Die alte Rüstungskontrolle nähert sich ihrem Ende. Veränderte politische und technologische Rahmenbedingungen erfordern einen neuen Ansatz für die Rüstungskontrolle. Gelingt ein neuer, vor allem politisch gleichberechtigter Ansatz für Rüstungskontrolle hat sie eine Zukunft. Falls nicht, verkommt sie weiter zu Symbol-Politik mit immer weniger Substanz.
Die in den vergangenen 30 Jahren praktizierte Missachtung grundlegender Völkerrechts-Prinzipien von Gleichheit, Gewaltverzicht und Souveränität für alle Staaten hat auch der Rüstungskontrolle ihr Fundament entzogen. Diese Politik hat die Welt zu einem sehr unsicheren Platz gemacht. Noch steht der tatsächliche Nachweis aus, dass politische Willenserklärungen zu Frieden, Stabilität und Gleichberechtigung auch politische Realität werden.
Inhaltsverzeichnis
Der 2. Kalte Krieg und das Elend der Rüstungskontrolle
Vorwort
Armageddon - Im Finale des 1. Kalten Krieges
Rahmenvereinbarungen der Rüstungskontrolle zwischen den Nuklearmächten
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg?
Globale und europäische Ordnung nach dem 1. Kalten Krieg
Sein oder Nicht-Sein und Haben oder Nicht-Haben.
Proliferation und globale Politik.
Der freie Zugang zum Weltraum nur für Mächtige und Privilegierte?
Der Anfang vom Ende der alten Rüstungskontrolle
Auf zu den Sternen. Weltraumrüstung, Raketen- und Satellitenabwehr
Russland
Die USA
Der „Rest“ und die Folgen
Prompt Global Strike (PGS), Hyperschallkomplexe
Rüstungskontrolle?
Neues und Altes und zur kontrollierten Rüstung
New START
Zu Lande
Zur See
In der Luft
Das letzte Wort
China – der „dritte Mann“
Seit 2018 gibt ein viertes Rad am Wagen
START – die Sackgasse?
New START, INF und die nukleare Nichtweiterverbreitung
Die Zukunft des INF-Vertrages?
Nachkriegsordnungen in Europa, KSZE und OSZE - Echo aus ferner Vergangenheit
„Taktische“ Kernwaffen in Europa
Die Zukunft des Krieges - Gefahren durch Bits und Bytes, Cyberkriege, „künstliche Intelligenz“ und elektromagnetische Waffen
Die Hoffnung“ kam als Letzte aus Pandoras Büchse
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert den Übergang vom 1. Kalten Krieg in eine neue Phase globaler Auseinandersetzungen, die als 2. Kalter Krieg bezeichnet wird. Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung der Rüstungskontrolle unter veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere im Kontext nuklearer und nicht-nuklearer Waffenentwicklungen, kritisch zu beleuchten und die daraus resultierenden Sicherheitsrisiken für die internationale Gemeinschaft aufzuzeigen.
- Analyse des Scheiterns und der Transformation klassischer Rüstungskontrollmechanismen.
- Untersuchung der technologischen Aufrüstung (Hyperschall, Cyberkriege, KI) als Instrumente globaler Dominanz.
- Kritische Bewertung der Rolle der USA, Russlands und Chinas in der neuen globalen Sicherheitsarchitektur.
- Diskussion über die Bedeutung von Souveränität und Gleichberechtigung in internationalen Abkommen.
- Bewertung der Auswirkungen moderner Waffensysteme auf die globale Stabilität und das Prinzip der „Abschreckung“.
Auszug aus dem Buch
Armageddon - Im Finale des 1. Kalten Krieges
Am Übergang von den 1970-er zu den 1980-er Jahren begann eine erneute Zuspitzung des Kalten Krieges zwischen den beiden stärksten Nuklearmächten, den USA und der UdSSR und ihren Koalitionen – NATO und Warschauer Vertrag. Dieser Kalte Krieg des 20. Jahrhunderts wurde als ein Krieg zwischen den zwei von gegensätzlichen Eigentumsstrukturen geprägten gesellschaftlichen Systemen und ihren Weltanschauungen geführt. In mancher Hinsicht ähnelte er in vielen Erscheinungsformen dem europäischen Krieg zwischen christlichen Staaten katholischer oder protestantischer Prägung, der mit dem Frieden von Westfalen nach über 30 verheerenden Jahren sein Ende fand. US-Präsident Ronald Reagan gab den 1980er Jahren, der Schlussphase des 1. Kalten Krieges, in christlich fundamentalistischer Weise das Motto des biblischen Armageddon, des Endkampfes oder des Entscheidungskampfes zwischen den aus seiner Sicht Kräften von Gut und Böse in der Welt. Dieses Endkampf-Konzept der US-Strategie war absolut ernst gemeint und wurde mit allen der Politik zur Verfügung stehenden Instrumentarien praktisch umgesetzt. Damit wurden durch die USA zugleich die allgemeinen Rahmenbedingungen für die internationale Rüstungskontrolle gesetzt.
Der Kalte Krieg im 20. Jahrhundert war, wie jeder Krieg, von Anfang an „ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen“ (Clausewitz „Vom Kriege“, Buch I, Kap. 1, Abschn. 2). Krieg ist Politik mit gewaltsamen Mitteln. Krieg und Gewalt (gewaltsame Mittel) reduzierten sich dabei noch nie auf den bewaffneten Kampf. Clausewitz definierte Krieg als Akt der politischen Gewalt; er reduzierte ihn nie auf den bloßen bewaffneten Kampf militärischer Streitkräfte. Vielmehr erfasste er alle gewaltsamen Mittel der Politik. Die komplexe und brillante Wesensbeschreibung des Krieges durch Clausewitz bestätigte sich erneut auch im 1. Kalten Krieg. Bis heute hat sich daran nichts geändert.
Zusammenfassung der Kapitel
Armageddon - Im Finale des 1. Kalten Krieges: Beschreibt die Zuspitzung des 1. Kalten Krieges in den 1980er Jahren und die ideologische Ausrichtung der US-Strategie auf ein Endkampf-Szenario.
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg?: Analysiert den Zerfall des sowjetischen Gesellschaftssystems und die Entstehung neuer globaler Machtkonstellationen nach dem Ende des 1. Kalten Krieges.
Der Anfang vom Ende der alten Rüstungskontrolle: Erörtert die Aufkündigung des ABM-Vertrages durch die USA und die daraus resultierenden Konsequenzen für die strategische Stabilität.
Neues und Altes und zur kontrollierten Rüstung: Untersucht den New START-Vertrag und die Transformation der Rüstungskontrolle angesichts neuer, nicht von Verträgen erfasster Waffentechnologien.
China – der „dritte Mann“: Beleuchtet Chinas Aufstieg zur bedeutenden Nuklearmacht und die Herausforderungen für die bisherigen bilateralen Rüstungskontrollmechanismen.
Nachkriegsordnungen in Europa, KSZE und OSZE - Echo aus ferner Vergangenheit: Reflektiert über den Bedeutungsverlust der KSZE und die Herausforderungen für eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa.
Die Zukunft des Krieges - Gefahren durch Bits und Bytes, Cyberkriege, „künstliche Intelligenz“ und elektromagnetische Waffen: Warnt vor den destabilisierenden Wirkungen neuer Waffentechnologien und dem Fehlen adäquater völkerrechtlicher Regularien.
Die Hoffnung“ kam als Letzte aus Pandoras Büchse: Fasst die Notwendigkeit für einen grundlegenden politischen Neuanfang basierend auf Gleichberechtigung und Souveränität zusammen.
Schlüsselwörter
Rüstungskontrolle, Nuklearwaffen, Kalter Krieg, strategische Stabilität, USA, Russland, China, Abschreckung, Abrüstung, Völkerrecht, Sicherheitspolitik, Cyberkrieg, Hyperschallwaffen, Souveränität, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der internationalen Rüstungskontrolle vom Ende des 1. Kalten Krieges bis in die heutige Zeit und analysiert, wie technologische und geopolitische Veränderungen die Sicherheitspolitik destabilisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung nuklearer und konventioneller Waffensysteme, die Erosion bestehender Abrüstungsverträge, die Rolle der Großmächte sowie die zunehmende Bedeutung technologischer Kriegsführung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, aufzuzeigen, warum traditionelle Rüstungskontrollinstrumente in einer multipolaren Welt unter dem Druck neuer Technologien an Bedeutung verlieren und welche Risiken sich daraus für den Weltfrieden ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die sich auf diplomatische Dokumente, sicherheitspolitische Strategieanalysen und die militärtechnische Entwicklung stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Verträge wie New START und INF, die Aufrüstung durch Hyperschallkomplexe, die Rolle privater und staatlicher Cyber-Akteure sowie die veränderte Sicherheitsarchitektur in Europa und Asien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rüstungskontrolle, strategische Stabilität, Nuklearwaffen, Abschreckungsdoktrin und Souveränität geprägt.
Inwiefern hat der 1. Kalte Krieg die heutige Lage beeinflusst?
Der Autor argumentiert, dass der 2. Kalte Krieg eine direkte Folge der gescheiterten Friedensordnung nach 1991 ist und dass viele heutige Konflikte in den damals geschaffenen politischen Strukturen wurzeln.
Warum hält der Autor Rüstungskontrollverträge für gefährdet?
Die Verträge werden als zunehmend illusorisch beschrieben, da sie wichtige moderne Waffentechnologien wie Cyberwaffen oder Hyperschallwaffen nicht erfassen und der politische Wille der Akteure zu einer gleichberechtigten Entschärfung fehlt.
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- Dipl.rer.pol. Lutz Vogt (Author), 2019, Der 2. Kalte Krieg und das Elend der Rüstungskontrolle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455670