Die Übertragung von ökonomisch geprägten Modelltheorien auf die pädagogische Praxis

Entscheidungsfindung als Relativierung von Ungewissheit


Hausarbeit, 2018

25 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Weiterbildungsberatung als pädagogische Praxis

3. Der ökonomische Ansatz
3.1. Der Aufbau ökonomischer Entscheidungsmodelle
3.2. Präskriptive Entscheidungsregeln unter Ungewissheit

4. Die Anwendung präskriptiver Entscheidungsmodelle zur Unterstützung von Individuen bei Weiterbildungsentscheidungsprozessen

5. Fazit / Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Unsere Sehnsucht nach Sicherheit wird von dem Eindruck bestärkt, heute alles berechnen und kontrollieren zu können, und daher auch zu müssen. Doch der Eindruck der Berechenbarkeit ist natürlich eine Illusion. Und je stärker und universeller diese Illusion herrscht, desto leichter lassen wir uns verunsichern, wenn sich etwas als unberechenbar erweist“ (Gaissmaier & Neth, 2016, S. 19).

Unsere Gesellschaft ist durch raschen Wandel geprägt. Personen, aber auch Organisationen sind mit „Unsicherheit, Unvorhersagbarkeit, Vieldeutigkeit und Paradoxien bei der Gestaltung der individuellen bzw. organisationalen Zukunft konfrontiert“ (Schiersmann & Thiel, 2012, S. 14). Betrachtet man das Feld „Entscheidungen unter Ungewissheit“ so wird schnell deutlich, dass dies durch eine Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen behandelt wird (vgl. Keiner, 2005, S. 155). So war auch zu vermuten, dass gerade diejenige Disziplin, deren Handlungsfeld von Unsicherheiten, Unvorhersagbarkeit und Ungewissheit geprägt ist, das Phänomen von „Entscheidungen unter Ungewissheit“ ausführlich behandelt. Die Rede ist an dieser Stelle von der Pädagogik und ihrer Bezugsdisziplin Erziehungswissenschaft. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die erziehungswissenschaftliche Behandlung des Themengebiets „Entscheidungen unter Ungewissheit“ oder gar „Umgang mit Ungewissheit“ fand bisher kaum statt. Keiner (2005) vermutet, dass die Erziehungswissenschaft „Ungewissheit“ nicht als Forschungsstand behandelt, „sondern als Kategorie in den Kern ihres disziplinären Entwurfs einbaut (vgl. ebd., 156).

Die fehlende Behandlung des Themas „Entscheidung unter Ungewissheit“ in den Erziehungswissenschaften wird innerhalb dieser Arbeit als Anlass begriffen, eine aus der Ökonomie stammende Entscheidungstheorie zu verwenden, die Weiterbildungsentscheidungsprozesse unter Ungewissheit strukturiert. Da in der Ökonomie weitestgehend davon ausgegangen wird/wurde, dass rationales Handeln am Grundsatz des Homo Oeconomicus (genauer in Kapitel 3) abgelesen werden müsste, konnte rationales Handeln unter Unsicherheit, bzw. Ungewissheit nicht möglich sein. Um dem Anspruch rationalen Handelns jedoch auch unter Ungewissheit gerecht werden zu können, formuliert die präskriptive Entscheidungstheorie (zum Unterschied deskriptiv, präskriptiv siehe Kapitel 3) Axiome (Annahmen), die den Grundstein rationalen Handelns in Ungewissheitssituationen legen. Das Grundmodell der präskriptiven Entscheidungstheorie wird hier zum einen als Reflexionshilfe bei Zielvorstellungen und zum anderen zur Objektivierung und Standardisierung des Beratungsprozesses vorgeschlagen.

An dieser Stelle sei zu betonen, dass die im Folgenden (Kapitel 4) ausgeführte Übertragung von Entscheidungsmodellen zur Unterstützung der Ratsuchenden innerhalb von Weiterbildungsentscheidungsprozessen, lediglich als Vorschlag zu interpretieren ist. Es wird daher kein Anspruch auf Vollständigkeit und fehlerlose Anwendbarkeit gestellt. Das Ziel dieser Anwendung einer Entscheidungstheorie auf die pädagogische Beratungspraxis und die Verdeutlichung dieses Vorhabens anhand eines ausgewählten Beispiels soll lediglich versuchen, eine gedankliche Verbindung zwischen Pädagogik und Ökonomie herzustellen.

So präsentiert Kapitel 2 grundlegende Aufgaben einer Weiterbildungsberatung und gibt Begründungen für einen in der heutigen Gesellschaft ansteigenden Beratungsanlass. Außerdem wird das Handlungsfeld der Weiterbildungsberatung beschrieben, welche den Ansatzpunkt für die in Kapitel 4 folgende Anwendung darstellt. Bevor jedoch eine Anwendung möglich ist, präsentiert Kapitel 3 zunächst den ökonomischen Ansatz unter Darlegung des Rationalitätsprinzips. Dieser Ansatz wird in Kapitel 3.1. anhand des Aufbaus ökonomischer Entscheidungsmodelle der Entscheidungstheorie verfeinert. Kapitel 3.2. präsentiert dann die aus der ökonomischen Theorie stammenden Entscheidungsregeln, die trotz ihrer Modellhaftigkeit und Reduziertheit, gerade dadurch den Gegenstand „Ungewissheit“ adäquat zu vereinfachen suchen.

Im Folgenden wird das generische Maskulinum verwendet, wenn beispielsweise von Ratsuchenden oder Beratern gesprochen wird. Dies bezieht sich gleichermaßen auf die männliche, sowie weibliche Form.

2. Weiterbildungsberatung als pädagogische Praxis

Weiterbildung kann als Investition in die eigene Bildung angesehen werden. Aufgrund der raschen Veränderungen des Beschäftigungssystems können sich jedoch diese Investitionen auch schnell zu Fehlinvestitionen entwickeln (Dobischat, 2004, S. 24). Daher bietet es sich an, diese Investition sinnvoll zu planen, denn vor dem Hintergrund exogener Restriktionen (bspw. Zeit, Geld), sollte man sich zunächst für diejenige Weiterbildung entscheiden, die den höchsten Nutzen erfüllen kann.

Die Aufgabe der Weiterbildungs- und Qualifizierungsberatung besteht im Wesentlichen darin, Bildungssuchende dabei zu unterstützen, rationale Entscheidungen bei der Auswahl passender Weiterbildungsangebote treffen zu können (vgl. Döring, 2012, S. 1). Dass sich diese Entscheidung als schwierig darstellt, hängt auch damit zusammen, dass die Auswahl der Weiterbildungsangebote unüberschaubar ist und nicht mehr genau bestimmt werden kann, für welche Weiterbildung sich am besten entschieden werden sollte (vgl. Gieseke, 2004, S. 145).

Der eigentliche Beratungsanlass ergibt sich nun aber im Wesentlichen daraus, dass keine Orientierung an normierten Bildungs- und Berufsverläufen mehr stattfinden kann. Schiersmann und Thiel (2012) nennen diese Entwicklung „Individualisierung von Bildungs- und Berufsverläufen“ (ebd., S. 20), welche auf den Veränderungsprozess der Gesellschaft zurückzuführen ist.

Bevor nun genauer auf Weiterbildungsberatung als solche eingegangen werden kann, sollte vorher beschrieben werden, weshalb Beratung als pädagogische Praxis angesehen wird und beispielsweise nicht als psychologische Praxis als Bestandteil einer Therapie. Beratung und Therapie haben gemeinsam, dass beide mit dem Leben zu tun haben und Menschen dabei helfen, Problemlösestrategien zu entwickeln (vgl. Knoll, 2008, S. 67). Worin die beiden lebensunterstützenden Handlungsformen sich jedoch unterscheiden, liegt in der Tiefe der Problembearbeitung (vgl. Schiersmann & Thiel, 2012/Knoll, 2008). Beratung unterstützt und berät, leitet an und fördert die Selbstorganisation. Die Person weist also Kompetenzen auf, ihren Alltag selbständig zu gestalten. Psychotherapie setzt dann an, wenn die „betreffenden Personen in der Bewältigung ihres Alltags nachhaltig eingeschränkt sind“ (Schiersmann & Thiel, 2012, S. 23).

Weiterbildungsberatung, als Teil der arbeitsweltbezogenen Beratung (vgl. Schiersmann & Thiel, 2012, S. 16), wird in personenbezogene und organisationsbezogene Beratung gegliedert. Ersteres besteht beispielsweise aus Bildungs- und Berufsberatung oder Supervision und Coaching mit Führungskräften. Außerdem werden hier auch Angebote zur Lern-, Laufbahn- und Kursauswahlberatung gemacht (vgl. Döring, 2012, S. 2). Organisationsbezogene Beratung kann Aspekte der Organisationsberatung im Sinne einer Prozessberatung in der Tradition der Organisationsentwicklung fokussieren, oder bietet eine Expertenberatung als Teil der Unternehmensberatung an (vgl. ebd.).

Professionelle Beratung ist bei Schiersmann und Thiel (2012) nicht losgelöst von dessen systemischem Kontext zu begreifen. So wird dies bereits in der Art der Definition deutlich. Demnach ergibt sich ein Beratungssystem aus zwei beteiligten Teilsystemen, und zwar aus dem des Ratsuchenden und dem des Beratenden (vgl. ebd., S. 17). Beide Instanzen nehmen mit all ihren persönlichkeitsdefinierenden Merkmalen und Prägungen an diesem Beratungsprozess teil. Dabei bringt der Ratsuchende, sowie der Beratende gleichermaßen Kompetenzen mit, die das Beratungssystem konstituieren (vgl. ebd.). Innerhalb dieses Prozesses wird zwischen Ratsuchendem und Beratendem eine Beziehung hergestellt die es ermöglicht, gemeinsam Ziele zu klären, die dafür vorhandenen Motive und benötigten Ressourcen auszumachen, um schließlich neben der Planung von Lösungswegen, diese auch umzusetzen (vgl. ebd., S. 19).

Implizit wurde nun also dargestellt, wie ein Beratungsprozess gestaltet werden kann. Um jedoch auch explizit deutlich zu machen, was unter Beratung verstanden wird, erscheint es sinnvoll, durch Aufschlüsselung des Begriffs, die unterschiedlichen Handlungsformen der pädagogischen Beratung auszuführen. Wie zuvor bereits in Kürze angeschnitten, kann zwischen informieren, anleiten und beraten unterschieden werden (vgl. Knoll, 2008, S. 20). Der Ratsuchende erhält während des Beratungsprozesses beispielsweise Informationen über mögliche Lernangebote, Lerntechniken oder bestimmte Fördermöglichkeiten. Eine Anleitung findet dann statt, wenn eine schon vordefinierte Problemlösung vorgeschlagen wird, die den Handlungsablauf und die Qualität des Ergebnisses bereits vorgibt. Beraten wird eine Person, wenn eine Intervention als Hilfe stattfindet, und der Betroffene mithilfe von Selbstreflexion eigene Zielvorstellungen und Entscheidungen formuliert. In dem beraterischen Alltag können sich diese Handlungsformen gegenseitig abwechseln oder auch ineinander übergehen (vgl. ebd.).

Folgendes Kapitel legt nun aus, wie die Ökonomie menschliches Entscheidungsverhalten beschreibt und definiert. Beginnend mit einer Darlegung des allgemeinen ökonomischen Verständnisses, welches auf das Rationalitätsprinzip zurückzuführen ist (Kapitel 3), folgt zunächst eine allgemeine Beschreibung von Entscheidungstheorien aus der Ökonomie (Kapitel 3.1.). In Kapitel 3.2. folgt dann die Spezifizierung der Entscheidungsregeln unter Ungewissheit, die vornehmlich in der präsktiptiven Entscheidungstheorie angeboten werden, um Entscheidungsprobleme lösen zu können.

3. Der ökonomische Ansatz

Grundlegend für die ökonomische Theorie ist der überaus komplexe Mechanismus der Preise und der Produktion, und damit verbunden, das Erzielen und Ausgeben von Einkommen (vgl. von Neumann & Morgenstern, 1973, S. 8). Prinzipiell notwendig für die Erforschung dieses Zusammenwirkens ist ein Zugang über die Analyse des Verhaltens von Menschen, die eine ökonomische Gemeinschaft darstellen. Um überhaupt in der Lage zu sein, dieses komplexe System zu durchschauen, wurde von zunächst einfachen Begründungen menschlichen Verhaltens ausgegangen.

Dem Unternehmer wird ein Streben nach Gewinnmaximierung, und dem Verbraucher ein Streben nach Nutzenmaximierung zugewiesen (vgl. ebd.). Dieses Verhalten ist dadurch zu „erklären“, dass ein Ungleichgewicht zwischen Bedürfnisbefriedigung und der zur Verfügung stehenden Befriedigungsmöglichkeiten herrscht. Ein sogenanntes Spannungsverhältnis zwischen zur Verfügung stehenden Gütern und den Bedürfnissen des Menschen sorgt dafür, dass eine Vielzahl von Wünschen (Bedürfnissen) um ihre Befriedigung konkurrieren (May, 2008, S. 6). Hieraus resultiert, dass der Bedürfnisträger Mensch eine Ordnung der zur Verfügung stehenden (Wahl-)Möglichkeiten treffen muss. Das heißt, er entscheidet sich schließlich für diejenige Option, die aus seiner Sicht am günstigsten ist (vgl. ebd.).

Jedoch, und dies ist auf das unterschiedliche Leistungsvermögen des Menschen zurückzuführen, sollte Wirtschaften als ein individueller Aktionsprozess verstanden werden. Jeder Akteur entscheidet und handelt nach den für ihn zur Verfügung stehenden Informationen/Daten. Sind Informationen aus bestimmten Gründen nicht vorhanden, oder die Konsequenzen einer bestimmten Entscheidung sind dem Entscheidungsträger zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht bekannt, werden subjektive Entscheidungen getroffen, die aus objektiver Sicht möglicherweise falsch oder weniger optimal erscheinen mögen (vgl. May, 2008, S. 7).

Das ökonomische Prinzip des Wirtschaftens entstammt aus dem sogenannten Rationalprinzip, welches sich in zwei Handlungsmaximen ausdrücken lässt, der Maxime der Minimierungsaufgabe und der der Maximierungsaufgabe (vgl. May, 2008, S. 7). Die Minimierungsaufgabe besagt, dass ein angestrebter Erfolg mit einem Minimum an Aufwand (Mitteln) erreicht werden soll. Die Maximierungsaufgabe gibt vor, mit gegebenen Mitteln einen maximalen Erfolg zu erzielen. Werden beide Handlungsmaximen beachtet, so spricht man von rationalem Handeln (vgl. ebd.).

Doch so schnell scheint keine treffende Definition für das Phänomen der Rationalität gefunden zu sein (vgl. Gottwald, 1990, S. 18). In Übereinstimmung mit Gottwald (1990) und von Neumann und Morgenstern (1973) machen auch Diekmann und Voss (2004) deutlich, dass die Definition des Rationalitätsbegriffs zunächst aber ein schwieriges Unterfangen ist (vgl. ebd., S. 13). Allgemein machen sie die Definition von Rationalität aber von den Annahmen der jeweiligen Entscheidungstheorie abhängig (vgl. ebd.). Handelt eine Person in Übereinstimmung mit diesen sogenannten Annahmen (Axiomen), handelt er/sie rational.

Rationales Handeln in der Ökonomie wird oft mit dem Menschenbild des Homo Oeconomicus verknüpft (vgl. Welling, 2013, S. 10). Diesem Menschenbild wird zugrunde gelegt, immer zweckrational und nutzenmaximierend zu handeln, im Besitz vollständiger Informationen zu sein und sein Verhalten den Bedingungen des Umfelds anzupassen (vgl. von Holle, 2018, S. 9). Dabei wird davon ausgegangen, dass „das Streben aller an einem ökonomischen System Beteiligten, sowohl den Konsumenten wie der Unternehmer, auf Geld oder äquivalent dazu ein einziges monetäres Gut gerichtet ist“ (von Neumann & Morgenstern, 1973, S. 8). Zumindest aber gehen von Neumann und Morgenstern (1973) davon aus, dass sich Rationalität durch das Streben nach einer Art der Maximierung (Nutzen, Gewinn) kennzeichnen lässt (vgl. ebd., S. 9).

Im folgenden Kapitel wird entsprechend des Rationalprinzips nun zunächst der grundlegende Aufbau ökonomischer Entscheidungstheorien vorgestellt, um im Anschluss daran zu zeigen, wie mit Hilfe eines Entscheidungsmodells ein Entscheidungsproblem gelöst werden kann. Hierin soll auch deutlich werden, dass menschliches Verhalten entweder deduktiv aus Theorien, aber auch induktiv über empirische Daten gewonnen werden kann. Hieraus ergeben sich zwei gegenüberstehende Deutungsmuster in der Entscheidungsforschung, die voneinander unterschieden werden. Zum einen die deskriptive (beschreibende), und zum anderen die präskriptive (vorschreibende) Theorie, welche von einem gemeinsamen Entscheidungsmodell ausgehen, sich aber im Hinblick auf die Verwendung (Entscheidungsregel) unterscheiden.

3.1. Der Aufbau ökonomischer Entscheidungsmodelle

Die Entscheidungsforschung, und hier im speziellen die der Ökonomie, untersucht menschliches Verhalten in Entscheidungssituationen. Von besonderem Interesse ist hier der Aufbau präskriptiver Entscheidungstheorien und deren Problemlöseverfahren mit Hilfe von Entscheidungsmodellen bei Ungewissheit.

Die Entscheidungstheorie, als Bestandteil der Entscheidungsforschung, betrachtet alle Situationen, in denen Menschen (mehr oder weniger) überlegte Entscheidungen treffen. Diese Theorien werden auf unterschiedliche Art gewonnen. Hierbei handelt es sich um die deskriptive (beschreibende) und die präskriptive (vorschreibende) Theorie. Die deskriptive Entscheidungstheorie versucht reales menschliches Entscheidungsverhalten empirisch zu erfassen um dazu wertvolle Hypothesen formulieren zu können, die es ermöglichen, Entscheidungsverhalten zu prognostizieren (vgl. Laux et al., 2014, S. 4). Die präskriptive Entscheidungstheorie orientiert sich hingegen nicht an realem Verhalten, sondern möchte zeigen, „wie Entscheidungen ,rational’ getroffen werden“ (ebd.). Ihre Funktion liegt in der eines Ratgebers, der Hilfestellungen beim Problemlösen anbietet.

Je nach Gewinnungsmethode (deskriptiv, präskriptiv) ändert sich ebenfalls die Verwendung und die Funktion der Entscheidungsregel. Ein Beispiel aus der deskriptiven Entscheidungsregel unter Unsicherheit wäre die SEU-Theorie von Savage (1954) (vgl. Diekmann & Voss, 2004, S. 17) oder die Prospect-Theorie von Kahnemann und Tversky (1979) (vgl. Laux et al., 2014, S. 173). Die präskriptive Theorie unter Ungewissheit verwendet die Maximax- oder die Maximin-Regel, das Hurwicz-Prinzip etc., welche in Kapitel 3.2. näher erläutert werden.

Damit die präskriptive Entscheidungstheorie jedoch in der Lage ist Ratschläge erteilen zu können, sollte sich der Entscheidungsträger über seine persönlichen Zielvorstellungen im Klaren sein (vgl. Laux et al., 2014, S. 5). Mehrere Zielgrößen (Arbeitsklima, Gehalt, Aufstiegsmöglichkeiten) können in ihrer Wichtigkeit variieren. Je nach Gewichtung der einzelnen Zielgrößen hat dies Auswirkungen auf das Auswahlverhalten und die Bewertung von Alternativen im Entscheidungsprozess (vgl. ebd., S. 7). Für die Auswahl und Bewertung von Alternativen werden in der präskriptiven Theorie Annahmen (Axiome) formuliert. Diese Axiome stellen sogenannte Mindestkriterien einer rationalen Entscheidung dar, die der Entscheider erfüllen sollte. Mit dem Ordnungsaxiom wird vorgegeben, dass der Entscheider dazu in der Lage ist, Ergebnisse miteinander vergleichen zu können (vgl. Laux et al., 2014, S. 42). Das Transitivätsaxiom verlangt eine konsistente Wertvorstellung über die jeweiligen Alternativen. Wenn eine Person Handball besser findet als Fußball und Fußball besser ist als Basketball, dann ist davon auszugehen, dass Handball auch besser ist als Basketball. Ist dies der Fall, so ist das Transitivitätsaxiom erfüllt (vgl. ebd.). Eine widerspruchsfreie Rangordnung wird Präferenzordnung genannt (vgl. ebd., S. 35). Für eine Entscheidung soll es dann genügen, wird mit Hilfe der Präferenzfunktion (siehe hierzu Kapitel 3.2.) die beste Alternative bestimmt und ausgewählt.

Prinzipiell wird davon ausgegangen, dass sich für diejenige Alternative entschieden wird, die der Zielvorstellung am ehesten entspricht (vgl. Laux et al., 2014, S. 35). Ausgehend von diesen Zielvorstellungen unterstützt das Grundmodell der Entscheidungstheorie - bestehend aus einer Ergebnismatrix und einer Entscheidungsregel - bei Entscheidungsproblemen. Die Ergebnismatrix setzt sich zusammen aus den Variablen Handlungsalternative, Umweltzustand und Ergebnisraum, die folgend erläutert werden.

Ein Entscheidungsproblem ergibt sich dadurch, dass aus mehreren Handlungsalternativen (Alternativen) ausgewählt werden soll (vgl. Laux et al., 2014, S. 5). Zwei Alternativen müssen aber mindestens gegeben sein, damit es als Entscheidungsproblem gelten kann. Dabei kann sich beispielsweise für die Durchführung einer Maßnahme entschieden werden, oder es wird unterlassen. Der Entscheidungsträger hätte in solch einer Situation zwei Möglichkeiten (vgl. ebd.). Außerdem sind Alternativen dadurch gekennzeichnet, dass sie einander ausschließen. Sie sollten sich zumindest in der Art voneinander unterscheiden, dass ein Ziel mehr oder weniger gut erreicht wird (vgl. ebd.). Die Auswahl von Alternativen ist außerdem davon abhängig, inwieweit diese tatsächlich umsetzbar sind.

Ein Umweltzustand ist wiederum diejenige Variable, für die je nach Sicherheitsgrad die Eintrittswahrscheinlichkeit entweder bestimmt werden kann, oder offen bleibt. Das bedeutet, je sicherer das Eintreten eines Umweltzustands, bzw. die Konsequenzen einer Alternative sind, desto eher kann man Aussagen über die Eintrittswahrscheinlichkeit der Konsequenzen machen. Um in Situationen der Sicherheit oder auch Unsicherheit eine Entscheidungshilfe zu erhalten, werden in der Entscheidungstheorie Entscheidungsmodelle eingesetzt. Diese helfen dem Entscheidungsträger mit Hilfe von mathematischen Rechentechniken eine Entscheidung zu treffen (vgl. Laux et al., 2014, S. 19).

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Übertragung von ökonomisch geprägten Modelltheorien auf die pädagogische Praxis
Untertitel
Entscheidungsfindung als Relativierung von Ungewissheit
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V455328
ISBN (eBook)
9783668905214
ISBN (Buch)
9783668905221
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entscheidungstheorien unter Ungewissheit, Ökonomie, Pädagogisches Handeln
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Die Übertragung von ökonomisch geprägten Modelltheorien auf die pädagogische Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455328

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