Nur wenige Ereignisse haben einen so prägenden historischen Fußabdruck hinterlassen, wie die Französische Revolution von 1789 bis 1799. Ob als „Motor des Verfassungswandels und der Entstehung liberaler politischer Kulturen“ (Thamer, 2009) charakterisiert oder gar als „erste europäische Revolution in vollem Sinne“ (Schulin, 2004) bezeichnet – die französische Revolution nimmt in der Menschheitsgeschichte die Rolle eines Meilensteins auf dem Weg zur modernen Demokratie ein. Gleichzeitig steht sie, durch und durch geprägt von aufklärerischen Philosophen, für das Ende des Absolutismus und schuf somit die Voraussetzung für eine Gesellschaft mündiger Individuen.
Bei der Betrachtung dieser monumentalen Zeit fällt auch die Vorreiterrolle der Déclaration des droits de l’homme et du citoyen - der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789 – ins Auge. Diese 1791 auch in der Verfassung verankerte Erklärung wird gemeinhin als wichtigste Grundlage der späteren Menschenrechtskataloge gesehen. So dauert die Wirkungsgeschichte dieser Revolution mit ihren Schlagworten Liberté, Égalité, Fraternité in vielerlei Hinsicht bis heute an.
In der Forschung wurde die Geschichte der Menschenrechte dabei erst in jüngster Vergangenheit beachtet. Der Fokus wurde, bedingt durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, dabei vor allem auf die Zeit nach 1945 gelegt. Diese Hausarbeit möchte dagegen die Betrachtung auf die möglichen Ursprünge heutiger Menschenrechtskonzeptionen lenken und untersuchen, wie die Menschenrechtsidee in der Französischen Revolution zur Geltung kam. Ich erachte die Beschäftigung mit der Herkunft der Menschenrechte, die jedem Menschen per se für sein Menschsein zustehen, gerade deshalb für wichtig, weil man in einer Zeit, in der die universelle Gültigkeit von Menschenrechten von vielerlei Seite angezweifelt wird, wissen sollte, wie und unter welchen Umständen sie entstanden und wieder verebbten. Die Französische Revolution ist dabei zur Betrachtung in besonderer Form geeignet, nicht nur wegen ihrer immensen Wirkungsgeschichte, sondern auch, weil mit ihr das erste Mal in Europa grundlegende Menschenrechte verschriftlicht wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Menschenrechtskonzeptionen vor der Französischen Revolution
3. Die Déclaration des droits de l'homme et du citoyen
3.1 Einordnung in die Französische Revolution
3.2 Charakteristik
3.2.1 Philosophische Einflüsse
3.2.2 Inhalt und Frage der Universalität
3.2.3 Besonderheiten
3.2.3.1 Veränderungen gegenüber früheren Menschenrechtskonzeptionen
3.2.3.2 Exkludierte Gruppen
4. Menschenrechte in den Verfassungen und Verfassungsentwürfen der Revolution
5. Kontinuitäten und Brüche
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Ursprünge moderner Menschenrechtskonzeptionen, indem sie die Entwicklung und Bedeutung der Menschenrechtsidee während der Französischen Revolution analysiert und deren Wirksamkeit sowie Einschränkungen kritisch beleuchtet.
- Historische Herleitung von Menschenrechtskonzeptionen vor 1789.
- Philosophische Grundlagen der "Déclaration des droits de l'homme et du citoyen".
- Analyse der Universalität und der Exklusion bestimmter Bevölkerungsgruppen.
- Entwicklung von Menschenrechten in den revolutionären Verfassungen.
- Vergleich der französischen Erklärung von 1789 mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Philosophische Einflüsse
Die unübersehbare Grundlage der Déclaration des droits de l’homme et du citoyen liegt in der politischen Philosophie der Aufklärung – namentlich John Locke, Charles-Louis de Secondat de Montesquieu (1689-1755) und in besonderem Maße Jean-Jacques Rosseau (1712-1778). Ich beginne mit einer Betrachtung des britischen Philosophen John Locke, der sich durch die Herausarbeitung eines für die Idee der Aufklärung dienlichen Konzepts des Naturzustands und damit des Naturrechts auszeichnet. Mit seiner Idee eines natürlichen Gesetzes im Naturzustand, der von völliger Freiheit und Gleichheit bestimmt ist, stand er nicht zuletzt auch konträr zum Philosophen Thomas Hobbes (1588-1679), der den Naturzustand als barbarischen Zustand des „Kriegs eines jeden gegen jeden“ charakterisierte.
Nach Locke sind alle Menschen von Gott gleich geschaffen, was wiederum den Anspruch eines von Gott eingesetzten absolutistischen Herrsches untergrub. Zum Staat schließen sich die Menschen in Lockes Theorie zusammen, um die Gefahr eines Kriegszustandes zu vermeiden und um Eigentum, Leben, sowie Freiheit zu sichern, wobei Locke die freiwillige Eingliederung eines jeden Bürgers zur Bildung eines solchen Staats voraussetzt. Erneut zeigt sich die faktische Gegnerschaft von Lockes Theorie zur absolutistischen Monarchie, deren Ständegesellschaft bestimmte Priviligien nur dem Adel und Klerus einräumt. Er folgert, dass der Schutz der natürlichen Rechte des Menschen, also der eigentliche Zweck des Staates, durch eine Gewaltenteilung zu gewährleisten ist, in der eine willkürliche, absolutistische Herrschaft unmöglich wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Französischen Revolution ein und formuliert das Ziel, die Ursprünge heutiger Menschenrechtskonzeptionen zu untersuchen.
2. Menschenrechtskonzeptionen vor der Französischen Revolution: Dieses Kapitel arbeitet ideengeschichtliche Wurzeln des Naturrechts und der Menschenwürde heraus, die den Weg für die revolutionären Erklärungen ebneten.
3. Die Déclaration des droits de l'homme et du citoyen: Hier werden die Entstehung, die philosophischen Vordenker sowie die inhaltlichen Aspekte und Einschränkungen der Erklärung von 1789 detailliert analysiert.
4. Menschenrechte in den Verfassungen und Verfassungsentwürfen der Revolution: Dieser Abschnitt beschreibt die weitere Entwicklung der Menschenrechtskataloge durch die verschiedenen Verfassungsphasen bis hin zur Direktorialverfassung.
5. Kontinuitäten und Brüche: Das letzte Kapitel setzt die Déclaration in Bezug zur heutigen Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und reflektiert die Nicht-Linearität der Menschenrechtsgeschichte.
Schlüsselwörter
Französische Revolution, Menschenrechte, Déclaration des droits de l'homme et du citoyen, Aufklärung, Naturrecht, John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Verfassungsgeschichte, Universalität, Bürgerrechte, Gewaltenteilung, Gleichheit, Freiheit, Eigentum, Historischer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und philosophische Fundierung der Menschenrechtskonzeptionen während der Französischen Revolution.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Einordnung der Menschenrechte in den historischen Kontext, die philosophischen Einflüsse der Aufklärung und die Analyse der Menschenrechtskataloge in verschiedenen Verfassungsphasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie die Menschenrechtsidee während der Revolution zur Geltung kam und welche Bedeutung sie als Ursprung heutiger Konzepte hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf ideengeschichtlicher Analyse und dem Vergleich von Quellentexten (Verfassungen/Erklärungen) basiert.
Was deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Vorläuferideen, die genaue Analyse der Déclaration von 1789, die Entwicklung in den verschiedenen revolutionären Verfassungsentwürfen sowie einen Vergleich mit modernen Standards.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Menschenrechte, Aufklärung, Französische Revolution, Verfassungsgeschichte und Naturrecht sind für diese Arbeit zentral.
Wie unterscheidet sich die Déclaration von 1789 von der Erklärung von 1948?
Der Hauptunterschied liegt im historischen Abstand und dem Fokus: 1789 reagierte man auf die Ständegesellschaft, während 1948 die Erfahrungen der Weltkriege zur expliziten, universellen Formulierung sozialer Rechte führten.
Welche Rolle spielten Frauen bei der Durchsetzung der Menschenrechte?
Obwohl Frauen aktiv an der Revolution teilnahmen, wurden sie in der Déclaration von 1789 exkludiert, was Persönlichkeiten wie Olympe De Gouges zu eigenständigen, jedoch kaum beachteten Forderungen veranlasste.
Was bedeutet die "Exklusion" bestimmter Gruppen in der Déclaration?
Damit ist gemeint, dass der Begriff "Mensch" in der Praxis Frauen und Juden nicht einschloss, was den Anspruch der Universalität zur damaligen Zeit einschränkte.
Warum wird die Montagnard-Verfassung als fortschrittlich bezeichnet?
Sie gilt als die fortschrittlichste, da sie sozialpolitische Garantien wie das Recht auf Bildung und soziale Hilfeleistungen stärker betonte als ihre Vorgänger, auch wenn sie nie praktisch in Kraft trat.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Menschenrechtskonzeptionen in der Französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455780