Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Das Testament der Magd Tybekke - Ein Rekonstruktionsversuch Hamburger Wirtschaftslebens mit Hilfe von Quellen des 14. Jahrhunderts

Title: Das Testament der Magd Tybekke - Ein Rekonstruktionsversuch Hamburger Wirtschaftslebens mit Hilfe von Quellen des 14. Jahrhunderts

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nico Nolden (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Geschichte der Frau ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Was im ersten Moment wie der geschmackfreie Werbetext eines Herstellers von weiblichen Hygieneartikeln klingt, ist tatsächlich eine zutreffende Beschreibung weiter Zeitphasen weiblicher Geschichte des Mittelalters.
Einerseits entsteht diese Kontinuität von Missverständnissen durch die bruchstückhafte und rare Überlieferung mittelalterlicher Quellen, sicherlich aber auch durch die Prägung vieler Quellen durch das patriarchalisch-normative Frauenbild , welches die meist männlichen Verfasser prägte. Auch nährte bis in das späte 20. Jahrhundert die Wahl des Blickwinkels oft sehr einseitige Interpretationen, sei es nun aus dem Winkel der primär rechtshistorisch motivierten Untersuchungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, als auch aus der Richtung der sozialwissenschaftlich begründeten Arbeiten der jüngeren Jahre.
Darüber hinaus ist es so gut wie unmöglich, die Rolle der Frau in der Öffentlichkeit und damit auch dem Wirtschaftsleben aus Quellen verschiedener Regionen zusammenzusetzen – schließlich muss für Bremen nicht gelten, was für Stralsund gültig ist, für Hamburg nicht, was für Köln aus dortigen Quellen ermittelt wurde. Nur mit allergrößter Vorsicht dürfen für die Zeit des Mittelalters überregional verallgemeinernde Aussagen getroffen werden, so dass als einzige unspekulative Basis oft nur Quellen aus dem jeweilig untersuchten Lokalgebiet belastbar bleiben. Damit führt man sich jedoch wieder zum Problem der Bruchstückhaftigkeit zurück, gerade für Hamburgs archivarische Testamentbestände ist diesbezüglich der große Brand von 1842 ein katastrophaler Kahlschlag im Bestand weiter zurückliegender Quellen gewesen . Aus der oben erwähnten Rechtszersplitterung muss dennoch folgen, dass überregionale Darstellungen nur einen Einblick in das Spektrum des Möglichen, nicht jedoch in das für Hamburg konkret Zutreffende erlauben . Daher wird sich für diese Arbeit auf Literatur über Testamente gestützt, die Hamburg direkt betrifft, auch wenn zum Beispiel bezüglich Frömmigkeit und Religiosität den Menschen der Hansestädte eine ähnliche Geisteshaltung unterstellt wird, so dass zum Beispiel auch ein Aufsatz über Stralsund Eingang in die Betrachtungen finden darf.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Frauentestamente im Mittelalter

II. Das Testament der Magd Tybbeke

(1) Das historische Umfeld

(2) Die äußere Form des Testamentes

(3) Personen und Vergabungen

III. Die Rekonstrukion des Wirtschaftslebens einer Frau im Hamburg des 14. Jahrhunderts

(1) Wer war Johann Rode (Rufus)?

(2) Wie gelangte Tybbeke an ihr Vermögen?

(3) Warum erstellte Tybbeke dieses Testament?

IV. Die Aussagekraft des Testamentes zum Wirtschaftsleben

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das überlieferte Testament der Hamburger Magd Tybbeke, um daraus Rückschlüsse auf das Wirtschaftsleben, die soziale Stellung und die Handlungsmöglichkeiten von Frauen im Hamburg des 14. Jahrhunderts zu ziehen.

  • Wirtschaftsgeschichtliche Analyse von Frauenleben im mittelalterlichen Hamburg
  • Untersuchung der Rechtsstellung von Frauen (Testierfähigkeit, Vormundschaft)
  • Rekonstruktion von Arbeitsverhältnissen und Vermögensbildung bei Dienstpersonal
  • Analyse religiöser Motive und Praktiken (Seelgeräte, Pilgerfahrten)
  • Methodische Reflexion über die Möglichkeiten historischer Rekonstruktion aus Einzelquellen

Auszug aus dem Buch

Die äußere Form des Testamentes

Das Testament der ehemaligen Magd des Johannes Rode (Rufus) liegt in mehreren Quelleneditionen vor, das Orginal liegt auf Pergament im Staatsarchiv Hamburg. Es entstammt der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, ist jedoch mit keinem Ausstellungsdatum versehen, so dass ein Zugang zur zeitlichen Einordnung lediglich über die Schrift des Schreibenden gewonnen werden kann. So fertigte das Testament einer der Ratsnotare, dessen Handschrift hauptsächlich in den Stadtbüchern der Jahre 1323-1345 erscheint. Die im Original verwendete Form des Buchstaben „g“ schreibt er erst ab dem Jahr 1328, so dass sich der Erstellungszeitraum für das Testament auf 1328-1345 eingrenzen lässt. Vermutet wird als Autor des Testamentes der Ratsnotar Segebodo van Ride, der 1350 verstarb. Das Testament ist durchgängig in lateinischer Sprache verfasst und nutzt die Erzählperspektive der dritten Person, was auf die Handhabung der älteren Regelung schließen lässt, bei der Testamente vor dem Rat vorgetragen werden mussten, dann Eintragung in das Stadtbuch fanden und erst auf diese Weise Rechtsgültigkeit erlangten.

Ob bei dieser Deutung tatsächlich davon ausgegangen werden kann, dass es sich um eines der frühesten Testamente einer Ehefrau ohne Wahrnehmung der Vormundschaft durch ihren Mann handelt, ist fraglich. Schließlich war Tybbeke als Frau nach rechtlicher Lage bei Vorsprache vor dem Rat auf einen Vormund angewiesen. Die Handhabe einer Testierung vor dem Rat steht im Gegensatz zu der im Stadtrecht von 1270/1301 festgehaltenen Bestimmung, zwei Ratsherren müssten die Echtheit des Testamentes bezeugen, so dass sich der Erstellungszeitpunkt wohl eher an den Anfang des skizzierten Zeitrahmens – vielleicht in den frühen 1330er Jahren – in die Übergangsphase vom alten in das neue Recht legen lassen muss.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Frauentestamente im Mittelalter: Einführung in die Problematik der Quellenlage und des mittelalterlichen Frauenbildes sowie in die forschungsgeschichtliche Einordnung.

II. Das Testament der Magd Tybbeke: Historische Kontextualisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Frauen sowie Analyse der Form und des Inhalts des spezifischen Testamentes.

III. Die Rekonstrukion des Wirtschaftslebens einer Frau im Hamburg des 14. Jahrhunderts: Identifizierung der beteiligten Personen und Untersuchung der Erwerbsbiographie sowie der Motive für die Testamentserstellung.

IV. Die Aussagekraft des Testamentes zum Wirtschaftsleben: Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen einer wirtschaftshistorischen Auswertung einer einzelnen Quelle.

Schlüsselwörter

Hamburg, Mittelalter, Wirtschaftsgeschichte, Frauenrolle, Testamente, Dienstbotentum, Johannes Rode, Seelgeräte, Rechtspraxis, Stadtbuch, Spätmittelalter, Erwerbstätigkeit, Pilgerreisen, Urkundenanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert das erhaltene Testament der Hamburger Magd Tybbeke aus dem 14. Jahrhundert, um Erkenntnisse über den Lebensalltag und die wirtschaftlichen Bedingungen von Frauen dieser sozialen Schicht zu gewinnen.

Welche zentralen Themen werden behandelt?

Zentrale Felder sind die Rechtsstellung der Frau, die Erwerbsmöglichkeiten für Dienstpersonal, die religiöse Praxis des Seelenheils und die Bedeutung von Testamenten als historische Quelle.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Untersuchung zielt darauf ab, wie eine einfache Magd ein ansehnliches Vermögen erwerben konnte und was dieses Testament über das Wirtschaftsleben einer Frau im damaligen Hamburg aussagt.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Der Autor nutzt die vergleichende Quellenanalyse und bettet das Testament in den sozioökonomischen und rechtlichen Kontext der hansischen Stadtgeschichte ein.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Umfelds, die äußere Beschaffenheit der Quelle, die Analyse der beteiligten Personen und die Rekonstruktion der Erwerbs- und Motivationslage der Testatorin.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Hamburger Wirtschaftsleben, Frauen im Mittelalter, Testierfähigkeit, Dienstverhältnisse, hansische Stadtgesellschaft und Seelgeräte.

Wer war Johann Rode (Rufus) und warum ist er wichtig?

Johann Rode war ein Hamburger Kaufmann und vermutlich der ehemalige Dienstherr von Tybbeke; seine Identifizierung ist entscheidend, um Tybbekes wirtschaftlichen Kontext einzuordnen.

Welche Rolle spielten Pilgerreisen in diesem Testament?

Die Autorin vermutet, dass die Pilgerreise als Anlass für die Testamentsniederlegung diente, da Menschen vor gefährlichen Reisen vorsorglich ihre Angelegenheiten regelten.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Das Testament der Magd Tybekke - Ein Rekonstruktionsversuch Hamburger Wirtschaftslebens mit Hilfe von Quellen des 14. Jahrhunderts
College
University of Hamburg  (Historisches Seminar, Arbeitsbereich Mittelalter)
Course
Urbanski: Hamburgs Wirtschaftsleben im Mittelalter
Grade
1,3
Author
Nico Nolden (Author)
Publication Year
2004
Pages
21
Catalog Number
V45587
ISBN (eBook)
9783638429641
Language
German
Tags
Testament Magd Tybekke Rekonstruktionsversuch Hamburger Wirtschaftslebens Hilfe Quellen Jahrhunderts Urbanski Hamburgs Wirtschaftsleben Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nico Nolden (Author), 2004, Das Testament der Magd Tybekke - Ein Rekonstruktionsversuch Hamburger Wirtschaftslebens mit Hilfe von Quellen des 14. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45587
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint