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Montessori in der Kritik. Wissenschaftliche Grundlagen und Forschung zur Pädagogik nach Maria Montessori
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V455261
ISBN (eBook)
9783668860094
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori, Reformpädagogik, Kritik, Neurologie
Arbeit zitieren
Franziska Wiesbeck (Autor), 2014, Montessori in der Kritik. Wissenschaftliche Grundlagen und Forschung zur Pädagogik nach Maria Montessori, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455261

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