Dank ihrer Popularisierung seit der Romantik sind im Codex Regius unter anderem die nordischen Versionen der Nibelungensagen enthalten. Das Atlilied (Atlakviða) gilt als das älteste Zeugnis dieser Versionen. Ein weiteres Heldenlied, das denselben Stoff behandelt ist das Grönländische Atlilied (Atlamál en groenlenzku). Im Folgenden werde ich mich besonders
mit der Entstehung und Überlieferung, dem Inhalt, dem Aufbau und dem Stil der Atlakviða beschäftigen und ziehe einige inhaltliche und strukturelle Vergleiche zu den Atlamál en groenlenzku. Außderdem werde ich versuchen Stellung dazu zu nehmen, in welchem Bezug die Atlakviða zu den Atlamál steht und welches der beiden Lieder eventuell als Grundlage für das andere benutzt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Atlakviða
2.2.1 die Überlieferung
2.2.2. Inhalt, Aufbau und Stilistik
3. Atlamál en groenlenzku
3.1. inhaltlicher und struktureller Vergleich zur Atlakviða
3.2. die Atlakviða als Grundlage für die Atlamál?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die eddischen Heldenlieder Atlakviða und Atlamál en groenlenzku hinsichtlich ihrer Entstehung, Überlieferung und inhaltlichen Struktur, um den literarischen Zusammenhang sowie die gegenseitige Abhängigkeit der beiden Werke kritisch zu beleuchten.
- Analyse der Überlieferungsgeschichte der Atlakviða im Codex Regius.
- Untersuchung der stilistischen Merkmale und der inhaltlichen Handlungselemente.
- Struktureller Vergleich der Atlakviða mit den Atlamál en groenlenzku.
- Diskussion der Forschungsmeinungen zur Frage, ob die Atlakviða als direkte Vorlage der Atlamál diente.
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Die Überlieferung
Die Atlakviða erschien um etwa 1270 im Codex Regius der Lieder-Edda unter der Signatur Gks. 2365, 4° . Sie ist nach der Hauptperson Atli (Attila der Hunne, deutsch Etzel) benannt und behandelt die durch Atli veranlasste Ermordung der Burgunderkönige Gunnar und Högni sowie deren Rächung durch ihre Schwester Gudrun. Sie wird dem ältesten Teil der eddischen Heldenlieder zugeordnet und literarisiert die Thematik um den Burgundenuntergang. Der behandelte Stoff stammt laut Forschung aus dem 5. Jahrhundert und gilt als ältestes poetisches Zeugnis dieses Stoffes. Nach Andreas Heusler ist die Atlakviða eine ziemlich getreue Wiedergabe eines fränkischen Urliedes vom Burgundenuntergang und steht damit auch den historischen Ereignissen näher, als andere dasselbe Thema behandelten Werke. Felix Genzmer wiederum geht von einem burgundischen Urlied aus, das über die Franken zu den Niedersachsen gelangte. Die Forschung nimmt an, dass dieses Urlied gegen Ende des 8. Jahrhunderts mündlich nach Skandinavien gelangte und dort zwischen 850 und 875 verschriftlicht wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Nibelungensagen im Codex Regius und Vorstellung der beiden zentralen Heldenlieder Atlakviða und Atlamál.
2. Hauptteil: Detaillierte Betrachtung der Atlakviða, ihrer historischen Verankerung, Entstehungsgeschichte sowie ihrer inhaltlichen und formalen Merkmale.
3. Atlamál en groenlenzku: Gegenüberstellung der Atlamál mit der Atlakviða sowie kritische Prüfung der Hypothesen zur gegenseitigen Abhängigkeit der Werke.
4. Fazit: Zusammenfassende Einordnung der Atlakviða als Teil der ältesten Heldenliedschicht und Bestätigung der wissenschaftlichen Mehrheitsmeinung, dass die Atlamál als eine Art Umschrift der Atlakviða zu betrachten sind.
Schlüsselwörter
Atlakviða, Atlamál en groenlenzku, Codex Regius, Nibelungensage, Edda, Burgundenuntergang, Heldenlied, Überlieferungsgeschichte, literarischer Vergleich, Attila der Hunne, Gunnar, Högni, Guðrún, Skandinavien, germanische Dichtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den nordischen Versionen der Nibelungensage, insbesondere dem Vergleich der Atlakviða mit den Atlamál en groenlenzku hinsichtlich ihres Ursprungs und Inhalts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Überlieferungsgeschichte im Codex Regius, die literarische Gestaltung der Burgundenthematik und die stilistische Analyse beider Lieder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Bezug zwischen der Atlakviða und den Atlamál zu klären und zu beurteilen, welches Lied als Grundlage für das jeweils andere gedient haben könnte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf dem Vergleich von Metrik, Stilistik, Inhalt und forschungsgeschichtlichen Theorien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Vorstellung der Atlakviða (Überlieferung, Aufbau) und einen vergleichenden Abschnitt zu den Atlamál, inklusive der Frage nach ihrer Herkunft.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Atlakviða, Atlamál, Codex Regius, Nibelungensage und Edda-Dichtung.
Wie unterscheidet sich die Länge der beiden Lieder?
Die Atlamál umfassen mit 105 Strophen mehr als das Doppelte der 43 Strophen der Atlakviða.
Welche Rolle spielt die Theorie von Ursula Dronke in der Arbeit?
Die Arbeit führt Dronkes Argumentation an, dass die Atlamál in Grönland entstanden und eine Bearbeitung der älteren Atlakviða darstellen, wobei die Forschung hierzu geteilter Meinung bleibt.
- Quote paper
- Sabrina Reiners (Author), 2018, Untersuchung der Handlungselemente in der "Atlakviða" und deren Gegenüberstellung zu den "Atlamál", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455700