Die Brücke von Remagen

Die historische Eroberung der Brücke - Hintergründe und Folgen


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

18 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1. Zielbestimmung

2. Die Ausgangssituation Anfang 1945
2.1 Der amerikanische Vormarsch
2.2 Die taktische Ausgangslage bei der Rheinbrücke von Remagen

3. Die Entwicklung bis zum 6. März 1945
3.1 Remagen unter der Verantwortlichkeit der 5. Panzerarmee
3.2 Remagen unter der Verantwortlichkeit des LXVII. Armeekorps

4. Die Eroberung der Brücke durch amerikanische Truppen
4.1 Der Vormarsch der amerikanischen Einheiten
4.2 Die Ereignisse an der Brücke

5. Die Sicherung des Brückenkopfes durch die Amerikaner und die deutschen Gegenmaßnahmen

6. Das ‘fliegende Standgericht’
6.1 Einsetzung, Aufgaben und Organisation
6.2 Verhandlungen und Urteile des ‘fliegenden Standgerichts’

7. Schlußbemerkung

8. Literaturverzeichnis

1. Zielbestimmung

Am 07. März 1945 gelang es den Amerikanern, die Remagener Ludendorff-Brücke unzerstört in ihre Hand zu bekommen. Durch die Eroberung der Brücke und die rasche Sicherung des so entstandenen rechtsrheinischen Brückenkopfes war ihnen der erste Übergang über den Rhein geglückt und damit - wie es General Eisenhower als erster zugab - der Sprung über ein „ernsthaftes militärisches und psychologisches Hindernis“[1]. Die Eroberung der Brücke selbst jedoch war die Folge einer Reihe von für die deutsche Seite unglücklichen Zufällen und Entwicklungen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine Rekonstruktion sowohl der Ereignisse, die zur Eroberung der Brücke führten, als auch ihrer Hintergründe und Folgen.

2. Die Ausgangssituation Anfang 1945

2.1 Der amerikanische Vormarsch

Nach erfolgreicher Abwehr der deutschen Ardennenoffensive verstärkten die alliierten Truppen unter der obersten Führung von General Dwight D. Eisenhower den Druck auf die noch westlich des Rheines stehenden deutschen Truppen. Ziel war zunächst eine völlige Zurückdrängung der Deutschen hinter die Rheingrenze; es wurden jedoch auch bereits Vorbereitungen für einen alliierten Rheinübergang getroffen[2]. Eisenhower selbst vertrat eine „Strategie der breiten Front“[3] und überließ es seinen Heeresgruppenkommandanten, einen geeigneten Rheinübergang zu finden.

General Bradley, Kommandant der 12. US-Heeresgruppe, sah die geeignetsten Möglichkeiten für einen solchen Rheinübergang in den beiden Abschnitten Köln-Bonn bzw. Andernach-Koblenz. Entsprechend instruierte er General Hodges, mit seiner 1. US-Armee in Richtung Köln, Bonn, Sinzig und Koblenz vorzustoßen, dort die Rheinlinie von deutschen Kräften zu säubern, Widerstandsgebiete zu beseitigen und einen möglichen Rheinübergang zwischen Koblenz und Andernach zu erkunden[4]. Dem III. US-Korps dieser Armee unter Generalmajor John Millikin gelang es auch bald, die deutsche 15. Armee stark in Richtung Rhein zurückzudrängen und auf Bonn vorzustoßen. Das Gebiet des Raumes Remagen-Sinzig-Bad-Neuenahr unterlag dabei dem Vormarsch der 9. US-Panzerdivision unter Generalmajor John W. Leonard[5].

Remagen selbst war als möglicher Rheinübergang von den amerikanischen Generälen aufgrund seiner nachteiligen geographischen Lage - eingerahmt vom unzugänglichen Westerwald, mit beschränkter Verkehrsanbindung und ungünstigen Strömungsverhältnissen des Rheines - weitgehend ausgeschlossen worden[6]. General Bradley mit seiner 1. US-Armee sah deshalb auch bei seinem Vormarsch in diesen Raum seine vordringliche Aufgabe eher im Zurückdrängen der deutschen Kräfte hinter die Rheinlinie und dem eigenen Vorrücken zur weiter südlich kämpfenden 3. US-Armee, als in der Auffindung eines geeigneten Rheinüberganges[7].

2.2 Die taktische Ausgangslage bei der Rheinbrücke von Remagen

Die zwischen 1916 und 1918 aus taktischen Gründen als zweigleisige Eisenbahnbrücke erbaute Ludendorff-Brücke bei Remagen verlief in etwa nord-südlicher Richtung mit einer Gesamtlänge von 325 m über den Rhein. Die auf beiden Stromseiten von gemauerten, fünfgeschossigen Turmpaaren flankierte Brücke bestand aus einer Stahlkonstruktion, die sich auf zwei Strompfeiler abstützte und auf der zu beiden Seiten Fußgängersteige angelegt worden waren. Die Eisenbahnstrecke mündete auf dem Ostufer in einen 383 m langen Tunnel, der mit einer Linkskrümmung durch das Felsmassiv ‘Erpeler Ley’ geführt wurde[8].

Der Schutz der Brücke oblag seit 1943 der Pionierkompanie 12./Landespionier-Regiment 12 unter dem Komp.-Chef und Brückenkommandanten Hauptmann Carl Christian Friesenhahn. Die Aufgabe der Anfang 1945 zwischen 30 und 40 Mann umfassenden Pionierkompanie bestand vornehmlich in der pioniertechnischen Instandhaltung der Brücke und ihrer Sicherung gegen Sabotage und feindliche Angriffe. Vorgesetzte Dienststelle war das III. Batallion des Landespionierregimentes 12 unter Führung des Major August Kraft in Bendorf-Sayn[9].

Seit dem Beginn der Invasion der Alliierten in der Normandie wurde die 12./Ld.Pi.Rgt. 12 durch eine sog. ‘Brückensicherungskompanie’ verstärkt, bestehend aus vorübergehend nicht kriegsverwendungsfähigen Angehörigen des Grenadier-Ersatz- und Ausbildungsbatallions 80, Koblenz[10]. Die Sicherungskompanie stand seit Ende 1944 unter der Führung von Hauptmann Willi Oskar Bratge und hatte Anfang März 1945 lt. Aussage ihres Kommandanten eine Ausrückstärke von 36 Mann[11].

Aufgabe der Sicherungskompanie war insbesondere der Ausbau der für die Verteidigung der Rheinbrücke Remagen erforderlichen Stellungen, die Abwehr eines Angreifers bei überraschendem Durchbruch einer vorwärts gelegenen Front sowie die Sicherung der Pionierkompanie bei den für eine evtl. Brückensprengung notwendigen Maßnahmen[12].

Für den Fall, daß keine Verbindung zu höherstehenden Dienststellen mehr bestand, oblag dem Kampfkommandanten im Ernstfall die Auslösung des Befehls zur die Sprengung der Brücke. Diese Befehlsgewalt wurde jedoch eingeschränkt durch eine Verfügung des O.K.H., wonach „unter Bezugnahme auf einen vorliegenden Einzelfall“ zum Ausdruck gebracht wurde, „daß die vorzeitige Sprengung einer Brücke unter allen Umständen vermieden werden muß, damit eigene Gegenmaßnahmen nicht vorzeitig unterbunden werden“[13]. Bei Nichtbeachtung sollte der Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Vorbereitungen für eine Sprengung der Brücke wurden bereits 1938 abgeschlossen. Die zur Zerstörung der Brücke erforderliche Gesamtsprengladung von 655 kg Pioniersprengstoff wurde in ca. 60 Einzelladungen aufgeteilt, die in Zinkgefäßen an eigens dafür vorbereiteten Ladungskästen unterhalb der Brückenbahn angebracht werden sollten. Durch die Sprengung sollte die Brücke an zwei Trennabschnitten (jeweils an beiden Brückenpfeilern) zerstört werden und mit einer halben Drehung um die eigene Längsachse in den Rhein abkippen[14]. Die Verbindung der einzelnen Sprenggruppen erfolgte durch eine Ringleitung, an die sämtliche Glühzünder angeschlossen waren (vergleichbar etwa einer „elektrische[n] Christbaumbeleuchtung“[15] ), deren Nachteil allerdings die erhöhte Störanfälligkeit gegen Erschütterung oder Beschuß war. Die Lösung eines einzigen Kontaktes unterbrach den Stromkreis und damit die Zündung. Der Auslöser für die elektrische Sprengzündung befand sich im Tunnel in der Nähe des Tunneleinganges. Ein Leitungsprüfer ermöglichte die dauernde Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Zündleitung[16]. Die Anbringung der scharfen Sprengladung durfte auf Führerbefehl jedoch erst ‘im letzten Augenblick’ erfolgen, um eine zufällige Sprengung, wie etwa bei der Rheinbrücke von Köln-Mühlheim, die durch eine Fliegerbombe ‘versehentlich’ in die Luft gesprengt worden war, zu verhindern[17].

Zur Abwehr eines Panzervorstoßes auf die Brücke war darüber hinaus auf der linksrheinischen Seite eine Vorsprengung vorbereitet, die in die Rampe der Brücke einen Panzergraben von 8 m Breite und 4,5 m Tiefe sprengen sollte[18].

Neben den beiden bereits genannten Kompanien standen in Remagen für die Verteidigung der Brücke Anfang 1945 noch Teile der Luftnachrichtenkompanie, eine R.A.D.-Abteilung, die 6. Kompanie Nachschubbatallion 521, die Alarmeinheit Bodendorf, die Propaganda-Kompanie der Heeresgruppe B, die Angehörigen eines Wehrertüchtigungslagers der Hitlerjugend sowie die Volkssturmeinheiten Remagen, Bodendorf und Kripp zur Verfügung[19]. Unter der Führung des sog. ‘Örtlichen Flakführers’ waren mehrere Flak-Einheiten zusammengezogen worden, darunter auch die 3./FlakLehr-u.VersuchsAbt. 900 (o) unter ihrem Batterie-Chef Oberleutnant Karl-Heinz Peters, die über dem Geheimschutz unterliegende Geräte für die Luftabwehr - „’Raketenflak’ oder auch ‘Föngeräte’ genannt“[20] - verfügten[21]. Für alle vorhandenen Einheiten - die Flak ausgenommen - hatte der Kampfkommandant „lediglich im Ernstfalle“[22] für einen Einsatz direkte Befehlsgewalt, ansonsten blieb die Befehlsgewalt der eigenen Truppenführer bestehen.[23]. Die Propagandakompanie und die Luftnachrichtenkompanie ausgenommen, wurde die Kampfkraft der verbleibenden Truppen von Bratge als nur gering eingeschätzt.

3. Die Entwicklung bis zum 6. März 1945

3.1 Remagen unter der Verantwortlichkeit der 5. Panzerarmee

Mit dem 28. Februar wurde der Brückenkopf Remagen dem Panzerarmee-Oberkommando 5 bzw. hier der 26. Volksgrenadier-Division (Arb.St. 26.V.G.D) unter Generalleutnant Botsch unterstellt[24]. Unmittelbar nach Klärung der taktischen Zuordnung setzte eine rege Erkundungstätigkeit der höheren Stäbe an der Rheinbrücke ein, in deren Zusammenhang auch der kommandierende Offizier Generalleutnant Botsch mehrfach persönlich die Brücke aufsuchte, zuletzt am 5. März 1945. Dem Kampfkommandanten war zu diesem Zeitpunkt bekannt, daß amerikanische Truppen bereits mit starken Kräften in Richtung Bonn-Köln-Düsseldorf vorgedrungen waren und die eigenen Verbände sich in der Rückwärtsbewegung befanden[25]. Angesichts der bedrohlicher werdenden Feindlage wurde Generalleutnant Botsch deutlich gemacht, daß eine Verteidigung der Brücke mit den zur Verfügung stehenden Einheiten nicht möglich sei, worauf dieser zusicherte, dem Kampfkommandanten zur Verteidigung der Brücke zwei Infanterie-Batallione, eine Artillerie-Abteilung sowie eine 8,8-Flak-Batterie zuzuführen - was jedoch nie erfolgte. Der Generalleutnant übermittelte dem Brückenkommandanten darüber hinaus nochmals den bereits vorher erteilten Befehl der Heeresgruppe B, daß die Brücke bis zum 6. März, 24.00 Uhr, für den Fahrzeugverkehr auszubohlen sei. Neben den bereits geschilderten Sprengvorbereitungen wurde noch eine sog. ‘Schnelladung’ befohlen, die ebenfalls vom Ostufer gezündet werden sollte. Für diese zusätzliche Maßnahme wurden über die für die eigentliche Brückensprengung erforderliche Menge hinaus noch weitere 600 kg Pioniersprengmittel angefordert, deren Beschaffung der Generalleutnant versprach[26].

[...]


[1] Chandler/Fisenne 1979, S. 972.

[2] Zum Vormarsch der alliierten Truppen in Richtung Rhein vgl. bes. Chandler/Fisenne 1979, S. 972 bzw. Hechler 1993, S. 3-10.

[3] Chandler/Fisenne 1979, S. 972.

[4] Vgl. Chandler/Fisenne 1979, S. 972 f. bzw. MacDonald 1973, S. 208 f.

[5] Vgl. zur taktischen Gliederung des III. US-Korps bes. Brüne/Weiler 1994, S. 98 f.

[6] Daß dies auch weitgehend die Auffassung der deutschen Heeresleitung war, läßt sich Bratge/Michler 1955, S. 37 entnehmen.

[7] Vgl. MacDonald 1973, S. 208.

[8] Vgl. Brüne/Weiler 1994, S. 60 f.

[9] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 11 f. bzw. Brüne/Weiler 1994, S. 64 f.

[10] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 13 bzw. Brüne/Weiler 1994, S. 66.

[11] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 49.

[12] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 13.

[13] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 25.

[14] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 9.

[15] Bratge/Michler 1955, S. 10.

[16] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 9 f.

[17] Vgl. Bujard 1975, S. 635 bzw. Hechler 1993, S. 67.

[18] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 10 f.

[19] Ausführlich zu den einzelnen Einheiten vgl. Bratge/Michler 1955, S. 20-22 bzw. Brüne/Weiler 1994, S. 68-72.

[20] Bratge/Michler 1955, S. 31.

[21] Zu Stärke und Zusammensetzung der Flugabwehrkräfte in Remagen vgl. Brüne/Weiler 1994, S. 73-90.

[22] Bratge/Michler 1955, S. 20.

[23] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 20.

[24] Vgl. Bratge/Michler 1955, S. 38 f.

[25] Vgl. Michler 1992, S. 6.

[26] Vgl. Brüne/Weiler 1994, S. 62 f; von Ahlfen 1965, S. 7 bzw. Bratge/Michler 1955, S. 41 f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Brücke von Remagen
Untertitel
Die historische Eroberung der Brücke - Hintergründe und Folgen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Goebbels-Tagebücher 1945
Note
2
Autor
Jahr
1999
Seiten
18
Katalognummer
V45559
ISBN (eBook)
9783638429429
ISBN (Buch)
9783638763684
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine Rekonstruktion der Vorgänge um die Eroberung der Brücke von Remagen am 07. März 1945 durch amerikanische Truppen.
Schlagworte
Brücke, Remagen, Goebbels-Tagebücher
Arbeit zitieren
Jörg Erdmann (Autor), 1999, Die Brücke von Remagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45559

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