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Macht ohne Moral? Eine Untersuchung über die anthropologischen Vorannahmen des politischen Realismus H.J. Morgenthaus

Title: Macht ohne Moral? Eine Untersuchung über die anthropologischen Vorannahmen des politischen Realismus H.J. Morgenthaus

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stefan Dengel (Author)

Ethics
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Unabhängig von ihren jeweiligen Zielen besteht die augenfälligste Eigenart der aktuellen us- amerikanischen Außenpolitik besteht darin, ihre herausragende Machtposition kompromisslos zu demonstrieren, um sie auch in der Zukunft gegenüber jedem potentiellen Gegner behaupten zu können. Trotz ihrer ideologischen Aufladung entspricht sie aufgrund ihrer, in erster Linie am Machterhalt orientierten Politik einer Maxime der politischen Philosophie des (Neo-)realismus, die von H.J. Morgenthaus in seinem Hauptwerk „Politics Among Nations“ grundgelegt wurde. Eine ihrer bestechenden Grundannahmen besteht darin, dass sie bei der Analyse des politischen Lebens eine Anthropologie voraussetzt, die als einziges verlässliches Beurteilungskriterium das menschliche Streben nach Macht akzeptiert. Einer solch pointierten Zuspitzung widersprechen neben den Vertretern des Idealismus (z.B. O. Höffe) auch einige Exponenten des (politischen) Realismus (z.B. M. Weber, R. Niebuhr, E. Carr); Sie gehen davon aus, dass jede politische Theorie auch eine moralische Komponente als Korrektiv zum puren Machtstreben definieren und beinhalten muss.
Im Folgenden soll daher untersucht werden, ob die von Morgenthau und seinen Nachfolgern vorausgesetzte Trennung der Sphären von Macht und Moral und die damit verbundene Abstrahierbarkeit eines nur an Machtbehauptung interessierten homo politicus als grundlegendes Analyseparadigma einer realistischen Politikwissenschaft haltbar ist, oder ob es eine unzulängliche Reduktion darstellt, die zwangsläufig zu falschen politikwissenschaftlichen Analysen und politischen Handlungsmustern führen muss, weil sie gerade das Charakteristische des Menschen, das Korrelat von Macht und Moral, nicht erfassen kann.
Dazu sollen in einem ersten Schritt Morgenthaus Äußerungen zu den Bereichen der Politik, der Moral und ihrem Verhältnis zueinander dargestellt werden. Anschließend soll übergreifend geprüft werden, ob diese Annahmen einer realistischen Anthropologie und, darauf aufbauend einer realistischen Theorie (internationaler) Politik gerecht werden können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Annäherung an die Fragestellung

II. Gegenstandsbereich und Methode der Politikwissenschaft

III. Verhältnisbestimmung von Politik und Moral

IV. Eine realistische Verhältnisbestimmung?

V. Eine realistische Fundierung der politischen Theorie?

VI. Bewertung

VII. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die anthropologischen Vorannahmen des politischen Realismus nach Hans J. Morgenthau, insbesondere die strikte Trennung von Macht und Moral. Es wird hinterfragt, ob das Modell des homo politicus als Analyseparadigma haltbar ist oder ob es eine unzulängliche Reduktion darstellt, die das menschliche Handeln nur unzureichend erfasst.

  • Anthropologische Grundlagen des (Neo-)realismus
  • Methodologische Abgrenzung von Politik und Moral
  • Kritische Analyse des homo politicus im Vergleich zum homo oeconomicus
  • Die Rolle der Verantwortungsethik in der internationalen Politik
  • Überprüfung der realistischen Fundierung politischer Theorien

Auszug aus dem Buch

III. Verhältnisbestimmung von Politik und Moral

Wenn eine exakte Definition des grundlegenden Analyseparadigmas homo politicus nicht möglich ist, dann steht die angestrebte Verhältnisbestimmung von homo politicus und homo moralis schon von der politikwissenschaftlichen Seite aus gesehen auf schwachen Füßen. Es bleibt zu prüfen, ob aus der ethischen Perspektive heraus mehr Aufschlüsse gewonnen werden können.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Moral als einziger Nachbardisziplin hinsichtlich ihrer Verhältnisbestimmung zur Politik quantitativ betrachtet genauso viel Wert beigemessen wird. Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass diese Verhältnisbestimmung entweder ein besonders hohen Stellenwert hat, oder dass sie besonders schwer fällt. Neben der oben erwähnten, unzureichenden Entgegensetzung des vernuftlosen homo moralis und des rational, aber hemmungslos agierenden homo politicus finden sich an zwei anderen Stellen explizite Äußerungen zum Gegenstandsbereich der Moral im Hinblick auf eine Verhältnisbestimmung zur Politik:

„Gute Absichten schützen gegen eine Politik des schlechten Willens; sie bieten keine Gewähr dafür, dass die Politik, der sie zugrunde liegen, moralisch gut und politisch erfolgreich ist. (...) Es folgt daraus, dass die abstrakte Ethik nur die moralischen Eigenschaften eines Beweggrundes, die politische Theorie jedoch die politischen Qualitäten von Geist, Willen und Tat beurteilt. Eine realistische Theorie der internationalen Politik wird aber auch den anderen weit verbreiteten Fehler vermeiden, der darin besteht, die Außenpolitik eines Staatsmannes seinen philosophischen oder politischen Ansichten gleichzusetzen und das eine aus dem anderen abzuleiten.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Annäherung an die Fragestellung: Einführung in die Problematik der us-amerikanischen Außenpolitik und die theoretische Grundlage des (Neo-)realismus nach Morgenthau.

II. Gegenstandsbereich und Methode der Politikwissenschaft: Untersuchung der drei Grundpfeiler Macht, Interesse und Moral sowie des Konzepts des homo politicus.

III. Verhältnisbestimmung von Politik und Moral: Analyse der ethischen Perspektive und der expliziten Trennung von politischen und moralischen Sphären bei Morgenthau.

IV. Eine realistische Verhältnisbestimmung?: Diskussion alternativer Abgrenzungen und Einbeziehung von Webers Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik.

V. Eine realistische Fundierung der politischen Theorie?: Kritische Hinterfragung, ob das realistische Modell empirisch fundiert oder lediglich ein theoretisches Konstrukt ist.

VI. Bewertung: Zusammenfassendes Fazit über die Schwachstellen der anthropologischen Fundierung bei Morgenthau und die Bedeutung der Moral in der Politik.

VII. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Politischer Realismus, Hans J. Morgenthau, homo politicus, Macht, Moral, Internationale Politik, Anthropologie, Verhältnisbestimmung, Verantwortungsethik, Gesinnungsethik, Machtpolitik, Politische Theorie, Politische Ethik, Interessenpolitik, Staatliches Handeln.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert kritisch die anthropologischen Annahmen des politischen Realismus, wie sie von Hans J. Morgenthau in seinem Werk "Politics Among Nations" formuliert wurden.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Definition des homo politicus, die methodische Trennung von Macht und Moral sowie die Anwendbarkeit dieser Modelle auf die reale Außenpolitik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die bei Morgenthau vorausgesetzte strikte Trennung von Macht und Moral ein tragfähiges Analysemodell darstellt oder ob sie eine unzulässige Reduktion des menschlichen Verhaltens darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine theoretische Untersuchung, die durch die Analyse von Primärtexten Morgenthaus und den Vergleich mit anderen realistischen Theoretikern (wie E.H. Carr) sowie soziologischen Konzepten (Max Weber) methodisch fundiert wird.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Definition des Gegenstandsbereichs der Politikwissenschaft, die problematische Verhältnisbestimmung von Politik und Moral sowie die Frage nach der empirischen Belastbarkeit der realistischen Anthropologie.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Politischer Realismus, Machtstreben, moralische Hemmungen, homo politicus und das Spannungsfeld zwischen Ethik und politischem Kalkül.

Inwiefern spielt Max Weber eine Rolle für die Argumentation?

Der Autor greift auf Webers Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik zurück, um aufzuzeigen, wie eine realistischere und differenziertere Verhältnisbestimmung von Politik und Moral aussehen könnte.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf das Modell von Morgenthau?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Morgenthaus Anthropologie in vielen Punkten nicht überzeugt und sein Modell des homo politicus eher an seine Theorie angepasst zu sein scheint, als empirisch aus der menschlichen Natur abgeleitet zu sein.

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Details

Title
Macht ohne Moral? Eine Untersuchung über die anthropologischen Vorannahmen des politischen Realismus H.J. Morgenthaus
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg  (Institut für Theologie und Frieden)
Course
Politischer Realismus
Grade
1,0
Author
Stefan Dengel (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V45534
ISBN (eBook)
9783638429238
Language
German
Tags
Macht Moral Eine Untersuchung Vorannahmen Realismus Morgenthaus Politischer Realismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Dengel (Author), 2005, Macht ohne Moral? Eine Untersuchung über die anthropologischen Vorannahmen des politischen Realismus H.J. Morgenthaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45534
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