Techniktraining im Fußball. Auswirkungen auf die Zielpräzision des leistungsschwächeren Fußes


Magisterarbeit, 2005
133 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Begründung der Themenwahl
1.3 Allgemeine Formulierung der Fragestellung
1.4 Aufbau der Arbeit
1.5 Zusammenfassung von Kapitel 1

2 Fußball
2.1 Einflussfaktoren im Fußball
2.1.1 Die Mannschaft
2.1.2 Der Spieler
2.2 Leistungssteuernde Faktoren
2.2.1 Technik
2.3 Zusammenfassung von Kapitel 2

3 Jugendfußball
3.1 Altersgruppen im Jugendfußball
3.2 Die Ausbildungs- und Trainingsabschnitte im Jugendfußball
3.3 Zusammenfassung von Kapitel 3

4 Seitigkeit
4.1 Entstehungsgeschichte der Seitigkeit
4.2 Hemisphärendominanz
4.3 Händigkeit
4.4 Beinigkeit / Füßigkeit
4.5 Die Bedeutung der Koordination und Beidfüssigkeit 48
4.6 Ausgewählte Untersuchungen zur Seitigkeit
4.6.1 Untersuchungen zur Händigkeit
4.6.2 Untersuchungen zur Beinigkeit

5 Der kontralaterale Transfer
5.1 Untersuchungen und Beobachtungen zum kontralateralen Transfer

6 Leistungserfassung im Sportspiel
6.1 Die beurteilende Leistungserfassung
6.2 Die messende Leistungserfassung
6.3 Ausgewählte Testbatterien und Tests zur Erfassung echnischer Fertigkeiten im Fußball
6.4 Zusammenfassung

7 Konzeption der Untersuchung
7.1 Fragestellungen/ Hypothesen
7.2 Untersuchungsstichproben
7.3 Untersuchungsmethode und Ablauf der Untersuchung
7.3.1 Versuchsaufbau
7.3.2 Versuchsmaterialien
7.3.3 Versuchsdurchführung
7.4 Ablauf der Intervention
7.4.1 Trainingsprinzipien und Methodik im Techniktraining
7.4.2 Trainingsdurchführung
7.5 Datenanalyse

8 Darstellung der deskriptiven und inferenzstatistischen Analysen
8.1 Darstellung der Testdaten
8.2 Wand-Test
8.3 Kontroll- und Experimentalgruppe
8.4 Junioren und Senioren
8.5 Seitigkeitsdifferenz
8.6 Kontralateraler Transfer

9 Diskussion und Interpretation der Ergebnisse
9.1 Wand-Test
9.2 Kontroll- und Experimentalgruppe im Vergleich
9.3 Junioren und Senioren im Vergleich
9.4 Kontralateraler Transfer
9.5 Seitigkeitsdifferenz
9.6 Motivation

10 Zusammenfassung und Ausblick

11 Literaturverzeichnis

12 Abkürzungsverzeichnis

13 Abbildungsverzeichnis

14 Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

„Konditionstraining war in unserer Zeit sehr klein geschrieben. Die wird heute meiner Meinung nach übertrieben und dadurch geht der Spielgedanke verloren“ (Fock, 1994, S.142).

Diese Meinung vertritt Georg Stollenwerk, ehemaliger Nationalspieler und erfolgreicher Trainer in der Bundesliga. Mit dieser Meinung ist er wahrlich nicht allein. Und nicht nur der Spielgedanke geht dadurch verloren. Wenn die meiste Zeit im Training sich damit beschäftigt wird, um den Sportplatz zu laufen, anstatt auf diesem dem Sport nachzugehen, wegen dem man die Fußballschuhe geschnürt hat, bleibt nur noch sehr wenig Zeit, den anderen sehr wichtigen Aspekten Aufmerksamkeit zu schenken, die auf dem Feld unumstößlich sind. Wir meinen hiermit die Technik und Taktik des Fußballspiels. Wir werden uns im Weiteren hauptsächlich dem Thema Technik im Fußball zuwenden, da diese im Mittelpunkt unserer Arbeit steht.

Die Technik ist im Fußball eine der wichtigsten Komponenten überhaupt. „Im Trainingsprozess des Fußballspielers sollte das Techniktraining einen breiten Raum einnehmen“ (Bauer, 2001, S. 58).

Man sollte immer darauf achten, dass das Training eine Maßnahme ist, um die Spieler auf den Wettkampf vorzubereiten. Aufgrund dessen sollten sich die Bedingungen, die im Wettkampf auftreten, im Training widerspiegeln. Die Zeit im Training, gerade bei Jugendlichen und Amateuren, ist aber relativ knapp. Dies wird weiter unten noch einmal detaillierter beschrieben. Diese Zeit muss natürlich optimal genutzt werden. Um die Wettkampfbedingungen in der Zeit des Trainings möglichst genau darzustellen, sollte ein Techniktraining in Verbindung mit der Verbesserung konditioneller Fähigkeiten und taktischer Handlungen vollzogen werden, denn die Verbindung dieser drei Komponenten stellt im Fußball unter anderem auch die Anforderung dar, die im Wettkampf auftritt (vgl. Bauer, 2001, S. 58).

Das zumindest sollte die Realität sein. Doch in vielen Vereinen gibt es Trainer, die diese Vorgabe nicht wirklich umsetzen. Die Gründe hierfür können sehr vielseitig sein:

1. Problem: Jugendtrainer: Nicht jeder Trainer einer Jugendmannschaft hat eine entsprechende Ausbildung genossen. In seinem Buch „Ausdauertraining“ schreibt Fritz Zintl (1988, S.179) zu diesem Thema: „Jede Entwicklungsstufe hat ihre biologischen Sonderheiten und Vorzüge hinsichtlich der Trainierbarkeit konditioneller und koordinativer Fähigkeiten.“ Für den Jugendtrainer ist es sehr bedeutsam, den Entwicklungsstand der ihm anvertrauten Kinder/ Jugendlichen genau zu kennen, um entwicklungsbedingte Trainingsinhalte anbieten zu können. Gilt es doch, in jeder Entwicklungsphase bestimmte Trainingsreize zu setzen, da die Schützlinge in bestimmten Phasen lernfähiger sind und auf bestimmte Übungsreize intensiver reagieren und sich somit ein lohnender Lernerfolg erzielen lässt (vgl. Bischops, 2004, S.12).

Doch weiß das jeder Trainer der eine Kinder- oder Jugendfußballmannschaft trainiert? Woher sollen sie es auch wissen, wenn sie nicht eine entsprechende Trainerausbildung genossen haben. In dem Buch „Kindgerechtes Fußballtraining“, herausgegeben vom Württembergischen Fußballverband (1991, S. 17), verlangen die Überschriften das eben angesprochene: „Kinder haben Anspruch auf ein kindgerechtes Training“ oder weiter: „Kinder brauchen einen ausgebildeten Trainer“. Doch die Realität ist eine andere! Viele Trainer sind leider nicht ausgebildet und haben so auch nicht das erforderliche Wissen, den Kindern ein optimales Training anzubieten. Sie bringen die Erfahrungen in die Trainingseinheiten der Kinder ein, die sie selber in ihrer aktiven Zeit, zum einen als Jugendlicher, aber auch als Erwachsener, während der eigenen Trainingseinheiten, gesammelt haben. Man sagt doch immer, dass Erfahrung nur positiver Natur sein kann. In diesem Zusammenhang aber ist es alles andere als das. Man muss ganz einfach wissen, was man mit den jungen Kickern auf dem Platz machen soll und vor allem machen kann und was man auf jeden Fall vermeiden muss.

2. Problem: Die Zeit im Training bei Jugendlichen und den Amateuren ist, wie oben erwähnt, nur sehr knapp. Die Trainingseinheit im Kindesalter sollte nur ca. 45 Minuten betragen. Jugendliche im C- Junioren-Alter haben eine Stunde Zeit zum trainieren. Erst teilweise ab der B- und dann in der A- Jugend wird 90 Minuten und mehr trainiert. Doch nicht nur die Zeit einer Trainingseinheit ist das einzig problematische, sondern auch die Anzahl der Trainingseinheiten in einer Woche. Als Jugendlicher oder später auch als Amateur wird kaum öfter trainiert als 3-mal pro Woche (vgl. Bischops, 2004, S. 15). In diesen Trainingseinheiten sollte neben der Technikkomponente auch die Kondition weiter verbessert oder aufrechterhalten werden, die individualtaktischen sowie die gruppentaktischen Maßnahmen geschult, Inhalte wie Torschuss, Flanken und Standardsituationen und vieles mehr trainiert werden. Man erkennt schon, dass eine solche Menge nicht in drei Trainingseinheiten á 90 Minuten pro Woche zu bewältigen ist. Ein Trainer steht nun vor der Aufgabe, die Dinge in der kurzen Zeit unterzubringen, die seiner Meinung nach am wichtigsten für den Erfolg der Mannschaft ist. Und leider Gottes wird sich sehr oft gegen eine Technikschulung entschieden, hauptsächlich im Amateurbereich, was sich am Wochenende des Öfteren auf den Sportplätzen in der Punktrunde bemerkbar macht. Rennen und kämpfen können, gerade in Deutschland, sehr viele. Wenn man sich aber deren Technik betrachtet…?!

3. Problem: Die Trainer der heutigen Fußballmannschaften sind einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt. Nicht nur in der Bundes- oder Regionalliga, wo es um sehr viel Geld geht, sondern auch in den Amateurklassen und leider auch im Jugendfußball zählt vor allem der Erfolg. Und wenn eine Mannschaft am Wochenende bei den Spielen nicht die Leistung bringt, die man von ihr erwartet und keine Erfolge hat, dann ist es doch meistens der Trainer, der dafür zur Verantwortung gezogen wird und der als Konsequenz seinen Kopf hinhalten muss. Wie man in Punkt zwei schon gesehen hat, ist die Zeit zumindest im Training der Amateure und der Jugendfußballer sehr knapp. Wenn man zu dem Gedanken noch die Tatsache mischt, dass eine Mannschaft, die nur technisch stark ist, keinen Erfolg haben wird, so wird sich ein Trainer für die Zeit, die ihm für das Training zur Verfügung steht, wohl eher für Trainingsinhalte entscheiden, die hauptsächlich die Komponente Kondition und Kampf beinhalten.

Aus den eben genannten Gründen wird bei den Amateuren und den Jugendmannschaften das Techniktraining immer mehr vernachlässigt. Sie scheitern oft an so genannten alten deutschen Tugenden wie Kraft und Kondition, die im Trainingsbetrieb vorherrschend waren und immer noch den Alltag eines Fußballers bestimmen.

Die Fehler, die in so jungen Jahren gemacht werden, wir sprechen hier von dem ungenügenden Angebot an Techniktraining, kann man später nicht wieder gut machen. Tatsache ist, dass gestandene ausländische Spieler für mehrere Millionen Euro geholt werden müssen, um über die verpasste Entwicklung im deutschen Fußball hinwegzutäuschen.

Es kränkelt im deutschen Fußball. Dokumentiert wird dies auch in den letzten Jahren durch das mäßige Abschneiden und Auftreten deutscher Vereinsmannschaften auf der europäischen Bühne. Auch der Titelgewinn in der Saison 00/01 von Bayern München in der Champions-League kann darüber nicht hinwegtäuschen. Traumfußball der spielstarken Mannschaften wie AC Mailand, FC Barcelona, Real Madrid und AJAX Amsterdam ist in aller Munde, ein Kopieren wird gefordert. Selbst im Mutterland des Fußballs, England, in dem man mit der Spielart „kick and rush“ glänzte, wird mittlerweile technisch feiner Fußball gezeigt. Schaut man sich den Fußball in Spanien oder auch Italien an, und dann den in Deutschland, erkennt man die riesigen Unterschiede. Technische Leckerbissen, in deutschen Ligen Mangelware, werden dort am Fließband gezeigt.

Hat der deutsche Fußball nur einen Trend im Weltfußball verschlafen, weil man so sehr auf alte deutsche Tugenden fixiert war? Holen sich Vereine deshalb ausländische Trainer und Spieler, um ein Missverhältnis in der Spielkultur zum Ausland auszugleichen? Handelt es sich folglich bei dieser Krise nur um eine vorübergehende Schwächeperiode seit dem EM Sieg 1996, der einen neuen Trend nicht aufkommen ließ und selbstgefällig machte? Sind uns andere Nationen wirklich voraus und haben uns in (fußball-)technischer Hinsicht überholt, oder hat sich der deutsche Fußball durch innerliche, eigene strukturelle Vorgaben selbst auf diesen Weg gebracht?

Diese Fragen zu stellen löst das Problem nicht. Es soll hauptsächlich zeigen, warum wir dieses Thema für unsere Magisterarbeit gewählt haben.

1.2 Begründung der Themenwahl

Wir beide spielen nun schon seit unserer frühesten Kindheit an Fußball. Über den Umweg der Auswahlmannschaften hat jeder von uns es geschafft, sich in großen Vereinen zu etablieren. Wir beide haben schon an das Tor der Bundesliga geklopft und dadurch Spieler kennen gelernt, die mittlerweile Spieler in der deutschen Nationalmannschaft sind. Wir selbst haben es nie bis ganz nach oben geschafft und verweilen beide heute in Amateurmannschaften. Aufgrund unserer bisherigen Laufbahn haben wir das oben beschriebene am eigenen Leib erfahren; und nicht nur als aktiver Spieler. Auch als Trainer haben wir die Problematik, welche Trainingsinhalte wählt man, um die Spieler und die Mannschaft weiter zu verbessern und am Wochenende erfolgreich zu spielen, erleben können. Während unserer Zeit als Profi haben wir sechs- bis achtmal in der Woche Training gehabt. Es ist doch völlig klar, dass man als Trainer hier die Möglichkeit hat, nicht nur Kondition und Taktik zu trainieren, sondern den Spielern ein spezielles Techniktraining anzubieten. Dass man in der Regionalliga und höher dadurch eine sehr gute technische Ausbildung erfährt, ist aufgrund der vorhandenen Zeit schon fast logisch. Der Wechsel in die unteren Ligen, sprich Oberliga und Landesliga, hat eins sehr deutlich gemacht: das fußballerisch-technische Niveau hat auf dem Weg nach unten sehr schnell nachgelassen. Nicht nur, dass das Niveau an sich nicht annähernd das der Regionalliga hat, sondern auch unser individuelles technisches Können hat dadurch sehr schnell sehr stark nachgelassen. Der Grund dafür wurde von uns schon in Kapitel 1.1 genannt. Es fehlt an Zeit und die Trainer haben in der vorhandenen Zeit andere Trainingsschwerpunkte gesetzt.

Und noch eines ist uns aufgefallen. Selbst in der Jugend hat man auf Techniktraining größeren Wert gelegt als später im Seniorenbereich. Wenn man sich manche Juniorenspiele, gerade der Juniorenregional- und -bundesliga, aber auch bei kleineren Vereinen, anschaut, kommt man ab und zu vor Staunen nicht mehr heraus. Die Jungs machen Tricks auf dem Feld, die die älteren Kollegen selbst ohne gegnerischen Druck nicht beherrschen. Diese Tatsache ist aber nicht nur unsere individuelle Meinung, sondern diese vertreten sehr viele, mit denen man sich über dieses Thema unterhält.

Das aus diesen Unterhaltungen und Überlegungen, welche Fortschritte ein spezielles Techniktraining bewirken kann, ist die Idee für unsere Magisterarbeit geboren worden. Doch wir wollten nicht die Technik allgemein untersuchen und auswerten, sondern das Ganze eingrenzen und spezifizieren. Wir wollten wissen, welche Auswirkungen ein spezielles Techniktraining auf die Zielpräzision des leistungsschwächeren Beines hat. Der Grund für diese Eingrenzung ist relativ einfach zu erklären. In unserer Zeit als aktive Spieler haben wir eine Menge toller Fußballer kennen gelernt. Aber bei den meisten von ihnen ist uns eines klar geworden: egal wie hoch und stark die jeweilige Spielklasse, das leistungsschwächere Bein wird meist sehr stark vernachlässigt, sei es beim Dribbling, beim Passspiel oder beim Torschuss. Die Unterschiede zwischen dem leistungsstarken und dem leistungsschwächeren Bein sind bei 90 % der Fußballer, die wir kennen gelernt haben, sehr auffällig. Die Probleme, die damit einhergehen, liegen auf der Hand. Ein Spieler, der überwiegend mit seinem starken Fuß agiert, ist sehr leicht auszurechnen; ein Abwehrspieler kann sich sehr schnell auf sein Gegenüber einstellen und ihn unschädlich machen. Ein weiteres Problem ist die Einsetzbarkeit eines solchen Spielers. Ein Spieler, der hauptsächlich nur mit seinem rechten Fuß agiert, kann nur sehr bedingt auf der linken Seite zum Einsatz gebracht werden. Ein Nachteil nicht nur für den Trainer. Vielseitige und flexibel einsetzbare Spieler findet man heute im Fußballgeschäft immer weniger. Aber der Ruf nach solchen Spielern wird im Gegenzug immer lauter. Die Spieler, die in ihrer Bewerbung Beidbeinigkeit stehen haben, sind hoch geschätzt und vor allem gesucht.

So wie es scheint, wird im hochklassigen Fußball zwar ein Techniktraining durchgeführt, nur kommt in diesem überwiegend nur der starke Fuß zum Einsatz. Wir sind der Meinung, wenn im Training vermehrt vom Trainer gefordert werden würde auch mit dem schwächeren Fuß zu arbeiten, würde das jeden einzelnen Spieler weiterbringen, die Mannschaft insgesamt würde einen Vorteil daraus ziehen, für den Trainer und letzten Endes auch für den Verein wäre das ein riesiger Fortschritt, was sich mit Sicherheit auch in den Spielen und im Tabellenplatz bemerkbar machen würde, weil die eben beschriebenen Probleme der ´Einbeinigkeit´ gelöst wären.

Eine Voruntersuchung der Auswirkungen eines speziellen Techniktrainings auf die Zielpräzision des leistungsschwächeren Beins haben wir schon bei der Seniorenmannschaft des FV Bad Vilbel, die in der Oberliga Hessen spielen, durchgeführt. Diese Voruntersuchung wollen wir ausweiten und den gleichen Test mit den B- und A- Juniorenmannschaften, sowie mit der Nachwuchsmannschaft, der U-23 (deren Ziel ist es, so viele Spieler wie möglich für die 1. Mannschaft zu ´produzieren´), des gleichen Vereins machen. Die Gründe für diese Entscheidung sind vielseitig.

Aus eigener Erfahrung müssen wir feststellen, dass eine Schulung der Beidbeinigkeit im Training in der Jugend viel stärker ausgeprägt war, als das heute im Seniorenbereich der Fall ist. Im Jugendtraining achten die Trainer bei Technikübungen immer stärker darauf, dass nicht nur der starke Fuß die Übung absolviert, sondern immer mit beiden Beinen die Übung ausgeführt werden muss. Gerade diese Vorgabe, mit beiden Beinen zu arbeiten, ist der Unterschied zu den Senioren. Dort hört man diese Vorgabe sehr selten, unabhängig von der Klasse in der man spielt. Diese Annahme wollen wir u. a. in dieser Arbeit durch Zahlen belegen.

Geprüft werden soll außerdem, ob ein spezielles Techniktraining des leistungsschwächeren Fußes eher Leistungsverbesserungen bei den Juniorenmannschaften zu sehen sind oder eher bei den Senioren.

Eine weitere Frage wird sein, warum wir gerade diese Jugendmannschaften für die Untersuchung gewählt haben. Wie schon erwähnt, haben wir schon eine Voruntersuchung mit der Seniorenmannschaft des gleichen Vereins durchgeführt, dem auch die Jugend- und Nachwuchsmannschaften angehören. Wir möchten deshalb im Verein bleiben, weil die Philosophie eines solchen Vereins die ist, oder zumindest sein sollte, die Jugend so auszubilden und zu fördern, dass möglichst viele von ihnen den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Wenn wir für den Vergleich die Jugendmannschaften beispielsweise von Eintracht Frankfurt gewählt hätten, hätte das mit Sicherheit die Ergebnisse verzerrt. Diese Jugendmannschaften werden auf den Sprung in die Bundesliga vorbereitet. Dass diese Spieler eine andere Ausbildung erfahren, und viel mehr zeitliche wie auch finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung haben und zur Verfügung gestellt bekommen, wie die Jugendmannschaften in Bad Vilbel, denken wir, ist klar.

1.3 Allgemeine Formulierung der Fragestellung

„Auswirkungen eines speziellen Techniktrainings auf die Zielpräzision des leistungsschwächeren Fußes.“

1.4 Aufbau der Arbeit

Im folgenden Kapitel werden wir darstellen, welche Ergebnisse sich aus der Literaturrecherche ergeben haben. Dabei haben wir zunächst kurz angerissen, welche Bedeutung der Fußball in unserer Gesellschaft hat. Danach werden die Einflussfaktoren im Fußball schrittweise beleuchtet bis hin zu den Hauptpunkten unserer Arbeit, den Pass- und Stoßtechniken.

Da wir in unserer Studie sowohl mit Junioren- als auch mit Seniorenmannschaften arbeiten, werden die Besonderheiten des Jugendfußballs in Kapitel 3 aufgezeigt.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Phänomen der Seitigkeit. Dinge, wie die Entstehungsgeschichte, die verschiedenen Seitigkeitsformen und die Hemisphärendominanz werden hier erläutert.

Im darauf folgenden Kapitel 5 wird der kontralaterale Transfer beleuchtet.

Das Kapitel 6 beschreibt die Möglichkeiten zur Leistungserfassung im Sportspiel.

In Kapitel 7 beschäftigen wir uns mit der geplanten Untersuchungskonzeption. Hier werden zunächst die Hypothesen dargelegt, dann wird gezeigt, welches Forschungsdesign verwendet wird, die Intervention wird dargestellt, welche Stichprobe zur Verfügung steht, die Versuchsdurchführung wird erklärt und die Einzelheiten der Intervention aufgelistet.

Kapitel 8 zeigt anschließend die Darstellungen der deskriptiven und inferenzstatistischen Analysen. Die Darstellungen beziehen sich auf die Ergebnisse unserer Untersuchung. Dabei werden die Ergebnisse des Wand-Testes, der Kontrollund Experimentalgruppe, der Junioren und Senioren, der Seitigkeitsdifferenz und des kontralateralen Transfers einzeln dargestellt.

Die Diskussionen und Interpretationen unserer Ergebnisse können im 9. Kapitel betrachtet werden. Hier werden die gleichen Unterteilungen einzeln diskutiert wie im vorhergehenden Kapitel 8.

Zusammenfassung und Ausblick schließen unsere Arbeit.

1.5 Zusammenfassung von Kapitel 1

In Kapitel 1 haben wir ein Problem des Fußballsports, gerade hier in Deutschland, näher erläutert. Das Techniktraining wird aus Zeit- und Wissensmangel sehr stark vernachlässigt und somit auch das Training des leistungsschwächeren Fußes.

Da wir dies am eigenen Leib erlebt haben, haben wir uns auch für das Thema dieser Arbeit entschieden. Wir vermuten, dass ein spezielles Techniktraining für den leistungsschwächeren Fuß dazu führt, dass dieser an Qualität gewinnt, und somit nicht nur den Spieler in spielentscheidenden Situationen hilft, auch für seine weitere fußballerische Karriere, sondern auch der ganzen Mannschaft, dem Trainer und dem Verein, damit geholfen wird.

2 Fußball

Fußball, in unseren Breitengraden gehört dieser Sport zweifellos zu den Beliebtesten. Groß und klein, jung und alt, Mann und Frau; in jeder Gruppe findet man faszinierte Anhänger des runden Leders, dem 22 Menschen, innerhalb einer vereinbarten Spielzeit, die unangefochtene Aufmerksamkeit schenken.

Als vor mehr als 100 Jahren englische Internatsschüler die Vorform des Fußballspiels erfanden, konnte noch niemand den Siegeszug dieses Ballspiels vorhersehen. Noch bis in die Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde unser Fußballsport durch englische Geistliche von der Kanzel als „Aftersport“ gebrandmarkt. Und es dauerte immerhin noch bis 1930, um das erste Weltmeisterschaftsturnier in Uruguay zu veranstalten. Damals nahmen vor allem durch das persönliche Engagement des FIFA-Präsidenten Jules Rimet nur 34 Länder und zum Teil nur zögernd teil. Heute beteiligen sich mehr als hundert Nationen an den Ausscheidungskämpfen zu einer Weltmeisterschaft – Indiz für den unaufhaltsamen Siegeszug, den der Fußball im letzten Jahrhundert angetreten hat. (Brüggemann Albrecht, 1991, S. 3)

„Fußball übt nach wie vor eine Faszination ohnegleichen aus und ist weltweit die absolute Sportart Nummer eins“ (Bauer, 2001, S. 7). Um hierfür zwei statistische Belege zu nennen: 1. wenn alle vier Jahre die Weltmeisterschaft stattfindet, werden etwa 15 Milliarden Fernsehzuschauer erreicht. 15 Milliarden – eine schier unvorstellbare Zahl. 2. In Deutschland wurde im Jahr 2000 jede Woche in dem vom Deutschen Fußball Bund (DFB) organisierten Spielbetrieb in – 65869 Seniorenmannschaften, - 100035 Juniorenmannschaften und – 6812 Damen-/ Mädchenmannschaften Fußball gespielt (vgl. Bauer, 2001, S. 7 f.). Einfach unglaublich; und die Zahlen sind mit Sicherheit in den letzten Jahren noch angestiegen. Gerade im Frauenfußball gab es in der jüngsten Vergangenheit noch kräftige Zuwächse. Dazu kommt die unüberschaubare Zahl von Mannschaften und Spielern, die sich mehr oder weniger regelmäßig beim Freizeitsport mit dem Fußball vergnügen.

Spaß steht hierbei natürlich an erster Stelle, doch wir leben heutzutage in einer Leistungsgesellschaft und die lässt sich auch in diesem Sport den Eintritt nicht verwehren. Wer in einem Verein Fußball spielt, weiß, von was hier die Rede ist. Schon früh zählt nicht nur der Spaß an sich, sondern das Ziel ist der Sieg geworden. Mehr Tore schießen als der Gegner, dass verlangen Trainer schon in den Jugendmannschaften und je höher die Ligaangehörigkeit des jeweiligen Vereins, desto stärker zählt letzten Endes auch der Erfolg. Doch nicht nur das. Selbst in den oberen Etagen des DFB wird gefordert, dass „der Fußballnachwuchs bis hinunter in die kleinen Vereine nach modernen entwicklungs- und leistungsstufengerechten Methoden und mit wettkampfgerechten Übungen und Spielen trainiert wird“ (Bauer, 2001, S. 8), um den Problemen, die momentan den Experten an der Trainingsfront Sorgen machen, wie z. B. die Konkurrenz durch andere Sportarten, das veränderte Freizeitverhalten der Jugend, der Rückgang des Straßenfußballs und in Verbindung damit der Rückgang an „Naturtalenten“, entgegenzuwirken.

Der Erfolg im Fußball wird von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Doch welche Faktoren sind für den Erfolg einer Mannschaft wichtig? Welches sind Anforderungen, die zum einen an die Mannschaft und zum anderen an jeden einzelnen Spieler gestellt werden, um erfolgreich diesem Sport nachzugehen?

2.1 Einflussfaktoren im Fußball

2.1.1 Die Mannschaft

„Für viele Sportler und Zuschauer ist Fußball nicht zuletzt so attraktiv, weil es ein Mannschaftssport ist“ (Bauer, 1996, S. 13). Durch die Vielzahl der Spieler und durch die unendlich vielfältigen Möglichkeiten des Zusammenspiels in Angriff und Abwehr sind der Kreativität der Spieler kaum Grenzen gesetzt, und der Zuschauer erlebt immer wieder neue überraschende Kombinationsformen und Spielvarianten.

- Die Mannschaftsleistung

Die komplexe Mannschaftsleistung setzt sich aus verschiedenen Dingen zusammen. Dazu gehören die individuellen Handlungen, die Aktionen, an denen zwei oder mehr Spieler beteiligt sind und die Aktionen, an denen die gesamte Mannschaft in ganzheitlicher Weise mitwirkt. Gegen die Vielzahl an kollektiven Handlungen ist die Leistung einer Mannschaft immer mehr als die Summe der Einzelleistungen der elf Spieler. Allerdings entscheidet über Erfolg und Misserfolg der ganzen Mannschaft sehr häufig die Leistung eines einzigen Spielers.

Einen ganz speziellen Charakter hat meist das Spiel von gut geführten Mannschaften. Teilweise wird dieser aus der Tradition des Vereins überliefert. Man kann erkennen, dass die Spielweisen innerhalb eines Vereins von Generation zu Generation `weitergegeben` werden. Aber auch große Trainerpersönlichkeiten prägen das Spiel ihrer Mannschaft; sie drücken ihrer Mannschaft gewissermaßen den Stempel ihrer Vorstellung vom attraktiven und erfolgreichen Spiel auf. Der Trainer ist, wie wir später noch zeigen werden, nicht nur ein wichtiger Faktor für die Mannschaftsleistung, sondern auch ganz entscheidend bei der Entwicklung eines jungen Fußballers (vgl. Bauer, 2001, S. 13).

Die Verantwortlichkeit und der Einfluss des Trainers auf die Leistung, macht es für einige Autoren (z. B. Stapelfeld 1986 in Sauer, 1994, S. 15) erforderlich, ihn als wesentlichen Faktor der Leistungsvoraussetzungen in die Struktur der kollektiven Leistungsvoraussetzungen zu integrieren, denn „im großen Fußball – Puzzle sind die Trainer die Schlüsselfiguren. Sie `machen` den Fußball, sie bestimmen den Charakter der Spiele. Sie prägen das Verhalten, die Denkweise und vor allem die Einstellung der Spieler. Die Spieler sind das Spiegelbild ihres Trainers. Er prägt mit seinen Anforderungen, Taktik genannt, seine Spieler und ihren Spielgeist. Er prägt Spielfreude oder Angst, Optimismus oder Vorsicht, Freiheit oder Fessel, Risiko oder Furcht, Kreativität oder Zwang….“ (Döbler Stapelfeld 1989, S. 18 zitiert nach Sauer, 1994, S. 15).

Wie viel Gewicht dem Leistungsvermögen des Trainers, in Gestalt seiner Fähigkeiten für Erziehung und Ausbildung sowie seines Formierungs- und Motivationsvermögen, beigemessen wird, beweist die Tatsache, dass schon nach wenigen erfolglosen Spielen seine Person im Bundesligaalltag, und mittlerweile nicht nur da, sondern in sämtlichen Ligen im Fußballgeschäft, immer wieder in Frage gestellt wird, obwohl in manchem Fall an der Berechtigung eines solchen Vorgehens gezweifelt werden muss.

Die komplexe Mannschaftsleistung hängt auch von der Struktur des Spielverlaufs ab, wobei der Trainer, ausgehend von der den internationalen Entwicklungstendenzen entsprechenden Spielauffassungen sowie der daraus abzuleitenden Spielkonzeption, steuernd einwirkt, was sich in einer situationsangemessenen Auswechseltaktik und kommunikativen Einwürfen (meist über Einzelspieler (Kapitän)) äußern kann. „Die Struktur des Spielverlaufs wird von leistungsrelevanten Einflussgrößen des „Spiel- Binnenfeldes“ beeinflusst, welche Faktoren wie „Angstgegner“ (dessen Einfluss weitgehend unabhängig von der eigenen Spielstärke empfunden wird), „Heimschiedsrichter“ oder „Heimpublikum“ bilden (Hohmann 1985, S. 77 zitiert nach Sauer, 1994, S. 15). Demgegenüber bestehen leistungsrelevante Faktoren des Spiels – Umfeld beispielsweise in „Traditionsderby“, den „Siegprämien“ oder den „bilateralen Beziehungen“ der Staaten bei Länderspielen.“ (Sauer, 1994, S. 15). Wir nehmen diese Einflussgrößen als gegeben an, gehen nachfolgend aber nicht mehr auf sie ein.

Der Charakter des Spiels einer Mannschaft wird geprägt von:

- dem Spielsystem, mit dem sie spielt, also die Grundaufstellung;
- die spezifische Spielweise einer Mannschaft in Angriff und Abwehr;
- der Gruppen- und Mannschaftstaktik, mit der die Mannschaft üblicherweise
agiert;
- den einzelnen Spielerpersönlichkeiten in der Mannschaft und den Ideen, die sie auf dem Spielfeld entwickeln (vgl. Bauer, 2001, S. 14)

2. 1. 2 Der Spieler

„Die Mannschaft ist zwar mehr als die Gesamtheit aller Spieler; dennoch entscheidet die Leistung der einzelnen Spieler oft über Erfolg und Misserfolg der Mannschaft“ (Bauer, 2001, S.15).

Es wird immer wieder in den Vereinen Spielerpersönlichkeiten geben, die die Mannschaft an sich prägen und darüber hinaus ausschlaggebend sind, ob eine Mannschaft gewinnt oder verliert. Bei Reportern von Fußballspielen hört man doch oft die Aussage: „Diese(r) Spieler(in) kann ein Spiel ganz allein entscheiden.“ Man sieht so eine Art von Spieler das ganze Spiel nicht und in der letzten Minute macht er das entscheidende Tor zum Sieg für seine Mannschaft.

Doch welche Faktoren machen einen solchen, Trainer sprechen meist von, Führungsspieler, zu dem, was er ist?

2. 2 Leistungssteuernde Faktoren

Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Tagesform eines Spielers. Unter anderem sind folgende Faktoren leistungs- und spielbestimmend:

- angeborenes fußballspezifisches Talent;
- aktuelle, technische, konditionelle, taktische Leistungsfähigkeit;
- Motivation/ Leistungsbereitschaft;
- beruflich – schulische Belastungen;
- Lebensweise/ Ernährung;
- Wesens-/ Temperamentsmerkmale (vgl. Bauer, 2001, S. 16).

Die vorstehend genannten einzelnen Faktoren beeinflussen sich zum Teil gegenseitig sehr stark, verstärken sich in ihrer Wirkung auf die Spielleistung oder heben sich gegenseitig auch auf.

So kann z. B. ein durchschnittlich begabter Spieler durch intensives und zielstrebiges Training mehr erreichen als ein anderer, der talentierter aber weniger ehrgeizig ist (vgl. Bauer, 2001, S. 16 Tiwald, 2003, S. 32 ff.).

Wir möchten im Anschluss nicht jeden einzelnen Leistungsfaktor im Detail betrachten, sondern uns einzig und allein auf die Technik beziehen, da nur diese Komponente in unserer Studie von Relevanz ist.

2. 2. 1 Technik

Die Technik ist ein weitgreifender Begriff, der nicht nur im Fußball Anwendung findet, sondern in sämtlichen Sportarten von großer Bedeutung ist. Die Technik wird zunächst von uns sehr allgemein, danach speziell im Hinblick auf den Fußballsport beschrieben und, auch im Hinblick auf das Thema unserer Arbeit, immer weiter spezifiziert. Allgemein definiert sich der Begriff Technik im Sport als ein Idealmodell einer Bewegung, bezogen auf eine Sportdisziplin und deren Realisierung durch den Sportler (vgl. Grosser, 1982, S. 7 ff.).

Die Technik ist in sämtlichen Sportarten ein absolut leistungsbestimmender Faktor. Sie ist oft der Grund für Sieg oder Niederlage. Dabei gibt es für jede Sportart eine andere Art von Technik, die wiederum ihre eigene Definition erhält.

- Technik im Fußball

Die spezielle Technik im Fußballsport kann in Anlehnung an die allgemeine Trainingslehre wie folgt definiert werden: „Fußballtechnik ist die Summe der motorischen Handlungen, durch deren Einsatz ein Spieler die taktischen Aufgaben, die das Fußballspiel an ihn stellt, erfolgreich lösen kann“ (Bauer, 1998, S. 15).

Neben den konditionellen Faktoren, wie der Ausdauer, die Kraft und die Schnelligkeit, sowie der Taktik, gehört auch die Technik zu den Fertigkeiten eines Fußballers, die eine herausragende Rolle auf dem Feld spielt und deshalb auch im Training spielen muss. „Das Fußballspiel ist technisch und koordinativ sehr anspruchsvoll, da der Ball vorwiegend mit dem Fuß gespielt wird. Die Stammesgeschichte der Menschheit und die damit verbundenen Arbeitstätigkeiten (mit den Händen) liefern einen Grund, weshalb das Spielen mit dem Fuß in erster Linie sehr schwierig erscheint. Die Füße werden hauptsächlich nur zur Fortbewegung benutzt und müssen permanent für die Erhaltung des körperlichen Gleichgewichts sorgen. Das bedeutet, dass sie im Vergleich zu den Händen eine „beträchtlich geringere Sensibilität“ und Flexibilität aufweisen (Döbler et al, 1988, S. 260). Mit der Benennung dieses Leistungsfaktors wird der engen Verflechtung zwischen Technik und Koordination Rechnung getragen. Blume (1978) bestimmte sieben für den Nachwuchsbereich bedeutsame koordinative Fähigkeiten mit Hinweisen zur Schulung und Diagnostik. Pöhlmann (1977) beleuchtete die Theorie der koordinativen Fähigkeiten aus der Sicht der Psychomotorik. Während technische Fertigkeiten verfestigte, automatisierte, auf hohem Niveau stehende, konkrete Bewegungen darstellen, bezeichnen koordinative Fähigkeiten verfestigte, aber verallgemeinerte grundlegende Leistungsvoraussetzungen des Menschen für eine Reihe von Bewegungen (vgl. Sauer, 1994, S. 66). Im Fußballsport wird das „Ballgefühl“ häufig in Form der Differenzierungsfähigkeit als Voraussetzung für eine hohe technische Leistungsfähigkeit zugrunde gelegt. Jedoch muss man für das Gelingen einer Spielhandlung die komplexe Wirkung aller koordinativen Fähigkeiten voraussetzen (Döbler Stapelfeld 1989 in Sauer, 1994, S. 66). Deshalb muss der Beschreibung von Kunze (1981, S. 47) zugestimmt werden, der „das Ballgefühl als das sensomotorische Verhältnis zum Ball bezeichnet, das sich in der räumlichen, zeitlichen und energetischen Koordination zwischen Eigenbewegungen und Ballbewegung und damit im richtigen Kontakt mit Ball hinsichtlich Berührungsstelle, Zeitpunkt und Krafteinsatz äußert.“

Aus diesem Grund muss die „Schulung […(des Ballgefühls)], der Fußhaltung beim Annehmen und Spielen des Balles, der Zielgenauigkeit beim Zuspiel und Torschuss und der speziellen Stossarten (z. B. Innenseitstoß) besonders gründlich und unter Beachtung der Anforderungen im Kampf mit dem Gegner erfolgen“ (Döbler et al, 1988, S. 260).

Im Fußballsport ist die Technik nicht Selbstzweck, sondern sie ist ein Mittel, um selbst Tore zu erzielen und Tore des Gegners zu verhindern. Die technischen Fertigkeiten des Spielers sind nur insofern von Bedeutung, als sie zum Erfolg der Mannschaft mit beitragen. Einer Mannschaft nutzt es gar nichts, wenn einzelne Spieler wunderbar mit dem Ball und ihrem Körper umgehen können und tolle Kabinettstückchen mit dem Ball vorführen, diese es aber nicht schaffen, den technischen Vorteil anderen Spielern gegenüber, in taktisch erfolgreiche Spielhandlungen umzusetzen. Dadurch begeistern sie zwar die Zuschauer, einen Nutzen für die Mannschaft hat es dafür nicht. „Die Technik wird dann zu einer erfolgreichen Waffe im Kampf um den Sieg, wenn es der Spieler versteht, sie mit konditionellen Fähigkeiten so zu verknüpfen, dass daraus erfolgreiche taktische Handlungen entstehen“ (Bauer, 1998, S. 15). Jeder, der einmal Fußball gespielt hat, kennt sie. Die Jungs/ Mädchen, die mit dem Ball umgehen können, als würden sie nie etwas anderes tun. Sie vollführen mit dem runden Leder Kunststückchen, die kaum vorstellbar sind. Man sieht diese Jungs/Mädchen oft in Parks kicken. Doch viele dieser genialen Kicker/innen werden es nie wirklich im Fußball zu etwas bringen, weil sie es nicht lernen werden, ihre technischen Fähigkeiten in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Sie suchen lieber einen offensiven Zweikampf, versuchen dabei ihren Gegenspieler lächerlich aussehen zu lassen, als den Mitspieler der fünf Meter daneben besser postiert steht, anzuspielen. Sie schaffen es nicht den nötigen Ehrgeiz im Spiel zu entwickeln und die Lässigkeit, die sie beim Kicken im Park haben, auch dort zu lassen. Diese begabten Jungs sind wirklich zu bedauern, denn mit ihrem Talent könnten sie es weit bringen.

Wenn man Technik als Verfahren zur Lösung sportlicher Aufgabenstellungen bezeichnet, muss danach gefragt werden, welche Aufgaben der Spieler im Laufe des Spiels zu lösen hat. Techniktraining sollte sich immer am Wettkampf orientieren. Technisches Können darf nie dem Selbstzweck dienen, und ist erst dann wertvoll, wenn es situativ zielbewusst eingesetzt wird. Der Aneignung sowie der Weiterverbesserung neuer Technikformen muss ein hoher Stellenwert eingeräumt werden (vgl. Bauer, 2001, S.37). Dabei gilt, dass während eines Techniktrainings ein hohes Augenmerk darauf gelegt werden muss, die vorhandene Technik in wettkampfnahen Übungsformen einzusetzen. Natürlich sollten die Grundtechniken des Fußball, die im nächsten Kapitel aufgelistet sind, auch isoliert und bis zur Perfektion trainiert werden, aber eine perfekte Technik nützt absolut gar nichts, wenn sie in einem Spiel mit Gegner und Zeitdruck nicht abgerufen werden kann. D. h., dass Übungsformen gewählt werden müssen, die vom Einfachen zum Schweren übergehen, also von einer isolierten Übung bis hin zum Trainingsspiel, bei der die Technik auch unter Wettkampfvoraussetzungen verfeinert wird (vgl. Grosser, 1982, S. 8 ff.).

Natürlich ist das angeborene Talent eine wichtige Voraussetzung im mühelosen Umgang mit dem Ball, aber durch Trainingsfleiß lassen sich eventuell vorhandene Nachteile zu einem großen Teil ausgleichen. Auch für die talentiertesten Spieler gilt im Übrigen, dass nur ein ständiges Training zur perfekten Technik führt.

Viele Spieler verstehen genau das nie. Sie werden als die größten Talente hochgehoben, ihnen wird eine große Zukunft vorausgesagt, aber seltsamerweise schaffen es die meisten von ihnen nie bis ganz nach oben. Ihnen fehlt der nötige Ehrgeiz sich ständig weiterzuentwickeln und sich zu verbessern. Sie werden mit Lob und Geld überschüttet ohne sie immer weiter voranzutreiben. Viele deutsche Talente sind dadurch völlig von der Fußball - Oberfläche verschwunden und tümpeln in den unteren Ligen rum. Ewige Talente werden sie genannt, weil sie sich nicht entsprechend weiterentwickelt haben. Sie haben sich damit aber auch ihre fußballerische Zukunft, die ohne weiteres rosig aussah, verbaut. Und oft sind die Spieler, denen man nie eine große fußballerische Zukunft zugemutet hätte, Bundesligaspieler geworden. Gerade im Bereich der Technik muss immer wieder an sich gearbeitet werden. In den Jugendjahren soll und wird häufig darauf geachtet, dass vor allem beidbeinig gearbeitet wird. Schaut man sich die Senioren an, scheint das alles verloren gegangen zu sein, weil eben in diesen Jahren kaum noch Wert auf eine ordentliche Technikschulung gelegt wird.

„Im Fußball lassen sich mehrere Grundtechniken definieren. Diese Elemente umfassen das zielgerichtete Verhalten in den vielfältig auftretenden Angriffs- und Abwehrsituationen des Wettkampfs“ (Düwel, 2005, S. 31).

Grundsätzlich ist dabei zu unterscheiden zwischen Aufgaben, die der Spieler zu lösen hat, wenn er selbst nicht in Ballbesitz ist, und Aufgaben, die sich ihm stellen, wenn er selbst am Ball ist. Dementsprechend unterscheidet man zwischen

– Technik ohne Ball und - Technik mit Ball (vgl. Bauer, 2001, S. 37). Da wir uns in dieser Arbeit einzig und allein mit der Technik mit Ball auseinandersetzen wollen, betrachten wir diese auch nur.

- Techniken mit Ball

Man unterscheidet folgende fußballspezifische Techniken:

- Passen/ Stoßen;
- Dribbling/ Fintieren;
- Ballkontrolle (Ballan- und -mitnahme);
- Torschuss;
- Kopfball (vgl. Düwel, 2005, S. 31).

Sämtliche hier genannten Techniken sind auf dem Feld von großer Bedeutung. Jede Einzelne ist sehr wichtig und erfordert daher größte Aufmerksamkeit im Training. Gerade wenn man sich die Techniken mit dem Fuß anschaut, also der Torschuss, die Passtechniken, selbst bei den Dribblings sollten beide Füße trainiert werden. Im Spiel gibt es häufig Situationen bei denen nur mit dem schwachen Fuß gespielt werden kann, so dass eine saubere Technik mit dem schwächeren Fuß auch da nur von Vorteil sein kann. Beispielsweise der Stürmer: er kann sich nicht aussuchen mit welchem Fuß er auf das Tor schießen kann. Es ist kaum Zeit vorhanden und der Druck des Gegners ist so hoch, dass er überhaupt froh sein kann, frei zum Schuss zu kommen. Je höher die Leistungsklasse im Fußball, in der man spielt, umso weniger Zeit hat man bei den einzelnen Aktionen und umso höher ist auch der Druck, den man vom Gegner erfährt. Es ist daher absolut notwendig, fähig zu sein, nicht nur mit einem Fuß die entsprechenden Aktionen ausführen zu können, sondern man muss mit beiden Füßen in der Lage sein, den Ball zum Mitspieler zu passen, aus einer gefährlichen Abwehrsituation zu klären oder sogar ein Tor zu erzielen.

Wir wollen auch hier in Anlehnung an unser Thema nicht auf sämtliche Techniken des Fußballspiels eingehen, sondern betrachten nur die Technik des Passen und Stossens des Balles.

- Die Pass- und Stosstechniken

„Die Pass- und Schusstechniken – sie werden auch als Stossarten bezeichnet – haben innerhalb der Gruppen von technischen Elementen eine eigenständige und herausgehobene Stellung“ (Bauer, 1998, S. 81). Eine herausgehobene Stellung deshalb, weil sie zum einen sehr wichtig sind für den Erfolg einer Mannschaft, und zum anderen ähneln sich diese Techniken sehr stark in ihrem technomotorischen Bewegungsablauf. In ihrer Technik sind sie relativ starr, dadurch aber eindeutig und klar zu beschreiben. Ein Vorteil, den sie gegenüber den anderen, oben beschriebenen Techniken, haben. Der Spieler und der Trainer ist in der Lage, fehlerhafte Ausführungen besser zu erkennen und durch ein entsprechendes Training diese fehlerhaften Techniken schneller und einfacher zu beheben als das bei anderen Techniken der Fall ist. Durch die Komponenten Präzision und Konstanz bei der Ausführung von Pass- und Stoßtechniken ist eine Verbesserung einerseits schneller erreichbar und andererseits augenfälliger (vgl. Bauer, 1998, S. 81).

Vermutlich werden Stossarten auch deshalb – und nicht nur, weil sie in Form von Torschüssen den Spielern immer großen Spaß machen – im Training häufiger geübt als die meisten anderen Techniken.

! Der Innenseitstoß

Der Innenseitstoß ist die Technik, mit der – als Fußballästhet möchte man sagen leider – der Ball am häufigsten gespielt wird. Durch die unnatürliche – und über lange Sicht auch hüftgelenkschädigende – Außenrotation, die das Spielbein dabei ausführen muss, wirkt das Zuspiel manchmal etwas unbeweglich. Andererseits kann der Spieler beim Innenseitstoß den Ball mit der größten Trefffläche am Fuß spielen, das gibt Sicherheit und Konstanz, vor allem bei direkt gespielten Pässen und Schüssen (vgl. Bauer, 1998, S. 92). Direktes Passspiel hat im Fußball einen sehr hohen Stellenwert eingenommen. Diese Art von Kombinationsspiel macht ein Fußballspiel so attraktiv. Gerade bei Mannschaften die mit einer geordneten und dichten Abwehr agieren, muss man als Gegner sich einiges einfallen lassen, um zu einem Torerfolg zu gelangen. Hier ist ein sehr gutes direktes Passspiel zwischen den Mitspielern von sehr großer Wichtigkeit. Nur so kann eine starke Abwehr in Unordnung gebracht und ausgehebelt werden. Direkter Kombinationsfußball kann aber nur funktionieren, wenn jeder einzelne Spieler über eine sehr gute Innenseitstoßtechnik verfügt. Ist nur ein Spieler in dieser Kombination dabei, der diese Art der Technik nur ungenügend beherrscht, kann das schon ausreichen, damit der Angriff zusammenbricht.

Für ein direktes Kombinationsspiel müssen die Pässe vor allen Dingen scharf, also fest, und sehr präzise gespielt werden. Die Präzision ist hierbei von außerordentlicher Bedeutung. „Gerade im Leistungsfußball müssen die Spieler über eine außerordentlich sichere Stoßtechnik verfügen, denn nur dann können zentimetergenaue Pässe und präzise Torschüsse auch aus dem vollen Lauf und über große Distanzen geschlagen werden“ (Bauer, 2001, S. 49). Abspielfehler werden meist bestraft, denn sie führen zu Ballverlusten und können, wenn sie nahe dem eigenen Tor geschehen, den Gegner erhebliche Spielvorteile bringen und die eigene Mannschaft in Bedrängnis. Aus diesem Grunde „muss die Pass- und Stoßtechnik durch intensives Üben und Trainieren bis hin zur Feinstform perfektioniert werden. Fehler im grundlegenden Bewegungsablauf, die sich in jungen Jahren ungestraft einschleichen, stören den Spieler in seiner Leistungsentwicklung dauerhaft und sind später kaum noch zu beheben“ (Bauer, 2001, S. 49).

Wichtig ist also, dass im Nachwuchstraining besonders großer Wert darauf gelegt werden muss, Anfängerfehler sehr früh und wirkungsvoll zu beseitigen, da diese Fehler später nur sehr schwer zu beheben sind. Wie bei keiner anderen Technik ist das Erkennen von Fehlertypen und Fehlerursachen dabei von entscheidender Bedeutung. Die zu ergreifenden Korrekturmaßnahmen sind jeweils fehlerspezifisch auszuwählen und anzuwenden.

Der Innenseitstoß gehört zu den am meisten verwendeten Techniken im Fußball. Mit dieser Technik lässt sich der Ball sehr zielsicher spielen. Dadurch ist er für das direkte Kombinationsspiel besonders gut geeignet. Auch Torschüsse aus kurzer Distanz werden mit der Innenseite oft erfolgreicher als mit dem Vollspann gespielt. Nachteilig an der Technik ist, dass die Stöße weniger kräftig sind und die Bälle deshalb nur über kurze bis mittlere Distanz geschlagen werden können.

- Der Bewegungsablauf

Der Bewegungsablauf beim Innenseitstoß lässt sich in die folgenden Bewegungsabschnitte unterteilen:

- Anlauf: Geradlinig in Richtung Ziel;
- Standbein: In Sprung-, Knie- und hüftgelenk federnd gebeugt;
- Standfuß: Steht etwa ein bis zwei Fußbreiten neben dem Ball;
- Spielbein: Schwingt zum Auftakt im Hüftgelenk nach hinten und in der Hauptphase nach vorne in Richtung zum Ball, dabei zunehmende Außenrotation;
- Spielfuß: Etwa 90 Grad zum Standfuß nach außen rotiert; Fußspitze angezogen, so dass Fußsohle parallel zum Boden; im Fußgelenk durch Muskelspannung fixiert;
- Trefffläche: Innenseite des Fußes zwischen Zehengrundgelenk und Knöchel;
- Oberkörper: Über Ball und Standbein;
- Arme: Halten seitwärts angewinkelt das Gleichgewicht (vgl. Bauer, 2001, S.54).

- Häufige Fehler und ihre Behebung

Wie oben schon beschrieben ist der Innenseitstoß beim Fußball von sehr großer Bedeutung. Er ist von sämtlichen Stosstechniken, die in einem Spiel angewendet werden, die am meisten Verwendete und daher enorm wichtig für den Erfolg einer Mannschaft. Der Bewegungsablauf ist beim Innenseitstoß von relativ starrer Struktur und sehr wenig variabel. Vorteil dabei ist allerdings, dass vorhandene Fehler bei der Ausführung einfacher und klarer zu erkennen sind. Diese können dann natürlich durch ein entsprechendes Training recht schnell wieder behoben werden. Hierbei ist wieder einmal zu erkennen, dass ein Techniktraining für die Stossarten, speziell auch für den Innenseitstoß von herausragender Bedeutung ist und selbst bei gestandenen Spielern auch in höheren Klassen noch zu Verbesserungen führen kann und deshalb in einem Trainingsplan nicht vergessen werden darf.

Fehler im Bewegungsablauf können wie folgt aussehen:

- Schiefes Abspiel (zu `lockerer` Schussfuß. Anweisung: die Schussbewegung muss von der Ferse aus gesteuert und der Ball mit einer möglichst großen Fläche getroffen werden).
- Der Ball bleibt nicht auf dem Boden (Ursache: der Ball wird bei der den Schuss abschließenden Aufwärtsbewegung unterhalb seiner Mitte getroffen. Anweisung: 1) das Standbein an den Ball heran, 2) den Oberkörper etwas nach vorne lehnen, um das Knie im Augenblick des Schusses über dem Ball zu haben).
- zu schwacher Schuss (Ursache: das Schussbein schwingt nicht weit genug nach hinten. Anweisung: stelle dir den Ball wie eine Mauer vor, die du eintreten musst) (vgl. Peitersen, 2003, S. 25).

- Anwendung

Der Innenseitstoß findet in einem Fußballspiel des Öfteren Anwendung. Diese Art der Stosstechnik wird oft bei kurzen, flachen Zuspielen verwendet. Ein wesentlicher Bestandteil ist er beim direkten Kombinationsspiel, welches ein Erfolgsgarant für eine Mannschaft darstellt. Außerdem wird der Innenseitstoß bei präzisen Torschüssen gebraucht, wenn der Spieler ziemlich nah vor dem gegnerischen Tor steht (vgl. Bauer, 2001, S. 54).

! Vollspannstoß

„Der Vollspannstoß ist die ursprünglichste und vom Bewegungsablauf her die natürlichste Stoßart. Er entspricht dem Grundmuster des Kickens, das schon kleine Kinder ausführen können“ (Bauer, 1998, S. 85). Dadurch, dass der Vollspann nur eine sehr kleine Trefferfläche bietet, ist es sehr schwierig, den Ball bei vielen Anwendungen immer wieder präzise zu treffen. Die Fehlerquote ist dabei entsprechend hoch. Nur sehr wenige beherrschen diesen wirklich in Perfektion.

Der Spannstoß kann sehr vielseitig eingesetzt werden. Es ist die Technik, „mit der die weitesten Pässe gespielt und die schärfsten Schüsse geschlagen werden können. Es ist die Technik für den klassischen Torschuss“ (Bauer, 2001, S. 49). Doch auch für kurze Pässe kann der Vollspannstoß genutzt werden. Der Krafteinsatz ist entsprechend geringer. Eine weitere Variante sind hohe oder flach gespielte Pässe oder Schüsse. Verantwortlich dafür ist die Stellung des Standfußes und die Lage des Oberkörpers (vgl. Bauer, 2001, S. 49).

Neben dem Vollspannstoß gibt es noch zwei Abweichungen davon. Der Innenspannstoß wird meist verwendet, wenn der Ball mit großem Effet gespielt werden soll. Diese Art des Spannstoßes erfährt seine größte Bedeutung bei der Ausführung von Freistößen und Eckbällen, wird häufig auch von den Außenbahnspielern zum Flanken genutzt. Dabei wird der Ball mit der Innenseite des Spannes getroffen. Durch die größere Trefffläche als beim Vollspannstoß ist die Fehlerquote nicht ganz so groß, aber ebenso effektiv.

Eine weitere Variante des Spannstoßes ist der Außenspannstoß. Wie der Name schon sagt, wird dabei der Ball mit der Außenseite des Spannes geschlagen. Anwendung findet diese Art des Spannstoßes nur sehr selten, weil nur hervorragende Techniker diesen Stoß beherrschen. Mit ihm werden völlig verdeckte Pässe gespielt oder aus vollem Lauf oft überraschend auf das Tor `geschnipelt`. (vgl. Bauer, 1998, S. 87 f).

- Bewegungsablauf

- Anlauf: geradlinig in Richtung Ziel.
- Standbein: in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk federnd gebeugt.
- Standfuß: steht etwa eine Fußbreite neben dem Ball.
- Spielbein: schwingt zuerst im Hüftgelenk, dann im Kniegelenk in der Auftaktphase nach rückwärts und in der Hauptphase vorwärts gegen den Ball; dabei peitschenartige Beschleunigung des Unterschenkels; Ausklangbewegung nach vorwärts-aufwärts.
- Spielfuß: im Sprunggelenk gestreckt und durch Kontraktion der Muskeln fixiert.
- Trefffläche: Fußrist
- Oberkörper: über Standbein und Ball gebeugt (vgl. Bauer, 2001, S. 49).

- Häufige Fehler und ihre Behebung

- Der Fuß tritt in den Boden (Ursache: der Oberschenkel wird gesenkt, so dass das Knie nicht ausreichend über den Ball kommt. Anweisung: das Knie vor, bevor es gestreckt wird).
- `Schiefer ` Anlauf (Ursache: oftmals Furcht, mit dem Fuß in den Boden zu treten. Anweisung: üben mit ruhendem Ball).
- zu schwacher Schuss (Ursache: der Oberschenkel wird nicht kräftig genug nach vorne geführt und/oder die Streckung des Knies erfolgt nicht kräftig genug. Anweisung: Schwinge das Bein übertrieben weit nach hinten und führe die Bewegung nach vorne ganz durch).
- Schuss in die Wolken (Ursache: das Standbein steht zu weit hinter dem Ball, und der Körper ist während des Schusses in Rücklage. Anweisung: Das Standbein ganz nah an den Ball und das Knie des Schussbeins über den Ball führen) (vgl. Peitersen, 2003, S. 22).

2.3 Zusammenfassung von Kapitel 2

Im 2. Kapitel wurde gezeigt, welchen Stellenwert der Fußball in unserer Gesellschaft einnimmt. Welche Einflussfaktoren den Fußballsport prägen, sowie die leistungssteuernden Faktoren wurden dargestellt. Zu diesen zählt unter anderem auch die Technik im Fußball. Eine Komponente davon sind die Pass- und Stoßtechniken, die, da der Fußball eine Mannschaftssportart ist, unwahrscheinlich wichtig sind für den Erfolg einer Mannschaft. Sind auch nur ein, zwei oder drei Spieler einer Mannschaft dabei, die diese Technik nicht gut beherrschen, so wirkt sich das enorm auf das Zusammenspiel aus, was wiederum nachteilig ist für die eigene Mannschaft und Vorteile bringt für den Gegner. Es ist gerade bei dieser Komponente der Technik unerlässlich auch den leistungsschwächeren Fuß einzusetzen, da es in einigen Spielsituationen dazu kommen wird, dass nur mit diesem der Ball gespielt werden kann. Es sollte also vom Trainer darauf geachtet werden, dass beim Pass- und Schusstraining ebenfalls mit dem leistungsschwächeren Fuß trainiert wird.

In diesem Kapitel finden sie die entsprechenden Anleitungen zum Bewegungsablauf von Innenseit-, Vollspann- und Außenspannstoß, sowie die häufigsten Fehler in der Ausführung, ihre Behebung und die Anwendung der entsprechenden Stoßarten.

3 Jugendfußball

In Deutschland – und nicht nur dort – ist Fußball, wie anfangs erwähnt, zahlenmäßig die beliebteste Sportart. Dies gilt aber nicht nur für die Erwachsenen. Nein, auch und gerade die Kinder und Jugendlichen begeistern sich immer mehr für das runde Leder.

Mit dem Gewinn der dritten Fußball-Weltmeisterschaft 1990 und der EM 1996 ist die Zahl der Jugendfußballspieler im Deutschen Fußball Bund stetig gestiegen. Nach imponierenden Vorstellungen mit offensivem, technisch brillantem Fußball in fast allen Spielen der Vorrunde und der Hauptrunde schaffen Franz Beckenbauer und seine Mannschaft in Deutschland wieder eine neue Begeisterungswelle für unseren Sport Nr. 1, die zu neuen Anmeldeschüben in den Fußballjugendabteilungen der Vereine führt.

Mit Einführung der G-Jugend in den „Baby-Ligen“ und Aktionen wie „4 gegen 4 mit vier“ sind heute im DFB mehr als eine Million Jugendfußballer in über 20.000 Vereinen mit über 100.000 Mannschaften gemeldet.

Sehr beliebt sind heute auch die Bolzplatz-Aktionen. Ziel der Landesverbände, die diese Aktionen vor einigen Jahren ins Leben gerufen haben, ist das freie Spiel, völlig ohne Wettkampfdruck und nur mit der puren Lust am Fußballspielen.

„Unser Jugendfußball von morgen hängt eng mit der Jugendarbeit von heute zusammen. Deshalb muss die Arbeit mit der Jugend und für die Jugend das Zentrum aller Bemühungen von Vereinen und Verbänden sein“ (Wagner, 1998, S. 5).

Wenn die Jungs und Mädchen in die Sportvereine kommen um Fußball zu spielen, kommen sie mit großen Erwartungen. Um diesen dann auch gerecht zu werden, benötigen die Vereine ausgebildete Jugendtrainer, die die Merkmale der einzelnen Altersgruppen kennen und entsprechend ein spezielles Kinder- und Jugend- Trainingsprogramm aufbauen. Auf folgende Dinge sollte dabei geachtet werden:

- er bietet ein abwechslungsreiches Training mit spielgerechten Übungsformen an und
- das Jugendtraining darf keine Kopie des Herrentrainings sein.

Daher ist das freie Spiel die wichtigste Voraussetzung zur Entfaltung des eigenen Könnens eines jeden Jungen, damit sich jeder in seinem Spiel wieder findet (vgl. Wagner, 1998, S. 5 f.).

Wir möchten nun in den folgenden Abschnitten zunächst darstellen, welche Altersgruppen man im Kinder- und Jugendfußball unterscheidet. Außerdem sollen die Merkmale dieser Altersgruppen beleuchtet werden, um einen Überblick zu geben, wie der Trainer diese Merkmale in den Aufbau seines Trainingsprogramms zu berücksichtigen hat.

3.1 Die Altersgruppen im Jugendfußball

Der wohl wichtigste Grundsatz beim Training mit Kindern und Jugendlichen, der größter Aufmerksamkeit bedarf, ist dieser: Jugendtraining ist kein verringertes Erwachsenentraining; Kindertraining ist kein verkürztes Jugendtraining! (vgl. Schreiner, 2001, S. 15).

Im Kindes- und Jugendalter werden die für die spätere Höchstleistung bestimmenden Fähigkeiten erworben und ausgeprägt!

Das Training im Kindes- und Jugendalter wird den Veränderungen der körperlichen, geistigen und psychischen Entwicklung der verschiedenen Altersstufen angepasst (vgl. Frick, 2002)!

Versäumnisse und Mängel aus dieser Zeit sportlicher Entwicklung und Reifung lassen sich im Erwachsenenalter gar nicht oder nur sehr begrenzt nachholen.

Folgende Altersstufen lassen sich nach dem kalendarischen Alter einteilen:

Tab. 1: Einteilung der Alterstufen nach dem kalendarischen Alter (vgl. Frick, 2002)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Deutsche Fußball Bund hat im Kinder- und Jugendbereich eine Altersklasseneinteilung vorgenommen, d. h., die in der Tab. 1 dargestellten Altersstufen werden im Kinder- und Jugendfußball speziell in Altersklassen aufgeteilt. Es ist klar, dass ein Kind im Alter von 6 Jahren einem Jugendlichen, der 14 Jahre alt ist, in allen Belangen unterlegen ist. Um solche gravierenden Unterschiede zu vermeiden und ein einigermaßen homogenes körperliches Leistungsniveau zu schaffen, unterteilt man die Kinder- und Jugendlichen in Altersklassen. Man gehört einer Altersklasse 2 Jahre an, um danach in die nächst höhere zu wechseln. Dieser Wechsel ist kein Wechsel aufgrund von sportlicher Leistung, sondern rein aufgrund des Alters des Spielers. Der Stichtag jeder Altersklasse ist der 1. August.

3.2 Die Ausbildungs- und Trainingsabschnitte im Jugendfußball

Als Trainer muss man natürlich darauf achten, dass die Kinder jeder Altersstufe eine andere Entwicklung durchmachen und man dafür ein entsprechendes Training anbieten und einen entsprechenden Umgang mit den Kindern und Jugendlichen pflegen muss. Wie diese Einteilung des DFB in die Altersklassen aussieht und welcher Trainingsabschnitt in der jeweiligen Klasse von Bedarf ist, wird in der folgenden Tabelle 2 gezeigt:

Tab. 2: Trainingsabschnitte im Jugendbereich (vgl. Frick, 2002)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Training der jeweiligen Trainingsabschnitte muss auf die Entwicklung, die die Kinder und Jugendlichen durchlaufen, abgestimmt werden. Die Ziele der Trainingsabschnitte sind unterschiedlich und die Trainingsmethoden und –Inhalte entsprechend. Die folgende Tabelle zeigt, welche Ziele in den einzelnen Abschnitten verfolgt werden und worauf ein Trainer beim gestalten der Trainingseinheit achten sollte.

Tab. 3: Ziele der einzelnen Trainingsabschnitte (vgl. Frick, 2002 Bischops, 2004, S. 13)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um noch einmal deutlich zu machen, welches Hintergrundwissen ein Kinder- und Jugendtrainer mitbringen sollte, werden nun noch einmal in aller Kürze die Ausbildungsabschnitte sowie die wichtigsten Hinweise in den Abschnitten aufgelistet: (nachzulesen in Frick, 2002)

1. Ausbildungsabschnitt: Grundlagentraining

G-, F- und E-Junioren

Vorschulalter + Grundschulalter: 3- 6- 10 Jahre

Ziel: Eigenen Körper kennen lernen

- Vielseitige Grundausbildung
- Bewegungserfahrung (Laufen, Springen, Klettern, Werfen)
- Ergänzungssportarten

- keine frühzeitige Spezialisierung auf Sportart und Position fördert eine umfassende Ausbildung und verhindert eine frühzeitige einseitige Beanspruchung des Bewegungsapparates.

Wichtig! : je vielseitiger die sportliche Grundausbildung, desto schneller lernt man das Fußballspielen (vgl. Hirtz, Hummel Ockhardt in Daugs, 1991, S. 125 ff.).

Motto des 1. Ausbildungsabschnittes:

- (sportliche) Bewegungen kennen lernen
- Fußball spielen
- Erziehung der Kinder zu selbständigem eigenverantwortlichem Handeln

2. Ausbildungsabschnitt: Aufbautraining

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hauptmerkmal: goldenes Lernalter

- Ausgleich Längen- und Breitenwachstum;
- lernen auf Anhieb auch schwierigste Bewegungsabläufe;
- Nachahmungstrieb, aber auch eigene Ideen;
- starker Neugier- und Wissensdrang;
- spezielles Üben technischer Fähigkeiten wird erwünscht;
- Bewegungen werden bewusst gesteuert;
- Verfeinerung der grob erlernten Technik;
- hohe Risikobereitschaft, ausgeprägte Bewegungsfreude.

[...]

Ende der Leseprobe aus 133 Seiten

Details

Titel
Techniktraining im Fußball. Auswirkungen auf die Zielpräzision des leistungsschwächeren Fußes
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
133
Katalognummer
V455468
ISBN (eBook)
9783668884670
ISBN (Buch)
9783668884687
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, techniktrainings, zielpräzision, fußes
Arbeit zitieren
Alexander Sturm (Autor), 2005, Techniktraining im Fußball. Auswirkungen auf die Zielpräzision des leistungsschwächeren Fußes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455468

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