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Das sehende Herz - Else Lasker Schülers frühe Dramenästhetik (an dem Schauspiel 'Die Wupper') zwischen Naturalismus und Expressionismus

Título: Das sehende Herz - Else Lasker Schülers frühe Dramenästhetik (an dem Schauspiel 'Die Wupper') zwischen Naturalismus und Expressionismus

Trabajo Escrito , 2001 , 20 Páginas , Calificación: sehr gut

Autor:in: Matthias Zimmermann (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Else Lasker Schüler gibt sich selbst das Stichwort: „Bange Jahre gegoren, floß die Wupper durch das Gewölbe meines Herzens aus dunkler Erinnerung gepreßt[...].“
Mit ihnen läßt sich zweierlei verdeutlichen: Einerseits zeigt sich – was viele Interpreten auch mit anderen Textpassagen zu beweisen versucht haben – daß vor allem die Umgebung und die Stimmung der „Wupper“ auf Erinnerungen aus Lasker-Schülers Kindheit und somit auf realen Vorgängen beruhen. Damit würde sich das Stück schon im Ansatz an den Naturalismus (oder Realismus) heranrücken lassen. Das Geschehen könnte als Darstellung „ein[es] Stück Natur durch ein Temperament“ interpretiert werden, wie Zola sein naturalistisches Kunstprogramm begründet. Doch andererseits führt „Die Wupper“ ELS zufolge „durch das Gewölbe meines Herzens“, was auf ein besonderes Charakteristikum ihres gesamten Werkes hinweist. Alle Biographen, allen voran Erika Klüsener, stellen fest, „dass die Dichtung ihr Leben schien und ihr Leben zur Dichtung geriet.“ Kaum eines ihrer eigenen Schriftstücke kann als verlässliche Quelle zur Beschreibung ihres Lebens herhalten und das ist in ihrem Fall mehr als nur ein Schachzug der Eitelkeit oder Scheue – es ist Programm. Wie sich das in besonderem Maße auf ihre Dramen, hier hauptsächlich „Die Wupper“, auswirkt und wohin es diese in den Wirrungen der vielstimmigen Strömungen während ihrer Entstehung führt, soll im folgenden, ersten Abschnitt untersucht werden. Ein Ärgernis, wie „Die Wupper“ eingangs genannt wurde, ist sie vor allem, weil sie mit traumwandlerischer Sicherheit jeden literarischen Kanon umschifft und sich von keiner Strömung vereinnahmen lässt. „Naturalismus, Symbolismus, Expressionismus und, erst jüngst von Horst Laube vorgebracht, Surrealismus – keiner der Begriffe deckt dieses eigenwillige Schauspiel als ganzes ab.“, schreibt Fritz Martini 1977.
Dennoch bedient es sich scheinbar typischer Mittel tradierter dramatischer Formen, ohne deren Ideologie zu vertreten. Dies wird im zweiten Teil gezeigt werden. „Die Wupper“ vertritt ein eigenes, unabhängiges Programm, denn grundsätzlich galt für ELS: „Ein Schauspiel ist ein Geschöpf, ein Geschöpf kann eine Welt sein [...].“

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Flucht ins „Innen“

Unter unbekannter Flagge - ein Stück für sich selbst

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die frühe Dramenästhetik von Else Lasker-Schüler, insbesondere an ihrem Schauspiel „Die Wupper“, und analysiert die Verortung des Werkes zwischen den literarischen Strömungen des Naturalismus und des Expressionismus. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Lasker-Schüler ihre eigene Biographie und Phantasiewelt in das dramatische Geschöpf integriert und sich dabei von zeitgenössischen Strömungen abgrenzt.

  • Die autobiographische Verwobenheit des Werkes von Else Lasker-Schüler.
  • Die Abgrenzung des Schauspiels „Die Wupper“ von naturalistischen und expressionistischen Konventionen.
  • Die Funktion der „poetischen Figur“ als Identitätskonstruktion der Autorin.
  • Die Analyse der dramaturgischen Mittel und der symbolischen Bedeutung des „Karussells“ und des „Herzens“.

Auszug aus dem Buch

Unter unbekannter Flagge - ein Stück für sich selbst

Der Naturalismus, der als letzte während ihrer Dauer vorherrschende literarische Epoche gelten kann, nimmt seinen Anfang etwa mit den Schriften der Brüder Hart um 1882 und findet, zum Teil von seinen eigenen Vertretern überwunden, um 1896 bereits sein Ende als bündelnde Strömung. Auch wenn Zola, der weitläufig als Begründer des Naturalismus in Europa gilt, diesen vor allem in seinen Romanen umsetzte, bemerkt doch Günther Mahal in seiner Monographie „Naturalismus“: „in einer Epoche, der es um die (zeitweilig sozial engagierte) Konfrontation des Publikums mit dem eigenen Alltag ging, mußte das Drama vorherrschen[...]“. Daher ist es wenig verwunderlich, daß auch der Form der dramatischen Werke viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde und eine große Anzahl von Sekundärtexten entstand, die sich eingehend der Frage widmeten, wie ein naturalistisches Drama zu sein habe.

Gerhart Hauptmann selbst hat sich in mehreren Artikeln zu einer naturalistischen Poetik bekannt. „In Fällen, wo wir das Leben der dramatischen Kunstform nicht anpassen können: - sollen wir nicht diese Kunstform dem Leben anpassen?“ Was hier im Chiasmus wirksam gekleidet daherkommt, beschreibt die naturalistische Maxime, eine „wissenschaftlich exakte Darstellung der Wirklichkeit“ zu erreichen. Wie kann dies das Ziel von ELS sein, die sich aus ihrem Leben in ihr Schreiben flüchtete, anstatt umgekehrt – wie es Hauptmann fordert – Texte den Stoffen gemäß zu verändern?

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Schauspiels „Die Wupper“ und verdeutlicht die enge Verbindung zwischen Lasker-Schülers Lebenserfahrungen und ihrer künstlerischen Ausdrucksweise.

Die Flucht ins „Innen“: Dieses Kapitel analysiert die Tendenz der Autorin, sich aus der realen Welt in eine selbst erschaffene poetische Identität zurückzuziehen und wie dieser Rückzug ihr literarisches Schaffen prägt.

Unter unbekannter Flagge - ein Stück für sich selbst: Hier wird die dramaturgische Einordnung von „Die Wupper“ vorgenommen, wobei das Werk sowohl gegen naturalistische als auch expressionistische Schablonen abgegrenzt und als eigenständiges ästhetisches Programm definiert wird.

Schlüsselwörter

Else Lasker-Schüler, Die Wupper, Naturalismus, Expressionismus, Dramenästhetik, Autobiographie, poetische Figur, Amadeus, Mutter Pius, Karussell, Identität, Theater, Werk-Biographie-Verbindung, Moderne, Literaturtheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das frühe dramatische Werk von Else Lasker-Schüler, mit einem besonderen Fokus auf dem Schauspiel „Die Wupper“, und analysiert dessen ästhetische Stellung in der Literaturgeschichte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen Leben und Werk der Autorin, ihre bewusste Abgrenzung von literarischen Epochen und die Konstruktion einer eigenen, poetischen Welt im Drama.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, das stark individuelle Dramenkonzept von Else Lasker-Schüler zu rekonstruieren und zu zeigen, dass „Die Wupper“ weder ein rein naturalistisches noch ein expressionistisches Werk ist, sondern ein eigenständiges „Geschöpf“ der Autorin.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text unter Einbeziehung von Sekundärliteratur, biographischen Selbstzeugnissen und dramaturgischen Aspekten untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Fluchtbewegungen der Autorin in eine innere Welt, die autobiographischen Wurzeln der Figuren in „Die Wupper“ sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung des Stückes in zeitgenössische Strömungen thematisiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Identitätskonstruktion, Grenzgang zwischen Naturalismus und Expressionismus, Autobiographik und Else Lasker-Schülers spezifische Ästhetik des „sehenden Herzens“ charakterisieren.

Warum wird Else Lasker-Schülers „Die Wupper“ als so schwer einzuordnen beschrieben?

Das Werk entzieht sich laut der Analyse literarischen Konventionen, da es einerseits naturalistische Milieuschilderungen nutzt, diese aber durch eine phantastische, fast diabolische Melodie und eine nicht-lineare, „karussellartige“ Struktur überlagert, die keinen zeitgenössischen Kanon bedient.

Welche Rolle spielt die Figur des Amadeus für das Verständnis des Stücks?

Amadeus dient als Bindeglied zwischen der Autorin und ihrem Werk; er trägt als „poetische Figur“ Züge der Dichterin, besitzt eine prophetische Gabe und verdeutlicht die Unfähigkeit des Einzelnen, an einer harten Realität heil zu bleiben.

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Detalles

Título
Das sehende Herz - Else Lasker Schülers frühe Dramenästhetik (an dem Schauspiel 'Die Wupper') zwischen Naturalismus und Expressionismus
Universidad
University of Potsdam  (Germanistisches Institut)
Curso
Leben & Werk der Else Lasker-Schüler
Calificación
sehr gut
Autor
Matthias Zimmermann (Autor)
Año de publicación
2001
Páginas
20
No. de catálogo
V45533
ISBN (Ebook)
9783638429221
ISBN (Libro)
9783640203567
Idioma
Alemán
Etiqueta
Herz Else Lasker Schülers Dramenästhetik Schauspiel Wupper Naturalismus Expressionismus Leben Werk Else Lasker-Schüler
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Matthias Zimmermann (Autor), 2001, Das sehende Herz - Else Lasker Schülers frühe Dramenästhetik (an dem Schauspiel 'Die Wupper') zwischen Naturalismus und Expressionismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45533
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