Der Ryti-Ribbentrop-Vertrag als Ausweg Finnlands aus dem Zweiten Weltkrieg


Hausarbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Quellenkritik
1.1 Quellenbeschreibung
1.2 Innere Kritik
1.2.1 Sprachliche Aufschlüsselung
1.2.2 Sachliche Aufschlüsselung

2.Quelleninterpretation
2.1 Inhaltsangabe
2.2 Einordnung in den historischen Kontext
2.2.1 Die Situation Finnlands vor dem 2. Weltkrieg
2.2.2 Der Winterkrieg gegen die Sowjetunion 1939/
2.2.3 Die finnisch-deutsche Annäherung im Zwischenfrieden
2.2.4 Die finnisch-deutsche Waffenbrüderschaft im Fortsetzungskrieg
2.2.5 Der Ryti-Ribbentrop-Pakt: Finnlands Ausweg aus dem Krieg

3. Ergebnis und Ausblick

4. Auswahlbibliographie
4.1 Quellen
4.2 Literatur

5. Anhang: Die Quelle..

1. Quellenkritik

1.1 Quellenbeschreibung

Bei der ausgewählten Quelle handelt es sich um eine Abschrift des als „Ryti-Ribbentrop-Pakt“ bezeichneten Briefes des finnisches Staatspräsidenten Risto Ryti an Adolf Hitler vom 26. Juni 1944. Dieser Brief war das Ergebnis auf die von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop überbrachte Androhung Deutschlands, die Waffen- und Getreidelieferungen an Finnland einzustellen, sollte es sich nicht schriftlich als Bündnispartner Deutschlands bekennen und auf separate Friedensverhandlungen mit der Sowjetunion verzichten. Die Quelle liegt in gedruckter Form vor.1

1.2 Innere Kritik

1.2.1 Sprachliche Aufschlüsselung

Die sprachliche Aufschlüsselung der Quelle entfällt, da alle Begriffe im Schreiben Rytis auch heute noch verständlich sind.

1.2.2 Sachliche Aufschlüsselung

- „Unter Bezugnahme auf die Besprechungen mit Reichsaußenminister v. Ribbentrop“ (S. 816, Z. 2 f.):

Der Reichsaußenminister des Dritten Reiches Joachim von Ribbentrop kam am. 22. Juni 1944 im Auftrag Hitlers nach Helsinki, um ein klares und öffentliches Bekenntnis Finnlands zu Deutschland herbeizuführen.2 In mehreren Treffen zwischen Ryti und Ribbentrop vom 22., 24., 25. und 26. Juni erwirkte der Reichsaußenminister die schriftliche Zusage Finnlands, im Gegenzug für militärische Unterstützung, ohne deutsche Zustimmung keine Friedensverhandlungen mit der Sowjetunion aufzunehmen.3

- „dem Wunsche der Finnischen Regierung auf Waffenhilfe“ (S. 816, Z. 4 f.):

Der Oberbefehlshaber der finnischen Armee Carl Gustaf Emil Mannerheim ersuchte Deutschland im Juni 1944 mehrfach um Unterstützung in Form von Munitions- und Waffenlieferungen sowie Hilfstruppen um die Front gegen die Offensive der sowjetischen Streitkräfte in der Karelischen Landenge zu stabilisieren.4

- „im Hinblick auf die russischen Angriffe auf Karelien“ (S. 816, Z. 5):

Am 9. Juni 1944 begann die Rote Armee zur Entlastung des belagerten Leningrads ihre großangelegte Offensive gegen die in beinahe völliger Gefechtsruhe liegenden finnischen Stellungen an der Karelischen Landenge. Innerhalb von 10 Tagen hatten die sowjetischen Truppen die finnische Verteidigungslinie durchbrochen und die Festungsstadt Viborg eingenommen.5

2. Quelleninterpretation

2.1 Inhaltsangabe

Ryti äußert sich in seinem Schreiben an Hitler dankbar über die durch Reichsaußenminister von Ribbentrop zugesagte sofortige materielle und truppenmäßige Unterstützung durch das Deutsche Reich. Ferner fixiert er dabei schriftlich die zusätzlich getroffene Aussage von Ribbentrops, dass das Deutsche Reich die finnische Wehrmacht militärisch auch in Zukunft bestmöglich unterstützen wird, um den sowjetischen Angriff auf das finnische Staatsgebiet abzuwehren.

Der finnische Staatspräsident verpflichtet sich, dass weder er noch eine von ihm eingesetzte Regierung einen Separatfrieden ohne die explizite Zustimmung des Deutschen Reiches mit der Sowjetunion schließen wird.

2.2 Einordnung in den historischen Kontext

2.2.1 Die Situation Finnlands vor dem 2. Weltkrieg

Nachdem es mehr als ein Jahrhundert zum Zarenreich Russland gehört hatte, erklärte Finnland am 6. Dezember 1917 - beeinflusst durch die Machtübernahme der Bolschewiki und des sich dort abzeichnenden Bürgerkrieges - seine Unabhängigkeit von Russland. Da dies in den Augen von Russlands Regierungschef Lenin keine Bedrohung für die sowjetische Herrschaft bedeutete, erkannte er Finnland im Januar 1918 als souveränen Staat an. Ihm folgten kurz darauf die skandinavischen Nachbarländer, Deutschland, Frankreich6 und zahlreiche weitere Staaten. Im noch jungen finnischen Staat tobte unterdessen ein Bürgerkrieg, der auf sich verstärkenden gesellschaftlichen Gegensätzen und den durch den Wegfall der russischen Herrschaft zusammenbrechenden staatlichen Strukturen fußte. Das finnische Volk zerfiel in dieser Situation in zwei Lager: die konservativen „weißen“ Truppen der Bürgerlichkeit und die sich radikalisierenden und militarisierenden sozialistischen „roten“ Truppen der Arbeiterbewegung.

Am 27. Januar zettelten die roten Truppen einen bewaffneten Umsturzversuch an, der in der Besetzung südfinnischer Städte gipfelte. Mithilfe des in Deutschland ausgebildeten Jäger-Bataillon 27und deutschen Hilfstruppen konnten die weißen Truppen unter der Führung Carl Gustaf Emil Mannerheims trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit die Aufstände niederschlagen7 und den zum „Freiheitskrieg“ umgedeuteten Bürgerkrieg8 beenden. So hatte Finnland bereits in seiner Geburtsstunde Anlehnung an Deutschland gefunden.

In den Zwischenkriegsjahren entwickelte sich durch dieses historische Ereignis eine pro-deutsche und anti-sowjetische Stimmung.9 Zudem verstärkten sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten, was sich besonders deutlich im Wirtschaftsvertrag vom 7. März 1918 zeigt, der die Absicht Deutschlands offenbarte, Finnland von sich abhängig zu machen.10

Mit der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und dem Rücktritt des Deutschland-freundlich eingestellten finnischen Reichsverwesers Svinhufvuds erfolgte eine Neuorientierung der finnischen Außenpolitik zu den siegreichen Westmächten. Dem diplomatischen Verhandlungsgeschick Mannerheims verdankte Finnland die erfolgreiche Annäherung an die Kriegsgewinner, die Anerkennung seiner Autonomie und die Sicherung der Wirtschaftsbeziehungen mit England.11

Zudem gelang der finnischen Regierung mit dem Friedensvertrag von Dorpat am 14. Oktober 1920, in dem die Sowjetunion den Grenzverlauf von 1812 anerkannte und den Finnen somit den Zugang zum Nordatlantik einräumte, ein bedeutender außenpolitischer Erfolg.12 Im selben Jahr wurde Finnland in den Völkerbund aufgenommen und pflegte mit Estland, Lettland, Litauen und Polen die sogenannte „Randstaatenpolitik“.13
Innenpolitisch hatte Finnland in den 1920er Jahren mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die Weimarer Republik: ausgewogene Stimmenanteile zwangen die Koalitionen zu häufigen Regierungswechseln innerhalb des fragmentierten Parteiensystems.14 Diese Konstellation wurde durch die Radikalisierung der Arbeiter infolge der durch die Sowjetunion ausgelösten Exportkrise und dem den entgegen gerichtetem Rechtsruck der Konservativen aufgelöst. Die politische Spannung entlud sich zwischen 1929 und 1932 in der „Lapua-Bewegung“ ultra-rechter Gruppierungen, die in der Einsetzung des Ministerpräsidenten Svinhufvuds als Staatspräsidenten gipfelte. Während die gemäßigten Kräfte ihr Ziel damit erreicht sahen, spaltete sich ein Teil in noch radikalere Bewegungen auf. Ihre Anführer wurden nach einem gescheiterten Putschversuch im März 1932 verhaftet, die Bewegungen verboten und aufgelöst.15

Bereits einige Wochen vorher hatte Finnland als erster der Randstaaten am 21. Januar einen bilateralen Nichtangriffs- und Neutralitätspakts mit der Sowjetunion geschlossen, der hauptsächlich auf dem Druck Stalins gründete, der damit die Vorfeldsicherung seines Riesenreiches vorantrieb. Der Vorrang wurde jetzt allerdings der Skandinavienpolitik eingeräumt, die sich durch die verstärkte wirtschaftliche Kooperation und der regelmäßigen Teilnahme Finnlands an den Ministerkonferenzen der nordischen Staaten auszeichnete.16
Außerdem verschlechterte sich das Verhältnis zu Deutschland mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zusehends, was auf dem grundlegenden demokratischen Verständnis der finnischen Bevölkerung und seiner Antipathie gegenüber Diktaturen fußte. 17

Als durch den Abessinien-Krieg 1936 das Versagen des Völkerbundes deutlich wurde, bemühte sich die finnische Regierung um ein neuerliches Bekenntnis zur gemeinsamen nordischen Neutralitäts- und Friedenspolitik.18 Aufgrund unterschiedlicher sicherheitspolitischer Interessen und dem Fehlen eines gemeinsamen Feindes kam es jedoch zu keinem Militärbündnis. Stattdessen hatten sich die Regierungen Dänemarks, Norwegens, Schwedens und Finnlands darauf geeinigt, keinen Nichtangriffspakt mit dem Deutschen Reich zu abzuschließen.

Dennoch fühlte sich Finnland vom Deutschen Reich nicht bedroht, sondern erwartete eher ein Kräftegleichgewicht mit der Sowjetunion. Deutlich zu erkennen ist dies an den Äußerungen des finnischen Staatspräsidenten Svinhufvuds gegenüber dem Gesandten des Deutschen Reiches Wipert von Blücher in einer Unterredung im Juli 1936: „Finnlands Situation ist besser als die der Randstaaten. Das ist auch die Ansicht des Kronprinzen von Schweden. Aber die russische Gefahr droht ständig. Für Finnland ist es deshalb gut, wenn Deutschland stark ist. Hitler ist vom finnischen Standpunkt besser als Stresemann.“19

Mit dem Verweis auf die Nordstaatenpolitik verwehrte sich Finnland allerdings ebenso dem Drängen der Sowjetunion auf eine Erörterung gemeinsamer Abwehrstrategien gegen das Deutsche Reich.20 Damit war Finnland zum Ende der 1930er Jahre zwar ein neutrales Land jedoch ohne ein bedeutsames militärisches Verteidigungsbündnis.

2.2.2 Der Winterkrieg gegen die Sowjetunion 1939/1940

Finnland war wie die restlichen baltischen Staaten von einem Kräftegleichgewicht zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion ausgegangen21 und wurde folglich vom am 23. August 1939 geschlossenen Nichtangriffspakt zwischen den Außenministern Molotow und von Ribbentrop überrascht. Nun befand es sich plötzlich in einer bedrohlichen Konstellation. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurde Finnland für anstehende territoriale Neuordnungen der Einflusssphäre der Sowjetunion zugeschrieben.22 Diese stellte in Form eines „Beistandspakts“ umgehend Forderungen an Finnland, die Grenze im Hinterland Leningrads im Ausgleich für ein Stück Land in Nordostkarelien um zwanzig bis siebzig23 Kilometer zurückzusetzen und der Sowjetunion die Einrichtung eines Flottenstützpunktes an der Südküste Finnlands zu ermöglichen.

Aus Angst vor weiteren Forderungen und aus Sorge um seine Souveränität wies Finnland die Forderungen als unannehmbar zurück, woraufhin die Verhandlungen am 13. November erfolglos abgebrochen wurden.24 Am 26. November kam es zu den sogenannten „Schüssen von Mainila“, die bis heute nicht restlos aufgeklärt worden sind. Dabei soll von finnischem Gebiet mit Artillerie auf das sowjetische Dorf Mainila geschossen worden seien. Zwei Tage später kündigte die Sowjetunion den 1932 geschlossenen Nichtangriffspakt und begann weitere zwei Tage danach durch die Bombardierung Helsinkis und weiterer ostfinnischer Städte mit dem großangelegten Angriff auf Finnland.25 Indem sie auf bereits erobertem Territorium eine kommunistische Marionettenregierung unter Otto Wille Kusinen einsetzte, der Moskau um Hilfe als Bündnispartner anrief, versuchte die Sowjetunion den Angriff vor der Weltöffentlichkeit zu legitimieren26, erlangte damit aber keinerlei Glaubwürdigkeit. Konnte die Sowjetunion mit dem Ausschluss aus dem Völkerbund noch gelassen umgehen, so musste sie in der ersten Kriegsphase bis Ende Januar 1941 einsehen, dass die Truppen des Leningrader Militärbezirkes der taktisch klug kämpfenden Armee unter Feldmarschall Mannerheim trotz deutlicher zahlenmäßiger Überlegenheit unterlegen waren. Erst mit einer gewaltigen Kräftekonzentration gelang es den sowjetischen Truppen die finnische Verteidigungslinie zu durchbrechen.27 Da sich zwischenzeitlich jedoch der Widerstand der Westmächte formierte, sah sich Stalin gezwungen der finnischen Regierung ein Friedensangebot zu unterbreiten, das diese in Anbetracht der ihr verbliebenen Kräfte annahm. Zwar verlor Finnland mit dem Frieden von Moskau am 12. März 1940 fast 12 Prozent seines Staatsgebietes, es behauptete jedoch seine Eigenständigkeit.

[...]


1 Juutilainen, Antti; Leskinen, Jari: Jatkosodan Pikku Jättiläinen. Helsinki 2005, S. 815. Die Frage der äußeren Textsicherung erübrigt sich damit.

2 Erfurth, Waldemar: DER FINNISCHE KRIEG 1941-1944. Wiesbaden und München 1978, S. 229.

3 Bohn, Robert: Der Rückzug am Eismeer und die Zerstörung der Nordkalotte. In: Salewski, Michael; Schulze-Wegener, Guntram: Kriegsjahr 1944. Im Großen und im Kleinen. Stuttgart 1995, S. 105 f.

4 Erfurth, S. 218 f.

5 Bohn, Ingrid: Finnland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Regensburg 2005, S. 222.

6 Hösch, Edgar: Kleine Geschichte Finnlands. München 2009, S. 113 f.

7 Ebenda, S. 114.

8 Bohn, Ingrid, S. 208.

9 Freter, Harald: Finnland im zweiten Weltkrieg im Spannungsfeld deutscher und sowjetischer Großmachtinteressen. Norderstedt 2008, S. 5.

10 Bohn, Robert, S. 25.

11 Ebenda, S. 15.

12 Bohn, Indrid, S. 213.

13 Hösch, S. 121.

14 Ebenda, S. 117 f.

15 Bohn, Ingrid, S. 215 f.

16 Hösch, S. 121 f.

17 Hansen, Stefan, Entstehung der deutsch-finnischen „Waffenbrüderschaft“ im Fortsetzungskrieg. Norderstedt 2005, S. 7.

18 Hösch, S. 122.

19 Blücher, Wipert von: Gesandter zwischen Diktatur und Demokratie. Erinnerungen aus den Jahren 1935-1944 von WIPERT VON BLÜCHER letztem deutschen Gesandten in Finnland. Wiesbaden 1951, S. 58.

20 Hösch, S. 122

21 Tarkka, Jukka: Weder Stalin noch Hitler. Finnland während des Zweiten Weltkrieges. Keuruu 1991, S. 11.

22 Hösch, S. 122.

23 Tarkka, S. 12.

24 Bohn, Ingrid, S. 219.

25 Hösch, S. 130

26 Bohn, Ingrid, S. 219.

27 Bohn, Ingrid, S. 220.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Ryti-Ribbentrop-Vertrag als Ausweg Finnlands aus dem Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,0
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V455586
ISBN (eBook)
9783668899421
ISBN (Buch)
9783668899438
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ryti-ribbentrop-vertrag, ausweg, finnlands, zweiten, weltkrieg
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Der Ryti-Ribbentrop-Vertrag als Ausweg Finnlands aus dem Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455586

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