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Die Krise der Darstellung. Untersuchung der unheimlichen Wirkung von Clemens J. Setz' "Indigo"

Titel: Die Krise der Darstellung. Untersuchung der unheimlichen Wirkung von Clemens J. Setz' "Indigo"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2015 , 27 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: David Steinort (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Hausarbeit untersucht das Phänomen des Unheimlichen in Clemens J. Setz' Roman und versucht seiner unheimlichen Wirkung auf die Spur zu kommen.

Als „dialog- und abwechslungsreich, amüsant und anekdotisch, aber auch brutal und abgründig“, in der Lektüre „nicht immer leicht, manchmal abschreckend, gelegentlich zum Verrücktlachen“, als „ein schrilles Vexierkabinett, vollgestopft mit Verweisen auf alles Abseitige und Grausame“ – so beschreiben Stimmen des Feuilletons Clemens J. Setz' 2012 erschienenen Roman Indigo. Die Kritik des Werkes bewegt sich dabei zwischen der Anerkennung des Buches als „unheimliches Meisterwerk“ und einer Charakterisierung als „Luftnummer“ und „Mumpitz“.

Durchgängig scheint jedoch die Beobachtung eines (angestrebten) Effekts beim Leser zu sein, der von Verwirrung bis zu Gefühlen des Schauderns reicht. So beschreibt beispielsweise Jens Jessens in seinem Artikel Kinder zum Kotzen eine „unheimliche[n] Expressivität“ des Textes, durch welche letztlich „der kognitive Prozess der Lektüre in eine physische Reaktion umschlägt“.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychoanalytische Deutung des Unheimlichen

2.1 Etymologische Untersuchung

2.2 Überprüfung und Ergebnis Freuds

3. Rezeption und Erweiterung des freudschen Ansatzes

3.1 Das Unheimliche als Struktur

3.2 Das Doppelgänger-Motiv

3.3 Exkurs: Das Groteske

4. Das Unheimliche in Indigo

4.1 Das Indigo-Syndrom

4.2 Das Doppelgänger-Motiv in Indigo

4.2.1 Diegetische Ebene

4.2.2 Ebene der Erzählstruktur

4.2.3 Metaisierende Selbstreflexivität

4.3 Die Krise der Darstellung

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht, inwiefern der Roman "Indigo" von Clemens J. Setz als ein "unheimliches" Werk klassifiziert werden kann und welche textuellen sowie strukturellen Elemente diese Wirkung erzeugen. Das primäre Ziel ist es, das Unheimliche nicht nur als subjektives Gefühl zu begreifen, sondern als eine objektive Struktur des Romans nachzuweisen, wobei insbesondere die metafiktionalen Anteile und das Doppelgänger-Motiv im Zentrum der Analyse stehen.

  • Analyse der psychoanalytischen Grundlagen des Unheimlichen nach Sigmund Freud.
  • Erweiterung des Begriffsverständnisses durch die Theorie der "Struktur des Unheimlichen" von Samuel Weber.
  • Untersuchung des Indigo-Syndroms als zentrales inhaltliches Motiv der Bedrohung.
  • Deutung der Doppelgänger-Strukturen und ihrer metafiktionalen Spiegelung im Text.
  • Erörterung der "Krise der Darstellung" als strukturelles Merkmal des Romans.

Auszug aus dem Buch

4.2.3 Metaisierende Selbstreflexivität

Wie schon durch die vorhergehenden Kapitel zu erahnen ist, erweist sich die Struktur des Romans als nicht ganz so einfach gestaltet. So sehr die bisher gesammelten Indizien auch eine klare Hierarchie der Erzählebenen nahelegen, gibt es doch einige Punkte, die einer solchen Anordnung widersprechen. Wo das zweimalige Aufeinandertreffen der beiden Hauptfiguren gegen Ende des Romans sich noch in ein hierarchisch klar angeordnetes Erzählebenensystem einordnen lässt, wird dies schwieriger in dem Moment, als Robert Clemens' Arbeitsmappen überreicht bekommt. Diese stellen eine Art Sammelsurium von Unterlagen aus dessen Recherche über das seltsame Verschwinden der Indigo-Kinder dar und viele Abschnitte des realen Buches sind mit dem Vermerk „[Rot karierte Mappe]“ oder „[Grüne Mappe]“ versehen. Robert behält die Mappen, verbrennt aber im letzten Kapitel deren Inhalt.

Bezieht man auch materielle Elemente des Buches mit in die Überlegung ein, so fällt auf, dass die Setz-Erzählung im gesamten Teil IV ausschließlich aus Seiten mit einem anderen Schriftbild besteht, die an Schreibmaschinenschrift erinnert. Diese Seiten sind alle mit dem Vermerk [Grüne Mappe] versehen. Hier steht die Frage der Urheberschaft im Raum und ob dieser Teil der Erzählung eine eigene diegetische Metaebene bildet oder sich auf derselben Ebene wie die Setz-Erzählung befindet.

Die Mappen, die auf allen, egal wie anzuordnenden Ebenen des Erzählens auftauchen, und die auffallenden Unterschiede der Materialität besitzen hier wieder ein starkes Moment von Selbstreflexivität, da sie zu Überlegungen und Zweifel über den Aufbau und die Strukturierung des Textes anregen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die kontroverse Rezeption des Romans "Indigo" und führt in die Fragestellung ein, wie eine unheimliche Wirkung in diesem komplexen Werk theoretisch begründet und nachgewiesen werden kann.

2. Psychoanalytische Deutung des Unheimlichen: Dieses Kapitel erläutert Freuds klassische Definition des Unheimlichen als Rückkehr des Altbekannten und stellt die etymologischen sowie psychologischen Grundlagen bereit.

3. Rezeption und Erweiterung des freudschen Ansatzes: Basierend auf Samuel Weber wird das Unheimliche als objektive literarische Struktur definiert, während zudem das Doppelgänger-Motiv und das Groteske zur Vorbereitung der Primärtextanalyse theoretisch aufgearbeitet werden.

4. Das Unheimliche in Indigo: Hier erfolgt die Anwendung der Theorie auf den Roman, wobei das Indigo-Syndrom, die Doppelgänger-Strukturen auf verschiedenen Ebenen und die metafiktionale Selbstreflexivität auf ihre unheimliche Wirkung hin untersucht werden.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die "Krise der Darstellung" und die strukturelle Überlagerung das Fundament der unheimlichen Wirkung in "Indigo" bilden, und weist auf weitere Anknüpfungspunkte in der Literatur hin.

Schlüsselwörter

Indigo, Unheimliches, Clemens J. Setz, Psychoanalyse, Doppelgänger, Metafiktionalität, Wahrnehmungskrise, Struktur des Unheimlichen, Samuel Weber, Indigo-Syndrom, Darstellungskrise, Literaturwissenschaft, Moderne, Erzählstruktur, Selbstreflexivität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Roman "Indigo" von Clemens J. Setz hinsichtlich seiner unheimlichen Wirkung auf den Leser und analysiert, wie diese durch strukturelle und inhaltliche Mittel erzeugt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die psychoanalytische Theorie des Unheimlichen, das Motiv des Doppelgängers, die Rolle der Metafiktionalität sowie das Phänomen der Wahrnehmungskrise im erzählten Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass das Unheimliche in "Indigo" keine rein subjektive Empfindung bleibt, sondern durch eine komplexe, objektive Erzählstruktur gezielt konstruiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die maßgeblich auf psychoanalytischen Theorien (Freud) und strukturalistischen Ansätzen (Weber) zur Untersuchung literarischer Texte basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe und eine anschließende detaillierte Analyse des Primärtexts "Indigo", wobei insbesondere die Kapitel zum Indigo-Syndrom und den Doppelgänger-Strukturen im Fokus stehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Unheimliches, Doppelgänger, Metafiktionalität, Wahrnehmungskrise und die Struktur des Unheimlichen nach Samuel Weber bestimmt.

Welche Rolle spielt das Indigo-Syndrom für die unheimliche Wirkung?

Es fungiert als zentrales, inhaltliches Motiv, das kindliche Urängste und das Tabu der Bedrohung durch schutzbedürftige Wesen thematisiert, was eine starke unheimliche Wirkung beim Leser hervorruft.

Warum wird die "Krise der Darstellung" als Ende der Analyse hervorgehoben?

Sie fasst zusammen, dass die Struktur des Romans den Leser permanent in einen "Strudel der Bedeutung" zieht, aus dem er entlassen wird, ohne eine finale, eindeutige Deutung der Geschehnisse zu erhalten.

Inwiefern ist der Autor Clemens J. Setz selbst Teil der Untersuchung?

Durch das Auftreten des Autors als Figur im Roman (Metalepse) und die namentliche Identität werden werkexterne Bezüge hergestellt, die das Unheimliche als Spiel mit der Grenze von Fiktion und Realität weiter verstärken.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Krise der Darstellung. Untersuchung der unheimlichen Wirkung von Clemens J. Setz' "Indigo"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,3
Autor
David Steinort (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V455414
ISBN (eBook)
9783668863484
ISBN (Buch)
9783668863491
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Setz Clemens J. Setz Indigo Das Unheimliche unheimlich Metafiktionalität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
David Steinort (Autor:in), 2015, Die Krise der Darstellung. Untersuchung der unheimlichen Wirkung von Clemens J. Setz' "Indigo", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455414
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  27  Seiten
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