Gegenüberstellung dramatischer Frauenfiguren von Strindberg und Ibsen am Beispiel von "Et Dukkehjem" und "Fröken Julie"


Seminararbeit, 2017
14 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung der Dramen
2.1. August Strindbergs Fröken Julie
2.1.1. Beschreibung und Analyse von Julies Charakter
2.1.2. äußere Einflüsse auf Julie
2.2. Henrik Ibsens Et dukkehjem
2.2.1. Beschreibung und Analyse von Noras Charakter
2.2.2. äußere Einflüsse auf Nora

3. Vergleich der beiden Dramen
3.1. Gegenübergenstellung der Hauptfiguren
3.2. Vergleich von Form
3.3 das Ende der Dramen im Vergleich

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Emanzipation (lat. emancipatio) bedeutet „Freilassung eines Sklaven“, genauer gesagt ist es die Befreiung aus einer bisherigen Abhängigkeit. Bereits im 12. Jahrhundert gab es erste Emanzipationsversuche von Frauen. Einer Studie zu Folge herrscht in den skandinavischen Ländern Schweden, Norwegen und Finnland die am weitesten fortgeschrittene Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Die beiden skandinavischen Autoren Henrik Ibsen und August Strindberg haben ebenso Werke geschrieben, in denen genau dieses Thema eine große Rolle spielt. In Ibsens Et dukkehjem und Strindbergs Fröken Julie gibt es jeweils eine Frauenfigur, die von der jeweiligen männlichen Hauptfigur auf unterschiedliche Weise unterdrückt wird.

Inwieweit diese Unterdrückung stattfindet und wieso es überhaupt dazu kommt, soll in dieser Arbeit dargestellt werden. Dabei werden die beiden Hauptfiguren Nora und Julie analysiert und in Bezug auf verschiedene Themen anschließend gegenübergestellt. Ziel ist es unter anderem herauszufinden, inwiefern Nora und Julie sich als Charaktere ähneln und mögliche Unterschiede hervorzuheben.

2. Vorstellung der Dramen

2.1. August Strindbergs Fröken Julie

August Strindbergs naturalistisches Trauerspiel Fröken Julie spielt im Jahre 1894. Fräulein Julie, eine junge Gräfin befindet sich in Schweden auf dem Herrensitz ihres Vaters. Julie möchte ihren sozialen Schranken entrinnen und sucht verzweifelt nach Spaß. Während sie im Zuge des Mitsommerfestes mit der Dienerschaft tanzt, fällt ihr besonders der Diener Jean auf. Jean hat eine Verlobte, Kristin. Dies hindert Julie und Jean jedoch nicht daran immer mehr miteinander zu flirten und schließlich sogar eine richtige Liebesbeziehung zu entwickeln, auch weil Jean von einer Flucht vor seiner Herkunft träumt.1

Nach diesen Geschehnissen findet eine Art Rollentausch statt, nun scheint es als sei nicht mehr Julie die standesmäßig überlegene gegenüber Jean, sondern Jean zeigt sich nun als der Stärkere und Julie ist gedemütigt, da sie sich einem Bediensteten hingegeben hat.

Nach einer ganzen Reihe an Machtspielen und zwecklosen Versuchen alles wieder ins Lot zu bringen, ist Jean der festen Überzeugung, dass der einzige Weg aus dieser Situation zu entkommen, Julies Selbstmord sei.

2.1.1. Beschreibung und Analyse von Julies Charakter

Gleich zu Beginn erhält der Leser die erste Charakterisierung Julies, vor deren Auftritt selbst, durch den Diener Jean: “I kväll är fröken Julie galen igen; komplett galen!“ 2 Fräulein Julie, die Tochter eines Grafen ist, wurde von ihrer Mutter so erzogen, wie ein Mann zu denken und zu handeln3, was Julies Charakter sehr zerrissen hat. Sie ist äußerst wankelmütig - so spricht sie zunächst völlig aufgebracht mit Jean und redet ein paar Zeilen später wieder in ruhigem Ton zu ihm.4 Außerdem zeigt Julie sich ab und an sehr selbstzerstörerisch, allein schon dadurch, dass sie sich in Anbetracht ihres Standes nicht sträubt, eine Beziehung mit einem Diener eingehen zu wollen.5 Julie besitzt des weiteren eine teilweise gestörte Wahrnehmung ihrer Umgebung, so ist sie beispielsweise fest davon überzeugt, dass sie von ihren Bediensteten geliebt wird. Diese jedoch lästern ab und an ganz gerne mal über ihre Herrin. Julies Ankleidedame spricht weniger positiv über Julies Körper, was Kristin die Köchin, Jean sofort zu verstehen gibt, als dieser von Julies Aussehen schwärmt:“Kristin: Åh ja, skryt lagom! Jag har hört hvad säger jag, som har klädt henne.“6 Die feste Überzeugung Julies, dass sie von ihrer Gefolgschaft geliebt wird, zeigt auch eine gewisse Naivität, denn sie begreift zunächst nicht, dass ihre Diener kein wirkliches Interesse an ihrer Person haben, sondern dies nur gespielt ist, da dies als Gefolgschaft eben deren Job ist. Fräulein Julie zeigt sich ab und an auch äußerst egoistisch, sie interessiert sich kaum dafür, dass Jean eigentlich verlobt ist.

2.1.2. äußere Einflüsse auf Julie

Jean scheint in Strindbergs naturalistischem Trauerspiel der vermeintlich Einzige unter der gesamten Gefolgschaft zu sein, der sich ernsthaft für Fräulein Julie interessiert. Selbst vor seiner Verlobten, der Köchin Kristin leugnet er nicht, dass Fräulen Julie ihm durchaus gefällt: „Jean:[...] Men ståtlig är hon! Praktfull! Ah! Såna axlar! Och – etcetera!“7 Es macht aber auch den Anschein, als wäre Jeans Interesse an Julie ausschließlich körperlich, denn über ihren Charakter hat er wenig gutes zu berichten. Auf Julies Annäherungsversuche geht Jean zunächst nicht ein und lehnt immer wieder höflich ab. Allgemein verhält Jean sich stets höflich gegenüber Julie, was auch schon sein Name ein wenig verrät, denn es ist eher unüblich, dass ein Bediensteter einen französischen Namen trägt8: „Jag vill inte såra er, men de begagnade uttryck - som kastade misstankar af den art, att... ja det kan ni fatta sjelf! Ni är ju inte något barn, och när man ser en dam ensam drickande med en man - låt vara en domestik - om natten – så...“9.

Jean weiß genau was er will und das besteht nicht darin, Fräulein Julies Spielzeug zu sein, vielmehr möchte er die vorhandene Machtkonstellation umdrehen. Jeans größtes Ziel ist es nämlich, selbst einen höheren Rang in der Gesellschaft zu erhalten:“ Nej! Jag brukar drömma att jag ligger under ett högt träd i en mörk skog. [...] Och jag klättrar och klättrar men stammen är så tjock, och så slät, och det är så långt till första grenen. Men jag vet att nådde jag bara första grenen, skulle jag gå i toppen som på en stege. […].10 Jean möchte Julie benutzen, um in der Gesellschaft aufzusteigen, also beginnt er nach und nach sie um den Finger zu wickeln.11

Der Tausch der Machtposition der beiden wird auch deutlich, indem Jean seine Art ändert mit Julie zu sprechen. Nach und nach wird er immer bestimmender und steht schließlich durch seine Männlichkeit und dadurch, dass er mehr Lebenserfahrung und Intelligenz als Julie besitzt über ihr. Statt höflich und zuvorkommend, spricht er nun „hård“ mit Fräulein Julie. 12 Julie wird unwissentlich immer mehr von Jean unterdrückt und schließlich kommt es soweit, dass Jean es schafft Julie zu verführen. Julie fühlt sich danach schrecklich und Jean zeigt immer mehr sein wahres Gesicht:“Jean: Och hora är hora!“13 Hier wird deutlich, dass Julie ihre anfängliche Stärke immer mehr verliert. Sie lässt sich von Jeans Beschönigungen und Schmeicheleien beeinflussen, sodass er sie spielend um den Finger wickeln kann.Trotz Julies wankelmütigem Charakter, zieht sich ihre Naivität fast durch das gesamte Stück.

Julie sucht nach Liebe von Jean, dieser will aber einzig seine Gelegenheit nutzen aufzusteigen.14 Die beiden haben völlig unterschiedliche Vorstellungen. Julie sucht nach Freiheit und Liebe, wohingegen Jean nur den Aufstieg in der Gesellschaft im Fokus hat. Gegen Ende als weder Jean, noch Julie eine Lösung für ihre verhängnisvolle Situation wissen, schlägt Jean Julies Selbstmord vor. Auch hier zeigt sich Julie erneut schwach und bittet Jean ihr aufzutragen sich das Leben zu nehmen: Julie:“och befall mig utföra det!“15

2.2. Henrik Ibsens Et dukkehjem

Nora oder Ein Puppenheim gehört zu Ibsens bekanntesten Dramen und gilt als Paradestück weiblicher Emanzipation. Nora ist bereits seit 8 Jahren mit ihrem Mann, dem Rechtsanwalt Torvald Helmer verheiratet. Die beiden haben 3 Kinder und wohnen in einer großen Wohnung. Noras Mann gab seinen Job nach der Hochzeit mit Nora auf, um sich eine besser

[...]


1 Vgl. Perridon, Harry: „Strinberg, Ibsen & Bergmann. Essays on Scandinavian film and drama offered to Egil

Törnqvist on the occasion of his 65th birthday. Maastricht, 1998. S.105

2 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.2.

3 Vgl. Perridon, Harry: „Strinberg, Ibsen & Bergmann. Essays on Scandinavian film and drama offered to Egil Törnqvist on the occasion of his 65th birthday. Maastricht, 1998. S.105

4 Strindberg, August: Fräulein Julie

5 Vgl. Perridon, Harry: „Strinberg, Ibsen & Bergmann. Essays on Scandinavian film and drama offered to Egil Törnqvist on the occasion of his 65th birthday. Maastricht, 1998. S.96.

6 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.6.

7 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.6.

8 Stockenström, Goran: The dilemma of naturalistic tragedy: Strindberg's Miss Julie.

9 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.18.

10 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.21.

11 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.26f.

12 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.38.

13 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.42.

14 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.39.

15 Strindberg, August: Fröken Julie. Ett naturalistiskt sorgespel af August Strindberg med ett förord af författaren. Stockholm, 1888. S.82.

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Details

Titel
Gegenüberstellung dramatischer Frauenfiguren von Strindberg und Ibsen am Beispiel von "Et Dukkehjem" und "Fröken Julie"
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V455699
ISBN (eBook)
9783668880191
ISBN (Buch)
9783668880207
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gegenüberstellung, frauenfiguren, strindberg, ibsen, beispiel, dukkehjem, fröken, julie
Arbeit zitieren
Sabrina Reiners (Autor), 2017, Gegenüberstellung dramatischer Frauenfiguren von Strindberg und Ibsen am Beispiel von "Et Dukkehjem" und "Fröken Julie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455699

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