Zu den Funktionen der Nominalisierung in der Rechtssprache. Eine Untersuchung der Richtlinie 2013/53/EU in deutscher und französischer Fassung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

31 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nominalstil
2.1. Nominalisierung
2.2. Genitivreihung und präpositionale Fügung
2.3. Substantivkomposition
2.4. Nominalisierungsverbgefüge

3. Analyse
3.1. Empirische Erwägung und Forschungshintergrund
3.2. Qualitative Analyse

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Korpusgrundlage
5.2 Sekundärliteratur
5.3 Onlinequellen

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Nominalstil und den damit einhergehenden Nominalisierungen, einem Wortbildungsprodukt, welches sich vermehrt in Rechtstexten wiederfinden lässt. Laut sanders handelt es sich dabei um ein Gesamtphänomen, das trotz Auftretens vergleichbarer Einzelzüge auch in anderen europäischen Kultursprachen […] ohne exakte Entsprechung bleibt.

(sanders 1986: 75)

Dies stellt Übersetzer somit regelmäßig vor die Herausforderung hierfür geeignete Ersatzstrukturen finden zu müssen, ohne dabei den Textsinn zu verändern.

Des Weiteren spricht pfefferkorn von einem hohen Maß an gedanklicher Abstraktion und begrifflicher Dichte, durch das partielle Implizitbleiben semantischer Beziehungen, […] verbunden mit einer gewissen semantischen Vagheit, (pfefferkorn 2014)1

die durch den Einsatz von Nominalisierungen hervorgerufen wird. Auch die bezeichnete semantische Vagheit birgt im Kontext von Rechtstextübersetzungen Risiken, da hier ein möglichst wortgetreues und präzises Ergebnis erforderlich ist.

Gerade vor dem Hintergrund der Gleichrangigkeit aller Sprachfassungen in der Europäischen Union können Schwächen in der Übersetzung weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Bereits kleinste Abweichungen können zu einer divergierenden Auslegung des Wortlauts und schlimmstenfalls zu einer ungleichen Rechtsanwendung in den einzelnen Mitgliedsstaaten führen. Nach derzeitigem Stand existieren in der Union 24 Amtssprachen gleichermaßen anerkannt nebeneinander (vgl. hakenberg 2018: 115). Diese lassen sich aus Art. 55 EUV entnehmen. Sekundärrechtsakte werden gemäß Art. 4 der Verordnung Nr. 1 zur Regelung der Sprachenfrage für die europäische Wirtschaftsgemeinschaft in allen Amtssprachen abgefasst, wobei jede einzelne eine authentische Originalfassung darstellt. Dies erfordert eine inhaltliche Übereinstimmung und Kohärenz (vgl. sobotta 2015: 4), da sonst kein vereinheitlichtes Recht in allen Mitgliedsstaaten gewährleistet werden kann, was dem Zweck der EU zuwiderlaufen würde. Zu den verbindlichen Sekundärrechtsakten gehören Verordnungen, Beschlüsse und Richtlinien, wobei letztgenannte die Grundlage dieser Arbeit bilden.

Bei der Rechtsetzung auf EU-Ebene kommt dem Französischen, ebenso wie dem Englischen und Deutschen eine übergeordnete Rolle zu, da sie nicht nur Amtssprachen, sondern gleichzeitig auch Arbeitssprachen sind. Bei der Kommunikation inner- und unterhalb der EU-Institutionen, dominiert inzwischen Englisch (vgl. luttermann 2013: 112), außer am EuGH, wo Französisch gesprochen wird. Dennoch misst man dem Französischen einen hohen Stellenwert, allein schon wegen der geografischen Verteilung der Hauptsitze der EU- Organe bei (vgl. floch 2004: 25). So sind Straßburg, Brüssel und Luxemburg allesamt frankophon.

Bei der Rechtsetzung im Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens nach Art. 294 AEUV stammen Entwürfe neuer Rechtsakte von der Kommission, da sie hierzu das Initiativrecht hat (vgl. herdegen 2017: 23). Ihre Version leitet sie dann dem Europäischen Parlament und dem Rat weiter, um deren Mitwirkung als Entscheidungsorgane zu garantieren. Rat und Parlament können ihrerseits dem Vorschlag direkt zustimmen oder in einer bzw. mehreren Lesungen dazu Stellung nehmen und gegebenenfalls Abänderungen anregen. Sobald ein Konsens aller mitwirkenden Organe gefunden ist, gilt der Rechtsakt als erlassen vgl. Art. 294 Abs. 4 AEUV. Das hier aus Platzgründen sehr verkürzt dargestellte Gesetzgebungsverfahren zeigt bereits, dass ein Gesetzesentwurf bis zu seiner endgültigen Verabschiedung zahlreiche Stationen durchlaufen muss und dabei den verschiedenen Ansichten und Einflüssen aller Mitwirkender ausgesetzt ist. Zwar haben sich die obengenannten Arbeitssprachen zur Vereinfachung der Arbeitsweise innerhalb der EU- Organe herausgebildet, dennoch herrscht das Prinzip der Mehrsprachigkeit gem. Art. 3 Abs.3 EUV in der EU und als Ausfluss daraus „die Gleichbehandlung [aller] Sprachen […] bei der Textproduktion und Textrezeption“ (luttermann 2003: 109). Zu beachten ist außerdem, dass Rechtssprache gleichzeitig immer an ein bestehendes Rechtssystem gebunden ist, da Recht in der Sprache und durch die Sprache realisiert wird (vgl. ďuricová 2013: 9). Folglich muss im Rahmen der Rechtsetzung auf EU-Ebene nicht nur die Sprachenpluralität überwunden werden, sondern auch den verschiedenen innerstaatlichen Regelungen Rechnung getragen und diese inhaltlich angeglichen werden. Dass dies nicht immer problemlos möglich ist, ist offenkundig, denn nicht jedes sprachliche bzw. rechtliche Phänomen verfügt gleichzeitig auch über ein deckungsgleiches Pendant in allen anderen Sprachen bzw. Rechtsordnungen. Fraglich bleibt daher wie man dennoch möglichst präzise und gleichlautende Formulierungen in den einzelnen Sprachfassungen des EU-Rechts erreichen kann. Ist der Nominalstil in Rechtstexten als positiv im Hinblick auf ihre Verständlichkeit zu bewerten und wie wirkt er sich bei der Übersetzung aus? Sind die deutsche und französische Sprachfassung identisch, wo der Nominalstil zum Tragen kommt? Um auf diese Fragen im Folgenden eine Antwort finden zu können, bietet sich folgende Herangehensweise an:

Im einleitenden Teil erfolgte die Heranführung an das Thema, die die Notwendigkeit der vorliegenden Analyse unterstreichen soll. Es wurde auf die Rolle der französischen Sprache in der EU hingewiesen, da hier neben der deutschen, auch die französische Fassung einer Richtline Untersuchungsgrundlage ist. Daran schließt sich ein theoretischer Teil an, der eine sprachwissenschaftliche Definition von Nominalstil und den verschiedenen Formen von Nominalisierungen liefert. Die jeweilige Funktion wird mithilfe von Beispielen erläutert. Im empirischen und wichtigsten Teil dieser Arbeit wird zunächst der aktuelle Forschungsstand kurz beleuchtet und somit der Verzicht auf eine quantitative Analyse des Korpus untermauert. Die qualitative Analyse beinhaltet den eigentlichen interlingualen Vergleich. Einzelne, für den Nominalstil charakteristische Passagen der deutschen Sprachfassung werden extrahiert und der französischen Fassung gegenübergestellt. Schließlich werden die Ergebnisse der Analyse ausgewertet und in einem Fazit zusammengetragen.

Die Korpusgrundlage der Arbeit bildet die Richtlinie über Sportboote und Wassermotorräder2. Der Grund für die konkrete Korpusauswahl liegt darin, dass die Richtlinie eines der wichtigsten Handlungsinstrumente zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften in den Mitgliedstaaten darstellt (lemke 2011: 6). Richtlinien sind gemäß Art. 288 Abs. 3 AEUV nicht in all ihren Teilen, sondern nur in Bezug auf das von der EU festgelegte Ziel verbindlich. Den Mitgliedstaaten wird bei ihrer Umsetzung folglich eine Wahlmöglichkeit hinsichtlich Form und Mittel eingeräumt. Man untergliedert die verschiedenen Arten von Richtlinien in Rahmenrichtlinie, spezifische Richtlinien und Richtlinien nach dem neuen Konzept. Erstgenannte gibt einen festen Rahmen vor, in dem die einzelnen Mitgliedstaaten dann ihre nationalen Rechte gestalten müssen. Spezifische Richtlinien ergänzen das bestehende Recht und legen Einzelheiten fest. Richtlinien nach dem neuen Konzept legen für bestimmte Produkte grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen auf hohem Schutzniveau fest. Sie enthalten Ausführungen zur sogenannten CE-Kennzeichnung (ein Verwaltungszeichen, das die Freiverkehrsfähigkeit gewährleistet3 ). Die Richtlinie über Sportboote und Wassermotorräder gehört dem zweiten Richtlinientypus an.

2. Nominalstil

Der Nominalstil zeigt sich „am reichhaltigsten in modernen fach- und wissenschaftssprachlichen Texten“ (weinrich 2007: 364). Er zeichnet sich nicht etwa schlicht durch eine höhere Frequenz von Substantiven im Text aus, sondern durch eine Mehrung von Substantiven, die sich im Zuge von Nominalisierung, also gerade aus anderen Wortarten heraus, gebildet haben. Außerdem sind Funktionsverbgefüge, Substantivkomposita, wie z.B. Augenblickskomposita und komplexe Attribute in Form von Genitivreihungen und präpositionalen Fügungen für ihn charakteristisch (vgl. kessel/reimann 2017: 285). Die so verstärkt auffindbaren Nominalsyntagmen fungieren als Nebensatzäquivalent und führen zu einem hypotaktischen, statt parataktischen Satzbau (vgl. pfefferkorn 2014)4. sanders (vgl. 1986: 140) entsprechend weist der Nominalstil zudem nicht nur eine verstärkte Distribution von nominalen Satzgliedern auf, vielmehr noch tragen sie die hauptsächliche Satzaussage.

Die Funktion des Nominalstils lässt sich daher wie folgt beschreiben: Er stellt in erster Linie einen „Gewinn für die Sprachökonomie“ (magnusson 1986: 30f.) dar. Durch die oben beschriebene Einsparung von Nebensätzen wird der Text insgesamt erheblich gekürzt und die Satzstruktur einfacher gehalten. Lange und komplizierte Schachtelsätze, die die Informationsaufnahme erschweren, sollen somit vermieden werden. Die einzelnen Segmente des Satzes wirken stärker und der wesentliche Kern der Aussage soll schneller erfasst werden können.

Fraglich ist jedoch, ob die Verkürzung der Satzlänge tatsächlich immer den gewünschten, positiven Effekt einer gesteigerten Prägnanz und höheren Informationsdichte erzielen kann. Nach bußmann (vgl. 2002: 472) beinhaltet der Nominalstil nämlich gerade einen häufigen Gebrauch abstrakter Substantive, dem noch weitere Informationsteile beispielsweise in Form von Adjektivattributen angehängt werden können. Hierdurch wird die Verständlichkeit der Aussage jedoch erheblich erschwert.

(1) die widerwillige elterliche Zustimmung vs. die Eltern stimmen widerwillig zu

Außerdem werden durch die nominalen Blockbildungen hierarchisch gegliederte Satzperioden ersetzt, was […] dazu führt, dass semantische Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilinforma- tionen nicht mehr explizit ausgedrückt werden.

(bußmann 1990: 530)

Demzufolge ist die einzelne Aussage doch nicht immer als präzise und bestimmt zu bewerten, was zusätzlich erklärt, warum Bezeichnungen wie „Hauptwörterseuche“ und „Papierstil“ (ebd.) von Stilkritikern für den Nominalstil gefunden wurden.

Insgesamt lässt sich also feststellen, dass der Nominalstil dort funktional angemessen ist, wo eine hohe Informationsdichte erreicht werden soll (vgl. ebd.). Zudem trägt er dem heutigen Erfordernis von Sprachökonomie Rechnung. Durch ihn können Informationen platz- und zeitsparender vermittelt werden. Außerdem erfolgt durch den Einsatz von Funktionsverbgefügen eine „systematische semantische Differenzierung des Aspekts“ (ebd.). Des Weiteren bringt man den Nominalstil am besten dort zur Anwendung, wo ein unpersönlicher Charakter gefragt ist. Das ist häufig bei Rechtsnormen der Fall. Sie verfolgen einen anordnenden Stil, bei dem der Handelnde, „der Staat“, nicht explizit genannt werden muss. Dieser sogenannte „Auftragscharakter“ findet sich auch in Richtlinien (vgl. schreiber 2016: 3), die in der vorliegenden Arbeit näher betrachtet werden, wieder.

Zunächst wird jedoch der Gegenbegriff zum Nominalstil, der Verbalstil beleuchtet. Er zeichnet sich dadurch aus, dass Nominalisierungen vermieden und hypotaktische Paraphrasierungen, wie Verbalkonstruktionen favorisiert werden (vgl. eugster 2015)5. Er stellt somit das Gegenteil des Nominalstils dar. Der Verbalstil übernimmt „den Gegenpart zum ‘Technischen’ und ‘Distanzierten’ und wird als ‘affektbetonter’, [sowie] leicht verständlicher, anschaulicher, phrasenloser Stil beschrieben.“ (ebd.). Man findet ihn vor allem in erzählenden Texten.

(2) a. Die Art, wie sie vorgegangen waren, hatte die Geschäftsleitung tief enttäuscht. vs.

b. Ihr Vorgehen hatte zu einer tiefen Enttäuschung der Geschäftsleitung geführt.

In (2a) wurde der Verbalstil verwendet, in (2b) der Nominalstil. An diesem Beispiel lässt sich erkennen, dass der Satz im Nominalstil deutlich kürzer ist als der Satz im Verbalstil. Dies wird vor allem durch den Wegfall des Agens erreicht, was wiederum zu einem sachlicheren und weniger narrativen Stil führt.

2.1 Nominalisierung

Versucht man eine allgemeingültige Definition für das Phänomen Nominalisierung zu finden, fällt einem schnell auf, dass dies nicht leicht gelingt. So beginnen die Schwierigkeiten bereits damit, die korrekte Bezeichnung für diesen Vorgang mit seinen vielfältigen Ausprägungen zu finden. In den verschiedenen Grammatiken und sprachwissenschaftlichen Nachschlagewerken finden sich die Begriffe Substantivierung und Nominalisierung. Während der duden (2009) diese synonym verwendet, unterscheiden beispielsweise freund/sundqvist (1988: 440) beide Termini voneinander. Auch bußmann (2002: 470) nimmt eine Abgrenzung vor und beschreibt die Nominalisierung als „jede Ableitung von Nomen aus anderen Wortarten“. Als Beispiel nennt er:

(3) a. das Gefühl vs. fühlen

b. die Schönheit vs. schön

In Beispiel (3a) wird das Nomen Gefühl von dem Verb fühlen abgeleitet. In Beispiel (3b) dient das Adjektiv schön als Ableitungsbasis und wird zum Substantiv Schönheit.

Diesen verallgemeinerten Vorgang bezeichnen freund/sundqvist (1988: 440) hingegen als Substantivierung, der ihrer Definition zufolge auch Substantivbildungen anhand von Partizipien (4a) und Infinitiven (4b, 4c) erfasst.

(4) a. der Gefangene vs. gefangen

b. der Kauf vs. kaufen

c. das Treffen vs. treffen

Unter Nominalisierung begreifen freund/sundqvist (vgl. ebd) dagegen speziell das Umwandeln von Sätzen zu substantivischen Ausdrücken (5).

(5) . das Laufen der Maschine vs. die Maschine läuft

bußmann (2002: 664) wählt wie oben gesehen die Bezeichnung Nominalisierung als Überbegriff. Substantivierung ist für ihn enger gefasst und betrifft vor allem die Wortbildung anhand von Adjektiven und Partizipien, „die als neutrale Abstraktbegriffe erscheinen“ (6).

(6) a. das Zeitgenössische vs. zeitgenössisch

b. der Steuersäumige vs. steuersäumig

Die vorliegende Arbeit fokussiert die einzelnen Mechanismen von derartigen Substantivbildungen und beleuchtet in einem weiteren Schritt ihre Funktion, sodass der Streitentscheid um die richtige Bezeichnung dahinstehen kann. Im Weiteren wird der Begriff Nominalisierung verwendet, da dieser stets im Zusammenhang mit fachsprachlichen Erwägungen auftaucht und dort vom Nominalstil die Rede ist (vgl. kessel/reimann 2017: 285).

Bei der Nominalisierung von Verben lassen sich wie oben dargestellt einige Unterformen, wie die Ableitung von Infinitiven (4b) und Partizipien (4a) herausarbeiten. Hinzukommen noch die Nominalisierung von Funktionsverbgefügen, die als Sonderfall in Kapitel 2.4 behandelt werden und die Nominalisierung von Adjektivverben (7a) bzw. Adjektiv-Verb-Komposita (7b), von Verben mit Negation (8) und von Modalverben (9).

(7) a. die Bereitschaft vs. bereit sein

b. die Besserstellung vs. besserstellen

(8) a. das Missfallen vs. nicht gefallen

b. die Unaufrichtigkeit vs. nicht aufrichtig sein

(9) a. die Fähigkeit, die Möglichkeit, die Erlaubnis vs. können

b. die Notwendigkeit, der Zwang vs. müssen

Die Ergebnisse im Zuge von Nominalisierung von Verben lassen sich wie folgt klassifizieren: Nomina actionis bezeichnen ein Geschehen, einen Vorgang oder eine Handlung (vgl. bußmann 2002: 469 f.) und werden oft durch Anhängen des Suffix -ung gebildet.

(10) a. die Gründun g vs. gründen

b. die Verzeihung vs. verzeihen

Nomina agentis sind täterbezeichnende Substantive (vgl. ebd.).

(11) a. der Lieferant vs. liefern

b. der Komponist vs. komponieren Nomina instrumenti drücken das Mittel bzw. das Werkzeug, mit dem die Handlung ausgeführt wird, aus (vgl. ebd.).

(12) a. der Kopierer vs. kopieren

b. der Leuchter vs. leuchten

Unter Nomina acti sind deverbale Substantive, die das Ergebnis der Verbalhandlung bezeichnen, zu verstehen (vgl. ebd.).

(13) a. das Hemmnis vs. hemmen

b. die Lieferung vs. liefern

Die Unterscheidung wird vor allem bei nominalisierten Infinitiven (4b; 4c) relevant. Sie gehören meist nur der Gruppe der Nomina actionis an, indem sie das Geschehen ausdrücken (vgl. tellmann/müller-trapet/jung 2012: 38). Parallelformen weisen demgegenüber oft Unterschiede hinsichtlich ihrer Bedeutung auf.

(14) a. das Danken vs. der Dank

b. das Bescheinigen vs. die Bescheinigung

In Beispiel (14a) bezeichnet das Danken die Handlung und gehört somit zur Gruppe der nomina actionis, während der Dank als abgeschlossene Handlung das Resultat beschreibt und den nomina acti zugeordnet werden kann. Bei (14b) ist das Bescheinigen wieder nomina actionis im Sinne einer Vorgangsbezeichnung und die Bescheinigung das Ergebnis, also ein nomen acti.

2.2 Genitivreihung und präpositionale Fügung

Die komplexen Attribute in Form von Genitivreihungen und präpositionalen Fügungen sind ein Produkt der Nominalisierung, denn Aneinanderreihungen von Genitiven kommen dort vor, wo es viele Substantive gibt (vgl. duden 2009: 829 ff). Bei den Genitiven unterscheidet man zwischen: Genitivus possesivus, der eine Zugehörigkeit ausdrückt, Genitivus subiectivus, welcher bei Substantiven, die von Verben oder Adjektiven abgeleitet sind, vorkommt, Genitivus obiectivus, der sich auf das Akkusativobjekt bezieht und Genitivus auctoris bzw. Genitivus des Produkts, welche den Urheber eines Produkts kenntlich machen (vgl. ebd.).

Die Funktion von Präpositionalphrasen z.B. mit für besteht darin Zweideutigkeiten zu vermeiden. Durch eine Präposition wird die Beziehung zwischen Attribut und Bezugssubstantiv verdeutlicht (vgl. ebd.).

(15) Petra betrachtete Annas Einladung vs. Petra betrachtete die Einladung für Anna

Im ersten Satz ist nicht klar, ob die Einladung von Anna stammt oder, ob sie Anna gilt. Diese Zweideutigkeit wird im zweiten Satz durch die Präposition für beseitigt. Hier erhält Anna die Einladung.

Anstelle des Genitivus subiectivus kann auch eine Präpositionalphrase mit durch stehen, die den Täter beim nominalen Ausdruck angibt (vgl ebd).

(16) Annas Beschreibung war für die Polizei sehr hilfreich vs. die Beschreibung von Anna war für die Polizei sehr hilfreich vs. die Beschreibung durch Anna war für die Polizei sehr hilfreich

In den ersten beiden Sätzen ist nicht eindeutig, ob Anna als Agens des Satzes, selbst aktiv beschreibt oder als Patients nur beschrieben wird. Auch die Präposition von kann darüber keine Klarheit verschaffen. Erst unter Zuhilfenahme der Präpositionalphrase durch Anna wird der Sachverhalt aufgeklärt.

[...]


1 https://www.degruyter.com/view/WSK/wsk_ideedb1433-da19-4741-982a-9890525eb2b0?rskey=qa6dTM&result=27&dbq_0=pfefferkorn%2C+oliver&dbf_0=wsk-fulltext&dbt_0=fulltext&o_0=AND [08.09.2018].

2 RICHTLINIE 2013/53/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 20. November 2013 über Sportboote und Wassermotorräder und zur Aufhebung der Richtlinie 94/25/EG.

3 https://publications.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/5edad7a1-9fdd-40f6-91d6-5ddfcfca1180/language-de; [25.08.18].

4 https://www.degruyter.com/view/WSK/wsk_ideedb1433-da19-4741-982a-9890525eb2b0?rskey=qa6dTM&result=27&dbq_0=pfefferkorn%2C+oliver&dbf_0=wsk-fulltext&dbt_0=fulltext&o_0=AND [08.09.2018].

5 https://www.degruyter.com/view/WSK/wsk_id_wsk_artikel_artikel_15732?rskey=mXdoC5&result=2&dbq_0=verbalstil&dbf_0=wsk-fulltext&dbt_0=fulltext&o_0=AND [08.09.2018].

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Zu den Funktionen der Nominalisierung in der Rechtssprache. Eine Untersuchung der Richtlinie 2013/53/EU in deutscher und französischer Fassung
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Europäische Rechtslinguistik
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
31
Katalognummer
V455430
ISBN (eBook)
9783668862036
ISBN (Buch)
9783668862043
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtssprache Nominalisierungen Europarecht
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Zu den Funktionen der Nominalisierung in der Rechtssprache. Eine Untersuchung der Richtlinie 2013/53/EU in deutscher und französischer Fassung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455430

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