Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Suche nach einem philosophischen Idealstaat und dessen vergleichender Ausgestaltung bei Platon.
Bereits der Philosoph Platon formulierte Gedanken darüber aus, ob es einen idealen Staat gibt und wie er auszusehen hätte. Vom Idealismus inspiriert, schafft er es in der Politeia eine ideale Gesellschaft zu formulieren. Durch die Unmöglichkeit eines Staats unter Philosophenführung schafft er in den Nomoi eine vermeintlich zweitbeste Staatsform und Gesellschaftsform.
In dieser Hausarbeit werden diese Staatsformen und Gesellschaftsformen vorgestellt und anschließend miteinander verglichen. In einem letzten Schritt erfolgt zudem ein Vergleich mit dem Idealstaat des Aristoteles bevor ein abschließendes Fazit gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der philosophische Idealstaat in der Politeia
3. Der empirische Gesetzesstaat in den Nomoi
4. Die Unterschiede zwischen den Gesetzesstrukturen
5. Platon und Aristoteles – Ein Vergleich des besten Staates
6. Schlussbetrachtung
7. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die in Platons Werken "Politeia" und "Nomoi" entworfenen Staats- und Gesellschaftsmodelle detailliert vorzustellen und die Unterschiede in ihren Gesetzesstrukturen sowie ihrer praktischen Anwendbarkeit kritisch miteinander zu vergleichen, um deren Relevanz für das Verständnis von Staatsordnungen zu untersuchen.
- Analyse des idealistischen Philosophenstaates der Politeia.
- Untersuchung des empirisch orientierten Gesetzesstaates der Nomoi.
- Vergleichende Gegenüberstellung der jeweiligen Gesellschafts- und Machtstrukturen.
- Diskussion des Einflusses der Tugend (Arete) und der Rolle des Gesetzes.
- Vergleich der platonischen Ansätze mit den staatstheoretischen Überlegungen des Aristoteles.
Auszug aus dem Buch
3. Der empirische Gesetzesstaat in den Nomoi
Bei den Nomoi handelt es sich um eines von Platons Spätwerken. Es handelt sich hier ebenso wie in der Politeia um einen Dialog zwischen drei Männern: Zum einen Kleinias von Kreta, Megillos von Sparta, sowie ein Athener, dessen Identität nicht erklärt wird und der bis heute unbekannt ist. Die Gründung einer neuen Siedlung auf Kreta durch Kleinias, der zur gesellschaftlichen Führung seiner Heimatstadt Knossos angehört, wird zum Anlass genommen während einer gemeinsamen Wanderung ein neues bestes Staatsmodell zu entwerfen. Alle entscheidenden Ideen zur Staatstheorie kommen dabei von dem unbekannten Athener. Ziel soll eine Verfassung sein, bei der alle Bürger die in ihren Lebensumständen am meisten begünstigt sind. Dabei stehen die Tüchtigkeit sowie die Tugendhaftigkeit des einzelnen Bürgers im Vordergrund. Diesen Eigenschaften ist alles andere unterzuordnen.
So liegt der Hauptunterschied zur Politeia darin, dass sich die drei Diskussionsteilnehmer nicht mit idealen Paradigmen und Vorstellungen auseinandersetzen, sondern vor allem mit den realen empirischen und historischen Gegebenheiten. Platon weicht in diesem Fall jedoch nicht von seiner philosophischen Grundüberzeugung ab. Dieses Staatsmodell ist nur dem Umstand zu verdanken, dass es in der menschlichen Welt keineswegs immer ideale Verhältnisse gibt, welche einen Philosophenstaat zulassen. „Die politische Philosophie der „Nomoi“ ist weiterhin zu begreifen als der angestrengte Versuch, das Verhältnis von Wissen und Macht neu zu formulieren und im Sinne eines Ausgleichsmit der Freiheit definierter zu erfassen (Krämer 1966: 267).“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verknüpft aktuelle demokratische Herausforderungen in Deutschland mit der historischen Relevanz von Platons Staatstheorien.
2. Der philosophische Idealstaat in der Politeia: Dieses Kapitel erläutert die hierarchische Struktur des idealen Staates, der von Philosophenherrschern geleitet wird und auf der dreifachen Schichtung der Gesellschaft basiert.
3. Der empirische Gesetzesstaat in den Nomoi: Hier wird der Gesetzesstaat als zweitbeste Lösung Platons vorgestellt, der sich stärker an realen menschlichen Bedingungen und einer gemischten Verfassung orientiert.
4. Die Unterschiede zwischen den Gesetzesstrukturen: Dieses Kapitel arbeitet anhand von sechs zentralen Punkten die strukturellen Divergenzen zwischen den beiden Modellen heraus.
5. Platon und Aristoteles – Ein Vergleich des besten Staates: Der Vergleich beleuchtet die unterschiedlichen Ansätze beider Philosophen hinsichtlich Eigentumsrechten, Machtausübung und der Rolle des Einzelnen innerhalb der Gemeinschaft.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass keine Theorie ohne gesellschaftlichen Konsens voll umsetzbar ist und betont die Notwendigkeit, staatliche Systeme tiefgehend zu verstehen.
7. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Platon, Politeia, Nomoi, Idealstaat, Gesetzesstaat, Philosophenherrscher, Aristoteles, Staatsordnung, Polis, Gerechtigkeit, Arete, Tugendhaftigkeit, Gesellschaftsstruktur, Demokratie, Machtkontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Platons zwei bedeutende Staatstheorien aus der "Politeia" und den "Nomoi" und vergleicht sie hinsichtlich ihrer Struktur, Gesellschaftsordnung und Umsetzbarkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Philosophenherrschaft, die Funktion von Gesetzen, die Schichtung der Gesellschaft sowie die Bedeutung von Tugend und Macht in staatlichen Modellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen dem idealistischen Entwurf der "Politeia" und dem empirisch orientierten Gesetzesstaat der "Nomoi" klar herauszuarbeiten und deren Relevanz zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Text- und Theorieanalyse der Primärquellen von Platon unter Einbeziehung relevanter politikwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Modelle, die Analyse ihrer strukturellen Unterschiede sowie einen vergleichenden Blick auf die aristotelische Staatsphilosophie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Platon, Idealstaat, Gesetzesstaat, Polis, Philosophenherrschaft und die Unterscheidung zwischen Theorie und Praxis.
Wie unterscheidet sich der "Nächtliche Rat" in den Nomoi von der Philosophenherrschaft in der Politeia?
Der Nächtliche Rat besteht nicht nur aus Philosophen, sondern integriert auch Mitglieder der Verwaltung, was eine stärkere Verbindung zur pragmatischen Staatsführung und eine aristokratische Auswahlkomponente darstellt.
Warum betrachtet der Autor beide Entwürfe trotz ihrer Unterschiede als Utopien?
Beide Entwürfe setzen Bedingungen voraus, die in der realen menschlichen Welt aufgrund korrumpierbarer Macht und fehlender universeller Tugendhaftigkeit kaum dauerhaft realisierbar sind.
Welche Rolle spielt der Begriff "Arete" in beiden Staatstheorien?
Arete bezeichnet die Tüchtigkeit oder Tugendhaftigkeit eines Bürgers, die für Platon (und Aristoteles) die Grundlage für die Zuteilung von Aufgaben und Rängen innerhalb des Staates bildet.
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- Anonym (Author), 2017, Die Suche nach dem philosophischen Idealstaat. Die unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen in Platons "Politeia" und "Nomoi", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455377