Heldenfiguren sind absolut angesagt. Ob Action-, Super- oder Antiheld – das Interesse der Popkultur an außergewöhnlichen Heldencharakteren kennt keine Grenzen. Schenkt man jedoch so mancher Stimme der Forschung oder des Feuilletons Gehör, leben wir mittlerweile in einer postheroischen Gesellschaft. Leben wir in einer Zeit, in der man in Wahrheit keine Helden mehr braucht? Haben heroische Werte überhaupt noch einen Platz in unserer Gesellschaft?
Die hier erarbeitete und dokumentierte Unterrichtseinheit versucht das vielversprechende Thema Helden auf altersgerechte Weise mit Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse zu bearbeiten. Um das breite Spektrum des Heldenbegriffs auszuloten, behandelt diese Unterrichtseinheit Klassiker der mittelhochdeutschen Heldenliteratur. Das Ziel ist die analytische und reflexive Arbeit am Heldenbegriff durch die Erarbeitung mittelalterlicher Heldenkonzeptionen und die Herausstellung ihrer Relevanz für unser Verständnis von Heldentum in der Gegenwart.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedingungs- und Klassenanalyse
3. Sachanalyse
3.1 Der Heldenbegriff als empty signifier
3.2 Entwicklung des Heldenbegriffs
3.3 Mittelalterliche Helden: Nibelungenlied und Iweinroman
4. Didaktische Vorüberlegungen
4.1 Bildungsplanbezug
4.2 Relevanz und Bedeutung der Unterrichtseinheit
4.3 Überlegungen zur Zugänglichkeit der ausgewählten Inhalte
5. Überblick über den Aufbau der Unterrichtseinheit
5.1 Tabellarische Übersicht der Unterrichtseinheit
6. Darstellung der Unterrichtsstunden
6.1 Konzeption und Reflexion der Unterrichtsstunde 1: Vorstellungen von Heldentum
6.2 Überblick über die Stunden 2 und 3: Themen und Figuren des Nibelungenlieds
6.3 Konzeption und Reflexion der Stunde 4: Hagen – Bösewicht oder missverstandener Held?
6.4 Überblick über die Stunden 5-7: Das Heldenkonzept des Epos, Iwein – Held des Romans, Talkshow zum Thema „Wahre Helden“
6.5 Konzeption und Reflexion der Stunde 8: Alte und neue Helden
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit zielt darauf ab, den Heldenbegriff analytisch und reflexiv mit Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse zu erschließen, indem mittelalterliche Heldenkonzeptionen erarbeitet und ihre Relevanz für das zeitgenössische Verständnis von Heldentum herausgestellt werden.
- Analyse und Reflexion des Heldenbegriffs
- Erarbeitung mittelalterlicher Heldenbilder (Nibelungenlied, Iweinroman)
- Kontrastierung heroischer und ritterlicher Heldenkonzepte
- Transfer auf moderne Heldenbilder der Popkultur
- Entwicklung eigener Vorstellungen von Idealbildern der Gegenwart
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Heldenbegriff als empty signifier
Held ist ein Wort, das schillernd klingt, uns mit reichlich Pathos entgegentritt und in uns zahlreiche Vorstellungen weckt, von großen Taten und Tugenden, von Exorbitanz und Gewalt, von Ruhm, Ehre, Leid, Tod usw. Hinter dem Wort Held steht ein Begriff, der viel verspricht und gleichzeitig schwer greifbar ist, ein sprachliches Zeichen, das sich nicht „durch einen definiten Inhalt ausfüllen lässt, andererseits aber als regulative Idee unentbehrlich ist.“5 Der Begriff des Helden ist ein sogenannter empty signifier erster Güte – eine Art Platzhalter für einen sich dauernd wandelnden gesellschaftlich-kulturellen Diskurs, der trotz seiner inhaltlichen Redundanz über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg als ‚Transportvesikel‘ von damit einhergehendem Enthusiasmus und als eine Art gemeinschaftlicher Ausgangs- und Orientierungspunkt dienen kann, auf den man sich verständigen und beziehen kann. Trotz bzw. gerade durch seine maximale Offenheit erzeugt der Begriff Held ein Gefühl der Einigkeit und des Verstehens. Auch wenn vielleicht niemand ganz genau sagen kann, was einen Helden eigentlich ausmacht, weiß jeder etwas mit dem Begriff anzufangen, fühlt sich durch ihn angesprochen und verbindet mit ihm die Ahnung einer inhaltlichen Fülle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Heldenbegriffs in einer postheroischen Gesellschaft und begründet die Notwendigkeit, sich im Deutschunterricht mit literarischen Heldenentwürfen auseinanderzusetzen.
2. Bedingungs- und Klassenanalyse: Dieses Kapitel beschreibt die spezifischen Rahmenbedingungen der Lerngruppe 7x, einschließlich ihrer kognitiven und sozialen Voraussetzungen, die für die Planung der Unterrichtseinheit maßgeblich sind.
3. Sachanalyse: Hier erfolgt eine fachliche Fundierung des Heldenbegriffs, seiner Herkunft und Entwicklung sowie der spezifischen Heldenkonzepte des Nibelungenlieds und des Artusromans.
4. Didaktische Vorüberlegungen: Das Kapitel verknüpft die fachlichen Inhalte mit den curricularen Anforderungen des Bildungsplans und reflektiert die pädagogische Bedeutung sowie Methoden zur Erleichterung der inhaltlichen Zugänglichkeit.
5. Überblick über den Aufbau der Unterrichtseinheit: Es wird die Struktur der achtstündigen Einheit dargelegt, inklusive der übergeordneten Lernziele und einer tabellarischen Übersicht des zeitlichen Ablaufs.
6. Darstellung der Unterrichtsstunden: Dieser Teil bietet eine detaillierte Konzeption und Reflexion ausgewählter Schlüsselstunden (1, 4 und 8) sowie einen Überblick über die weiteren Unterrichtsstunden.
7. Fazit: Das Fazit resümiert den Erfolg der Unterrichtseinheit hinsichtlich der gesetzten Lernziele und reflektiert kritisch die Umsetzung sowie das Potenzial für zukünftige Unterrichtsplanungen.
Schlüsselwörter
Held, Heldentum, Nibelungenlied, Iweinroman, Mittelalter, Heldenbegriff, Literaturdidaktik, Heldenepos, Ritterideal, Popkultur, postheroische Gesellschaft, Deutschunterricht, Identitätsbildung, Heldenkonzeption, Identifikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert und reflektiert eine Unterrichtseinheit für die siebte Klasse, die sich kritisch mit dem Begriff des Helden und verschiedenen Heldenkonzeptionen auseinandersetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Heldenbild des Mittelalters anhand von Epen und Romanen, der Wandel des Begriffs, die Rezeption in der heutigen Popkultur sowie die Frage nach modernen Vorbildern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern ein differenziertes Verständnis des Heldenbegriffs zu vermitteln und sie zu einer kritischen Reflexion über Identifikationsangebote zu befähigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen literaturdidaktische Ansätze zur Anwendung, insbesondere die aspektorientierte Textanalyse und produktionsorientierte Verfahren wie Talkshows oder die Erstellung von Heldenplakaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben einer theoretischen Sachanalyse die didaktischen Vorüberlegungen, der konkrete Aufbau der Unterrichtseinheit sowie die detaillierte Darstellung und Reflexion einzelner Unterrichtsstunden ausgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Held, Heldentum, Nibelungenlied, Literaturdidaktik, Heldenkonzeption und die Übertragbarkeit auf die moderne Lebenswelt.
Warum wird gerade Hagen als Figur so intensiv diskutiert?
Hagen ist eine kontroverse Figur, da er einerseits als Bösewicht wahrgenommen wird, aber innerhalb des heroischen Regelgefüges des Nibelungenlieds Eigenschaften zeigt, die ihn als Helden legitimieren.
Was unterscheidet den Helden des Epos von dem des Artusromans?
Während der epische Held (z.B. Siegfried) oft als übermächtiger, in seinem Handeln finaler Kämpfer auftritt, ist der Romanheld (z.B. Iwein) fehlbar, entwicklungsfähig und orientiert sich an moralischen Werten.
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- David Steinort (Author), 2018, Mittelalterliche Helden. Eine Unterrichtseinheit für die siebte Klasse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455504