Der Feldzug der Hunnen

Geschichtliche Betrachtung einer europäisch-asiatischen Expansion


Facharbeit (Schule), 2018
19 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Allgemeines über die Hunnen
1.1 Bezeichnung
1.2 Herkunft und Kultur

2 Das Attila-Reich – Vorstoß gen Westen
2.1 Durch Brudermord zur Macht
2.2 Der Hunnensturm
2.3 Die Ordnung unter Attila

3 Fluchtwelle von Germanen – Völkerwanderung
3.1 Goten gegen Rom

4 Zerfall des Attila-Reiches und Folgen für Europa
4.1 Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern
4.2 Attilas Tod
4.3 Zerstreuung und Rückkehr in den Osten

5 Bewertung: Ein Feldzug mit nachhaltiger Bedeutung?
5.1 Der Fall des Römischen Reiches
5.2 Verschiebung der europäischen Reiche und Umsiedlung ganzer Völker

Literatur- und Quellenverzeichnis

Die Hunnen – Ein Feldzug mit nachhaltiger Bedeutung?

Einleitung

Hunnen.

Dieses Wort allein lässt uns nur an einen erbarmungslosen Sturm denken, der alles mitreißt, was sich ihm in den Weg stellt. Es verkörpert brutale Zerstörung und gnadenlose, teils auch unbesiegbare Kräfte.

Warum ist dies so? Und wie waren die „Hunnen“ wirklich?

In meiner Facharbeit möchte ich auf diese Fragen eingehen, indem ich das Volk der Hunnen charakterisiere und ihre große Expansion im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus beleuchte. Dabei werde ich unter anderem auf ihre Identität, Herkunft, Kultur und Lebensweise eingehen und versuchen, sie mit anderen Zivilisationen dieser Zeit zu vergleichen. Ich werde zudem ihren Feldzug als solches unter Betrachtung der politischen Machtverhältnisse im europäisch-asiatischen Raum analysieren und als zentrales Thema und Ziel meiner Facharbeit dessen Nachhaltigkeit untersuchen und beurteilen.

Ich habe dieses Thema gewählt, da ich die Hunnen nur als Schatten am Rande der Geschichte wahrgenommen habe und mir in meiner Facharbeit über ihre wirkliche Tragkraft und Bedeutung für die Geschichte klar zu werden verspreche.

1 Allgemeines über die Hunnen

1.1 Bezeichnung

Die Bezeichnung „Hunnen“ beschreibt nicht ein einziges Volk unter einheitlicher Führung, sondern steht vielmehr für alle Nomaden aus den asiatischen Steppen. Die uns bekannten Hunnen waren meist selbstständige Stämme, die zunächst unabhängig voneinander in den Westen einfielen und plünderten. Erst später wurden große Teile der Hunnenstämme geeint und unter die Führung einzelner charismatischer Anführer gestellt. Der Bedeutendste von ihnen: Attila.

1.2 Herkunft und Kultur

Die Hunnen waren Reiternomaden aus der asiatischen Steppe.1 Durch die meist eher magere Vegetation in ihrem Lebensraum war an ein sesshaftes Leben gar nicht zu denken. Die Böden in der Taiga brachten nicht viel mehr als Gras und einige kleine Büsche hervor, die Taiga hatte jedoch einen Vorteil: Sie war schier unendlich groß. Durch diese enorme Weitläufigkeit der Weideflächen entwickelte sich zwanghaft eine Lebensweise, die vor allem auf Mobilität und Flexibilität basierte.

Feste Häuser, wie wir sie kennen und sie damals in anderen Zivilisationen vertreten waren, kannten die Hunnen nicht. Sie lebten in schnell errichtbaren Zelten, Jurten2 oder teils auch zerlegbaren Blockhütten, die eine schnelle und einfache Umsiedlung ermöglichten. Als Daseinsgrundlage dienten Viehherden, die auf den weitläufigen Steppen weiden konnten, und Pferde.

Die Pferde standen immer im Mittelpunkt der hunnischen Lebensweise. Sie dienten als Reit- und Lastentiere und waren wie ein Teil jedes hunnischen Mannes. Die Kinder wurden schon auf die Pferde gesetzt, bevor sie laufen konnten und der Geschichtsschreiber Ammian beschreibt das Verhältnis der Hunnen zu ihren Pferden mit den Worten: „ Von seinem Pferd aus kauft und verkauft jedermann in diesem Volk bei Tag und Nacht, nimmt sein Essen und Getränk zu sich und gibt sich, auf den schmalen Hals des Tieres gebeugt, tiefem Schlaf hin.“3 4

2 Das Attila-Reich - Vorstoß gen Westen

2.1 Durch Brudermord zur Macht

Nach dem plötzlichen Tod des Hunnenanführers Rua im Jahre 434 kommen dessen Neffen Bleda und Attila an die Macht. Sie streben deutlich „eine Straffung und stärkere Organisation des hunnischen Machtkomplexes“5 an, welche sich auch teils in Abspaltungen hunnischer Stämme auswirken, welche im Römischen Reich Schutz suchen. Der Druck erhöhte sich allerdings nicht nur nach innen, sondern auch nach außen, was vor allem das Oströmische Reich zu spüren bekam. 441 bricht Krieg zwischen den Hunnen unter Bleda und Attila und Ostrom aus. Die Brüder handeln wesentlich aggressiver, als die Römer es von den hunnischen Herrschern gewöhnt sind und führen in einem größeren Umfang als gewohnt hunnische Verbände auf oströmisches Reichsgebiet. Infolge dessen plündern die Hunnen Margos, Naissos (heute Nis), die ehemalige Kaiserresidenz Sirmium (Sremsa Mitrovica) und Singidunum (Belgrad), die große Offensive blieb jedoch aufgrund einer im hunnischen Heer wütenden Seuche aus und der Kriegszug endete 442, jedoch nicht ohne eine Spur der Verwüstung hinterlassen zu haben. Attila bringt Bleda 445 eigenhändig um und wird damit zum Alleinherrscher. Damit beginnt seine achtjährige Herrschaftszeit – von 445 bis 453 – die zwar nicht von langer Dauer, aber zweifellos von großer Wirkung ist.6

2.2 Der Hunnensturm

Mit dem Beginn hunnischer Plünderungszüge und ihrem Eindringen in die Lebensräume der Goten beginnt eine epochale Umwälzung und Machtverschiebung in Europa, die wir heute als Völkerwanderung kennen.7 Aus Angst vor den gefürchteten hunnischen Reiterkriegern, die alle Völker regelrecht überrennen, die sich ihnen in den Weg stellen, wird eine “Flüchtlingslawine“ von vielen germanischen Völkern ausgelöst. Sie alle drängt es nach Westen und Süden, sodass eine Kollision mit den römischen Reichsgrenzen unvermeidbar ist und auch nicht lange auf sich warten lässt. Die meisten dieser Völker suchen Schutz und Siedlungsgebiete innerhalb des Römischen Reiches, welches zudem mit seinem hohen, kultivierten Lebensstandard eine lockende Wirkung hat. Das erste Volk, das auf römischem Reichsgebiet siedeln darf, sind die Terwingen (Westgoten) im Jahr 376.

Die Hunnen werden vor allem wegen ihrer wilden und blitzartigen Kampftechnik gefürchtet. Die meisten sind berittene Bogenschützen, die in unnachahmlicher Schnelligkeit herbeistürmen und mit ihren Bögen Pfeile sogar noch in vollem Galopp vom Rücken ihrer Pferde auf die Feinde feuern. Wenn sie merkten, dass sie unterlegen waren, konnte sie genauso schnell wieder das Weite suchen und sich neu formieren, wie sie gekommen waren, was es undenkbar schwierig machte, sie zu fassen und im Feld zu besiegen, weshalb sie lange Zeit als unbezwingbar galten.

Dabei sind die hunnischen Reiter auch für das Parthische Manöver8 bekannt, welches den Schuss nach hinten im vollen Galopp bezeichnet. Dieses erfordert höchste reiterische Fähigkeiten und Koordination, war aber sehr effektiv gegen Heere, die weniger flexibel waren. Meist dachten diese, sie hätten die Reiter in die Flucht geschlagen und brachen ihre schützende Formation auf um sie zu verfolgen. Gerade das war das erwünschte Szenario, welches den Hunnen und anderen berittenen Völkern vor und nach ihnen als Kriegstaktik diente.

Die Bögen waren die Hauptwaffe der Hunnen und unterschieden sich grundlegend von den in Europa bekannten Langbögen. Ihre sogenannten Komposit-Reflexbögen9 10 wurden im Gegensatz zu den europäischen Langbögen, welche aus einem einzigen Holzblock gefertigt wurden, aus mehreren Materialien hergestellt, die lagenweise miteinander verleimt wurden. Dabei bildete Holz zwar das Trägermaterial, wurde jedoch mit Hornplättchen und Tiersehnen verbunden. Somit war der Komposit-Reflexbogen wesentlich biegsamer, leichter zu spannen und aufgrund seiner geschwungenen Form deutlich wirkungsvoller als der Langbogen und ist in Verbindung mit der schnellen, blitzartigen reiternomadischen Kriegstaktik wohl der Grund für die militärische Überlegenheit der hunnischen Reiterkrieger.

2.3 Die Ordnung unter Attila

Die hunnische Macht erreicht während Attilas Herrschaft ihren absoluten Höhepunkt. Durch die Ausdehnung des Reiches nach Westen und die damit unterworfenen Völker kam es auch zunehmend zu einer Veränderung der Lebensweise. Die Anzahl der Menschen, die nun als Hunnen oder an deren Seite kämpften, stieg stark an und man bezeichnet dieses Völkergebilde daher meist als Hunnische Völkerkonföderation.

Attila verstand es jedoch, die unterdrückten Völker an seinen Hof und sich selbst zu binden und zählte einige Herrscher dieser, neben Verwandten, Offizieren und auch Freunden, zu den „Auserwählten“, wobei sie zu letzterem teils auch hinzuzuzählen sind. Die Auserwählten stellten die Führungsebene direkt unter Attila dar und wurden mit Aufgaben der Leibwache, der Beratung und anderen Privilegien geehrt. Sie alle einte die unbedingte Treue gegenüber ihrem König Attila.11

Vor allem aber die wirtschaftliche Versorgung des Heeres konnte mit den Erträgen der nomadischen Lebensweise und auch denen der eroberten meist agrarwirtschaftlich orientierten Völker und Stämme nicht mehr gewährleistet werden, weshalb Attila noch mit Bleda 434 mit Rom über den Zugang zu römischen Märkten in den Grenzregionen des Römischen Imperiums verhandelte, worauf Römer und Hunnen auch auf den öffentlichen Märkten gleichen Schutz genossen.

Vor allem stellten aber die Tributzahlungen des Römischen Reiches die wirtschaftliche Grundlage des Attila-Reiches dar. Die jährliche Abgabe von 350 Pfund Gold, die Attilas Vorgänger Rua noch 430 erhielt, wurde unter Attila und Bleda im Jahre 435 auf 700 Pfund verdoppelt und 443 noch einmal auf 2100 Pfund erhöht. Dabei ist zu beachten, dass selbst ein Jahrgeld von 2100 Pfund Gold für das Römische Reich keine allzu große finanzielle Last darstellte, da sich der jährliche Staatshaushalt auf ca. 270.000 Pfund belief.12

Dennoch war es für die Hunnische Völkerkonföderation eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Einnahmequelle.

3 Fluchtwelle von Germanen – Völkerwanderung

3.1 Goten gegen Rom

376 ziehen sowohl Westgoten (Terwingen) als auch Ostgoten (Greutungen) mit Einverständnis des Kaisers über die Donau ins Römische Reich. Beide Stämme sind auf der Flucht vor den hunnischen Reiterhorden aus dem Osten und erhoffen sich Siedlungsgebiete und Schutz innerhalb der römischen Reichsgrenzen.

Dort angekommen entwickelt sich jedoch schnell neuer Unmut in der gotischen Bevölkerung: Die Römer demütigen sie und lassen sie hungern und frieren. Nicht lange, denn die Goten greifen schon bald zu den Waffen, vereinen sich und stellen sich den Römern im Krieg. Am 9. August 378 kommt es zur Schlacht von Adrianopel. 25.000 römische Legionäre stellen sich unter der Führung ihres Kaisers Valens etwa ebenso vielen Goten zur Schlacht – einer, die später vom Ausgang her zu den bedeutendsten Niederlagen des römischen Heeres aller Zeiten zählen soll.

[...]


1 siehe (1) im Bildanhang

2 siehe (2) im Bildanhang

3 Amm. XXXI 2,6 zitiert aus Michael Schmauder „Die Hunnen“ 2009 S. 87

4 vergleiche Michael Schmauder „Die Hunnen“ 2009 S. 10-12

5 zitiert aus Michael Schmauder „Die Hunnen“ 2009 S. 112

6 vergleiche Michael Schmauder „Die Hunnen“ 2009 S. 112-114

7 siehe (3) im Bildanhang

8 vergleiche Wikipedia „Parthisches Manöver“

9 vergleiche mdr.de/zeitreise/…/reflexbogen

10 siehe (4) im Bildanhang

11 vergleiche Michael Schmauder „Die Hunnen“ 2009 S. 127-129

12 vergleiche Michael Schmauder „Die Hunnen“ 2009 S. 107, S.109f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Feldzug der Hunnen
Untertitel
Geschichtliche Betrachtung einer europäisch-asiatischen Expansion
Note
1,1
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V456028
ISBN (eBook)
9783668885561
ISBN (Buch)
9783668885578
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hunnen, Feldzug, Attila, Rom, Römisches Reich, Germanen, Völkerwanderung, Spätantike, Goten, Bleda, Hunnensturm, Aetius, Katalaunische Felder, Nomaden, Bogen, Taiga, Parthisches Manöver
Arbeit zitieren
Christian Hoffmann (Autor), 2018, Der Feldzug der Hunnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456028

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