Diese Arbeit befasst sich mit den Textzeugnissen volkssprachiger Schriftlichkeit im Bereich der Heiligenverehrung. Es sind drei Texte überliefert: das Petruslied, das Georgslied und das Galluslied. Die Arbeit gibt einen möglichst umfassenden Überblick über das System der Heiligenverehrung im Frühmittelalter, um anschließend die drei überlieferten Hymnen darin einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1.1. Einleitung: Die Volkssprache des frühen Mittelalters
1.2. Der Beginn der volkssprachigen Schriftlichkeit
1.3. Ziel der Arbeit
2. Heiligenverehrung im frühen Mittelalter
3. Heiligenverehrung in der volkssprachigen Literatur
3.1. Vorliterarische Heiligenlieder
3.2. Literarisierung der Heiligenlieder
3.3. Legende und Hagiographie
3.4. Mirakelbücher
3.5. Hymnen
3.6. Außerliturgische Hymnen und Bittlieder
4.1. Das Galluslied
4.1.1. Entstehung und Überlieferung
4.1.2. Form
4.1.3. Inhalt
4.1.4. Fazit
4.2. Das Petruslied
4.2.1. Entstehung und Überlieferung
4.2.2. Form
4.2.3. Inhalt
4.2.4. Fazit
4.3. Das Georgslied
4.3.1. Entstehung und Überlieferung
4.3.2. Form
4.3.3. Inhalt
4.3.4. Fazit
5. Fazit
5.1. Vergleich
5.2. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattung der Heiligenlieder innerhalb der althochdeutschen Literatur, um deren Rolle im früh-mittelalterlichen System der Heiligenverehrung zu analysieren und einzuordnen. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der Funktion, der formalen Gestaltung und dem inhaltlichen Bezug der drei überlieferten Texte – Petruslied, Galluslied und Georgslied – im Spannungsfeld zwischen volkssprachiger Frömmigkeit und klerikalem Lateineinfluss.
- Analyse des früh-mittelalterlichen Systems der Heiligenverehrung als soziale Integrationskraft.
- Untersuchung der Entstehungsbedingungen und Überlieferungsgeschichte der drei Hymnen.
- Formale und inhaltliche Charakterisierung der Texte als liturgische bzw. paraliturgische Zeugnisse.
- Vergleichende Einordnung der Lieder hinsichtlich ihrer literarischen Virtuosität und ihres Bezugs zur Legendentradition.
Auszug aus dem Buch
4.1.2. Form
Die Form des volkssprachigen Hymnus kann nach der lateinischen Vorlage rekonstruiert werden, der Text allerdings nicht; selbst wage Rückschlüse sind nur begrenzt möglich. Im Unterschied zum ausgeschmückten Galluslied Ekkehards IV. soll das Galluslied Ratperts aber eher schlicht und faktenreich gestaltet gewesen sein. Stattdessen betont Ekkehard IV. literatur- und kulturgeschichtliche Aspekte und bringt Kritik am zeitgenössischen Leben ein.
Der Refrain, „[e]in volkstümlicher Kehrreim, der volksliedhafte Züge zeigt, gliedert das Stück in Strophen,“ genauer in siebzehn Strophen à fünf Langzeilen. Die fünf Langzeilen bestehen aus zwei in Endreimen aneinandergebundenen vierhebigen Kurzversen. Dieser Strophenaufbau kann auch für das Original angenommen werden und wird durch den Inhalt gestützt.
Der Hymnus weist eine strenge Regelmäßigkeit der Form auf, die sich besonders in der strengen Regelung der Alternation und den Auftaktverhältnissen zeigt. So beginnen alle Anverse mit einer Hebung, während alle Abverse der ersten vier Zeilen mit einer Senkung einsetzen. Der Regel widerspricht der mit Hebung beginnende Abvers der fünften Zeile, der jedoch die Strophe rundet und somit wiederum zur Harmonie beiträgt. Vor der Schlusshebung des Verses kann die Senkung fehlen, ohne dass die Regelmäßigkeit verletzt würde. Das heisst es entsteht eine Doppelhebung. Im Inneren der Abverse, die mit der Senkung beginnen, aber widerspricht eine fehlende Senkung der Regelmäßigkeit. Teils wird diese durchbrochen und die Kadenzbindung zeigt sich als uneben, wodurch sich bloße Endsilbenbindungen ergeben wie im Beispiel Gallus – avidus und populus – clerus oder kadenzgleiche reine und unreine Reime wie nullum – Gallum oder aplu – templum, aber auch einsilbige Vollreimverse wie mox – vox oder dat – stat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Volkssprache des frühen Mittelalters: Definition des Althochdeutschen als Forschungsbegriff und Abgrenzung der Epoche im Kontext der frühmittelalterlichen Stämme und Dialekte.
1.2. Der Beginn der volkssprachigen Schriftlichkeit: Erläuterung der Schwierigkeiten bei der Erforschung frühmittelalterlicher Texte, die stark von Latein beeinflusst und meist christianisiert sind.
1.3. Ziel der Arbeit: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, bestehend aus Petruslied, Galluslied und Georgslied, sowie Einordnung in den Heiligenkult.
2. Heiligenverehrung im frühen Mittelalter: Darstellung des Heiligenkults als soziale Massenbewegung und zentraler Schnittpunkt zwischen irdischer und himmlischer Welt.
3. Heiligenverehrung in der volkssprachigen Literatur: Überblick über Gattungen wie Legende, Hagiographie und Mirakelbücher, die die literarische Basis für die Heiligenlieder bilden.
4.1. Das Galluslied: Analyse von Ratperts Galluslied, seiner Form als kunstvoller Hymnus und seiner Funktion im kirchlichen Kontext.
4.2. Das Petruslied: Untersuchung des ältesten überlieferten volkssprachigen liturgischen Hymnus hinsichtlich seiner Herkunft und seines Gebetscharakters.
4.3. Das Georgslied: Betrachtung des Georgsliedes als kunstvolles, in Fragmenten erhaltenes Zeugnis, das den Heiligen als Märtyrer und Bekenner darstellt.
5. Fazit: Vergleich der Hymnen und Schlussbetrachtung zur Bedeutung der volkssprachigen Literatur als Ausdruck der Volksfrömmigkeit.
Schlüsselwörter
Althochdeutsch, Heiligenlied, Volkssprache, Frühmittelalter, Petruslied, Galluslied, Georgslied, Heiligenverehrung, Liturgie, Hagiographie, Legende, Hymnendichtung, Reliquienkult, Volksfrömmigkeit, Karolingerzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den volkssprachigen Textzeugnissen der Heiligenverehrung im Frühmittelalter, konkret mit den drei überlieferten Hymnen Petruslied, Galluslied und Georgslied.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das früh-mittelalterliche System der Heiligenverehrung, die Literarisierung religiöser Stoffe sowie die Analyse von Form, Inhalt und Funktion volkssprachiger Hymnen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über das System der Heiligenverehrung im Frühmittelalter zu geben und die drei genannten Hymnen darin in Bezug auf ihre Genese und ihre Funktion einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die philologische Untersuchungen der Texte (Sprache, Form, Überlieferung) mit historischen Kontextualisierungen des Heiligenkults verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Beschreibung des Heiligenkults, einen Überblick über die literarischen Gattungen und eine detaillierte Analyse der einzelnen Lieder (Entstehung, Form, Inhalt, Fazit).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Althochdeutsch, Heiligenlied, Volksfrömmigkeit, Hymnendichtung, Liturgie, Hagiographie und Karolingerzeit.
Welche Bedeutung kommt dem Petruslied innerhalb der Untersuchung zu?
Das Petruslied wird als der älteste erhaltene volkssprachige liturgische Hymnus identifiziert und hinsichtlich seiner Funktion als potenzielles Gemeinde- oder Prozessionslied untersucht.
Warum ist das Galluslied für die Literaturgeschichte besonders interessant?
Das Galluslied zeichnet sich durch eine hohe formale Virtuosität und einen kunstvollen Aufbau aus, obwohl es in der Forschung teilweise fälschlicherweise als einfache volkstümliche Dichtung missverstanden wurde.
Wie unterscheidet sich das Georgslied von den anderen beiden Hymnen?
Das Georgslied basiert auf einer komplexeren Legendentradition und zeigt eine hochkomplexe, in Fragmenten überlieferte Form, die den Heiligen als Märtyrer und Soldaten Christi darstellt.
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- Tina Grahl (Author), 2008, Heiligenlieder in der althochdeutschen Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455578