Die Darstellung sozialer Ungleichheit in den Animationsserien "South Park", "Die Simpsons" und "Drawn Together"


Bachelorarbeit, 2017

48 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition Satire, Humor, Ironie und Parodie

3. Forschungsstand
3.1 Animation
3.2 Medien und Inhalt
3.3 Massenmedien
3.4 Pierre Bordieu „Das Journalistische Feld“
3.5 Filmsoziologie

4. Der theoretische Hintergrund: Cultural Studies
4.1 Das Encode/Decode Modell
4.2 Produktionsanalyse

5. Videoanalyse
5.1 Auswahl der zu analysierende Sequenzausschnitte
5.2 Sapmling

6. Fakten zu den Serien
6.1 Die Simpsons
6.2 Drawn Together
6.3 South Park

7. Allgemeiner Plot der Serien
7.1 Drawn Together
7.2 Die Simpsons
7.3 South Park

8. Plot der einzelnen Episoden
8.1 Die Simpsons
8.1.1 Homer hatte einen Feind
8.1.2 Der perfekte Gentleman
8.2 Drawn Togther
8.2.1 Hot Tub
8.2.2 Foxxy vs the board of education
8.3 South Park
8.3.1 Migranten aus der Zukunft
8.3.2 Will Smith bringt reiches Pack nach South Park

9. Darstellung sozialer Ungleichheit in Animationsserien
9.1 Die Simpsons
9.1.1 Homer hatte einen Feind
9.1.2 Ein perfekter Gentleman
9.2 South Park
9.2.1 Migranten aus der Zukunft
9.2.2 Will Smith bringt reiches Pack nach South Park
9.3 Drawn Together
9.3.1 Hot Tub
9.3.2 Foxy vs. the Board of Education

10. Fazit/Conclusio/Ausblick

11. Literaturverzeichnis
11.1 Internetquellen
11.2 Serienverzeichnis

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die mich während der Anfertigung dieser Bachelorarbeit unterstützt und motiviert haben. Zuerst gebührt mein Dank Herr Dr. Christopher Schlembach, der meine Arbeit betreut und begutachtet hat. Für die hilfreichen Anregungen und die konstruktive Kritik bei der Erstellung dieser Arbeit möchte ich mich herzlich bedanken. Meinen Freunden Lisa Riedelsberger, Jessica Weinlich, Roman Mühlfeldner, Sonja Riedelberger und meiner Freundin Sabrina Lackner bedanke ich mich besonders für den starken emotionalen Rückhalt über die Dauer meines gesamten Studiums. Abschließend möchte ich mich bei meinen Eltern Georg Haschke und Dagmar Maria Haschke und bei meinen Großeltern Herta Hiebner und Matthias Hiebner, sowie Christine Haschke bedanken, die mir mein Studium durch ihre Unterstützung ermöglicht haben und stets ein offenes Ohr für meine Sorgen hatten.

Stefan Mario Haschke, Wien, 1.11.2017

1. Einleitung

Animationsserien gibt es wie Sand am Meer. Das zentrale Medium, von welchen Serien Gebrauch machen, ist das Fernsehen. Das Fernsehen erreicht jeden Menschen auf der Welt und ist zu einem wesentlichen Bestandteil der Gesellschaft geworden. Die Inhalte, welche über das audiovisuelle Medium vermittelt werden, beeinflussen, Meinungen, Werte und Einstellungen. Im Zeitalter des Fernsehens können TV-Serien und Filme aus allen Lebensbereichen schöpfen und sie der Gesellschaft präsentieren. Sie machen von einem Merkmal Gebrauch, die ihnen nicht nur eine hohe Zuschauerquote beschert, sondern sie setzen sich ebenso über Altersgrenzen hinweg, was ihnen ein uneingeschränktes Publikum ermöglicht. Sie sind generell für alle Altersstufen geeignet und setzen sich über Sozialstrukturen hinweg, weil der Film immer mehr unseren Alltag durchdringt. Er lässt sich nicht auf gewisse Schichten zuschneiden, sondern ist ein Unterhaltungsmedium für jedermann. Beim Schauen von Serien fällt jedem auf, dass ebenso ein soziales Umfeld dargestellt wird, in dem interagiert wird. Die Darstellung basiert auf dem Alltag jedes einzelnen Individuums und somit sind Serien und Filme eine wichtige Ressource für die Wissenschaft. Die audiovisuellen Medien haben einen großen Einfluss auf die Gesellschaft, weil sie Einstellungen, Normen und Werte vermitteln und beeinflussen können. Dem Medium Fernsehen sind also keine Grenzen gesetzt.

Manche Serien und Filme verbinden Unterhaltung und Kritik und da sehe ich die soziale Relevanz. Sie spiegeln gesellschaftliche Probleme, parodieren und reflektieren sie und man hat uneingeschränkten Zugriff darauf, was eine weltweite Verbreitung zur Folge hat.

Soziale Ungleichheit ist eine weltweite Angelegenheit und daher ein Thema, das wir immer im Auge behalten sollten. Denkt man an soziale Ungleichheit, dann eher im ökonomischen, geschlechtsspezifischen, ethnischen oder bildungsorientierten Kontext. Diese Eigenschaften sind grundlegend und haben großen Einfluss auf andere Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens und das Fernsehen übt großen Einfluss darauf aus. Soziale Ungleichheit ist in der Kultursoziologie ein wichtiges Forschungsthema. Ein Grund warum ich das Thema Animationsserien gewählt habe, basiert auf einem persönlichen Interesse, weil einerseits die Themen kontrovers sind und anderseits ist die Sprache direkt. Des Weiteren ist die globale Reichweite der Serien ein Grund für die Auswahl gewesen.

In dieser Bachelorarbeit wird die gesellschaftliche Thematik in Animationsserien dargestellt, da diese auf die Darstellung einer Gesellschaft beruhen. Damit sind auch Sozialstrukturen verbunden, die in einer Gesellschaft vorhanden sind. Was in der realen Gesellschaft vorhanden ist, ist auch in einer Darstellung einer Gesellschaft vorhanden, sei es in einem Film oder in einem Bild. Mein Erkenntnisinteresse liegt darin, gesellschaftliche Aspekte, welche durch TV-Serien vermittelt werden, herauszuarbeiten, weil sie von vielen Seiten als Kritik oder Parodie auf die Gesellschaft verstanden werden. Anhand dieses Kontextes heraus hat sich eine Frage gebildet, die es zu beantworten gibt. Diese Frage ist die Forschungsfrage und sie lautet:

„Wie wird soziale Ungleichheit in den Animationsserien South Park, The Simpsons und Drawn Together dargestellt?“

Der Aufbau der Arbeit ergibt sich aus der angegebenen Forschungsfrage und setzt sich aus folgenden Bereichen zusammen.

Im ersten Abschnitt erfolgt ein Einstieg ins Thema, wo eine Begriffsdefinition von Satire vorgenommen wird, welche ein Charakteristikum für die ausgewählten Animationsserien ist. Der zweite Abschnitt beinhaltet ein Resümee, von Forschungen und Literatur, welche sich mit dem Thema Medium und Gesellschaft beschäftigt haben. So sind Forschungen, die sich mit Animationen beschäftigen ebenso nennenswert, wie die Medieninhalts- und Medienwirkungsforschung. Ebenso nennenswert im Forschungsstand ist das journalistische Feld von Pierre Bourdieu, sowie die Filmsoziologie.

Im dritte Abschnitt wird der theoretische Hintergrund aufgestellt, indem ich auf die Cultural Studies eingehe. Sie erforschen die symbolischen Dimensionen von kulturelleren Aspekten in unterschiedlichen Variationen, so auch die Darstellung von gesellschaftlichen Thematiken über Medien. Des Weiteren wird auch das Encode/Decode Modell von Stuart Hall dargestellt und wie die mediale Aufbereitung von gesellschaftlichen Ereignissen als Botschaften vermittelt wird. Ebenso interesant sind die Lesearten, die für die Vermittlung von Botschaften herangezogen werden und die einen wesentlichen Aspekt in den Cultural Studies spielen, werden in diesem Abschnitt genauer beschrieben. Ich nutze die Cultural Studies, um Aspekte der sozialen Ungleichheit, die in die Serien eingearbeitet wurden, darzustellen.

Der vierte Abschnitt stellt die Erhebungsmethode vor. Als Erhebungsmethode wird die Videoanalyse verwendet, weil ich aus Animationsserien den soziologischen Aspekt der Ungleichheit herausarbeiten möchte. Des Weiteren werde ich eine Samplingstrategie für die Auswahl meiner Serien heranziehen, um meine Auswahl nachvollziehbar zu machen.

Im fünften Abschnitt wird auf die Serien The Simpsons 1989, South Park 1997, und Drawn Togehter 2007 eingegangen. Es wird die Idee hinter der Serie, die relevanten Produktionsdaten und die weltweite Verbreitung, sowie der allgemeine Inhalt der ausgewählten Episoden kurz dargestellt. In einem sechsten Abschnitt beziehe ich mich auf die Ausarbeitung der sozialen Ungleichheit aus den Serien. Dazu werden zu jeder Serie zwei Episoden herangezogen, um die jeweilige Darstellung miteinander zu vergleichen und wie sie sich verändert hat. In der Ausarbeitung beziehe ich mich auf Elemente, wie Bildung, Schicht, Klasse, Milieu und Sozialstrukturen.

Die gesammelten Informationen werden zum Schluss in einem Resümee zusammengefasst und so die Erkenntnisse nochmals komprimiert. Es werden die Serien auch in ihrer Darstellung verglichen, um zu zeigen, worin sie sich unterscheiden und wo ihre Gemeinsamkeiten liegen. Zudem wird ein kurzer Ausblick auf die weitere Entwicklung der Animationsserien gewagt, um so seine soziale Relevanz für die Filmbranche aufzuzeigen.

Ziel der Arbeit ist es, den Aspekt soziale Ungleichheit in Animationsserien aufzuzeigen, um festzuhalten, dass Serien mehr als nur Unterhaltungformate sind, sondern auch Kritiken beinhalten. Es gilt darauf hinzuweisen, warum sich soziale Ungleichheit, in Form von Benachteiligung oder eines sich Beweisens, sich gut für jeden Film und Serie eignet.

2. Begriffsdefinition Satire, Humor, Ironie und Parodie

Satire ist ein sehr altes literarisches Mittel, um Probleme, Missstände, und soziale Ungleichheit aufzuzeigen und zu kritisieren bzw. zu parodieren. Durch dieses Parodieren werden schwierige Themeninhalte auf vereinfachte Weise den Rezipienten verständlich gemacht und durch die Satire wird der Inhalt etwas verändert, damit sie keiner Zensur unterliegt. Die Satire ist zynisch, anstößig und erbarmungslos, und sie kritisiert Personen, Institutionen, Organisationen usw. Weil sie eben Themen so unverblümt darstellt, schafft sie es, dass sie die Menschen zum Nachdenken bringt und hat sich dadurch als ein gutes Mittel zur Darstellung von Umstände und Missständen erwiesen. (vgl. Grill 1992, S. 28).

Satire hat es sich zur Aufgabe gemacht reale Umstände, Missstände, Ereignisse, Tatsachen und sogar berühmte Personen zu parodieren und so aufzuzeigen wie es zu mancher gesellschaftlichen Thematik und Problematik gekommen ist bzw. wie mit diesen umgegangen und wie diese gelöst werden kann. Sie ist ein Spiegel der Zeit und kritisiert fast jeden Aspekt zu ihrer Zeit und sie kann sich auf alles beziehen, Objekte, Personen und Situationen. Es können auch gesellschaftliche Themen dargestellt werden, welche auch nicht für alle relevant sind, jedoch großen Einfluss auf die Gesellschaften ausüben. Die Satire richtet sich nicht auf den Massengeschmack. Die Besonderheit der Satire ist es, dass sich nicht nur parodiert und somit sich über alles lustig macht, sondern es sollte auch vom Rezipienten verstanden und gedeutet werden können. Eine nützliche Sache ist es Wissen über jene Zeitabschnitte, in denen die Serien spielen, zu haben, um den Kontext zu verstehen, denn ohne dieses fällt es schwer die Satire zu verstehen. (vgl. Grill 1992, S.28 -32).

Da nun die Eigenschaften der Satire dargestellt wurden, wäre es interessant zu wissen, wie sich der Begriff Satire etabliert hat. Ihren Ursprung hat die Satire in der Antike, im Mittelalter begann sich der Begriff zu entwickeln. So wurden nicht mehr höhnische Texte über jemanden geschrieben, sondern es wurden Fabeln, also analoge Geschichten zur realen Welt, entwickelt, welche eine bessere und kritische bildliche Darstellung ermöglichten. Vom Mittelalter an passte sich die Satire der Zeit an und parodiert sie, in Theaterstücke, literarischen Texte, Radiosendungen und Fernsehsendungen. Der technologische Fortschritt half der Satire sich nicht nur mehr und mehr zu entfalten, sondern sich als essentielles Stilmittel zu etablieren. (vgl. Wilpert 2001, S. 718)

Da Satire mit parodieren, also dem Verspotten und dem lustigen Darstellen von Themen zu tun hat, kann es auch als Humor verstanden werden. Der Begriff „Humor“ entwickelte sich aus der französischen Sprache und wird mit Heiterkeit verbunden. Im Allgemeinen wird mit dem Begriff

Humor mit Spaß verbunden. Humor, kann wie Satire unterschiedlich aufgefasst werden. Es hängt alles vom Kontext ab, sei es ein politischer oder sei es ein sozialer, in dem Humor vermittelt wird. Erst durch die Interaktion wird Humor vermittelt. Es muss immer ein Medium gegeben sein, in diesem Fall sind es Animationsserien, ein audiovisuelles Medium, das sich aus vielen Darstellungskomponenten zusammensetzt, in denen Humor eingeordnet und erkannt wird.

(vgl. http://www.socialpsychology.de/sp/konzepte/humor abgerufen am 18.7.2017)

Satire setzt sich noch aus einem weiteren literarischen Stilmittel zusammen, nämlich der Ironie, welche wie Satire und Humor auch eine Form des Verspottens ist. Eine Besonderheit der Ironie ist die Zweideutigkeit, also, wenn etwas über eine zweite oder dritte Ebene verstanden wird. (vgl. Behler 1998, S.599)

Wie die Satire, die eine kritische Äußerung ist, ist die Parodie als spöttische Nachahmung zu verstehen. Bei einer Parodie wird eine Vorlage übernommen, die auf eine übertriebene Art und Weise lustig dargestellt wird. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten etwas zu parodieren, jedoch wird es als keine eigene Filmgattung gesehen, weil sie nur bestehendes Material nimmt und dieses verarbeitet.

(vgl. Verweyen Witting 1993, S.193f)

Zusammenfassend kann man sagen, dass Humor Belustigung gegenüber der Wirklichkeit ist und immer für Lacher sorgt. Die Ironie spielt die Zweideutigkeit jedes Thema an, das mehr als nur einen Kontext besitzt, denn das Gemeinte und das Gesagt haben ein indirektes Verhältnis zueinander. Die Parodie ist eines der am häufigsten verwendeten Mittel, weil sie alles übertrieben vom Inhalt bis zu den Effekten nachahmt, aber ihre Darstellung lehnt sich sehr genau an das Original an, sodass eine Verbindung entsteht. Die Satire ist eine Form der Kritik, die entlarven, verspotten und eine kritische Haltung hervorrufen will.

3. Forschungsstand

3.1 Animation

„Animation ist allgegenwärtig. Animation erzählt, zeigt, vermittelt und verblüfft“(http://ag- animation.de/information/, 18.7.2017).

Animation kann mit ihrer Darstellung für Forschungen genutzt werden, weil sie eine Illusion ist, die künstlerische Werte und eine starke Ausdruckskraft besitzt. Die AG Animation beschäftigt sich mit ihren Forschungen mit Animationen, sei es in Bildern, sei es in Serien oder sei es in Filmen, weil sie darin das Potential sehen. Es gibt keinen Lebensbereich, der durch Animation nicht beeinflusst wird. Animationen erzeugen eine künstliche Realität, die mit der wirklichen Realität verschwimmt und durch den technologischen Fortschritt hat jeder Zugang zu Animationen, sei es Film oder Serie oder Bild. Neben dem Kino, wo Animationsfilme veröffentlicht werden, werden auch im Fernsehen Animationen ausgestrahlt. Sie erzeugen eine künstliche Realität und eine künstliche Umgebung. Die Wissenschaft hat mit Filmen ein breites Feld für Auseinandersetzungen und die besondere Ausdrucksfähigkeit ist ein zentrales Forschungsthema für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen und Theorien. Die AG hat sich zur Aufgabe gemacht narrative, politische, psychologische, historische, ökonomische und soziale Aspekte von Animationen zu erforschen und ihr Ziel ist, den Informationsaustausch vereinfacht darzustellen. (vgl.http://ag- animation.de/information/, abgerufen am 18.7.2017)

3.2 Medien und Inhalt

Bonfadelli schreibt in seinem Buch “Medieninhaltsforschung” (2002), dass Medien, wie z. B. das Fernsehen, Inhalte wie Gewalt, Pornographie und Extremismus verbreiten und Anlass zur Kritik geben. Dies sind für viele wissenschaftliche Disziplinen, wie Sozial- und Geisteswissenschaften interessant und beschäftigen sich auch mit dem Thema Medien und ihren Inhalten. (vgl. Bonfadelli 2002, S8f)

Die Medien nutzen verschiedene Übertragungsmittel, um verschiedene Inhalte zu verbreiten und ihre Inhalte sind wegen ihrer massenhaften Verbreitung und wegen ihrer Wirkungszusammenhänge ein interessantes Forschungsgebiet für die empirische Forschung. Verschiedene Themen, wie Kriminalität, Rassismus, Ungleichheit werden durch Medien dargestellt und verbreitet. Es gibt ein paar Grundbegriffe, die in der Medieninhaltsforschung eine wichtige Rolle spielen. So ist “Botschaft” eines der Grundbegriffe, der mittels gestalterischer Aspekten, kommunikative Aspekte übermittelt. Der Begriff “Bedeutung” ist ein weiterer Grundbegriff, der den Sinn als Symbolsystem nutzt um einen kommunikativen Aspekt zu vermitteln. Die Begrifflichkeiten, die für die Beschreibung von Medien und Inhalten verwendet werden, sind jedoch nicht sehr genau und können je nach Perspektive unterschiedlich verwendet werden. (vgl. ebd. S.11ff)

Die modernen Massenmedien sind wegen ihrer Inhalte, ihrer Verbreitung, ihrer Popularität und ihres Wirkungszusammenhangs für die empirische Forschung und für die Öffentlichkeit ein sehr interessantes Thema. Durch die mediale Thematisierung von sozialen Prozessen, sowie das Auftreten von neuen Medienangeboten, wird alles auf verschiedene Art und Weise dargestellt. Die Medien sind für jeden frei zugänglich und daher erreichen sie schnell viele Menschen, die durch kritische Inhalte, zum Denken anregen sollen. Aus diesem Grund sind Medien für empirische Untersuchungen sehr interessant. Jedoch das Anliegen der empirischen Forschung ist es, Medieninhalte zu analysieren, zu beschreiben und zu erklären. (vgl. ebd. 14f)

Eine Fragestellung mit der sich die Medieninhaltsforschung beschäftigt, ist die gesellschaftliche Perspektive, die sich damit auseinandersetzt, wie die Medien in der jeweiligen Gesellschaft eingebettet sind, und welche Problemlösungspotentiale sie für die Gesellschaft haben. Soziologische Ansätze fragen nach dem gesellschaftlichen Nutzen der Medien. Bonfadelli zählt einige Punkte auf, und so zählen Information, Meinungsbildung, Wertevermittlung, Unterhaltung zu den Nutzfaktoren. (vgl. ebd. 29ff)

In einem weiteren Buch schreibt Bonfadelli mit Friemel über die “Medienwirkungsforschung” (2015). Wie der Titel des Buches schon sagt, wird sich mit der Wirkung der Massenmedien auf die Gesellschaft beschäftigt. Die Wissenschaft wird als Theoriebildung genutzt und die empirische Forschung reagiert auf soziale Probleme, um eine Lösung zu finden. Die Suche nach der Ursache eines Problems findet oft in einem außerwissenschaftlichen Verständnis statt. Bei der Beeinflussung durch Medien gibt es viel Interessen, weil Medien ein großes Auswirkungspotential auf die Menschen haben, indem soziale Probleme, wie Essstörung, Diskriminierung, Gewalt oder Politikverdrossenheit thematisiert werden. (vgl. BonfadelliFriemel 2015, S. 15f)

Die Auswirkungen der Medien werden von verschiedenen Interessengruppen thematisiert. Die Medienwirkungsforschung erforscht die Auswirkung von Gewalt und die Wirkung der Medien auf die Gesellschaft. Die empirische Medienforschung befasst sich mit der Beeinflussung von Meinung, Einstellung und Verhaltensweisen durch bestimmte Medieninhalte. (vgl. BonfadelliFriemel 2015, S. 22ff)

Die Medienwirkungsforschung gliedert sich in drei Entwicklungsstufen, nämlich in das “S-R- Modell”, in das “ S-O-R- Paradigma” und die “Medienwirkungsansätze”. In der ersten Phase wird auf die Wirkungsforschung der Medien eingegangen, die auf gesellschaftliche Veränderungen großes Propagandapotential hat. Durch die Einführung von Medien, also dem Fernsehen oder dem Radio, bekam die Medienwirkungsforschung einen neune Aufschwung, was zur zweiten Phase der Medienwirkungsforschung führte. Menschen sind den Medieneinflüssen voll ausgeliefert und man kann sich nur vor den Einflüssen schützen, indem man die Medienbotschaften nach Relevanz selektiert. Die dritte Phase der Medienwirkungsforschung kam durch die Wiederentdeckung der Medieneffekte. Ein weiterer Fortschritt für die Analyse von Wirkungsphänomen sind die Zeitreihen- und Panelstudien mit der Kombination von verschiedenen Methoden. (vgl. Bonfadelli 2004, S.13f)

Nach der kurzen Darstellung der Geschichte der Medienwirkungsforschung, befasst sich die Wirkungsforschung mit den unterschiedlichen Wirkungsphänomenen und Wirkungsbereichen, die eine Relevanz für gesellschaftliche Phänomene hat. Die Medieneffekte bzw. Wirkungsphänomene ereignen sich in den verschiedenen gesellschaftlichen Feldern und Systemen. So nutzen Interessensgruppen,die Medien, um einerseits Berichterstattung über ihr Vorhaben zu machen und anderseits um bestimmte Prozesse, sei es gesellschaftliche, ökonomisch oder politisch zu beeinflussen. Im soziologischen Bereich werden Themen, wie Gewalt, Pornographie, Vorurteile usw. über die Medien diskutiert. Die theoretischen Perspektiven der Medienwirkungsforschung basieren auf gesellschaftlichen Faktoren. (vgl. ebd. S. 15-20)

3.3 Massenmedien

Burkart unterscheidet in seinem Buch “Grundlagen und Problemfelder der Kommunikationswissenschaft” (2002) zwischen sozialen, politischen und ökonomischen Bereichen. Zum sozialen Bereich zählen die Sozialisation, Reaktions- und Interaktionsfunktion. Zum ökonomischen Bereich gehören herrschaftliche Funktionen und zum politischen Bereich gehören die politische Bildung und Sozialisation, die eine Verbindung zur Öffentlichkeit herstellen. Massenmedien haben eine Funktion für die Gesellschaft, denn sie zeigen den tatsächlichen Tatbestand eines Gesellschaftssystems (vgl. Burkart 2002 , S. 368ff)

Medien haben einen Einfluss auf die Sozialisationsprozesse, die sich in Serien, Filme, Nachrichten und Werbung äußern. Die Sozialisation im Medium soll zeigen, welche Verhaltensweisen und Denkweisen als gut und als schlecht gelten. (vgl. Burkart 2002, S. 374f)

Einen Aspekt, den Medien immer erfüllen müssen, ist die Unterhaltung, der die Menschen von ihren Alltagsproblemen ablenkt und in eine andere Welt bringt. Neben dem Aspekt der Unterhaltung und der Sozialisation haben Medien auch den Aspekt der Integration, der Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Gesellschaften aufzeigt, um Orientierung zu ermöglichen. (vgl. ebd. S 377)

3.4 Pierre Bordieu „Das Journalistische Feld“

Pierre Bordieu beschäftigte sich mit dem Medium Fernsehen, sowie dessen Wirkung und Mechanismen und veröffentlichte 1988 das Buch „Über das Fernsehen“, in dem er das Fernsehen als Gefahr für das politische Leben sieht, denn er will die unsichtbaren Strukturen des Fernsehens aufdecken. (vgl. Bordieu 1998, S. 23f)

Bordieu hielt Vorträge über das audiovisuelle Medium, nämlich „Das Fernsehstudio und seine Kulissen“ und „Die unsichtbaren Strukturen und ihre Auswirkungen“. Beim ersten Vortrag „Das Fernsehstudio und seine Kulissen“ ist er der Meinung, dass das Fernsehen für jeden uneingeschränkt zur Verfügung steht und nicht durch technische und moralische Einflüssen eingeschränkt werden kann. Daher ist es interessant, dass sich die Forschung nicht mit der Zugangsmöglichkeit, sondern über die Verbreitung von Informationen beschäftigt. (vgl. Bordieu 1998, S. 14f)

Bordieu definiert im Zusammenhang mit den Medien und den Journalismus einen neuen Begriff, nämlich das „journalistische Feld“. Der Begriff hängt mit der Feldtheorie zusammen, die die Gesellschaft als Raum zusammenfasst. Im journalistischen Feld wird um die Aufmerksamkeit des Menschen, sei es in Printmedien oder audiovisuelle Medien, gekämpft, die sich durch Einschaltquoten äußert. (vgl. Bordieu 1998, S. 57ff)

Die Platzierung im Raum ergibt sich aus den Kapitalsorten, Ökonomie, Kultur und Sozialisation. (vgl. Bordieu 1983, S 183)

Das Medium Fernsehen unterliegt einer unsichtbaren Zensur, denn es wird nicht nur Sendezeit und Redezeit vorgegeben, sondern auch die Themen. (vgl. Bourdieu 1998, S. 19)

Fernsehen steht im Zusammenhang mit der Dramatisierung, also eine Information übertrieben darzustellen als sie ist, weil die täglichen banalen Themen, wie Kriminalität nicht an die große Glocke gehängt werden, weil immer darüber berichtet wird, wie zum Beispiel Amokläufe. Brodieu sieht in der Dramatisierung die Gefahr, die vom Fernsehen ausgeht, weil sie dem Menschen eine subjektive Wirklichkeit präsentiert. Es wird eine Scheinwelt erzeugt, die wir als real wahrnehmen, die die Meinungen und Einstellungen beeinflussen. (vgl. Bordieu 1998, S. 28ff)

Das journalistische Feld ist geprägt durch die Verarbeitung einer Nachricht, denn bevor sie Veröffentlicht wird, wird sie von verschiedenen Journalisten und Zeitungsverlage bearbeitet. Die Nachricht wird also immer wieder verschieden interpretiert und von mehreren Journalisten gelesen,bevor die Information veröffentlicht wird. Daher stellt sich Bordieu die Frage ob, dann die Nachricht original ist oder für die Menschheit zuschnitten wird. (vgl. Bordieu 1998, S. 32f)

3.5 Filmsoziologie

Filme spiegeln nicht nur die Gesellschaft wider, sondern wirken auch auf diese ein und bilden ihre Wirklichkeit nicht einfach nur ab, sondern interpretieren sie zugleich. Filme gehören zu den visuellen Formen, mit denen eine Gesellschaft darstellt wird. Schaut man sich Filme mehrmals am Tag oder in der Woche an, so beginnt man den sozialen Wandel in Filmen zu erkennen, der sich im Laufe der Zeit vollzogen hat. In Filmen werden Themen wie soziale Beziehung und soziale Ungleichheit behandelt und vermittelt. Des Weiteren enthalten Filme Gesellschaftsbilder und behandeln alles was im Leben von Bedeutung ist.

Der Film vermag die Realitäten einer Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen. Es geht dabei vor allem darum zu zeigen, dass Filme von verschiedenen Menschen auch unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert werden können. (vgl. Schröer 2008, S.7ff)

Die Wirkung des Films ist bei allen Menschen unterschiedlich, indem er zum einen darauf hinweist, dass der gleiche Inhalt eines Films oder einer Sendung bei verschiedenen Gruppen ganz unterschiedlich aufgenommen wird. Gerade eine so diskontinuierlich arbeitende Soziologie, wie die Filmsoziologie, steht in der Gefahr, dass zentrale Einsichten vergangener Forschung in Vergessenheit geraten. Es gibt keine systematische Sammlung zentraler filmsoziologischer Arbeiten . Fasst man alles zusammen, so besetzt die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Film allenfalls eine kleine Nische im Haus der Soziologie. Zur Institutionalisierung einer Filmsoziologie als spezieller Soziologie ist es nie gekommen. Nicht nur werden in Filmen gesellschaftliche Themen wie Arbeit, Armut, Familie, Geschlecht, Kunst, Recht, Religion, Ökonomie, Stadt, Überwachung usw. bearbeitet, sondern vielmehr dürfte auch unser Wissen, unsere Informationen, die wir zu gesellschaftlichen Themen haben, zu einem großen Teil aus Filmen stammen. Die Wirkung eines Films kann sogar so intensiv sein, dass sie unser Handeln unmittelbar zu beeinflussen und zu steuern vermag. Grundsätzlich kann gelten, dass wenn wir sozial Handeln, auf Vorstellungen zurückgreifen, die in Filmen dargestellt wurden. (Schröer, 2008, S. 10ff) So wie sich in den letzten Jahrzehnten der Film veränderte, so erlebte auch die Filmsoziologie einige Veränderungen. Verschiedenen Gesellschaftsschichten, Ober,- Mittel,- und Unterschicht, nutzen das Medium Film als Unterhaltungsmedium und als Mittel von den Alltagssorgen abzulenken. Diese Flucht in die Filme hat zur Folge, dass die Filmindustrie ihre Entwicklung vorangetrieben hat, umso die Massenbedürfnisse zu befriedigen. (vgl. WinterEckert 1990, S. 78)

Aus diesem intellektuellen Denken heraus entwickelte sich die erste Filmsoziologie, die sich in erster Linie mit dem Filmen und mit dem Verhältnis zum Publikum befasste. In der Massenkommunikationsforschung ist man zum Schluss gekommen, dass der Rezipient homogen auf den Film reagiert und dass der Film von ihnen passiv genutzt wird. (vgl. WinterEckert 1990, S. 11)

Jeder Mensch hat einen unterschiedlichen Geschmack, was bedeutet, dass jeder Film von jeden einzelnen unterschiedliche aufgenommen und verarbeitet wird. Bedenkt man alleine die unterschiedlichen Lebenssituationen, wird schnell klar, dass es eine Wechselwirkung zwischen dem Medium Film und den Zuschauern gibt. (vgl. Prokop 1971, S. 222ff)

So haben sich viele Genres entwickelt, die mehr oder weniger alle Schichten des Kino-Publikums abdecken. Je größer die Auswahl der Aktivitäten in der Freizeitindustrie in den vergangenen Jahrzehnten wurde, desto stärker nahmen die Kinobesuche ab. Auch heutzutage hat sich nichts verändert, bei schlechtem Wetter wird das Kino als Freizeitaktivität genutzt als bei schönem Wetter, wo Aktivitäten im Freien bevorzugt werden, (vgl. Prokop 1971, S. 219)

4. Der theoretische Hintergrund: Cultural Studies

“Die Cultural Studies sind ein theoretisch interdisziplinärer Ansatz der Kulturanalyse, die sich mit Alltagspraktiken und kulturellen Konflikten beschäftigt” (Hepp 2010, S. 10)

Sie beschäftigen sich mit Medienprodukten, die für die Gesellschaft greifbar gemacht wird, wodurch die Cultural Studies einen hohen Stellenwert bekommen. Die Cultural Studies beschäftigen sich mit Kultur, Medien und Macht. “Der Ausdruck Medienanalyse wird verwendet, wenn es um Macht, Produktion, und Diskurse geht” (vgl. Hepp 2010, S. 10) so beschreibt Hepp den Nutzen des Analysierens von Medien. Um die Grundorientierung für die Cultural Studies verständlicher zu machen, beziehe ich mich auf eine Studie, die sich mit Straßenüberfällen beschäftigt hat. In diesem Beispiel geht es nicht um die Gründe und Arten von Straßenüberfälle darzutellen, sondern um die soziokulturellen Gründe die dahinterstehen. Der Gegenstand ist der soziokulturelle Prozess, der nicht nur bei den sozialen Ursachen, sondern auch bei der gesellschaftlichen Ordnung zu erkennen ist. Die mediale Berichterstattung hat einen großen Einfluss auf die soziokulturellen Prozesse. Interessant dabei sind die unterschiedlichen Möglichkeiten, denn jeder Zugang gelangt zu einer anderen Berichterstattung. (vgl. Hepp 2010, S.10ff)

Die soziokulturellen Auseinandersetztungsprozesse basieren auf den Prozessen der medialen Darstellung. Diese mediale Darstellung kann gesellschaftliche Problematiken gegen Gruppen und Personen kompensieren. Bei den Cultural Studies geht es darum soziokulturelle Auseinanderumsetzungsprozesse zu verstehen und dazu nutzen sie die Medienberichterstattung. Sie nutzen die Medienanalyse, als Zugang um Medienforschung zu betreiben, um die kulturelle Orientierungen, die in einer Gesellschaft vorherrschen, zu beschreiben. (vgl. Hepp 2010, S.14f)

Die Cultural Studies setzten sich kritisch mit Kultur und Macht auseinander, wobei Medien eine zentrale Rolle bei der Bedeutungskonstruktion spielen. Sie sind nicht einfach ein Ansatz der Kommunikations- und Medienwissenschaft, sondern sind eine übergreifende Disziplin. Sie haben Auswirkungen auf das Theorieverständnis, denn sie betonen einerseits die Notwendigkeit von Theorie aber anderseits ist keine Theorie kontextfrei. Hepp (2010, S.19) sagt, dass die Theorie immer eine Antwort auf eine spezifische Frage bzw. Kontext sei. Die Theorie wird in den Cultural Studies als eine Art Leitfaden für die empirische Forschung verstanden, deren Ziel es ist Wissen zu produzieren. Die Cultural Studies grenzen sich deutlich von anderen Ansätzen ab, denn für sie ist die Kultur ein konflikthafter Prozess. Die Kultur soll nicht als homogenes Ganzes verstanden werden, sondern als ein Prozess ,der von Macht geprägt ist. (vgl. Hepp 2010, S. 16-20)

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Details

Titel
Die Darstellung sozialer Ungleichheit in den Animationsserien "South Park", "Die Simpsons" und "Drawn Together"
Hochschule
Universität Wien  (Soziologie)
Autor
Jahr
2017
Seiten
48
Katalognummer
V455635
ISBN (eBook)
9783668867734
ISBN (Buch)
9783668867741
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale Ungleichheit, Animationsserien, Simpsons, Drawn Together, South Park
Arbeit zitieren
Stefan Mario Haschke (Autor), 2017, Die Darstellung sozialer Ungleichheit in den Animationsserien "South Park", "Die Simpsons" und "Drawn Together", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455635

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